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So beeinflusst Kollagen laut Studie das biologische Alter

Kollagen typische Bausteine beeinflussen biologisches Alter
Forscher haben herausgefunden, dass bestimmte Kollagen-Bausteine in einem spezifischen Verhältnis das biologische Alter senken können Foto: Getty Images
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4. Dezember 2025, 12:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Kollagen ist ein Schlüsselprotein für die Funktionsfähigkeit vieler Gewebe, die mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise abnimmt. Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob bestimmte kollagentypische Aminosäuren gezielt eingesetzt werden können, um altersbedingte Veränderungen zu beeinflussen. Die Ergebnisse sind bemerkenswert und werfen neue Fragen zur Rolle von Kollagen im Zusammenhang mit Longevity auf – also der Verlängerung der Lebensspanne bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität.

Studie untersuchte Rolle von Kollagen für biologisches Alter

Kollagen ist das häufigste Strukturprotein im Körper des Menschen sowie von anderen Säugetieren. Auch Proteine aus Fleisch bestehen zu etwa zwölf bis 17 Prozent aus Kollagen. Neben natürlichen tierischen Quellen gibt es mittlerweile zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, die dieses essenzielle Strukturprotein liefern. Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Kollagenproduktion jährlich um etwa ein bis anderthalb Prozent ab – ein Prozess, der maßgeblich zur Hautalterung, zu schwächerem Bindegewebe und abnehmender Muskelkraft beiträgt. Viele Menschen nehmen daher Kollagenpräparate ein, um Haut, Gelenke und allgemeine Vitalität zu unterstützen.

Unklar war bislang jedoch, welcher Bestandteil von Kollagen tatsächlich für gesundheitliche Vorteile oder gar eine Reduktion des biologischen Alters verantwortlich ist. Genau hier setzt die Studie unter der Leitung von Collin Y. Ewald an.1 Die Forscher identifizierten eine spezifische Kombination aus drei Aminosäuren – Glycin, Prolin und Hydroxyprolin –, die als zentrale Bausteine von Kollagen bekannt sind und offenbar in der Lage sind, den Alterungsprozess messbar zu verlangsamen.

Details zur Untersuchung

Mithilfe präklinischer, molekularbiologischer und klinischer Ansätze prüften die Forscher, ob diese drei Aminosäuren aus Kollagen in einem spezifischen Verhältnis gesundheitsfördernde Effekte entfalten.

Versuche mit C. elegans

Die Nematoden Caenorhabditis elegans sind spezielle Fadenwürmer und dienen als bewährter Modellorganismus. Die Forscher verabreichten solchen Versuchstieren verschiedene Kollagenbestandteile in definierten Aminosäureverhältnissen. Sie maßen ihre Lebensspanne, Kollagenexpression und Beweglichkeit im Alter. Die Würmer wurden auf Nährböden mit hitzeinaktivierten Escherichia-coli-Bakterien gehalten, wobei unterschiedliche Wildtyp-, Mutanten- und transgene Stämme verwendet wurden. So ermittelten die Forscher die effektivste Aminosäurenkombination und werteten Lebensdauer sowie Beweglichkeit statistisch aus.

Mäuse-Experiment

Männliche Mäuse im Alter von 20 Monaten (entspricht etwa 60 Menschenjahren) erhielten über sechs Monate Standardfutter oder Futter mit der 3:1:1-Aminosäurenmischung (3 Glycin, 1 Prolin und 1 Hydroxyprolin). Neben der Nahrungsaufnahme wurden Körpergewicht, Organwerte und allgemeiner Gesundheitsstatus überwacht. Am Ende wurden die Organe gewogen und pathologische Veränderungen dokumentiert.

Tests mit Humanzellen

Neonatale Dermalfibroblasten – menschliche Bindegewebszellen – wurden ebenfalls mit der Aminosäurenmischung im Verhältnis 3:1:1 behandelt. In definierten Abständen wurde die RNA extrahiert und sequenziert, um die Effekte auf die Genexpression und altersrelevante Signalwege zu analysieren.

Beobachtungsstudie mit Menschen

66 gesunde Erwachsene nahmen sechs Monate lang täglich ein Nahrungsergänzungsmittel ein – den sogenannten Collagen Activator eines Schweizer Herstellers –, das Glycin, Prolin und Hydroxyprolin sowie weitere unterstützende Inhaltsstoffe enthält. Die Forscher maßen mehrfach ihren Hautzustand und ihr biologisches Alter. Daneben erhielten die Probanden monatlich Fragebögen zu ihrer Gesundheit, Haut und dem Produktgebrauch zum Ausfüllen. Alle Daten wurden elektronisch erfasst und statistisch ausgewertet.

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Beobachtungen

Bei den C. elegans-Würmern verlängerte die 3:1:1-Kombination die Lebensdauer um sechs bis 27 Prozent und verbesserte die Beweglichkeit im Alter deutlich. Einzelne Aminosäuren allein erzielten keinen vergleichbaren Effekt. Bei den Mäusen führte die Behandlung zu erhöhter Griffkraft und reduzierter Viszeralfettmasse, während Gewicht und allgemeiner Gesundheitsstatus unverändert blieben. Die deuteten die Forscher als gute Verträglichkeit der Behandlung.

In den menschlichen Hautzellen führte die Aminosäurenkombination schon nach acht bis 24 Stunden dazu, dass die Zellen deutlich mehr Kollagen und andere wichtige Bausteine des Bindegewebes produzierten. Dies sind genau die Proteine, die die Haut stabilisieren und erneuern. In der Humanstudie sank nach sechs Monaten das biologische Alter im Durchschnitt um 1,37 Jahre. Bei einzelnen Teilnehmern betrug die Reduktion bis zu zwölf Jahre. Bereits nach einem Monat verbesserte sich die Hauttextur signifikant, zudem nahmen Hautfeuchtigkeit und -elastizität zu. Rund sechs Prozent der Teilnehmer brachen die Studie aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen der Behandlung ab. Die Autoren bezeichnen diese allerdings als „milde Symptome“ (z. B. Hautrötung oder leichte Magen-Darm-Reaktionen).

Bedeutung der Ergebnisse und Einschränkungen

Die Studie liefert erstmals Hinweise darauf, dass eine minimalistische, gezielt zusammengesetzte Aminosäurenformel aus drei kollagentypischen Bausteinen nicht nur altersbedingte Symptome lindert, sondern auch das biologische Alter reduziert. Die Behandlung könnte somit den Alterungsprozess auf molekularer Ebene verlangsamen. Dies könnte ein Meilenstein im Bereich Longevity und Anti-Aging sein. Die Ergebnisse sind potenziell relevant für Verbraucher, die wissenschaftlich fundierte Nahrungsergänzungsmittel suchen, für die Medizin – insbesondere Dermatologie, Geriatrie und Präventivmedizin – sowie für die Forschung. Sie legen nahe, dass bestimmte Aminosäurekombinationen als Signalgeber für regenerative Prozesse dienen könnten, die evolutionär konserviert sind.

Doch trotz der interdisziplinären Herangehensweise – Modellorganismen, Zellkulturen und Humanbeobachtungen – gibt es Einschränkungen. Die Humanstudie hatte keine Kontrollgruppe. Daher kann die Reduktion des biologischen Alters nicht eindeutig auf die Aminosäurenmischung zurückgeführt werden. Auch in der Mäusestudie fehlte eine Vergleichsgruppe mit anderen Aminosäuren. Zudem wussten die Teilnehmer, dass sie ein Anti-Aging-Produkt einnahmen, was subjektive Verzerrungen begünstigen kann. Die Probanden waren überwiegend jung, gesund, gut ausgebildet und aktiv, sodass die Generalisierbarkeit eingeschränkt ist. Schließlich ist der zugrunde liegende Mechanismus noch nicht vollständig verstanden: Wie Zellen das spezifische Verhältnis 3:1:1 erkennen und darauf reagieren, bleibt offen. Randomisierte, placebokontrollierte Studien sind notwendig, um die Wirkung eindeutig zu bestätigen.

Quellen

  1. Dakhovnik, A., Mantovani, M., Knufinke, M. et al. (2025). A collagen amino acid composition supplementation reduces biological age in humans and increases health and lifespan in vivo. Npj Aging. ↩︎

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