19. September 2025, 16:43 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Bewegen, gesund essen, Vorsorgeuntersuchungen – die Palette an Strategien für gesundes Altwerden ist umfangreich. Doch eins darf beim Wunsch nach Longevity ebenfalls nicht vergessen werden: der Schlaf. Das betonte Chefredakteur Nuno Alves im Panel-Talk der „FITBOOK Longevity Lounge“, präsentiert von Lambertz. Er ist u. a. ausgebildeter Fitnesstrainer, zertifizierter Ernährungsberater sowie Verfasser des erfolgreichen Newsletters „Highway to Health“ – und hat sich intensiv mit seinem eigenen Schlaf auseinandergesetzt. Was das mit Longevity zu tun hat, erfahren sie hier.
„Schlaf ist lebenswichtig, ist er dauerhaft gestört, hat dies langfristige Auswirkungen auf unsere Gesundheit“, weiß Nuno Alves. „Zahlreiche Beschwerden und Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 können durch schlechten Schlaf bedingt sein.“ Allein dies könne logischerweise zulasten von Lebensqualität und auch -dauer gehen. „Die Forschung hat mittlerweile klare Zusammenhänge zwischen wenig oder qualitativ schlechtem Schlaf und dem Sterberisiko feststellen können.“ Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: „Ohne Schlaf keine Longevity.“
Alves betont, dass es nicht zwingend immer um die Zahl der Schlafstunden geht. „Die Qualität ist ein wichtiger Faktor. Jede Schlafphase erfüllt wichtige Aufgaben in unserem Körper. Daher ist es essenziell, dass sie möglichst nicht gestört werden. In der Tiefschlafphase findet eine Art Reinigungsprogramm statt, bei dem aus dem Gehirn Ablagerungen entfernt werden, die Demenz begünstigen können.“
Gestörter Schlaf und Krankheiten
Wie der Schlaf mit der Gesundheit und der Lebenserwartung bzw. im Negativen mit Krankheiten und Sterblichkeit zusammenhängt, ist Gegenstand zahlreicher Studien. Über einige haben wir bereits bei FITBOOK berichtet. Etwa darüber, dass eine Untersuchung aus dem Jahr 2023 herausgefunden hat, dass eine unregelmäßige Schlafdauer das Hypertonie-Risiko erhöht.1 Eine Studie aus diesem Jahr lieferte Hinweise dafür, dass ein gestörter Schlaf die Blutgefäße im Gehirn schädigen könnte.2 Eine weitere aktuelle Forschungsarbeit brachte Schlafbeschwerden sogar mit 172 Krankheiten in Verbindung.3
Schlaf und Longevity in der Forschung
Schon die zuvor genannten Studienerkenntnisse können in der Konsequenz auch bedeuten, dass sich die Lebensdauer Betroffener verkürzt. Darüber hinaus gibt es aber auch Studien, die eine mögliche Verbindung zwischen Schlafqualität und Sterberisiko bzw. Lebensdauer direkt untersucht haben.
Kurzer Schlaf
Eine Studie von 2022 etwa stellte fest, dass 50-Jährige, die pro Nacht fünf Stunden oder weniger schliefen, ein um 25 Prozent höheres Sterberisiko hatten als Menschen, die länger schliefen (FITBOOK berichtete).4
Schlafgeheimnis von 85- bis 105-Jährigen
In einer Studie aus dem Jahr 2014 hatten Forscher eine andere Herangehensweise gewählt. Sie hatten über 90-Jährige untersucht, in der Hoffnung, ihr Longevity-Geheimnis in Bezug auf Schlaf zu entschlüsseln. Die Stärke der Arbeit war, dass nicht bereits bestehende Daten rückwirkend analysiert wurden. Stattdessen unterzogen die Wissenschaftler Probanden verschiedener Altersgruppen diversen Untersuchungen im Schlaflabor. Eine Teilnehmergruppe war 20 bis 30 Jahre alt, eine weitere umfasste 60- bis 70-Jährige und eine dritte 85- bis 105-Jährige. Es zeigte sich, dass die Personen, die sehr alt waren, der mittelalten Gruppe beim Schlaf einiges voraus hatten. Die 85- bis 105-Jährigen hatten einen qualitativen Tiefschlaf, auch wenn der restliche Schlaf nicht mehr so gut wie bei jüngeren Menschen war. Sie hatten einen sehr regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und im Vergleich günstigere Cholesterinwerte. Die Vermutung der Forscher war, dass die Schlafparameter Tiefschlaf sowie stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus von besonderer Bedeutung für Longevity sein könnten.5
Schlafregelmäßigkeit womöglich wichtiger als Schlafdauer
Forscher einer Studie, die 2024 veröffentlicht wurde, analysierten Schlafaufzeichnungen von 60.977 Probanden. Die Datenmenge war mit über zehn Millionen Stunden Schlaf gleichzusetzen. Die Wissenschaftler verglichen die Regelmäßigkeit des Schlafs mit der Schlafdauer und dem Sterberegister. Es zeigte sich, dass die Schlafregelmäßigkeit ein stärkerer Indikator für einen vorzeitigen Tod war als die Schafdauer. Menschen mit einem sehr regelmäßigen Schlafmuster hatten ein 30 Prozent geringeres Risiko, früh zu sterben.6
Mehr als Wissenschaft! Longevity muss man leben
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Nuno Alves Schlaf-Erkenntnisse dank Oura-Ring
Seit Anfang 2022 nutzt Nuno Alves einen Oura-Ring, um u. a. seinen Schlaf zu tracken. Dabei hat er im Laufe der Zeit einige wertvolle Erkenntnisse über sein Schlafverhalten gewonnen. Ebenso darüber, wie bestimmte Alltagsgewohnheiten seinen Schlaf beeinflussen.
Ernährung
Als die größten negativen Einflussfaktoren stellten sich bei ihm spätes und üppiges Essen, selbst kleine Mengen Alkohol sowie Koffein am Nachmittag heraus. Der Oura-Ring zeigte ihm in diesen Fällen klar erhöhte Herzfrequenzen, mehr Wachphasen und eine schlechtere Schlafeffizienz.
Licht
Auch Licht spielte eine große Rolle: Helles, künstliches Licht am Abend verschlechtert seinen Schlaf, während ausreichend Tageslicht am Morgen und tagsüber seine Schlafqualität verbessert.
Bewegung
Ein weiterer zentraler Faktor ist Bewegung. An sportlichen Tagen schläft Alves tiefer und wacht seltener auf. Fehlende Aktivität hingegen wirkt sich negativ auf seine Daten und sein subjektives Empfinden aus. Sport scheint also eine Art „natürliche Einschlafhilfe“ zu sein – wahrscheinlich weil Sport laut Biomedizinerin Hannah Samira Schmidt, ebenfalls Speakerin im Panel-Talk der „FITBOOK Longevity Lounge“, wie eine Anti-Stress-Pille wirke.
Was der Chefredakteur von FITBOOK sonst noch mithilfe des Oura-Rings über seinen Schlaf herausgefunden hat, erfahren Sie hier.
Bedeutung von Schlaf für Gesundheit und Longevity nicht unterschätzen
„Wie wichtig Ernährung und Sport bzw. Bewegung sind, haben viele mittlerweile verstanden, auch wenn es in der Umsetzung häufig noch hapert“, so Nuno Alves. „Und zum Glück rückt auch die Bedeutung eines qualitativ hochwertigen Schlafs für Gesundheit und Langlebigkeit zunehmend ins Bewusstsein der Menschen.“