14. Dezember 2025, 7:43 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Etwa ab dem 40. Lebensjahr bemerken viele Männer erste körperliche Veränderungen, die mit ihrem Hormonspiegel zusammenhängen können: Die Energie lässt schneller nach, der Schlaf ist weniger erholsam und der Bauchumfang wird zumeist größer. Dies sind nur einige der möglichen Anzeichen für einen hormonellen Wandel. Ein Hormoncheck kann helfen, die Veränderungen einzuordnen. Unser FITBOOK-Experte Herr Dr. Pies, Facharzt für Urologie, klärt auf.
Wie verändert sich der männliche Hormonstatus?
„Bereits ab etwa Mitte 30 beginnt die körpereigene Testosteronproduktion langsam zu sinken. Dieser allmähliche Rückgang wird als Andropause bezeichnet und ist eine natürliche Entwicklung, die Männer ganz unterschiedlich erleben“, erklärt Herr Dr. Pies. „Anders als bei Frauen, die in der Menopause einen relativ abrupten hormonellen Wechsel durchlaufen, verändert sich der Hormonhaushalt des Mannes sehr schleichend. Deshalb bleiben viele Symptome lange unerkannt oder werden vorschnell anderen Ursachen zugeschrieben. Ein Hormoncheck kann Klarheit schaffen. Er zeigt, ob tatsächlich hormonelle Veränderungen, eine Erkrankung oder Ihr Lebensstil die eigentlichen Auslöser sind.“
Auch interessant: Wie Beintraining die Testosteron-Ausschüttung beeinflusst
Wann steckt eine Erkrankung hinter dem Testosteronrückgang?
„Die Andropause beschreibt den natürlichen Rückgang des Testosterons im Laufe der Jahre. Medizinisch relevant wird es erst, wenn dieser Rückgang messbar und mit deutlichen Beschwerden verbunden ist. In diesem Fall sprechen Fachärzte von einem Late-Onset Hypogonadismus. Dieser klar definierte Testosteronmangel tritt meist ab dem mittleren Lebensalter auf, kann diagnostiziert und gut behandelt werden“, so Herr Dr. Pies.
Ist ein niedriger Testosteronspiegel gefährlich?
„Testosteron ist ein gutes Barometer für den allgemeinen Gesundheitszustand. Studien vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Sterblichkeitsrate und erniedrigten Testosteronspiegeln. Laut einer Beobachtungsstudie in Mecklenburg-Vorpommern sterben Männer mit niedrigem Testosteron häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Zusammenhänge mit Bluthochdruck und Zuckerkrankheit wurden in dieser Langzeitstudie nachgewiesen“, erläutert Herr Dr. Pies.
Wann sollten Männer zum Hormoncheck?
Ein Hormoncheck wird dann sinnvoll, wenn sich über mehrere Wochen oder Monate bei Ihnen spürbare Veränderungen zeigen, die sich nicht mehr eindeutig durch Stress, Schlafmangel oder Alltagsbelastungen erklären lassen.
Körperliche Signale
Wenn Sie feststellen, dass Ihre gewohnte Leistungsfähigkeit nachlässt, sollten Sie genauer hinschauen. Typische Hinweise sind eine abnehmende Muskelmasse trotz regelmäßigen Trainings, ein hartnäckiger Anstieg des Bauchfetts oder eine insgesamt geringere körperliche Belastbarkeit. Auch Schlafstörungen, eine schlechtere Regeneration nach dem Sport oder ein veränderter Haar- und Bartwuchs können auf ein hormonelles Ungleichgewicht hindeuten. Einige Männer bemerken außerdem, dass sie häufiger verletzt sind oder Knochen und Gelenke empfindlicher reagieren. Dies kann ein möglicher Hinweis darauf sein, dass die Knochendichte leicht abnimmt.
Emotionale Signale
Hormone beeinflussen auch Ihre Psyche. Wenn Sie sich schneller gereizt fühlen, Stimmungsschwankungen erleben oder Ihre Stressresistenz nachlässt, kann mehr dahinterstecken. Auch das Gefühl, verminderter mentaler Belastbarkeit und gehäufter depressiver Verstimmungen kann ein Signal sein.
Veränderungen der Sexualität
Eine sinkende Libido, seltenere oder ausbleibende Morgenerektionen und Erektionsstörungen gehören zu den typischen Indikatoren, die man medizinisch abklären sollte. Häufig gehen sie mit einem sinkenden Testosteronspiegel einher und sind für viele Männer der Anlass, erstmals ihren Hormonstatus überprüfen zu lassen.
7 mögliche Signale im Überblick
- Verlust von Muskelmasse
- Zunahme an Bauchfett
- Schlafstörungen
- schlechte Regeneration und Belastbarkeit
- veränderter Haar- und Bartwuchs
- Stimmungsschwankungen und schlechtere Stressresistenz
- nachlassende Libido
Welche Hormone werden getestet?
„Ein aussagekräftiger Hormoncheck umfasst weit mehr als nur den Testosteronwert. Zwar spielt Testosteron eine zentrale Rolle für Energie, Libido, Muskelerhalt und Stimmung, doch erst im Zusammenspiel mit anderen Hormonen ergibt sich ein vollständiges Bild“, so Herr Dr. Pies.
Testosteron
„Gemessen wird zunächst das Gesamt-Testosteron, das Auskunft darüber gibt, wie viel Testosteron insgesamt im Blut zirkuliert. Noch aussagekräftiger ist jedoch das sogenannte freie oder bioverfügbare Testosteron. Das ist jener Anteil, den der Körper tatsächlich nutzen kann. Für die Berechnung dieser Werte ist auch das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) relevant, ein Eiweiß, das Testosteron bindet und dadurch seine Wirkung beeinflusst“, erklärt Herr Dr. Pies.
Östrogen
Auch die Bestimmung des Östradiolwerts lohnt sich, denn Männer benötigen eine geringe, aber stabile Menge Östrogen beispielsweise für ihre Knochengesundheit und Stimmungsstabilität. Bei Zunahme des Bauchfetts wandelt das Enzym Aromatase Testosteron in Östrogen um, was wiederum eine weitere Gewichtszunahme begünstigt.
Zusätzliche Marker
Darüber hinaus geben die für die Spermienproduktion relevanten Hormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon) Hinweise darauf, ob die Ursache einer Störung eher in den Hoden oder in der Hirnanhangdrüse liegt. Ein Blick auf DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat), das Stresshormon Cortisol sowie die Schilddrüsenhormone TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Thyroxin) rundet den Check ab, da sie entscheidend beeinflussen, wie energiegeladen und belastbar Sie sich fühlen.
Ablauf des Hormonchecks
Der erste Ansprechpartner ist häufig Ihr Hausarzt, der eine Basisdiagnostik durchführen oder an Spezialisten wie Urologen, Endokrinologen oder Andrologen überweisen kann. Ein ausführliches Gespräch zu Symptomen, Lebensstil und Vorerkrankungen bildet den Startpunkt. Im Anschluss folgt eine Blutabnahme, die idealerweise morgens zwischen sieben und zehn Uhr stattfindet, da die Hormonwerte im Tagesverlauf schwanken. Nach der Laboranalyse bespricht der Arzt die Ergebnisse, ordnet sie ein und empfiehlt gegebenenfalls eine Behandlung.
Kosten des Hormonchecks
Die Kosten variieren je nach Umfang des Checks. Ein einfacher Testosteronwert kann bereits ab etwa 25 Euro ermittelt werden, während ein umfassender Hormonstatus zwischen 150 Euro und 350 Euro kosten kann. Je nach Symptomen übernimmt die Krankenkasse bestimmte Anteile der Kosten.
Können Sie den Hormonspiegel selbst überprüfen?
„Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Selbsttests, die in der Regel über Speichelproben zu Hause funktionieren. Diese Tests liefern aber nicht die gleiche Genauigkeit wie eine medizinische Laboranalyse. Auch manche Werte, wie beispielsweise LH oder FSH, können über Ihren Speichel schlechter bestimmt werden. Selbsttests eignen sich daher lediglich dafür, ein Gefühl für den eigenen Hormonstatus zu entwickeln. Wenn Symptome bestehen, sollte immer eine ärztliche Abklärung folgen“, rät Herr Dr. Pies.
14 Methoden, um den Testosteronspiegel zu steigern
Warum es beim Mann zum Libidoverlust kommen kann und was dagegen hilft
Behandlung von Hormonstörungen
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache und der Ausprägung Ihrer Beschwerden. Häufig lassen sich leichte hormonelle Veränderungen bereits mit gezielten Anpassungen Ihres Lebensstils verbessern. Wenn ein medizinisch relevanter Testosteronmangel vorliegt und Ihre Beschwerden deutlich ausgeprägt sind, kommt eine Testosteronersatztherapie infrage.
Was ist die Testosteronersatztherapie?
Bei der Testosteronersatztherapie, kurz TRT (Testosterone Replacement Therapy) genannt, führt der Behandelnde dem Patienten Testosteron in Form von Gelen, Spritzen, Pflastern oder Depotinjektionen zu. Ziel ist es, Ihren Testosteronspiegel wieder in einen physiologischen Bereich zu bringen und dadurch Energie, Stimmung, Libido und Muskelkraft zu stabilisieren.
Mögliche Risiken der Testosteronersatztherapie
„Unter einer korrekt eingestellten Therapie können Sie von mehr Vitalität, einem verbesserten Körpergefühl und einer ausgeglicheneren Stimmung profitieren. Gleichzeitig wird eine TRT nicht leichtfertig verschrieben. Sie ist eine medizinische Maßnahme, die stets durch Fachärzte begleitet werden muss. Blutwerte, Herz-Kreislauf-Risiken und Blutbild müssen regelmäßig kontrolliert werden, da Nebenwirkungen wie Akne, Wassereinlagerungen oder Änderungen der Blutviskosität auftreten können“, so Herr Dr. Pies. „Eine Selbstmedikation, wie sie im Fitnessbereich manchmal praktiziert wird, ist gefährlich und kann schwerwiegende gesundheitliche Risiken nach sich ziehen.“
Auch interessant: „Reacher“-Star schwört auf Testosterontherapie – doch die Behandlung birgt einige Gefahren
So können Männer ihre hormonelle Balance unterstützen
Kraft- und Ausdauertraining
Regelmäßiges Krafttraining kann die körpereigene Testosteronproduktion steigern. Auch Ausdauertraining in moderatem Ausmaß wirkt positiv auf Ihr Hormonsystem, ohne die Testosteronwerte durch Übertraining zu senken.
Ausreichender Schlaf
Wenn Sie dauerhaft zu wenig schlafen oder unter Schlafstörungen leiden, riskieren Sie einen schnelleren Hormonabfall, denn Ihr Körper produziert Testosteron hauptsächlich in der Nacht, vor allem während der Tiefschlafphasen.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung, reich an Proteinen, gesunden Fetten (Omega-3, Olivenöl, Avocado) und Mikronährstoffen wie Vitamin D, Zink und Magnesium, unterstützt Ihre Hormonproduktion. Sehr stark verarbeitete Lebensmittel und Zucker wirken sich dagegen negativ aus.
Stressmanagement
Chronischer Stress erhöht Cortisol, das Testosteron entgegenwirkt. Setzen Sie auf Entspannungstechniken, kurze Pausen im Alltag, Meditation oder Sport, um das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren.
Gesundes Körpergewicht
Übergewicht, besonders Bauchfett, wirkt sich direkt negativ auf die Testosteronproduktion aus.