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Langzeitstudie

Ein Light-Getränk täglich soll Risiko für Diabetes um 38 Prozent erhöhen

Bereits ein Light-Getränk täglich erhöht Diabetesrisiko
Wer regelmäßig zuckerhaltige oder künstlich gesüßte Getränke konsumiert, hat laut australischer Langzeitstudie ein deutlich erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes – selbst Light-Getränke sind keine harmlose Alternative Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

4. August 2025, 13:45 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Null Kalorien, null Zucker, das klingt harmlos. Doch was wie die bessere Wahl wirkt, kann trügerisch sein und die Diabetesgefahr bei täglichem Konsum enorm steigern. Eine neue Studie zeigt den Effekt deutlich: Light-Getränke können das Risiko für Diabetes deutlich steigern!

Australische Forscher haben den Getränkekonsum von über 36.000 Erwachsenen unter die Lupe genommen. Insbesondere, wie häufig sie zuckerhaltige und künstlich gesüßte Getränke konsumierten, war von Interesse. 14 Jahre später brachten sie die Informationen mit Diabetes-Diagnosen zusammen. Während zuckerhaltige Getränke das Risiko für Diabetes Typ 2 eher erhöhen, weil sie zu Übergewicht führen, steigt bei Light-Getränken das Risiko für Diabetes, selbst wenn man schlank ist: Wer im Schnitt mindestens einmal täglich künstlich gesüßte Getränke konsumierte, hatte ein um 83 Prozent erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.1 Wurde das ohnehin schon bestehende Diabetesrisiko durch Übergewicht und Bauchfett berücksichtigt, waren es noch immer 38 Prozent. Das zeigt: Light-Getränke erhöhen das Diabetesrisiko unabhängig vom Gewicht. FITBOOK hat sich die aussagekräftige Langzeitstudie genauer angesehen.

Gesundheitsrisiko von „zuckerfrei“ oft unterschätzt

Eine ganze Reihe großer Studien hat sich schon mit möglichen gesundheitlichen Folgen des Konsums von Light-Getränken befasst. Die Ergebnisse beruhen auf Millionen Probanden aus prospektiven Kohorten und Meta-Analysen: Light-Varianten von Getränken sind insgesamt zwar etwas weniger schädlich als die zuckerhaltigen Versionen – jedoch nicht risikofrei und möglicherweise über andere Mechanismen schädlich für die Gesundheit. Künstliche Süßstoffe sollen das Krebsrisiko erhöhen, besonders häufig soll sich Brustkrebs entwickeln, daneben sollen auch Darm- und Prostatakrebs vermehrt auftreten (FITBOOK berichtete). Auch zwischen Herzproblemen und dem Konsum künstlich gesüßter Getränke sieht die Forschung einen Zusammenhang. Darüber hinaus kann das Gedächtnis leiden und ebenso die für unsere Gesundheit so wichtige Darmflora. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät daher seit 2023 von der langfristigen Verwendung künstlicher Süßstoffe zur Gewichts- oder Diabetesprävention ab.

Bedenkenlos mal eine Light- oder Zero-Version der liebsten Limonade konsumieren, das sollte man – zu dieser Erkenntnis muss man als gesundheitsbewusster Mensch gelangen –, wenn überhaupt, maximal gelegentlich. Wie berechtigt diese Einschätzung ist, zeigt nun auch eine neue australische Langzeitstudie, die erstmals Daten dazu liefert, wie sich der regelmäßige Konsum gesüßter Softdrinks auf das Diabetesrisiko auswirken kann – und das selbst bei Menschen mit normalem Gewicht.

Auch interessant: Vermeintlich harmloses Süßungsmittel erhöht Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt

Neue Daten aus Australien: Studie analysiert 36.000 Getränke-Konsumenten

Die Studie wurde von einem Forschungsteam unter der Leitung von Robel Hussen Kabthymer von der Monash University durchgeführt. Ziel war es, zu untersuchen, ob und in welchem Ausmaß der Konsum von zuckerhaltigen und künstlich gesüßten Getränken mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung steht. Dabei wurden umfangreiche Ernährungs-, Gesundheits- und Lebensstildaten aus der Melbourne Collaborative Cohort Study (MCCS) genutzt – eine der größten Langzeitstudien Australiens.2 Für die Analyse wurden 36.608 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 40 bis 69 Jahren ohne Diabetes zu Beginn der Studie berücksichtigt.

Damals beantworteten alle diese Frage: Wie häufig konsumieren Sie zuckerhaltige und künstlich gesüßte Getränke? Als Antwortmöglichkeiten standen „nie oder seltener als einmal im Monat“, „ein- bis dreimal im Monat“, „ein- bis sechsmal pro Woche“ und „mehr als einmal am Tag“ zur Wahl. Bei der Auswertung wurden zahlreiche Faktoren, die einen Einfluss auf das Ergebnis hätten haben können – Bewegung, Ernährung, tägliche Gesamtkalorienaufnahme, Rauchverhalten etc. – berücksichtigt. Frühere Diabetesfälle schloss man durch ein spezielles Verfahren ebenfalls aus.

Erhöhte Diabetesgefahr in kleiner Gruppe der Light-Getränke-Vieltrinker

Was sich zeigte: Ein großer Teil der über 36.000 Teilnehmenden konsumierte weder regelmäßig Zucker- noch Light-Getränke. Das erhöhte Risiko für Typ-2-Diabetes zeigte sich in einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Light-Getränke-Vieltrinkern, aber der Effekt war deutlich messbar – vor allem bei täglichem Konsum.

Nach durchschnittlich 13,9 Jahren traten insgesamt 1782 neue Fälle von Typ-2-Diabetes auf. 4,87 Prozent aller Studienteilnehmer hatten also Diabetes entwickelt. Am höchsten war das Risiko erstaunlicherweise bei den Light-Usern:

  • Ein um 23 Prozent erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, hatten jene, die täglich zuckerhaltige Getränke konsumierten – also normale Softdrinks (ohne künstliche Süßstoffe)
  • Ein um 83 Prozent erhöhtes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, hatten jene, die mindestens einmal täglich Light-Getränke konsumierten.

Interessanterweise verschwand der statistische Zusammenhang zur Diabetes bei den Softdrinks-Anhängern, wenn deren BMI als Maß für Übergewicht und ihr Taille-Hüfte-Verhältnis als Maß für Bauchfett herausgerechnet wurden. Das heißt: Zuckerhaltige Getränke führen wahrscheinlich über das Übergewicht zur Diabetes, nicht direkt durch eine andere Wirkung im Körper. Wer regelmäßig Zuckergetränke trinkt, nimmt also eher zu – und dieses Übergewicht wiederum erhöht das Risiko, an Diabetes zu erkranken.

BMI nicht entscheidend – Süßstoffe fördern Diabetes unabhängig vom Körpergewicht

Und künstlich gesüßte Getränke? Hier blieb das Diabetesrisiko auch nach Anpassung für Übergewicht und Bauchfett bestehen: Es lag nur nicht mehr bei 83 Prozent, sondern bei 38 Prozent. Was sagt das? Künstlich gesüßte Getränke erhöhen das Diabetesrisiko offenbar unabhängig von Gewicht oder Bauchfett. Möglicherweise spielen andere Mechanismen eine Rolle – etwa Stoffwechselveränderungen durch Süßstoffe.

Mögliche Erklärungen sind bisher nicht vollständig geklärt. Studien deuten auf eine Beeinflussung des Darmmikrobioms oder der Glukoseverwertung durch Süßstoffe hin.3 Zudem könnten Light-Getränke durch eine veränderte Insulinantwort oder gesteigerten Appetit langfristig den Zuckerstoffwechsel negativ beeinflussen. Studien haben gezeigt: Menschen, die viele Produkte zu sich nehmen, die Süßstoffe wie Sucralose, Aspartam und Co. enthalten, konsumieren bewusst oder unbewusst mehr Zucker.4

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Die Getränke haben tatsächlich zum Diabetesrisiko dieser Probanden beitgetragen

Positiv an der Studie hervorzuheben: Die lange Nachbeobachtungszeit und ganz besonders der Ausschluss von Personen (bzw. deren Daten), deren Diabetesrisiko andere Gründe gehabt haben könnte als die Getränke. Dies wurde durch ein spezielles Analyseverfahren erreicht. Damit ist klar: Die Getränke haben tatsächlich zum Diabetesrisiko dieser Probanden beigetragen.

Limitationen der Studie und Fazit

Zu bemängeln ist, dass der Getränkekonsum nur zu Beginn des Studienzeitraums erfasst und per Fragebogen ermittelt wurde – spätere Änderungen im Konsumverhalten blieben unberücksichtigt. Auch die Art der verwendeten Süßstoffe konnte nicht analysiert werden. Die Diagnosen von Typ-2-Diabetes basieren auf Selbstauskunft, wurden jedoch teilweise ärztlich bestätigt. Zudem war die Studienpopulation ethnisch nicht repräsentativ für ganz Australien.

Dennoch bleibt festzuhalten: Um gesunde Alternativen zu herkömmlichen Getränken handelt es sich bei „Light“ und „Zero“ nicht. Und das gilt auch für Lebensmittel. Der regelmäßige Konsum sowohl zuckerhaltiger als auch künstlich gesüßter Getränke ist mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.

Quellen

  1. Kabthymer R. H., Wu T., Beigrazaei S. et al. (2025). The association of sweetened beverage intake with risk of type 2 diabetes in an Australian population: A longitudinal study. Diabetes & Metabolism. ↩︎
  2. Melbourne Collaborative Cohort Study (2020, aufgerufen am 04.08.2025) ↩︎
  3. Hichger H., Aparna S. Artificial Sweeteners Negatively Regulate Pathogenic Characteristics of Two Model Gut Bacteria, E. coli and E. faecalis (2021) ↩︎
  4. Yunker, A.G., Alves, J.M., Luo, S. et al. (2021). Obesity and Sex-Related Associations With Differential Effects of Sucralose vs Sucrose on Appetite and Reward Processing. JAMA Network. ↩︎

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