9. Oktober 2025, 3:57 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bloß kein Zucker! Ein Gedanke, der sich bei vielen ernährungsbewussten Menschen in den Köpfen hält. Gleichzeitig werden künstlich gesüßte Getränke als augenscheinlich harmlose Alternative gefeiert. Doch ist das wirklich so? Eine neue Analyse mit Daten von über 120.000 Menschen hat untersucht, welchen Einfluss zuckerhaltige und Light-Getränke auf die Leber haben.
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Zucker vs. Süßstoff – was punktet bei der Lebergesundheit?
Zuckerhaltige Getränke wie Softdrinks und Eistees stehen seit Jahren unter Verdacht, das Risiko für MASLD zu erhöhen. MASLD steht für „Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease“ und war früher bekannt als „nicht-alkoholische Fettleber“ (NAFLD). Weniger klar war bisher, ob auch die vermeintlich gesünderen Varianten – also kalorienarme Getränke mit Süßstoffen – ähnliche Risiken bergen.
Die neue Studie von Doktorandin Lihe Liu und ihren Kollegen schließt diese Wissenslücke. Ziel war es, zu untersuchen, ob der regelmäßige Konsum von zuckerhaltigen Getränken (Sugar-Sweetened Beverages, SSBs) und Light-Getränken (Low-/Non-Sugar-Sweetened Beverages, LNSSBs) das Risiko für MASLD, erhöhte Leberfettwerte sowie leberbedingte Todesfälle beeinflusst. Die Ergebnisse wurden am 7. Oktober 2025 auf der UEG Week 2025 in Berlin (United European Gastroenterology) vorgestellt – einem der wichtigsten Kongresse für Magen-Darm-Erkrankungen.1
Daten von über 120.000 Menschen
Die Studie basiert auf Daten aus der britischen UK-Biobank und umfasst 123.788 Erwachsene ohne bekannte Lebererkrankungen zu Beginn der Untersuchung. Die Teilnehmenden dokumentierten ihre Getränkegewohnheiten regelmäßig in 24-Stunden-Ernährungsfragebögen.
Im Fokus standen zwei Gruppen:
- Personen mit einem Konsum von mehr als 250 Gramm pro Tag an SSBs (z. B. gezuckerte Limonaden)
- Personen mit entsprechend hohem Konsum an LNSSBs (z. B. Cola Zero, Diät-Limonaden)
Die Nachbeobachtungszeit betrug im Median 10,3 Jahre. In diesem Zeitraum erfassten die Forschenden alle neu auftretenden Fälle von MASLD sowie Todesfälle, die mit Lebererkrankungen in Zusammenhang standen. Zusätzlich wurde der Leberfettgehalt ausgewertet.
Fallzahlen von Fettlebern steigen
Hintergrund dieser Studie ist die weltweit zunehmende Verbreitung von MASLD. Diese chronische Lebererkrankung entsteht durch Fettansammlungen in der Leber, die langfristig zu Entzündungen, Müdigkeit, Appetitverlust und in schweren Fällen zu Leberschäden führen können. Aktuellen Schätzungen zufolge sind weltweit über 30 Prozent der Bevölkerung betroffen.
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Beide Getränkearten schaden – Light-Getränke jedoch mehr
Insgesamt entwickelten 1.178 der Teilnehmenden im Beobachtungszeitraum MASLD. Zudem verstarben 108 Personen an leberbedingten Erkrankungen. Es zeigte sich hierbei ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Konsum süßer Getränke – unabhängig davon, ob mit Zucker oder Süßstoff – und dem Risiko für MASLD. Personen mit einem Konsum von mehr als 250 Gramm LNSSBs täglich hatten ein 60 Prozent höheres Risiko, an MASLD zu erkranken. Bei hoher Aufnahme von SSBs lag das Risiko um 50 Prozent höher. Beide Getränketypen führten zu einem messbar höheren Leberfettanteil.
Erstaunlicherweise waren nur LNSSBs zusätzlich mit einem erhöhten Risiko für leberbedingte Sterblichkeit verbunden. Das bedeutet, dass der Konsum künstlich gesüßter Getränke nicht nur mit Leberverfettung, sondern auch mit tödlichen Leberverläufen assoziiert ist.
Eine wichtige Erkenntnis betrifft die Prävention: Wer zu Wasser greift statt zu süßen Getränken, senkt das MASLD-Risiko deutlich – um 12,8 Prozent bei SSBs und sogar 15,2 Prozent bei LNSSBs. Ein Austausch zwischen den beiden Arten brachte hingegen keine Risikoreduktion.
Frühere Studie lieferte bereits Hinweise bei Light-Getränken
Bereits eine frühere Analyse auf Basis der US-amerikanischen NHANES-Daten hatte Hinweise darauf geliefert, dass Light-Getränke keineswegs unbedenklich für die Leber sind. Die Studie wertete Daten von 2.378 Erwachsenen aus, von denen 1.089 eine Fettleber aufwiesen. In dieser Gruppe war der Konsum mit Süßstoffen versetzter Getränke signifikant höher als in der gesunden Vergleichsgruppe. Bemerkenswert: In rund 85 Prozent der Fälle, in denen ein hoher Light-Getränke-Konsum und Fettleber gemeinsam auftraten, war auch der Body-Mass-Index (BMI) erhöht – ohne dass eine statistisch relevante Mehraufnahme an Energie festgestellt wurde. Das legt nahe, dass Light-Getränke indirekt über den BMI zur Entstehung von MASLD beitragen könnten, auch wenn der genaue Mechanismus noch unklar ist.2
Diese Getränke erhöhen das Sterberisiko durch Leberkrankheiten
Studie widerlegt verbreiteten Irrglauben zu Light-Getränken
Bereits eine Dose am Tag problematisch
Diese Studie liefert erstmals belastbare Hinweise darauf, dass auch Getränke mit künstlichen Süßstoffen ein ernstzunehmendes Risiko für die Lebergesundheit darstellen – und das schon bei moderatem Konsum. „Unsere Studie zeigt, dass LNSSBs tatsächlich mit einem höheren Risiko für MASLD verbunden waren – sogar bei moderatem Konsum, wie einer Dose pro Tag. Diese Ergebnisse stellen die weitverbreitete Annahme infrage, dass diese Getränke harmlos sind“, erklärt Studienleiterin Lihe Liu.3
Die Studienautoren diskutieren auch mögliche biologische Mechanismen. „Der höhere Zuckergehalt in zuckerhaltigen Lebensmitteln kann zu schnellen Blutzucker- und Insulinspitzen führen, Gewichtszunahme fördern und den Harnsäurespiegel erhöhen, was alles zur Fettansammlung in der Leber beiträgt. LNSSBs hingegen können die Lebergesundheit beeinträchtigen, indem sie das Darmmikrobiom verändern, das Sättigungsgefühl stören, Heißhunger auf Süßes auslösen und sogar die Insulinausschüttung anregen.“
Für den Alltag bedeutet das: Auch sogenannte Diätgetränke sind kein Freifahrtschein. Wer regelmäßig süß schmeckende Getränke konsumiert – egal ob zuckerhaltig oder „light“ –, sollte sein Trinkverhalten überdenken. „Der sicherste Ansatz ist, sowohl zuckerhaltige als auch künstlich gesüßte Getränke zu begrenzen. Wasser bleibt die beste Wahl, da es den Stoffwechsel entlastet, Fettansammlungen in der Leber verhindert und gleichzeitig den Körper hydratisiert.“, so Liu.
Einordnung der Untersuchung
Da die Ergebnisse bislang nur als Konferenzpräsentation auf der UEG Week 2025 veröffentlicht wurden, liegen noch keine vollständigen Peer-Review-Daten vor. Das heißt: Die Resultate sollten als vorläufig betrachtet werden, bis sie in einem Fachjournal publiziert und wissenschaftlich begutachtet sind.
Zu den Stärken zählen die lange Nachbeobachtungszeit sowie die hohe Teilnehmeranzahl. Zudem stammten die verwendeten Studiendaten aus der UK Biobank – einer hochwertigen und häufig genutzten Datenquelle –, was die Aussagekraft stützt. Als Beobachtungsstudie kann sie jedoch keine Kausalität beweisen. Die Forschenden planen laut Pressemitteilung künftig weitere Studien, um die biologischen Ursachen genauer zu untersuchen.