15. September 2025, 13:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Frauen, die sich von Brustkrebs erholen, sollten beim Sport auf HIIT oder Krafttraining setzen. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass bereits eine Trainingseinheit das Wachstum von Krebszellen messbar unterdrückt. FITBOOK-Autorin Friederike Ostermeyer stellt Ihnen die Ergebnisse vor.
Sport kann bekanntermaßen dazu beitragen, Krebs vorzubeugen. Doch offenbar helfen Krafttraining und Co. auch, die tückische Krankheit zu bekämpfen – und zwar auf zellulärer Ebene. Eine Studie mit Prostatakrebs-Patienten kam bereits 2021 zu einem ähnlichen Ergebnis (FITBOOK berichtete). Nun zeigen Forscher der Edith Cowan University in Perth, Australien, in ihrer neuen Studie, dass Brustkrebspatientinnen ihre endgültige Heilung mit ein wenig Bewegung nachhaltig fördern können. Dabei erweisen sich Krafttraining und HIIT (Hochintensives Intervalltraining) als besonders effektiv. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift „Breast Cancer Research and Treatment“ veröffentlicht.1
Was die aktuelle Brustkrebs-Studie so wichtig macht
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen weltweit. Auch wenn die Erkrankung nach erfolgreicher Therapie überstanden scheint, bleibt das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt. Sport und Bewegung gelten schon länger als effektive Mittel, die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Ausbruch zu verringern. Doch was passiert eigentlich im Körper während und nach einer Trainingseinheit? Bekannt ist, dass sogenannte Myokine dabei eine wichtige Rolle spielen. Myokine sind von den Muskeln produzierte Proteine mit krebshemmender Wirkung, die die Ausbreitung von Krebs um 20 bis 30 Prozent reduzieren können. Die an der Studie beteiligten Forscher sind diesem Prozess nun weiter auf die Spur gekommen.
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HIIT und Krafttraining für 32 Überlebende von Brustkrebs
An der Studie nahmen 32 Frauen teil, die mindestens vier Monate zuvor eine Brustkrebstherapie (Stadium I-III) abgeschlossen hatten. Es handelte sich bei allen um die Erstbehandlung. Die Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Hälfte machte Krafttraining, bei dem sie beispielsweise Gewichte hoben, die andere Hälfte absolvierte HIIT auf dem Laufband, dem Crosstrainer oder der Rudermaschine. Jede Teilnehmerin machte nur eine einzige, aber äußerst anstrengende Trainingseinheit von ca. 45 Minuten plus Aufwärmen.
Blutabnahme bestätigt sofortigen Myokin-Anstieg
Die Forscher nahmen den Frauen einmal vor, direkt nach dem Training und noch einmal 30 Minuten später Blut ab. Die erste Blutprobe diente als Ausgangswert für alle gemessenen Veränderungen. Der Myokin-Spiegel erhöhte sich bei allen Frauen um bis zu 47 Prozent und blieb auch eine halbe Stunde später noch auf einem hohen Niveau. Interessant: Das HIIT-Training führte bei bestimmten Myokinen zu einem höheren Anstieg als das Krafttraining.
Blutproben menschlichen Krebszellen ausgesetzt
Im nächsten Schritt gaben die Forscher die Blutproben zu menschlichen Brustkrebszellen, die unter Laborbedingungen in Petrischalen lebten und wuchsen. Dabei beobachteten sie, dass die durch das Training generierten Myokine das Wachstum der Krebszellen um 20 bis 29 Prozent reduzierten. Auch hier war die hemmende Wirkung bei HIIT etwas stärker als beim Krafttraining.
Kann HIIT einen erneuten Ausbruch von Brustkrebs verhindern?
Die Studie legt nahe, dass bereits eine einzige Trainingseinheit positive biologische Effekte haben kann. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Krafttraining und HIIT tatsächlich dazu beitragen, diese krebshemmenden Myokine bei Überlebenden von Brustkrebs zu produzieren. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein hervorragender Ansporn, Übungen als Standardmaßnahme in die Krebsbehandlung aufzunehmen“, sagt Studienautor Francesco Bettariga in einer Universitätsmitteilung.2 Es spricht also viel dafür, dass Sport – insbesondere intensives Intervalltraining – ein wertvoller Teil der Nachsorge sein kann.
Muskeln setzen beim Training Stoffe frei, die Krebswachstum hemmen können
Können schon 10 Minuten Sport vor Krebs schützen?
Haben sanftere Sportarten einen ähnlichen Effekt? Das sagt der Studienleiter
Viele Frauen, die gerade eine Chemotherapie hinter sich haben, fühlen sich möglicherweise noch nicht bereit für körperlich anstrengende Übungen. Haben Yoga oder flotte Spaziergänge womöglich eine ähnlich positive Wirkung? FITBOOK hat bei Studienleiter Rob Newton nachgefragt. „Leider reicht die Intensität nicht aus, um die krebshemmenden Myokine freizusetzen“, lautet die Antwort des Wissenschaftlers. Er rät Patientinnen deshalb, sich langsam und unter professioneller Anleitung an das Widerstands- und Intervalltraining heranzutasten. Dennoch gilt: „Jede Übung ist besser als keine. Beobachtungsstudien zeigen immer wieder, dass Frauen mit Brustkrebs, die körperlich aktiver sind, ein um etwa 20 Prozent geringeres Risiko für ein erneutes Auftreten der Krankheit und einen tödlichen Verlauf haben.“ Sport könne übrigens auch bereits während der Chemotherapie helfen und ihre Wirksamkeit erhöhen. In welchem Umfang müsse allerdings genau mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Warum Sport eines der wichtigsten Anti-Krebs-Mittel sein könnte
Ein wesentlicher Schlüssel, um Rückfälle zu vermeiden, ist es, entzündliche Prozesse im Körper möglichst gering zu halten, so Bettariga. Denn anhaltende Entzündungen fördern nicht nur das Tumorwachstum, sondern schwächen auch das Immunsystem. Training und Muskelaufbau sind hervorragende Methoden, um Entzündungen zu reduzieren. Ganz nebenbei steigt auch der Myokin-Spiegel und das Wohlbefinden, was ebenso bedeutsam für den Heilungsweg ist.
Auch wenn die aktuelle Studie noch nicht beantworten kann, in welchem Maße sich HIIT und Co. langfristig auswirken und ob das Rückfallrisiko tatsächlich verringert wird, profitieren Frauen, die zum ersten Mal Brustkrebs durchgemacht haben, in jedem Fall davon. Was die Langzeiteffekte betrifft, stehen nun weitere Forschungen an.