7. Januar 2026, 12:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Pünktlich zum Jahresbeginn nehmen sich viele Menschen vor, mehr Sport zu treiben. Das freut nicht nur die Figur, sondern auch die Gesundheit. Eine aktuelle Studie zeigt, dass regelmäßiger Sport das Risiko für Krebserkrankungen senken kann. Dabei reichen womöglich schon wenige Minuten täglich aus.
Es gibt unzählige Studien, die den positiven Einfluss von Sport auf die Gesundheit belegen. So wird insbesondere beim Ausdauersport das Herz-Kreislauf-System trainiert, wodurch Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall und Arteriosklerose vorgebeugt wird. Beim Kraftsport wiederum wird der gesamte Bewegungsapparat stimuliert, was insbesondere im höheren Alter vor Osteoporose und Muskelschwund schützt. Doch der Einfluss von Sport reicht noch viel tiefer, nämlich bis auf die genetische Ebene. Britische Forscher der Newcastle University zeigen nun, dass bereits 10 Minuten Sport täglich womöglich vor Krebs schützen können.1 Besonders vorteilhaft sollen sich kurze, aber intensive Trainingseinheiten auswirken, wie beispielsweise eine beherzte Fahrradfahrt.
Das haben die Forscher untersucht
An der Studie nahmen 30 Freiwillige im Alter von 50 bis 78 Jahren teil, darunter 18 Männer und 12 Frauen. Alle Teilnehmer waren übergewichtig oder fettleibig, was ein Risikofaktor für Krebs darstellt. Ansonsten waren sie aber gesund. Sie sollten morgens nüchtern, d. h. nach zehn Stunden ohne Essen, ein kurzes, aber intensives Training auf einem Hometrainer absolvieren. Nach einer kurzen Aufwärmphase von drei Minuten folgten zehn Minuten intensives Kurbeln mit circa 60 bis 75 Umdrehungen pro Minute.
Den Teilnehmern wurden vor und unmittelbar nach der Trainingseinheit Blutproben entnommen. Anschließend haben die Forscher 249 Proteine im Blutserum der Teilnehmer untersucht und miteinander verglichen. Im Labor wurden zudem Darmkrebszellen mit dem Blutserum der Teilnehmer behandelt und die Auswirkungen beobachtet.
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Sport mit positiver Auswirkung auf Krebszellen
Die Forscher der Newcastle University fanden heraus, dass eine Sporteinheit die Konzentration mehrerer kleiner Moleküle im Blut erhöht. Viele dieser Moleküle stehen im Zusammenhang mit der Verringerung von Entzündungen, der Verbesserung der Blutgefäßfunktion und des Stoffwechsels.
Die detaillierte Analyse der Blutproben zeigte, dass die Konzentration von 13 der 249 untersuchten Proteine nach dem Training erhöht war. Dazu zählte auch das Interleukin-6 (IL-6), das zur Reparatur der DNA beschädigter Zellen beiträgt.
Als diese durch Sport induzierten Moleküle im Labor auf Darmkrebszellen angewendet wurden, veränderte sich die Aktivität von mehr als 1.300 Genen. Dazu zählten auch Gene, die an der DNA-Reparatur, der Energieproduktion und dem Wachstum von Krebszellen beteiligt sind. Ein Indiz dafür, dass sich Sport offenbar positiv auf Krebs auswirken kann.
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Kurze intensive Aktivitäten sind besonders vorteilhaft
Wie die Studie zeigt, können kurze, aber intensive körperliche Aktivitäten offenbar schnelle molekulare Veränderungen im Blutkreislauf auslösen. Dadurch kann das Wachstum von Darmkrebs gestoppt und die Regeneration von DNA-Schäden beschleunigt werden.
„Bemerkenswert ist, dass Bewegung nicht nur gesundem Gewebe zugutekommt, sondern auch starke Signale durch den Blutkreislauf sendet, die Tausende von Genen in Krebszellen direkt beeinflussen können“, kommentiert der Studienleiter Dr. Sam Orange in einer Pressemitteilung die Ergebnisse.2 Er und sein Team haben auch den Mechanismus dahinter analysiert. So fördert Bewegung die Aktivität von Genen, die den Energiehaushalt der Mitochondrien unterstützen, wodurch die Zellen Sauerstoff effizienter nutzen können.
„Das ist eine spannende Erkenntnis, weil sie neue Wege eröffnet, um die biologischen Effekte von Bewegung nachzuahmen oder zu verstärken, was möglicherweise die Krebsbehandlung und vor allem die Ergebnisse für die Patienten verbessern könnte“, erläutert Dr. Orange.
Mithilfe dieser Erkenntnisse könnten neue Therapien und Medikamente entwickelt werden, die die positiven Auswirkungen von Bewegung auf die Regeneration beschädigter DNA sowie die Nutzung von Brennstoffen zur Energiegewinnung nachahmen.
Fazit und Einschränkungen der Studie
Obwohl die Studie vielversprechend klingt, muss man bedenken, dass die Zahl der Teilnehmer mit 30 relativ gering war. Zudem waren alle Teilnehmer übergewichtig und bereits in einem höheren Alter. Die Auswirkungen auf Krebszellen wurden jedoch nur im Labor untersucht, nicht bei betroffenen Krebspatienten. Außerdem wurde der Effekt einer einzelnen kurzen Trainingseinheit untersucht. Wie sich lange und regelmäßige Sporteinheiten sowie leichter Ausdauersport auf die Bekämpfung von Krebszellen bei Krebspatienten auswirken, muss also noch untersucht werden.
Nichtsdestotrotz unterstreicht die Studie die positive Wirkung von bereits einer kurzen, aber intensiven Bewegungseinheit und die positive Wirkung von Sport auf Krebs: „Schon ein einziges Training kann einen Unterschied machen. Eine einzige Trainingseinheit von nur zehn Minuten Dauer sendet starke Signale an den Körper“, sagt Dr. Sam Orange. Ein guter Grund also, morgens auf dem Fahrrad ins Büro einen Zahn zuzulegen und sich ein wenig zu verausgaben.