21. November 2025, 10:59 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Das Thema Alzheimer begleitet die Familie von Chris Hemsworth und ihn ganz persönlich schon länger. Schließlich trägt der Australier ein Alzheimer-Gen in sich. Bei seinem Vater wurde die unheilbare Krankheit inzwischen diagnostiziert. In „Chris Hemsworth: Ein unvergesslicher Roadtrip“, ab dem 24. November auf „National Geographic“ zu sehen, brachen beide zu einer gemeinsamen Tour auf. Ziel: Das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. FITBOOK erklärt, was dies mit Erinnerungen und dem Hemsworth-Haus aus der Kindheit von Chris und seinen Brüdern Liam und Luke zu tun hat.
In der Dokumentation gibt Chris Hemsworth der Welt nicht nur einen Einblick darüber, wie sein Vater Craig (71) mit den frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit umgeht. Vielmehr noch stehen die therapeutischen Versuche im Vordergrund, sich dieser bestimmten Form der Demenz gemeinsam entgegenzustellen. Ein wunderbarer Ansatz, der das Bewusstsein weiter schärfen und auch anderen Betroffenen ganz viel Mut machen soll.
„Das Ergebnis war eine Reise, die …“
„Mein Vater und ich machen eine Reise in unsere Vergangenheit. Er leidet an Alzheimer im Frühstadium. Ich möchte alles tun, um ihm zu helfen. Wie sich herausstellt, könnte diese Erfahrung im Kampf gegen die Krankheit helfen“, verriet der Schauspiel-Star im offiziellen YouTube-Trailer. „Das Ergebnis war eine Reise, die tiefgreifender, bewegender und überraschender war, als ich es je erwartet hätte“, so der 42-Jährige.
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Erinnerungen gegen Alzheimer
Zunächst steht natürlich die Frage im Raum, mit welchem Ansatz die Alzheimer-Erkrankung verlangsamt werden soll. Antwort: Mittels Erinnerungen bzw. einer Erinnerungstherapie. Doch wie genau funktioniert das? „Wir wissen, dass jedes Mal, wenn wir eine Erinnerung wieder aufrufen, die Verbindung zwischen den Neuronen gestärkt wird“, sagte Dr. Suraj Samtani dem US-Magazin „People“. „Das ist vergleichbar mit dem Bau weiterer Straßen, die in einen Vorort führen. Man hat mehr Möglichkeiten, um dorthin zu gelangen, und wenn man das nächste Mal dorthin fahren möchte und eine Straße gesperrt ist, kann man eine andere nehmen.“
Dr. Suraj Samtani ist klinischer Psychologe am „Center for Healthy Brain Aging“ der „UNSW Sydney“ und begleitete die gesamte Doku als Berater.
Chris Hemsworth ließ das Haus seiner Kindheit nachbauen
Erinnerungen für Alzheimer-Betroffene kann man u. a. durch Musik oder Fotos schaffen, um das Gedächtnis zu trainieren. Chris Hemsworth ging sogar noch ein paar Schritte weiter. Denn der Marvel-Held ließ in „Chris Hemsworth: Ein unvergesslicher Roadtrip“ die gesamte Umgebung nachbilden, in der die Familie in den 90er Jahren lebte. So verwendeten die Filmemacher z. B. Familienfotos des Hauses, in welchem Chris Hemsworth und seine Brüder Liam und Luke lebten, um die Einrichtung bis ins kleinste Detail nachzubilden.
„Das Haus am Stadtrand von Melbourne nachzubauen, war einfach eine einmalige Gelegenheit. Normalerweise verwenden wir Alben und Songs, aber ein ganzes Haus wie dieses nachzubauen, ist unglaublich. Es ist wie eine maximale Erinnerungstherapie“, betonte der Alzheimer-Experte.
Adrenalin und Angst wirken stärker als Freude
Im Laufe der Dokumentation wird offenbar zu sehen sein, wie die kognitiven Fähigkeiten von Craig Hemsworth tatsächlich besser werden. Mitverantwortlich dafür ist vor allem auch eine lange Vater-Sohn-Motorradtour ins australische Outback zu einem alten Freund, mit dem Craig in jüngeren Jahren wilde Bullen und Kühe gezähmt hatte. Ein nicht ganz ungefährliches und sehr aufregendes Hobby, welches früher viel Adrenalin freisetzte. Und genau aus diesem Grund können diese expliziten Erinnerungen daran sogar besonders stark sein.
„Adrenalin-Erinnerungen oder Erinnerungen, die mit Kampf oder Flucht zu tun haben, werden direkt in der Amygdala, dem Angstzentrum des Gehirns, gespeichert und nicht in der äußeren Schicht des Gehirns, dem Kortex, wo alle anderen Erinnerungen gespeichert sind“, erklärte Dr. Suraj Samtani. So würden etwa die Gedanken an den eigenen Schulabschluss rückblickend noch heute Freude auslösen, jedoch nicht mehr in demselben Maße wie früher. „Bei einer Angst-Erinnerung hingegen spüren Sie tatsächlich die ursprüngliche Angst, die Sie damals empfunden haben, und dasselbe gilt für diese Adrenalin-Erinnerungen“, betonte er.
„Ich denke, dass es für uns ein Erfolg war“
Ebenfalls ein wichtiger Faktor sei die soziale Interaktion mit anderen Menschen. In der Doku entstehen diese Momente vor allem dann, wenn Chris Hemsworth und sein Vater während ihrer Reise einige Orte von früher besuchen. „Das war wirklich effektiv. Anfangs war er sehr zurückhaltend und wusste nicht so recht, wo er war und was vor sich ging. Am Ende, wie man in der Dokumentation sehen kann, lacht er, lächelt er, erinnert er sich an all diese wichtigen Erinnerungen aus seiner Vergangenheit und ist er wirklich selbstbewusst“, beschrieb Dr. Suraj Samtani die Veränderungen bei Craig Hemsworth.
Sein Fazit fällt also überaus positiv aus. „Ich denke, dass es für uns ein Erfolg war, ihn aus seiner Hülle herauszuholen und ihm das Gefühl zu geben, mehr er selbst zu sein“, formulierte der Wissenschaftler. Nun gehe es darum, die Therapie fortzusetzen. „Es ist ein fortlaufender Prozess, da die Wirkung etwa drei bis sechs Monate anhält.“
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Wichtige Botschaft: Alzheimer ist kein Todesurteil!
Und dann sandte Dr. Suraj Samtani noch eine wertvolle Botschaft aus, die sich jeder Betroffene oder Angehörige von Betroffenen immer wieder vor Augen führen solle: Die Alzheimer-Krankheit sei alles andere als ein Todesurteil!
„Das ist sie wirklich nicht. Es ist möglich, gut mit Demenz und Alzheimer zu leben, und es ist wirklich möglich, all die Dinge zu tun, die man gerne tut, und körperlich, geistig und sozial aktiv zu sein – und das verlangsamt tatsächlich den kognitiven Verfall“, unterstreicht er. Voraussetzung ist also natürlich, dass man sein Schicksal in beide Hände nimmt und dagegen ankämpft. So wie Chris Hemsworth und sein Vater.
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Nicht nur Chris Hemsworth, auch Brüder Liam und Luke haben das Alzheimer-Gen
Nach Schock-Diagnose: Chris Hemsworth bleibt positiv
Im November 2022 brachte ein Gentest zum Vorschein, dass Chris Hemsworth das Alzheimer-Gen APOE4 in sich trägt. Diesen Risikofaktor, einen der schwerwiegendsten für Alzheimer, erbte er sogar gleich zweifach, und zwar zum einen von seiner Mutter und zum anderen von seinem Vater. „Die gute Neuigkeit ist, dass dieses Gen keine Vorbestimmung ist. Zunächst war ich zwar sehr schockiert, aber dann habe ich verstanden, dass ich mich zwar in einer höheren Risiko-Kategorie befinde, aber dass es deshalb nicht feststeht, dass ich die Krankheit bekomme“, gab er sich im FITBBOOK-Interview im Juni 2023 positiv.
Mehr Schlaf und Meditation, weniger Stress
Ausgebrochen ist die Krankheit in ihm bislang nicht. Ohnehin hat der „Thor“-Star, der zuvor bereits für seinen aktiven Lifestyle bekannt war, sein Leben nach der Diagnose weiter optimiert. „Ich habe eine Menge Tipps, Tools, Wissen und Informationen erhalten, die ich jetzt nutzen kann, um meine Gehirngesundheit zu schützen und zu bewahren. Und indem ich das mache, halte ich nicht nur mein Gehirn gesund, sondern kann auch allen möglichen anderen chronischen Krankheiten vorbeugen und ein gesünderes und glücklicheres Leben führen“, verriet er FITBOOK damals.
Neben Fitness und Ernährung baut Chris Hemsworth seitdem u. a. auf verbesserte Schlafgewohnheiten und reduzierte sein Stresslevel. „Ich versuche, nicht mehr dem Gefühl nachzugeben, ständig etwas tun zu müssen, und mehr Momente der Stille zu genießen. Eigentlich dachte ich immer, dass ich das alles weiß und beachte. Aber als ich dann ehrlich mit mir selbst war, musste ich eingestehen: Ich meditiere nicht genug, ich habe zu wenige ruhige Augenblicke, gehe viel zu selten allein spazieren. Diesbezüglich hat die Information (bzgl. des Alzheimer-Gens, A. d. Red.) kleine Wunder bewirkt“, gestand er uns.