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Studie zeigt

Kognitive Beeinträchtigungen bei Menschen unter 40 Jahren nehmen deutlich zu

Frau unter 40 leidet an kognitiven Beeinträchtigungen
Immer mehr Menschen unter 40 nehmen bei sich kognitive Beeinträchtigungen wahr – das zeigen Umfragen unter US-Amerikanern Foto: Getty Images
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5. November 2025, 12:30 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Unter kognitive Beeinträchtigungen fallen unter anderem Probleme mit dem Gedächtnis, der Konzentration oder der Entscheidungsfindung. Solche Einschränkungen lassen sich durch ärztliche Untersuchungen und standardisierte Tests objektiv erfassen. Doch auch das subjektive Empfinden, kognitiv beeinträchtigt zu sein, gilt als aussagekräftiger Hinweis auf Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass vor allem bei US-amerikanischen Erwachsenen, die das 40. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, in den vergangenen Jahren Gedächtnisprobleme deutlich zugenommen haben. FITBOOK-Autorin Laura Pomer geht näher auf die Ergebnisse ein.

Kognitive Beeinträchtigungen sind inzwischen die am häufigsten berichtete Form von Behinderungen unter erwachsenen US-Amerikanern. Das schreiben die Autoren der Studie einleitend zu ihrer Untersuchung.1 Frühere Analysen hätten zwar bereits Unterschiede zwischen verschiedenen Alters- und demografischen Gruppen aufgezeigt. Doch wie sich die Muster des Auftretens kognitiver Beeinträchtigungen im Laufe der vergangenen Jahre entwickelt haben, war bislang unklar. Um diese Frage zu beantworten, nutzten die Forscher Daten des „Behavioral Risk Factor Surveillance System“ (BRFSS).2 Es handelt sich hierbei um eine landesweite Gesundheitsbefragung, die per Telefon Informationen über gesundheitsgefährdendes Verhalten, chronische Krankheiten und präventive Maßnahmen in der US-Bevölkerung erhebt. Der betrachtete Zeitraum reichte von 2013 bis 2023. Das Jahr 2020 wurde bewusst ausgelassen, da die Ergebnisse durch die Coronapandemie erheblich verzerrt worden wären.

Details zur Untersuchung

Den Forschern lagen Daten von mehr als 4,5 Millionen Befragten vor. Als Maß für kognitive Beeinträchtigungen diente die Selbsteinschätzung der Teilnehmer auf die Frage, ob sie aufgrund einer körperlichen, geistigen oder emotionalen Erkrankung ernsthafte Schwierigkeiten hätten, sich zu konzentrieren, sich Dinge zu merken oder Entscheidungen zu treffen. Personen mit einer diagnostizierten Depression waren von der Auswertung ausgeschlossen, da diese Erkrankung bekanntermaßen die kognitive Leistungsfähigkeit stark beeinflussen kann. Die Daten wurden von den Forschern mithilfe gewichteter Regressionsmodelle ausgewertet. Dabei berücksichtigten sie das Alter, das Geschlecht und das Einkommen der Probanden sowie den Bildungsstand, den allgemeinen Gesundheitszustand und die ethnische Zugehörigkeit. Die Ergebnisse wurden anschließend altersbereinigt dargestellt.

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Mehr kognitive Beeinträchtigungen bei Menschen unter 40

Die Auswertung ergab einen deutlichen Anstieg berichteter kognitiver Beeinträchtigungen in der Bevölkerung. Wie die Autoren festhalten, hatten im Jahr 2013 noch rund 5,3 Prozent der Erwachsenen Gedächtnisschwierigkeiten angegeben. Im Jahr 2023 waren es bereits 7,4 Prozent. Der Beginn dieses Trends lässt sich auf das Jahr 2016 datieren, seitdem setzte er sich konsequent fort.

Besonders auffällig war laut den Forschern die Zunahme von kognitiven Beeinträchtigungen bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 39 Jahren. In dieser Altersgruppe hat sich der Anteil entsprechender Berichte innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt: Er stieg von 5,1 auf 9,7 Prozent. Bei den befragten Über-70-Jährigen hingegen ist die Häufigkeit von ehemals 7,3 Prozent auf 6,6 Prozent leicht zurückgegangen.

Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen

Neben den Alters- zeigten sich auch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen deutliche Unterschiede. So stieg etwa der Anteil Betroffener von kognitiven Beeinträchtigungen unter amerikanischen Ureinwohnern und indigenen Gruppen besonders deutlich – von 7,5 auf 11,2 Prozent – und unter Hispanics immerhin noch von 6,8 auf 9,9 Prozent. Afroamerikaner verzeichneten einen Anstieg von 7,3 auf 8,2 Prozent. Bürger mit asiatischer Herkunft wiesen mit rund vier bis fünf Prozent dagegen konstant die niedrigsten Werte auf.

Beim Vergleich der Geschlechter berichteten zu Beginn des Untersuchungszeitraums zunächst häufiger Frauen von Gedächtnisproblemen. Doch dieser scheinbare Geschlechtsunterschied glich sich im Laufe der Zeit weitgehend aus. Dagegen zeigten Einkommen und Bildung einen messbaren Einfluss. So gaben Befragte mit einem Jahreseinkommen von weniger als 35.000 US-Dollar wesentlich häufiger kognitive Beeinträchtigungen an. In dieser Gruppe waren es rund neun Prozentpunkte mehr als in einkommensstärkeren Gruppen. Bei Personen ohne Schulabschluss berichteten 14 Prozent von kognitiven Beeinträchtigungen, unter Hochschulabsolventen waren es dagegen nur etwa 3,5 Prozent.

Verschiedene Vorerkrankungen sowie verhaltensbezogene Faktoren hatten Einfluss auf die Anfälligkeit für kognitive Probleme. So wiesen Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder durchgemachten Herzkrankheiten oder Schlaganfällen deutlich höhere Prävalenzen auf. Bei den Schlaganfallpatienten waren es beachtliche 18 Prozent, bei den Diabetikern immer noch 10,5 Prozent. Daneben scheint Rauchen die Wahrscheinlichkeit für kognitive Beeinträchtigungen maßgeblich zu erhöhen.

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Bedeutung der Untersuchung

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen, die bereits strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt sind, am stärksten von Gedächtnis- und Denkproblemen betroffen sind“, erklärt Studienhauptautor Adam de Havenon in einer Pressemitteilung.3 Nun sei es wichtig, die zugrunde liegenden sozialen und wirtschaftlichen Faktoren, die diesen Trend möglicherweise vorantreiben, besser zu verstehen und gezielt anzugehen.

Die Autoren planen weiterführende Untersuchungen, insbesondere um zu verstehen, was dem starken Anstieg der Zahlen bei jüngeren Erwachsenen zugrunde liegt. Schließlich hat er potenzielle langfristige Auswirkungen nicht nur auf die Gesundheit der Betroffenen, sondern auf die gesamte Gesellschaft, beispielsweise auf die Produktivität von Arbeitskräften und die Gesundheitssysteme. „Aber unabhängig von den möglichen Ursachen ist der Anstieg real“, betont de Havenon. Besonders ausgeprägt sei die Zunahme kognitiver Beeinträchtigungen bei Menschen unter 40 Jahren.

Was den Trend begünstigt haben könnte

In der neuen Studie wird dies nicht direkt thematisiert, doch ein möglicher Erklärungsansatz für den Trend könnte in der vermehrten Smartphone-Nutzung bei jüngeren Menschen liegen. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass diese die kognitive Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen kann.4 Umgekehrt profitieren das Gehirn und die kognitive Leistungsfähigkeit bereits von kurzer Smartphone-Abstinenz.5 Besonders auffällig ist, dass die Smartphone-Nutzung mehr kognitive Ressourcen beansprucht als andere Ablenkungen wie Radio, Telefonate oder Gespräche. Dabei muss das Gerät nicht einmal aktiv verwendet werden: Schon die bloße Anwesenheit eines Smartphones im Raum kann das Arbeitsgedächtnis, also unser Kurzzeitgedächtnis, maßgeblich beeinträchtigen. Offenbar wird ein Teil der kognitiven Kapazität gebunden, um den Impuls zu unterdrücken, das Handy einzuschalten.

Einschränkungen der Studie

Die Forscher weisen darauf hin, dass ihre Untersuchung zwar Trends und Zusammenhänge beschreibt, jedoch keine Ursachen im engeren Sinne belegen kann. Zudem hat die Studie verschiedene Einschränkungen. So basiert sie beispielsweise auf Selbstauskünften per Telefon, und solche sind anfällig für Verzerrungen. Ebenso begrenzt die Tatsache, dass Personen mit diagnostizierter Depression von der Studie ausgeschlossen wurden, die Aussagekraft der Ergebnisse. Dies gilt auch für den scheinbaren Rückgang kognitiver Probleme bei Menschen über 70: Jene Werte könnten unterschätzt sein, da Patienten mit klinischen Demenzen, die in Pflegeeinrichtungen leben, in der Erhebung gar nicht vertreten waren.

Zuletzt könnte die beobachtete Zunahme auch auf das heute größere Bewusstsein für mentale und kognitive Gesundheit zurückzuführen sein. Die Stigmatisierung des Themas hat stark nachgelassen. Möglicherweise hat diese gesellschaftliche Entwicklung die Werte beeinflusst, was bedeuten könnte, dass kognitive Beeinträchtigungen früher vergleichbar verbreitet waren, jedoch nicht artikuliert wurden.

Quellen

  1. Wong, K., Anderson, C., Peterson, C. et al. (2025), Rising Cognitive Disability as a Public Health Concern Among US Adults. Neurology ↩︎
  2. CDC: Behavioral Risk Factor Surveillance System (aufgerufen am 5.11.2025) ↩︎
  3. Academy of Neurology: Sharp rise in memory and thinking problems among US adults, study finds (aufgerufen am 5.11.2025) ↩︎
  4. Monitor Versorgungsforschung: Smartphones reduzieren Aufmerksamkeit und Leistung – selbst wenn sie nicht da sind (aufgerufen am 19.2.2025) ↩︎ ↩︎
  5. Castelo, N., Kushlev, K., Ward, A.F., et. al. (2025). Blocking mobile internet on smartphones improves sustained attention, mental health, and subjective well-being. PNAS Nexus. ↩︎ ↩︎

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