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Vitamin-C-Bombe

Eigenes Superfood herstellen aus frischer Hagebutte

Ihr beachtlich hoher Vitamin-C-Gehalt ist nur ein Trumpf der Hagebutte. Die leuchtend roten Früchte, die jetzt bei uns überall reif an den Sträuchern hängen, enthalten viele gesunde Inhaltsstoffe. Doch erst die richtige Verarbeitung macht die Hagebutte zum heimischen Superfood der Extraklasse – und zum haltbaren Nahrungsergänzungsmittel, mit dem man beispielsweise sein Müsli pimpen kann. FITBOOK zeigt, wie es geht.

VON ROBIN HARTMANN

In der kalten Jahreszeit sind Hagebutten schon von weitem sichtbar – aber haben Sie die schon mal verarbeitet? Wenn Sie das nächste Mal an einem Hagebuttenstrauch (auch Heckenrose genannt) vorbeikommen, pflücken Sie sich ein paar. Das Rosengewächs (Rosa Canina), das Menschen schon seit tausenden Jahren kultivieren, ist nämlich ein echtes Superfood. Wie man es selbst zum haltbaren, vitaminreichen Nahrungsergänzungsmittel verarbeitet (z.B. um es ins Müsli einzurühren), erfahren Sie in diesem Text bzw. unserem Video.

Eine absolute Vitamin-C-Bombe

100 Gramm Hagebutte enthalten (je nach Art und Reifegrad) bis zu 1250 Milligramm Vitamin C*. Das entspricht mehr als dem zehnfachen Tagesbedarf eines Erwachsenen und der knapp 25-fachen Menge, die Zitronen enthalten (53 mg). „Mit der Hagebutte lassen sich ebenfalls Blasenleiden und -entzündungen bekämpfen. Sie wirkt auch appetitfördernd, weswegen sie gerne als Tee bei älteren Menschen angewandt wird“, erklärt Ernährungsexperte Sven-David Müller im Gespräch mit FITBOOK.

Das Pektin in der Hagebutte ist laut Müller gut für die Darmgesundheit; der sekundäre Pflanzenstoff Lycopin, soll u.a. vor Krebs schützen, außerdem wirke das enthaltene Pektin harntreibend. Den enthaltenen Flavonoiden schreibt man obendrein einen positiven Einfluss auf den Blutdruck sowie eine vorbeugende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Und dann enthalten die roten Früchte auch noch Magnesium, Kupfer, Zink, Kalium, die Vitamine B1, B2 sowie Beta-Carotin, welches Haut und Körperzellen schützen kann.

Hagebutte: Das sagt die Forschung

Eine Studie der Universität Freiburg kam 2007 zu dem Ergebnis, dass Hagebuttenpulver nicht nur gegen Hüft- und Kniearthrose hilft, sondern auch Rückenschmerzen lindern kann. 112 Probanden hatten über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr täglich zwischen fünf und zehn Gramm Hagebuttenpulver eingenommen – bei zwei Dritteln sollen die Schmerzen um bis zu 50 Prozent zurückgegangen sein. Eine eine weitere Studie von Medizinern der Berliner Charité sowie dänischen Forschern fand 2010 heraus, dass Hagebuttenpulver bei einer Einnahme von fünf Gramm pro Tag über einen Zeitraum von sechs Monaten die Schmerzen bei Rheuma-Patienten signifikant lindern konnte.

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Wie erntet man Hagebutten?

Nach den ersten Frostnächten steigt der Zuckergehalt und damit auch die Süße in den Früchten. Ernten Sie am besten Früchte, die möglichst weit ab von Straßen wachsen – der Schadstoffe wegen. Tragen Sie beim Pflücken Handschuhe, denn viele Arten haben Dornen.

Wie werden die Früchte verarbeitet?

Hagebutten kann man trocknen lassen – aber auch frisch verarbeiten. Bei erster Variante legt man die Früchte entweder ganz oder halbiert an einen trockenen, sonnigen Ort im Haus, oder gibt sie bei 35 bis 80 Grad in den Backofen. Anschließend trennt man die Kerne aus dem Fruchtfleisch, beides sollte man anschließend noch einmal in einem Sieb abreiben. Der Grund: Die Hagebutte hat an den Kernen feine Härchen mit Widerhaken; beim Abreiben fallen sie durch das Sieb. (Aus diesen Härchen wurde früher ein sehr wirksames Juckpulver hergestellt.)

Für das Hagebuttenmus geben Sie die ganzen Hagebutten (Pflanzenstengel und Blätterreste entfernt) in einen Topf, bedecken sie mit Wasser und lassen sie etwa 20 Minuten köcheln. Anschließend werden die Früchte in ihrem Wasser püriert, wobei je nach Wassergehalt eine mehr oder weniger zähe Masse entsteht. Diese Masse geben Sie jetzt in die Flotte Lotte (Passiermühle) und passieren sie über dem zweiten Topf so durch, das nach Möglichkeit am Ende nur noch die Kerne und wenig Fruchtfleisch übrigbleiben. Die dicke Flüssigkeit anschließend noch einmal aufkochen; der relativ saure Geschmack der Hagebutte lässt sich natürlich mit etwas Zucker ausgleichen – cleverer, weil kaloriensparender: stattdessen etwas Vanille und einen geschälten, süßen Apfel dazugeben. Je länger sie die Masse auf kleiner Flamme kochen lassen, desto dickflüssiger wird Ihre Marmelade oder ihr Mus, zwischendurch gut umrühren. Das Endprodukt wird noch heiß in ausgekochte Gläser gefüllt. Fest verschließen und kopfüber auf ein Küchentuch stellen; dann entweicht die Luft vollständig, das Produkt wird haltbar gemacht.

Einmal geöffnet, sollten Sie das Hagebuttenmus rasch verzehren. Da Vitamin C hitzeempfindlich ist, sinkt der Gehalt in der Mus-Variante … aber es gibt ja noch eine weitere Verwendung:

Um Hagebuttenpulver herzustellen, zerkleinern Sie die Früchte (Fruchtfleisch und Kerne) zunächst grob und lassen sie entweder langsam an der Luft oder bei etwa 80 Grad im Backofen trocknen. Anschließend reiben Sie die Frucht mit etwas Druck durch ein feinporiges Sieb, so entfernen Sie die störenden Härchen. Die Kerne mahlen Sie anschließend mit einer Kaffeemühle, bis das Pulver eine beige bis hellbraune Farbe hat. Die Herstellung dieses vitaminreichen Nahrungsergänzungsmittels sehen Sie im Video oben.

Aus dem getrockneten Fruchtfleisch kann man natürlich auch Tee machen – ein Klassiker unter den Anti-Erkältungs-Hausmittelchen. Wundern Sie sich nicht, wenn sich das Wasser nicht rot einfärbt – dieser Effekt wird in vielen handelsüblichen Tees durch die Beigabe von Hibiskus erzielt.

*Die Angaben zum Vitamin-C-Gehalt von Hagebutten variieren stark. Während das Landwirtschaftsministerium der USA nur von 426 mg schreibt, nennt bspw. die Verbraucherzentrale einen Wert von 1250 mg.