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„Gold der Pharaonen“

Was ist Schwarzkümmelöl – und wogegen hilft es?

Schwarzkümmelöl werden viele Gesundheitswirkungen nachgesagt – aber sind diese auch wissenschaftlich erwiesen?
Schwarzkümmelöl werden viele Gesundheitswirkungen nachgesagt – aber sind diese auch wissenschaftlich erwiesen? Foto: iStock/mescioglu

Schwarzen Kümmel kennt man vorwiegend aus dem Gewürzregal. Man kann daraus allerdings auch ein spezielles Öl gewinnen, auf dessen heilsame Wirkung man im Nahen Osten schon seit mehreren Jahrtausenden schwört: das Schwarzkümmelöl. Was es für Inhaltsstoffe enthält, wogegen es helfen soll und was eine Lebensmittelexpertin aus wissenschaftlicher Sicht dazu sagt, lesen Sie hier.

Was ist Schwarzkümmelöl und wie wird es hergestellt?

Jahrtausende alte Heilpflanze

Wie der Name schon verrät, wird Schwarzkümmelöl aus den Samen der Schwarzkümmelpflanze, botanisch „Nigella sativa“ genannt, gewonnen. Die Geschichte dahinter geht einige tausend Jahre zurück: Gefundene Papyrusrollen belegen, dass schon die alten Ägypter Schwarzkümmelöl als das „Gold der Pharaonen“ bezeichneten. Im Grab von Pharao Tutanchamun fand man sogar eine Flasche davon. Schwarzkümmel war aber nicht nur Teil der antiken griechisch-römischen Heilkunde, sondern auch im persisch-arabischen Raum weit verbreitet. Auch in allen Weltreligionen hat es einen festen Platz. Aus der Bibel beispielsweise sind die kleinen, schwarzen Samen als „Ketzah“ bekannt, mit denen man üblicherweise Fladenbrote bestreute. Das wohl bekannteste Zitat wird aber dem Propheten Mohammed aus dem Islam nachgesagt, der die Pflanze in einem seiner heiligen Bücher mit dem Satz würdigt: „Schwarzkümmel heilt jede Krankheit, außer den Tod.“ Im Mittelalter führten vor allem die Klöster Schwarzkümmel in die europäische Medizin ein. Danach geriet es allerdings wieder in Vergessenheit. Durch den immer weiter aufblühenden Trend zu gesunder und bewusster Ernährung, gerade auch mithilfe pflanzlicher Mittel, ist der Hype um Schwarzkümmel allerdings aktuell wieder zu neuem Leben erwacht.

Herstellung im Kaltpressverfahren

Aus Schwarzkümmel kann man zwei verschiedene Ölsorten herstellen: ein normales Speiseöl sowie ein ätherisches Öl. Zur Herstellung des Speiseöls werden die Samen der Schwarzkümmelpflanze zunächst getrocknet und anschließend kalt gepresst. So sollen die Inhaltsstoffe besser erhalten bleiben. Das ätherische Öl gewinnt man durch einen speziellen Verdampfungsprozess. Für einen Liter werden bis zu 60 Kilogramm der Schwarzkümmelsamen benötigt.

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Selbermachen könnte man das Ganze theoretisch auch: Dafür gibt man etwa 500 Gramm Schwarzkümmelsamen gemeinsam mit einem Liter Olivenöl in ein Einmachglas und lässt das Ganze für etwa drei Wochen an einem warmen Ort stehen. Anschließend filtert man die Samen wieder heraus. Die Inhaltsstoffe der Selfmade-Variante lassen sich allerdings nicht mit denen eines maschinell kaltgepressten Öls vergleichen.

Das sind die Inhaltsstoffe von Schwarzkümmelöl

Aber was steckt denn nun überhaupt so Besonderes im vermeintlichen „flüssigen Gold“?

Schwarzkümmelöl besteht zu 60 Prozent aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren, gefolgt von 20 bis 25 Prozent an einfach ungesättigten Fettsäuren. Am höchsten ist der Anteil an Ölsäure, Linolsäure und Saponinen (sie gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen). Außerdem enthält es ätherische Öle sowie essenzielle Aminosäuren wie L-Phenylalanin und L-Tyrosin. Diese wiederum sind Grundbausteine der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Schwarzkümmelöl enthält neben den Mineralstoffe Biotin, Selen und Magnesium auch verschiedene Vitamine – wie das Provitamin A, diverse B-Vitamine, sowie Vitamin C und Vitamin E.

Wogegen soll Schwarzkümmelöl helfen?

Schwarzkümmelöl werden unzählige gesundheitliche Wirkungen in den verschiedensten Bereichen nachgesagt. In der Naturheilkunde wird es insbesondere bei folgenden Beschwerden angewandt:

  • Allergien
  • Asthma
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Verdauungsbeschwerden
  • rheumatoide Arthritis
  • Linderung der Begleiterscheinungen einer Chemo-Therapie
  • Hauterkrankungen wie Akne oder Neurodermitis

Außerdem soll Schwarzkümmel das Immunsystem stärken und entzündungshemmend wirken.

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Ist die Wirkung wissenschaftlich belegt?

Vermeintliche „Allheilmittel“ gibt es gerade in der pflanzlichen Heilkunde viele und bei der Recherche zum Thema Schwarzkümmelöl stößt man auf zahlreiche unterschiedliche Studien, die Beweise für die Wirksamkeit liefern sollen. Aber lässt sich diese auch wissenschaftlich belegen? „Ja, es gibt tatsächlich einige Studien, die Hinweise liefern, dass Schwarzkümmel in verschiedener Hinsicht eine gesundheitliche Wirkung hat“, bestätigt Sabine Hülsmann, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern, gegenüber FITBOOK. Viele dieser Studien hätten jedoch eine eher geringe Probandenzahl – seien also nicht wirklich aussagekräftig. Gleiches gelte für Studien an Tieren, die sich nicht so leicht auf den Menschen übertragen ließen, so die Expertin.

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Einnahme, Anwendung und Dosierung

Die Verwendungsmöglichkeiten von Schwarzkümmelöl sind vielfältig. So kann man es sowohl innerlich als auch äußerlich anwenden. Hülsmann: „Da das Öl sehr intensiv schmeckt und riecht, lässt es sich in die alltägliche Ernährung eher schwierig integrieren. Deshalb führt man es in der Regel zusätzlich zu, unter anderem wird es auch in Kapselform angeboten.“ Bezüglich der Dosierung empfiehlt sie weiter: „In Studien wurden Mengen bis zu fünf Milliliter Öl (entspricht einem halben bis ganzen Esslöffel) oder drei Gramm Samen gegeben.“ Nicht außer Acht lassen sollte man laut Expertin jedoch die dadurch zusätzlich aufgenommen Kalorien. Bei der äußerlichen Anwendung, beispielsweise gegen Akne, kann man das Öl unverdünnt auf die betroffenen Hautstellen auftragen. Wer hingegen unter Neurodermitis leide, sollte das Schwarzkümmelöl zusätzlich mit einem Trägeröl verdünnen. Dafür eigne sich zum Beispiel Arganöl.

Können Nebenwirkungen auftreten?

Grundsätzlich würden bei der Anwendung oder Einnahme von Schwarzkümmelöl nur selten Nebenwirkungen auftreten. „In den Studien wurde gelegentlich über Juckreiz oder Übelkeit berichtet“, erläutert Hülsmann. In einer anderen Studie sei es außerdem zu einem geringen Abfall des Blutzuckers gekommen. Nur selten seien allergische Hautreaktionen aufgetreten. Eine Kontaktallergie bei lokaler Anwendung ist laut Expertin nicht ausgeschlossen. Auch rät sie sie davon ab, Schwarzkümmelöl auf leeren Magen einzunehmen, da es die Magenschleimhaut reizen könne. Ein weiterer Nebeneffekt, von dem berichtet wurde, sei vermehrtes Aufstoßen.

Generell rät die Expertin dazu, die Behandlung mit Schwarzkümmelöl bei Anzeichen von Nebenwirkungen sofort zu beenden. Auch Schwangere sollten von einer Einnahme in konzentrierter Form sicherheitshalber eher absehen, da eine wehenfördernde Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Aber keine Sorge: Das ganz normale Kümmelbrötchen sei hingegen weiterhin ungefährlich.

Was kostet es und worauf sollte man beim Kauf achten?

Beim Kauf von Schwarzkümmelöl sollte man besonders auf die Qualität achten. Greifen Sie immer zu hochwertigem Öl aus biologischem Anbau, rät die Expertin. Es gibt sowohl gefiltertes als auch ungefiltertes Schwarzkümmelöl zu kaufen. Zwar ist die ungefilterte Variante naturbelassener, geschmacklich gilt das gefilterte Öl allerdings als milder und deshalb bekömmlicher. Zu kaufen gibt es das Naturprodukt in Apotheken, Reformhäusern, Bioläden, gut sortierten Drogerien und auch online. Für einen Liter zahlt man zwischen 20 und 35 Euro. Es gibt aber auch kleinere Abfüllungen, die dann entsprechend günstiger sind. Die Kapseln kosten, je nach Packungsgröße, etwa 5 bis 25 Euro.

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Expertenfazit: Schwarzkümmelöl ersetzt keine Medikamente

Abschließend hält die Ernährungsexpertin fest, dass es sich, trotz aller nachgesagten gesundheitlichen Wirkungen, bei Schwarzkümmel lediglich um ein Nahrungsergänzungs- aber kein Heilmittel handelt. „Bei Nahrungsergänzungsmitteln sollte man wissen, dass diese rechtlich zu den Lebensmitteln zählen. Sie sind nicht dafür da, Krankheiten vorzubeugen, zu lindern oder zu heilen. Das ist immer noch die Aufgabe von Arzneimitteln“, erklärt Hülsmann. Das liege zudem auch daran, dass Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf keiner Prüfung unterzogen, oder die enthaltene Menge an Inhaltsstoffen festgelegt werde. Von einer Einnahme rät sie deshalb nicht ab: Wem das Öl guttue, der könne es – entsprechend dosiert – zu sich nehmen. Eine bewiesenermaßen gesundheitliche Wirkung habe Schwarzkümmelöl aber nicht.