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Knochenbrühe – Gesundheits-Booster oder überschätzter Hype?

Knochenbrühe gesund
Knochenbrühe, auf Social Media oft „Bone Broth“ genannt, soll ein nährstoffreiches Hausmittel sein. Foto: fcafotodigital
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Sophie Brünke
Ernährungsexpertin

24. Mai 2026, 8:06 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Es gibt ein neues Superfood am Social-Media-Himmel: Knochenbrühe. Zahlreiche Vorher-Nachher-Fotos sollen zeigen, wie sich Falten, Figur und Hautbild bei den Anwendern verbessert haben. Dabei ist der Suppentrend nicht neu, sondern hat lange Tradition in der europäischen und asiatischen Küche. FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke sprach mit Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Nicolai Worm darüber, wie gesund Knochenbrühe wirklich ist.

Knochenbrühe – was ist drin

Die eine Standardrezeptur – und damit auch die eine Nährstoffzusammensetzung – gibt es für Knochenbrühe nicht. Je nach Gusto können Knochen, auch Markknochen, mit Fleisch, Gemüse, Gewürzen und Kräutern stundenlang ausgekocht werden. Die Wirkung sei vielfältig: Knochenbrühe soll sowohl für eine schöne Haut sorgen und beim Abnehmen helfen als auch das Immunsystem stärken. Doch welche Nährstoffe gelangen beim Auskochen in die Brühe?

Hersteller einschlägiger Produkte werben insbesondere mit den Inhaltsstoffen Kollagen, Aminosäuren und Mineralstoffen. Teilweise wird mit besonders komplizierten Begriffen wie Glykosaminoglykane (Bausteine für Bindegewebe und Haut) geworben, andere verzichten gänzlich auf Mikronährstoffangaben und sprechen einfach von „Omas Geheimwaffe“, um Kunden über emotionale Sicherheit zu überzeugen.

Was die Makros angeht, sieht es – typisch für eine Brühe – bescheiden aus:

  • Energie: ca. 20 Kalorien
  • Fett: unter 1 Gramm
  • Kohlenhydrate: unter 1 Gramm
  • Eiweiß: 0 bis 3 Gramm

Bei den Mineralstoffen handelt es sich in der Regel um Kalium, Kalzium, Magnesium und Phosphor. Doch eine Portion Knochenbrühe deckt weniger als fünf Prozent des Tagesbedarfs – der Gehalt sollte also nicht überschätzt werden.

Wie Knochenbrühe auf Haut und Gelenke wirkt

Wenn es um Haut und Gelenke geht, steht das Kollagen im Mittelpunkt. Ein Strukturprotein, das Haut, Knochen, Gelenken und Gewebe Stabilität verleiht. Jedoch sinkt mit höherem Alter die körpereigene Kollagenproduktion. Deshalb stehen Knochenbrühe (und auch Kollagen-Supplemente) insbesondere in der Beauty-Industrie hoch im Kurs. Es gibt allerdings zwei Probleme: „Der Kollagengehalt in Knochenbrühe ist variabel und nicht standardisiert“, so Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Nicolai Worm. Außerdem zerfällt das Kollagen während des stundenlangen Köchelns in die Bausteine Gelatine und Aminosäuren. Das Bundeszentrum für Ernährung (BzfE) erklärt, dass es von vielen Faktoren abhänge, ob der Körper daraus dann wieder Kollagen aufbauen kann. Es betont, dass es „mehr als unwahrscheinlich“ sei, dass das Kollagen aus der Brühe in nennenswerten Mengen zu körpereigenem Kollagen wird.1

Mit anderen Worten: Haut und Gelenke haben höchstwahrscheinlich wenig von der Brühe. Die Verbraucherzentrale macht klar, dass Werbeaussagen, wie „Kollagen glättet Ihre Haut“, „reduziert Fältchen sichtbar“ oder „Reduzierung von Cellulite“ für Nahrungsergänzungsmittel verboten sind.2

Experte über aktuelle Studienlage

Worm erklärt: „Für Knochenbrühe als Nahrungsmittel existieren keine kontrollierten klinischen Studien zur Gelenkgesundheit beim Menschen.“ Laut dem Experten liefert eine Tierstudie Hinweise darauf, dass bestimmte Bestandteile aus Hühner-Knochenbrühe den Knochenabbau bei Ratten mit erhöhtem Osteoporose-Risiko verlangsamen könnten.3 Doch dieses Ergebnis ist „nicht auf den Menschen übertragbar“. Zudem würden Aminosäuren aus der Knochenbrühe zwar im Darm resorbiert. „Aber es fehlt der Nachweis, dass sie in relevanter Menge in Gelenkknorpel eingebaut werden“, schränkt der Experte ein.

Bei Kollagen-Supplements sieht es nur leicht rosiger aus. Präparate, die zehn Gramm pro Tag liefern, zeigen im aktuellen Forschungsstand „signifikante, aber klinisch bescheidene symptomatische Effekte bei Arthrose, bei gutem Sicherheitsprofil. Die Evidenz reicht jedoch nicht aus, um eine klare Empfehlung auszusprechen, und die Übertragbarkeit auf Knochenbrühe ist mangels standardisierter Zusammensetzung und fehlender klinischer Studien nicht gegeben.“ So finden weder die Brühe noch Supplements in aktuellen Athrose-Leitlinien Erwähnung.

Auch interessant: Der große Tee-Guide – welche Sorte bei welchen Beschwerden hilft

Kann Knochenbrühe beim Abnehmen helfen?

Knochenbrühe kann beim Abnehmen unterstützen, weil sie deftig schmeckt und dadurch Heißhunger auf Salziges oder Herzhaftes dämpfen kann. Die Wärme sorgt zusätzlich für ein Sättigungsgefühl und kann akute Gelüste abmildern. Gleichzeitig liefert sie Elektrolyte, aber vergleichsweise wenige Kalorien – und kann so ein höherkalorisches Spaßgetränk am Abend ersetzen. Trotzdem gilt: Wasser oder ungesüßter Tee sind beim Abnehmen immer die erste Wahl, weil sie komplett kalorienfrei sind. Eine „Booster“-Wirkung hat Knochenbrühe also nicht: Sie kurbelt den Fettabbau nicht aktiv an, sondern kann höchstens indirekt beim Kaloriensparen helfen.

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Der Effekt auf das Immunsystem

Kann man eine Erkältung oder andere Infekte einfach mit Brühe wegtrinken? Immerhin galt Knochenbrühe schon zu Omas Zeiten als Stärkungsmittel. Doch laut BzfE gibt es kaum wissenschaftlich haltbare Belege. Zwar gebe es Hinweise, dass Hühnerbrühe bestimmte Marker im Körper möglicherweise positiv beeinflussen könnte. Die empfundene Linderung bei einer Erkältung könne jedoch auch schlicht am warmen Dampf (befeuchtet die Atemwege) und der wärmenden Flüssigkeit liegen. Für Personen, die während eines Infekts mit Appetitlosigkeit kämpfen, kann die Brühe praktisch sein, um Flüssigkeit und Elektrolyte aufzunehmen.

Hat Knochenbrühe auch Nachteile?

Für Personen mit Histaminintoleranz ist Knochenbrühe nicht geeignet. Je länger sie köchelt, desto mehr Histamin steckt im Endprodukt. Hinsichtlich Warnungen wegen Schwermetallen muss man sich jedoch weniger Sorgen machen: Zwar reichern Tiere Schwermetalle aus ihrer Umwelt in den Knochen ein. Doch eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass beim Auskochen von Tierknochen nur kleinste Mengen Schwermetalle in die Brühe übergehen.4 Hier gibt es also Entwarnung.

Ein letzter wichtiger Punkt ist der Salzgehalt. Dieser kann je nach Gehalt zum Nachteil werden. Bei verzehrfertigen Brühen kann eine Portion schnell bis zu drei Gramm enthalten, was bereits die halbe empfohlene Tageshöchstmenge ist. Mit einer üblichen Ernährung kann die Grenze von sechs Gramm dann kaum eingehalten werden. Und ein hoher Salzkonsum erhöht den Blutdruck – ein wichtiger Risikofaktor von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besser: Selbst kochen und über den Salzgehalt bestimmen.

Sophie Brünke
Ernährungsexpertin

Gut für die Seele, aber kein Superfood

„Knochenbrühe ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem traditionellen Lebensmittel plötzlich ein überhöhter Gesundheitstrend wird. Eine warme Brühe kann guttun und gerade bei Kälte, Erkältung oder nach einem anstrengenden Tag ein wohliges Gefühl geben. Wer sie aus Genuss trinkt oder weil sie an ‚Omas Küche‘ erinnert, braucht dafür keine wissenschaftliche Rechtfertigung.

Problematisch wird es, wenn daraus Gesundheits- oder Beauty-Versprechen werden. Denn für glattere Haut, bessere Gelenke, stärkere Knochen oder eine besondere Abnehmwirkung liefert Knochenbrühe bislang keine überzeugenden Belege. Auch die Mineralstoffe sind mengenmäßig eher unspektakulär.

Mein Fazit: Wer Knochenbrühe mag, kann sie trinken – am besten selbstgekocht und nicht zu salzig. Aber bitte ohne die Erwartung, damit Falten wegzulöffeln oder Gelenke zu reparieren. Der eigentliche Wert liegt eher im Geschmack, in der Wärme und vielleicht im nostalgischen Gefühl – quasi ein bisschen Oma im Becher.“

Quellen

  1. Bundeszentrum für Ernährung. Wirkt Knochenbrühe wirklich? (aufgerufen am 20.05.2026) ↩︎
  2. Verbraucherzentrale. Kollagendrinks für die Schönheit – Beauty aus der Büchse? (aufgerufen am 20.05.2026) ↩︎
  3. Seki, Y., Ohkuma, R. C., Miyakawa, Y, . et al. (2025). Hyaluronan and chondroitin sulfate in chicken-vegetable bone broth delay osteoporosis progression. Journal of Food Science and Technology. ↩︎
  4. Hsu, D.-J., Lee, C.-W., Tsai, W.-C. u. Chien, Y.-C. (2017). Essential and toxic metals in animal bone broths. Food & Nutrition Research. ↩︎

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