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Schneller Energieschub

Wer zu wenig schläft, nimmt mehr Zucker und Kohlenhydrate zu sich

Schlafmangel Essverhalten: Frau sitzt müde am Frühstückstisch
Schlafmangel wirkt sich auf das Essverhalten aus.Foto: Getty Images

Wer kennt es nicht: Eigentlich wollte man früh ins Bett gehen, doch stattdessen halten uns Smartphone, Serien oder Social Media vom Schlafen ab. Doch diese Angewohnheit kann sich negativ auf unser Essverhalten auswirken. Wie genau, zeigt eine Studie mit Jugendlichen.

Morgens unausgeschlafen aufstehen, fällt nicht nur schwer, für unser Essverhalten kann der Schlafmangel auch fatale Folgen haben, wie eine Studie aus den USA jetzt herausfand. Sie nahm die Auswirkungen einer kurzen Schlafdauer auf das Essverhalten von Jugendlichen unter die Lupe und stellte fest: Langfristig kann zu wenig Schlaf zu Gewichtszunahme und gesundheitlichen Problemen führen. Der Grund ist, dass mit fehlendem Schlaf die Lust auf Zucker und Kohlenhydrate steigt.

Schlafmangel bei Teenagern beeinflusst ihr Essverhalten

Forscher der Brigham Young University in Utah untersuchten, inwiefern sich die Schlafgewohnheiten von Jugendlichen auf ihr Essverhalten und insbesondere auf die Auswahl ihrer Lebensmittel auswirken. Dafür teilten die Studienleiter 93 Teenager in zwei Gruppen ein: Die eine Gruppe ging früh zu Bett, konnte bis zu neuneinhalb Stunden schlafen. Die andere ging erst spät zu Bett und hatte eine Schlafdauer von nur sechseinhalb Stunden. Nach fünf Tagen wurde getauscht. Während des zehntägigen Schlafexperiments notierten die Jugendlichen zudem, was sie zu sich nahmen. Auf Grundlage dessen wurde ihre tägliche Kalorien- und Makronährstoffaufnahme berechnet.1

Studienleiterin Prof. Dr. Kara Duraccio fasst das Ergebnis in einer Mitteilung der Universität zusammen: „Interessant ist, dass Teenager nicht mehr essen, wenn sie weniger Schlaf bekommen, als ihre Altersgenossen, die eine gesunde Schlafdauer haben. Beide Gruppen nehmen ungefähr die gleiche Menge an Kalorien zu sich.“ Aber: „Ein verkürzter Schlaf erhöht das Risiko für Teenager, mehr Kohlenhydrate und zugesetzten Zucker zu essen und mehr zuckergesüßte Getränke zu trinken, als wenn sie eine gesunde Menge Schlaf bekommen.“2

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Mit Zucker gegen die Müdigkeit

Wie die Studie, die in der Fachzeitschrift „Sleep“ erschien, zeigt, aßen die Jugendlichen in der Woche mit kurzer Schlafdauer mehr Kohlenhydrate und Lebensmittel mit zugesetztem Zucker. Außerdem tranken sie mehr gesüßte Getränke und aßen weniger Obst und Gemüse. Vor allem in der Zeit nach 21 Uhr setzten die Teenager verstärkt auf Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lassen. Damit kamen sie im Vergleich zu der Gruppe, die rund neuneinhalb Stunden pro Nacht schlief, auf rund zwölf Gramm Zucker mehr pro Tag.

„Wir vermuten, dass müde Teenager nach schnellen Energieschüben suchen, die sie am Laufen halten, bis sie ins Bett gehen können“, erklärt Studienleiterin Duraccio. „Also suchen sie nach Lebensmitteln, die reich an Kohlenhydraten und Zuckerzusatz sind.“

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Auswirkungen auf Gesundheit und Gewicht

Rechnet man den erhöhten Zuckerkonsum aufs Jahr hoch, bedeutet das, dass Jugendliche mit akutem Schlafmangel mehr als zwei Kilo Zucker mehr zu sich nehmen. Das könnte fatale Folgen für ihre Gesundheit haben. „Diese experimentellen Ergebnisse legen nahe, dass Jugendliche mit unzureichendem Schlaf Ernährungsmuster aufweisen, die das Risiko für negative Gewichts- und kardiometabolische Ergebnisse erhöhen können“, so die Wissenschaftler der Brigham Young University.

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Schlafmangel und Zuckerkonsum bei Erwachsenen

Doch nicht nur Jugendliche sind gefährdet. Eine Studie von 2016 untersuchte den Zusammenhang zwischen Schlafmangel bei Erwachsenen und ihrem Essverhalten. Bei der Untersuchung mit ca. 19.000 Probanden kam heraus, dass diejenigen, die nur fünf Stunden oder weniger schliefen, rund 21 Prozent mehr zuckergesüßte Getränke konsumierten als diejenigen, die zwischen sieben und acht Stunden pro Nacht schliefen.3 Dabei ist bekannt, dass ein hoher Zuckerkonsum nicht nur zur Gewichtszunahme, sondern auch zu gesundheitlichen Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Depressionen, Angstzuständen, Magen-Darmproblemen, Hautkrankheiten, Pilzbefall und auch Schlafstörungen führen kann.

Schlafmangel wirkt sich also negativ auf das Essverhalten aus – aber auch ein umgekehrter Zusammenhang konnte wissenschaftlich belegt werden: „Niedrige Ballaststoffe und eine hohe Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Zucker sind mit einem leichteren, weniger erholsamen Schlaf mit mehr Erregung verbunden“, fand eine 2016 veröffentlichte Studie im „Journal of Clinical Sleep Medicine“ heraus.4 Ein erholsamer Schlaf und eine ausgewogene Ernährung gehen demnach Hand in Hand.

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