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WtHR als Gesundheitsindikator

Taille-zu-Größe-Verhältnis – einfacher Selbsttest ermittelt Krankheitsrisiko

Taille-zu-Größe-Verhältnis: Mann mit Bauchumfang
Mit einem Maßband und einer simplen Rechnung kann jeder schnell herausfinden, wie es um sein Krankheitsrisiko steht
Foto: credit Istock/huettenhoelscher

Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes, Fettleber: Oft schwelen solche Erkrankungen schon im Körper, bevor sie erste Symptome zeigen. Mit einem simplen Selbsttest kann man feststellen, wie groß das Risiko ist. Das kann eine frühe Diagnose und somit erfolgreiche Therapie ermöglichen.

Der sogenannte Body-Mass-Index gilt unter vielen Medizinern bereits als überholt. Grund: Der BMI berücksichtigt nicht Körperfett und Muskelmasse, sondern stellt nur Körpergewicht und -größe ins Verhältnis. Wenn es ums Krankheitsrisiko geht, ist ein anderer Wert aussagekräftiger als der BMI: das Taille-Größe-Verhältnis. Man kann es im Selbsttest ganz einfach selbst bestimmen.

Das Taille-zu-Größe-Verhältnis (WtHR)

Forschern zufolge ist das Taille-zu-Größe-Verhältnis ein guter Indikator, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 oder Fettleber zu bestimmen. Grund: Das Verhältnis von Taille zur Körpergröße, auch WtHR (Waist-to-Height-Ratio) genannt, berücksichtigt das innere Bauchfett. Diesem wird im Gegensatz zu anderen kleinen Fettpölsterchen an Oberschenkeln oder Po eine besonders negative Auswirkung auf die Gesundheit nachgesagt. Das auch als Viszeralfett bezeichnete Gewebe kann sich um innere Organe legen, schädliche Botenstoffe produzieren und so Entzündungsreaktionen im Körper auslösen, die wiederum Erkrankungen nach sich ziehen.

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Studien belegen Aussagekraft des WtHR-Werts

Dass der WtHR-Wert aussagekräftig ist, haben bereits einige Studien analysiert. Eine brasilianische Forschungsarbeit aus dem Jahr 2019 untersuchte mehr als 13.500 Teilnehmer. Das Ergebnis: Mithilfe der Waist-to-Height-Ratio wurden mehr Menschen mit einem potenziellen Krankheitsrisiko identifiziert als anhand einer Kombination aus BMI und Hüftumfang – unabhängig vom Geschlecht, Alter und Gewicht.

39,6 beziehungsweise 33,3 Prozent der erwachsenen Männer und Frauen, die anhand von BMI und Hüftumfang als risikoarm eingestuft wurden, wiesen mit dem WtHR-Wert ein erhöhtes Krankheitsrisiko auf. Den Wissenschaftlern zufolge wären diese Personen womöglich nicht auf die Notwendigkeit von gesundheitsfördernden und Krankheiten vorbeugenden Maßnahmen hingewiesen worden.

In ihrer Studie appellieren die brasilianischen Forscher eindringlich, zur Risikobewertung den WtHR-Wert heranzuziehen. Auch wenn der BMI als internationale Klassifizierung anerkannt sei, so sei er doch anfällig für Fehler und führe zu ungenauen Einschätzungen. Das wiederum habe falsche Behandlungen von Übergewichtigen zur Folge. Das Taille-zu-Größe-Verhältnis sei ein „leicht zu interpretierendes und kostengünstiges Instrument zur primären Risikoabschätzung, das eine höhere Anzahl von Personen mit kardiometabolischem Risiko identifiziert“. Kardiometabolische Erkrankungen sind Krankheitsbilder, die das Herz-Kreislaufsystem und/oder Stoffwechselvorgänge betreffen.

Auch eine Studie aus dem Jahr 2010 bestätigte die Aussagekraft des Taille-zu-Größe-Verhältnisses: Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München hatten über mehrere Jahre die gesundheitliche Entwicklung von 11.000 Menschen beobachtet und verschiedene Methoden zur Berechnung des Krankheitsrisikos verwendet. Sie kamen zu folgendem Ergebnis: „Ob ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekommt oder daran stirbt, lässt sich am besten mit dem WHtR abbilden.“ Je höher der WtHR, desto größer sei das Risiko.

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So errechnen Sie Ihr Taille-zu-Größe-Verhältnis

Um den WtHR-Wert zu errechnen, dividiert man den Taillenumfang in Zentimetern durch die Größe in Zentimetern. Bei einem 35 Jahre alten Mann von 1,74 Meter Größe und einem Taillenumfang von 84 Zentimetern ergibt sich damit ein Wert von 0,48. Er wäre damit noch im Idealbereich von 0,4 bis 0,5. Laut der Daimler Betriebskrankenkasse liegen Werte über 0,5 bereits im Risikobereich (0,51-0,56), unter 0,4 gilt als untergewichtig.

Waist-to-Height-Ratio: Bereiche im Überblick

  • Unter 0,4: Untergewicht
  • 0,4 bis 0,5: Idealbereich
  • über 0,5: Übergewicht

Ab 40 Jahren muss das Alter einbezogen werden. Dann verschiebt sich der tolerierbare Wert um 0,01 pro Jahr nach oben. Heißt: Eine Person von 45 Jahren wäre also noch mit einem Wert von 0,55 im Idealbereich.

Den Taillenumfang richtig messen

Die Taille befindet sich ungefähr auf Höhe des Bauchnabels zwischen unterem Rippenbogen und Hüftknochen. Messen Sie den Umfang am besten morgens vor dem Frühstück.

Taillenumfang messen

Die Taille befindet sich ungefähr auf Höhe des Bauchnabels
Foto: Getty Images

Man muss nicht unbedingt ein Bäuchlein haben, um krank zu sein

„Ich würde es nicht als ‚Alternative‘ zum BMI, sondern als eine Ergänzung bezeichnen“, sagt Uwe Schröder vom Deutschen Institut für Sporternährung über den WtHR. Beide Parameter hätten Grenzwerte, die willkürlich festgelegt werden, weil „halt irgendwo eine Grenze gesetzt werden müsse“, wie er FITBOOK erklärt. Schröder empfiehlt bei Überschreiten der Normwerte, auch andere Parameter zu betrachten, um sich ein realistisches Bild von dem Erkrankungsrisiko zu machen.

Er sagt aber auch, dass das WtHR hinsichtlich des Risikos bestimmter Erkrankungen (etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht-alkoholische Fettleber, Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen) tatsächlich aussagekräftiger ist als der BMI. Schröder empfiehlt, den BMI hinzuziehen, damit auf ein „mögliches ‚Gewichtsoptimierungs-Potential‘ geschlossen werden kann“.

Zu bedenken gibt der Experte aber auch, dass der BMI nur eingeschränkte Rückschlüsse auf das entscheidende viszerale Fett zulässt. Dieses kann heutzutage nur mit einem MRT sichtbar gemacht werden. „Aus diesen Analysen resultieren die ‚TOFIs‘ (= thin outside, fat inside). Das sind Personen, die ‚optisch‘ kaum Fett aufweisen, oft normalgewichtig sind, aber viel viszerales Fett und damit ein sehr stark erhöhtes Krankheitsrisiko haben.“ Man muss also nicht unbedingt ein kleines Bäuchlein haben, um offensichtlich krank zu sein. Ein Selbsttest, um das Krankheitsrisiko zu bestimmen, hilft in diesem Fall also wenig.

Schröder empfiehlt eine „echte Körperfettmessung“, mit der mehr Klarheit geschaffen werden könne.

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Fazit

Was viele bestimmt freut: Die brasilianischen Wissenschaftler stufen in ihrer Studie Hüftspeck per se nicht als schlecht ein. „Eine bestimmte Menge an Hüftspeck ist akzeptabel“, heißt es – nur eben nicht zu viel. Auch Uwe Schröder plädiert für ein wenig mehr Weitsicht: „Oft werden ‚handfeste‘ Werte, die in Wirklichkeit nur mit willkürlich festgelegten Grenzen abgeglichen werden, als Anlass genommen, das individuelle Ernährungsverhalten radikal zu verändern. Wir sind sehr zahlen-hörig, sterben aber bestimmt nicht sofort, nur weil wir einen Normwert um wenige Prozentpunkte über- oder unterschreiten.“