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2 Experten geben Antwort

Worauf Sie bei Körperfettwaagen achten sollten

Frauenfüße auf einer Waage
Körperfettwaagen liegen im Trend - FITBOOK verrät, worauf Sie achten müssenFoto: Getty Images

DER Messwert für die Fitness schlechthin ist der Körperfettanteil (KFA). Besonders praktisch für eine schnelle Messung sind entsprechende Waagen für die eigenen vier Wände, so zumindest versprechen es die Hersteller. Wir haben uns von zwei Experten erklären lassen, was Körperfettwaagen taugen und was sie beim Kauf – und der Anwendung – zu beachten haben.

Funktionsweise von Körperfettwaagen

Im Gegensatz zu „normalen“ Waagen, die lediglich das Gewicht messen, wird bei Körperfettwaagen mithilfe eines Stromimpulses der elektrische Widerstand gemessen.

„Muskelgewebe besitzt einen geringeren Widerstand als Fettgewebe und ist somit ein guter elektrischer Leiter“, erklärt Eduard Isenmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Fitness und Gesundheit der IST-Hochschule sowie im Fachbereich Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln.

Im Umkehrschluss heißt das: Das Körperfett leitet Strom schlechter als Muskelgewebe. Die Waage erfasst den Widerstandswert und gibt diesen prozentual zum Gewicht und der Körpergröße an.

Wie erfolgt die Messung?

Bei Körperfettwaagen kommt die bioelektrische Impendanz-Analyse, kurz BIA, zum Einsatz. Der dazu benötigte Strom wird durch Dioden in den Körper geleitet. Da Fett und Wasser einen unterschiedlichen Widerstand haben, können Waagen Aufschluss über den Wasser-, Muskulatur- und Fettanteil des Körpers geben.

Umgerechnet werden die gemessen Werte durch die Brozek-Formel. Dabei wird der prozentuale Körperfettanteil in Relation zu einer Dichte von 1,09–1,01 g/cmgesetzt.

Vorsicht vor billigen Körperfettwaagen

Bei preiswerteren Modellen (schon ab ca. 16 € zu erstehen) erfolgt die Messung lediglich über die Füße. Problem: Aufgrund der geringen Stromstärke kann die Waage nicht den gesamten Körper scannen. Das führt nicht nur zu ungenauen Ergebnissen, sondern je nach Geschlecht zu besseren oder schlechteren Werten.

DENN: Der Stromimpuls reicht bestenfalls bis in die Lendenregion. Aufgrund der geschlechtsspezifischen Fettverteilung – bei Frauen bilden sich Pölsterchen tendenziell an Beinen und Hüften, bei Männern vorzugsweise am Bauch – spucken günstige Modelle bei Männern in der Regel zu positive und bei Frauen zu negative Ergebnisse aus.

Beim Kauf auf Handsensoren achten

Waagen mit zusätzlichen Sensoren für die Hände beziehen die obere Körperhälfte ein und sorgen so für verlässlichere Werte.

Was man bei den Messungen – auch mit teureren Modellen – bedenken muss: Die Fett-Wasser-Zusammensetzung im Körper ändert sich im Laufe des Tages. Um verlässliche Vergleichswerte zu haben, sollte man deswegen immer zur gleichen Uhrzeit und unter ähnlichen Bedingungen messen. „Wichtig bei dieser Untersuchungsform ist, dass keine elektrischen Leiter am Körper vorhanden sind, sowie der Proband nicht dehydriert ist, also keinen Alkohol in den letzten 48 Stunden zu sich genommen hat und keine extreme sportliche Belastung hatte“, erklärt Isenmann weiter.

Am besten man führt die Messung immer morgens nach dem Aufstehen durch, bevor man Nahrung und Getränke zu sich nimmt und mit einer entleerten Blase. Hände und Füße sollten trocken und nicht eingecremt sein.

Auch der Sportwissenschaftler Jörn Giersberg kann (besseren) Körperfettwaagen etwas abgewinnen, auch wenn es sich dabei eher um einen Nebeneffekt handelt: „Körperfettwaagen haben dieselbe Wirkung wie Pulsuhren – sportliche Erfolge lassen sich schnell ermitteln und helfen dabei die Motivation aufrechtzuerhalten.“

Ein weiterer Pluspunkt: die einfache und smarte Bedienung. Denn auch schon bei günstigen Modellen können Erfolge per App notiert werden.

Fazit

Für Otto-Normal-Verbraucher kann die Anschaffung einer Körperfettwaage sinnvoll sein, um sich zu motivieren und tendenzielle Veränderung schnell wahrzunehmen. Wichtig: Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Waage auch über Handsensoren verfügt, damit auch ihre obere Körperhälfte bei der Messung miteinbezogen wird.

Ein abschließender Rat von Sportwissenschaftler Giersberg: „Die exakte Bestimmung des Körperfettanteils benötigt hochkomplexe Technik. Wer seinen Fitness- und Gesundheitsstatus richtig interpretieren will, sollte lieber anderen Werten (unter anderem der Kraft und einer optischen Veränderung) vertrauen.“