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Mythos Body-Mass-Index

Sagt der BMI wirklich etwas über Ihre Gesundheit aus?

BMI/Body-Mass-Index: Frau wiegt sich
Das Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße ist ausschlaggebend für den Body-Mass-Index – aber auch für etwaige Gesundheitsrisiken? FITBOOK klärt auf
Foto: Getty Images

Der Body-Mass-Index (BMI) errechnet sich aus Gewicht und Körpergröße. Der Wert soll aussagen, ob man unter-, normal- oder übergewichtig ist. Auch soll er dazu dienen, das Risiko auf verschiedene Krankheiten einzuschätzen. Der angeblich ideale BMI hat sich in den vergangenen Jahren immer einmal wieder geändert. Ohnehin ist der Wert nur bedingt aussagekräftig. FITBOOK hat Experten gefragt, ob und inwieweit man dem BMI überhaupt Beachtung schenken sollte.

Seinen Körperumfang einzuschätzen, fällt vielen Menschen schwer – so steht es auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Deshalb findet man hier eine Maske zum Ermitteln des Body-Mass-Index, der Aufschluss darüber geben soll, „ob man zu dick, zu dünn oder vielleicht genau richtig ist“. Doch was bedeutet der BMI für die Gesundheit?

BMI errechnen: Die richtige Formel

Der BMI wird errechnet, indem man sein Gewicht durch das Quadrat der eigenen Körpergröße teilt. Also: BMI = Gewicht / (Körpergröße x Körpergröße)

Beispielrechnung für eine 1,75 Meter große und 74 Kilogramm schwere Person.

  • Schritt 1: 1,75 Meter x 1,75 Meter = 3,0625
  • Schritt 2: 74 Kilogramm / 3,0625 = 24,16

Die Person hat also einen Body-Mass-Index von 24,16.

Welcher BMI ist am gesündesten?

Als Normalgewicht und damit empfohlen gilt ein BMI zwischen 18,5 und 24,9. Alles darunter wird als Untergewicht definiert, alles darüber als Übergewicht bzw. Fettleibigkeit (Adipositas). Dabei handelt es sich laut Bundesministerium für Gesundheit um Klassifizierungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die im Rahmen epidemiologischer Studien herangezogen werden.

BMI-Klassifikation nach WHO

  • Unter 18,5: Untergewicht
  • 18,5 bis 24,9: Normalgewicht:
  • 25 bis 29,9: Präadipositas
  • 30 bis 34,9: Adipositas, Grad I
  • 35 bis 39,9: Adipositas, Grad II
  • über 40: Adipositas, Grad III

Anhand von statistischen Daten und der Klassifizierung lässt sich etwa ermitteln, dass in Deutschland rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig sind.

Mit solchen Zahlen soll vor Risikofaktoren gewarnt werden, die unter anderem ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum darstellen können. In der Folge wird Übergewicht ein Einfluss auf verschiedene Krankheiten attestiert.

Beeinflusst der BMI die Gesundheit?

Wissenschaftler der University of California in Los Angeles (UCLA) haben vor wenigen Jahren in einer Studie ermitteln können, dass der BMI in Wahrheit kaum Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Bei rund 54 Millionen US-Amerikanern mit – zumindest rein laut Interpretation ihres BMI – fragwürdigem Gesundheitszustand, konnten keine Auffälligkeiten in puncto Körperfettwerte, Blutdruck und Blutzuckerspiegel nachgewiesen werden. Trotzdem ist der BMI bis heute ein wichtiger Marker in der Gesundheitsforschung.

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Unterschiedliche Ansichten zu BMI-Relevanz

Der Münchener Diplom-Ökotrophologe Professor Nicolai Worm findet nicht, dass man den eigenen Body-Mass-Index kennen müsste. „Der BMI stellt nur die Körpermasse dar“, erklärt er FITBOOK. Diese bestehe aus Wasser, Muskeln, Bindegewebe, Knochen und Fett. Heute gäbe es aber auch immer mehr Menschen, vor allem Männer, die trotz eines relativ niedrigen BMI „eigentlich ziemlich fett sind“. Grund: Sie haben weniger Muskeln. Und da Muskeln überwiegend aus Wasser bestehen, habe man ohne sie ein geringeres Gewicht auf der Waage. Umgekehrt gilt auch, dass muskulöse Menschen mit faktisch wenig Fett dennoch einen BMI haben können, der sich als übergewichtig klassifiziert.

Zusammengefasst: „Individuell kann der BMI überhaupt nichts über Gesundheit oder Krankheitsrisiko sagen“, sagt Professor Worm, „er ist höchstens im Rahmen großer Bevölkerungsstatistiken aussagekräftig.“

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BMI für Einzelpersonen belanglos?

In größeren Forschungssituationen mit Hunderten Teilnehmern fielen Einzelpersonen – beispielsweise muskelbepackte Sportler mit einem entsprechend höheren BMI – nicht ins Gewicht für das Gesamtergebnis. Das erklärt, wieso der Wert bedeutsam ist, wenn man die Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten in der Bevölkerung erforscht. Wer jedoch sein persönliches Risiko auf Fettleber, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen einschätzen möchte, brauche ihm laut Professor Worm keine Beachtung zu schenken. Viel relevanter: etwaiges inneres Bauchfett.

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Gesundheitsrisiko Bauchfett

„Das innere Bauchfett ist eine große Drüse, die schädliche Botenstoffe produziert. Und diese lösen Entzündungsreaktionen im Körper aus“, warnt Dr. med Matthias Riedl, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe und Ernährungsmediziner am Medicum Hamburg, im FITBOOK-Interview. Je mehr inneres Bauchfett, desto stärker stiegen im Regelfall die Entzündungswerte im Blut an. Mögliche Folgen: Arterienverkalkung, erhöhter Blutdruck und -zucker. Diese Faktoren können Riedl zufolge das Risiko auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall massiv erhöhen.

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Wann hat man zu viel Bauchfett?

Man kann selbst ermitteln, ob man zu viel Bauchfett mit sich herumträgt: mit einem Maßband. Grob gesagt sollte der Taillenumfang mit zwei multipliziert die Körpergröße nicht überschreiten. Oder anders ausgedrückt: Der Taillenumfang sollte weniger als die Hälfte der Größe betragen. „Kritisch wird es bei Frauen, wenn der Taillenumfang bei über 88 Zentimeter liegt“, sagt Dr. Riedl. Bei Männern bestehe spätestens bei 102 Zentimetern dringender Handlungsbedarf. Wer sein Bauchfett verringern möchte, solle eine Zeit lang keinen Alkohol trinken, auf üppige Mahlzeiten verzichten und mit Sport anfangen.

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Fazit zum BMI

Nicht immer ist Panik angesagt, wenn Sie oberhalb des empfohlenen BMI-Wertes liegen! Erst recht nicht, wenn Sie in anderen Umständen sind, viel Kraftsport treiben oder etwa aus hormonellen Gründen mit Wassereinlagerungen zu kämpfen haben. Oder um es in den Worten des BMG zu sagen: „Das Gewicht von Leistungssportlern, Bodybuildern, Schwangeren und stillenden Mütter kann nicht mit dem Body-Mass-Index beurteilt werden.“ Auch umgekehrt ist ein niedriger BMI kein Freifahrtschein. Ein üppiger Bauchumfang steht auch für ein umfangreiches Risiko – ganz egal, wie schlank Sie laut einer Rechenformel sein mögen. Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie ihren Hausarzt aufsuchen. Hier bekommen Sie Klarheit – unabhängig vom BMI.

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