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Covid-19

Chronisches Erschöpfungssyndrom eine der möglichen Corona-Spätfolgen

Chronische Müdigkeit Corona
Ehemals Corona-Erkrankte klagen auch noch Wochen später über eine andauernde, scheinbar unerklärliche Müdigkeit und Erschöpfung.
Foto: Getty Images

Covid-19-Patienten klagen besonders häufig auch Wochen nach einer Infektion noch über eine anhaltende Erschöpfung. Was dahinter steckt und welche weiteren gesundheitlichen Einschränkungen ehemals Corona-Erkrankte außerdem nach ihrer Genesung erwarten könnten.

Nach einer überstandenen Corona-Infektion könnte das Chronische Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom (kurz: CFS) zu den möglichen Spätfolgen gehören. Darauf deuten zunehmend Einzelfall-Berichte hin. Beim CFS handelt es sich um eine neuroimmunologische Krankheit, die sich in erster Linie durch eine lang anhaltende, enorme Erschöpfung äußert. Dazu können weitere Beschwerden wie etwa Schlafstörungen, Hals- oder Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte auftreten.

Auch eine italienische Studie deutet auf CFS als mögliche Spätfolge hin. Insgesamt wurde dabei der weitere Verlauf von 143 Patienten untersucht, die aufgrund von Corona im Krankenhaus behandelt worden waren und nach WHO-Kriterien als genesen galten. Ergebnis: 53,1 Prozent der Personen gaben an, dass sie trotz der vermeintlichen Genesung unter anhaltender Müdigkeit und dauerhafter Erschöpfung litten.

Experten befürchten, dass es in den kommenden Monaten zu einer Häufung des Chronischen Erschöpfungssyndroms kommen wird. „Besorgniserregende Daten liefern frühere Sars- und Mers-Epidemien, nach denen CFS gehäuft aufgetreten ist“, erklärt Professor Dr. Carmen Scheibenbogen von der Charité Berlin in der Medizinzeitschrift „Medscape“. CFS entsteht häufig als Folge einer überstandenen Infektionskrankheit. Daher könnte nun auch SARS-CoV-2 ein erhöhtes Risiko darstellen. Auch epidemiologische Studien bestätigen den Anstieg von CFS nach neu auftretenden Infektionskrankheiten.

Die weiteren möglichen Corona-Spätfolgen

Neben dem Chronischen Erschöpfungssyndrom befürchten Experten weitere Spätfolgen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Eine britische Studie beschrieb Ende Juni im Fachblatt „The Lancet Psychiatry“ 153 Schicksale – ohne Anspruch auf Repräsentativität. Alle Patienten entwickelten als schwere Fälle in Kliniken im Zusammenhang mit Covid-19 Komplikationen. Darunter waren Schlaganfälle, aber auch Gehirnentzündungen und sogar Psychosen.

Eingeschränkte Lungenfunktion

Wenn in vielen deutschen Corona-Statistiken in den Fallzahl-Tabellen „genesen“ steht, heißt das, die Patienten sind auch wieder fit? Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat daran Zweifel. Bilder aus dem Computertomographen zeigten, dass viele Patienten mehr oder weniger starke Lungenschäden aufwiesen, heißt es. Die Uniklinik Augsburg veröffentlichte dazu im Juli auch Bilder nach Obduktionen. Die Lungen mancher Corona-Opfer sahen erschreckend aus – löchrig wie ein Schwamm.

Die Augsburger Ärzte kamen zu dem Schluss, dass diese Schäden nicht durch die Beatmung, sondern am ehesten direkt durch das Virus entstanden waren. Was heißt das für die Lebenden?

„Es wird vermutet, dass es Spätfolgen geben kann“, sagt Blum. „Insbesondere im Bereich der Lunge.“ Dabei gehe es nicht allein um Covid-Patienten, die lange Zeit an Beatmungsgeräten lagen. „Da wissen wir, dass es Narben im Bereich der Lunge geben kann.“ Wesentliche Fragen beträfen insbesondere die leichteren Fälle. Menschen, die nicht ins Krankenhaus mussten. „Möglicherweise kann dieses neue Coronavirus auch bei ihnen länger anhaltende oder gar dauerhafte Folgeschäden in der Lunge auslösen“, sagt Blum. Konkret heißt das: Luftnot – vor allem bei Anstrengung.

Bereits im März zu Beginn der Pandemie wurde die Befürchtung geäußert, dass nach einer überstandenen Covid-19-Infektion Lungenschäden zurückbleiben könnten. Ärzte in den Krankenhäusern der Millionenstadt Hongkong hatten eine Untersuchung mit zwölf bereits geheilten Patienten durchgeführt, wie die „South China Morning Post“  berichtete. Bei zwei bis drei der beobachteten Patienten sei es zu einer Veränderung der Lungenkapazität gekommen, so die Aussage des Direktors des Zentrums für Infektionskrankheiten des Princess Margaret Hospitals in Hongkong, Dr. Owen Tsang Tak-yin. In einer offiziellen Pressekonferenz berichtete er, dass einige Patienten schwerer atmen müssten, wenn sie etwas schneller laufen und es zu einem Abfall der Lungenfunktion von 20 bis 30 Prozent gekommen sei. Auch hätten Lungenscans ergeben, dass insgesamt neun der zwölf Patienten in Folge des Virus eine Organschädigung erlitten haben.

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Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Weiter erklärte der Medizindekan des Uniklinikums Schleswig-Holsteins in Kiel, Prof. Dr. med. Joachim Thiery in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, man befürchte in langfristiger Hinsicht auch negative Auswirkungen von Covid-19 auf das Herz-Kreislauf-System. Er schließt nicht aus, dass das Virus in der Folge auch Herzkrankheiten, wie beispielsweise einen Herzinfarkt auslösen könne.

Der Annahme, dass das Herz durch das Coronavirus dauerhaft geschädigt werden könnte, schließt sich auch Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, an . „Bei stationären Patienten mit Covid-19 sehen wir einige mit heftigen Troponin-Ausschlägen“, erklärt der Mediziner in der „Süddeutschen Zeitung“. Das gelte als Anzeichen für ein Absterben von Herzmuskelzellen.

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Schlaganfälle durch Auswirkungen auf das Nervensystem

Einigkeit in der Wissenschaft scheint auch darüber zu herrschen, dass Covid-19 nicht nur die Lunge befällt, sondern auch Auswirkungen auf das Nervensystem haben kann. So häufen sich Berichte über einen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes bei Corona-Patienten. Dieser soll zwar bei den meisten Erkrankten nach einigen Wochen wieder zurück kehren, jedoch lege die Erfahrung mit der Influenza-Grippe nahe, dass ein bleibender Verlust der Geruchs- und Geschmacksnerven in Folge einer Infektionskrankheit nicht ganz auszuschließen sei. So zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Neurologen Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Auch in China und Italien wurden Krankheitsverläufe beobachtet, die Grund zur Annahme geben, dass Covid-19 das Gehirn angreifen könnte. So hatten einige Corona-Patienten neurologische Symptome, wie Sinnesausfälle, Kopfschmerzen, Schwindel bis hin zu Hirnschlägen und Krämpfen.

Laut Prof. Thiery vom Uniklinikum Schleswig-Holstein müsse man besonders deshalb auch nach einer Corona-Genesung noch wachsam hinsichtlich möglicher Spätfolgen sein. „Die überschießende Entzündung verursacht bei manchen Patienten schwere Schädigungen der inneren Aderhaut, die Mikrogerinnsel auslösen könnten“, erklärt der Medizinprofessor. Daher bestehe unter Umständen auch nach überstandener Covid-19-Erkrankung das Risiko eines Schlaganfalls.

Mögliche neue Krankheitsbilder

Es bestehe aber das Risiko, dass es Spätfolgen gebe, urteilt Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing. „Ein Teil der Patienten wird langfristig Probleme entwickeln. Ich denke schon, dass wir hier sekundär durch Covid-19 auch neue Krankheitsbilder generieren.“ Das Coronavirus könne eben nicht nur die Lunge, sondern letztlich jede Zelle des Körpers befallen, ergänzt Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. „Unzweifelhaft ist Covid 19 eine Systemerkrankung.“

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