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Britische Studie fand heraus

Tinnitus und Gehörverlust mögliche Spätfolgen einer Corona-Infektion

Corona Spätfolgen
Eine aktuelle Studie hat Gehörverlust und Tinnitus als weitere mögliche Spätfolgen einer Corona-Infektion identifiziertFoto: Getty Images

Führt Covid-19 zu einer langfristigen Schädigung des Gehörs? Eine britische Studie ist dieser Frage nachgegangen, nachdem zahlreiche Patient*innen nach ihrer Entlassung aus der Klinik von einer Veränderung des Hörsinns berichtet hatten. Welche Spätfolgen eine Infektion mit dem Coronavirus sonst noch haben kann, lesen Sie hier.

Die Liste der möglichen Corona-Spätfolgen wird immer länger. Wie schon andere Infektionskrankheiten, wie Masern, Mumps oder Meningitis, soll auch Covid-19 zu einem Verlust des Gehörs führen können.

Auditive Spätfolgen wie Hörverlust und Tinnitus

Betroffenen fällt häufig gar nicht auf, dass sie an einem Hörverlust leiden. Erst wenn Familie, Freunde oder Kollegen sie darauf ansprechen, dass sie lauter sprechen, häufiger nachfragen oder den Fernseher lauter drehen, wird den Patient*innen bewusst, dass er oder sie schlechter hört. Ein Tinnitus macht sich hingegen meist deutlich schneller bemerkbar. Dabei handelt es sich um anhaltende – oft störende – Ohrengeräusche, die der Betroffene selbst „produziert“. Sowohl ein Tinnitus, als auch ein Hörverlust, können Spätfolgen einer Corona-Infektion sein. Schwindel kann ebenfalls dazuzählen.

Das fand die Studie heraus

„In den letzten Monaten haben ich zahlreiche E-Mails von Menschen bekommen, die von einer Veränderung ihres Gehörs oder einem Tinnitus nach ihrer Covid-19-Infektion berichten“, erzählt Professor Kevin Munro in einer Pressemitteilung. Er hat gemeinsam mit anderen Forscher*innen der University of Manchester und des NIHR Manchester Biomedial Research Centres zu diesem Thema geforscht. Anlass dazu waren nicht nur die Berichte der Betroffenen, sondern auch die Tatsache, dass andere Infektionskrankheiten, wie Meningitis, Masern oder Mumps, ebenfalls zu Schädigungen des Gehörs führen können.

Für die Studie analysierte das Forscherteam 56 Studien, die einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und auditiven Problemen oder Problemen mit dem Gleichgewicht hergestellt hatten. Aus 24 dieser Studien zogen Munro und sein Team Daten, anhand derer sich zeigte, dass die Häufigkeit von Schwindel bei 7,2 Prozent, die eines Gehörverlustes bei 7,6 Prozent und die eines Tinnitus sogar bei 14,8 Prozent lag.

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Forscher warnt vor auditiven Spätfolgen

Professor Munro weist daraufhin, dass die 24 Studien von unterschiedlicher Qualität waren und anhand von Fragebögen oder Gesundheitsdaten zu ihren Ergebnissen gekommen sind. Ein verlässlicher und abschließender Hörtest wurde nur selten durchgeführt. Aus diesem Grund leitet Munro eine einjährige britische Studie, die untersucht, wie sich Covid-19 langfristig auf das Gehör von Menschen auswirkt, die wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in einer Klinik behandelt wurden.

Trotz der noch anhaltenden Forschung warnt Munro bereits jetzt vor auditiven Spätfolgen. Seine bisherigen Ergebnisse lägen nahe, dass mehr als 13 Prozent der aus dem Krankenhaus entlassenen Corona-Patient*innen von einer Veränderung ihres Hörsinns berichten würden. „Wir hoffen, dass diese Studie zur Gewichtung der wissenschaftlichen Beweise beiträgt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Covid-19 und Problemen mit dem Gehör gibt.“ Es müsse allerdings noch untersucht werden, ob die durch die Infektion oder beispielsweise die Behandlung verursacht würden.

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Weitere mögliche Spätfolgen einer Corona-Infektion

Chronisches Erschöpfungssyndrom

Viele Covid-19-Patienten klagen noch Wochen nach überstandener Infektion über anhaltende Erschöpfungssymptome. Schon länger wird deshalb vermutet, dass es sich beim Chronischen Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom (kurz: CFS) um eine mögliche Corona-Spätfolge handeln könnte. Verschiedene Einzelfall-Berichte und eine Studie legen es nahe.

Eine kleine Studie vom Trinity College in der irischen Hauptstadt Dublin scheint das zu bestätigen. Das Forscherteam um Liam Townsend hat 128 Patienten (Durchschnittsalter: 50) untersucht, deren Corona-Infektion mehr als zehn Wochen zurückgelegen haben soll. Und noch immer will sich mehr als die Hälfte von ihnen abgeschlagen gefühlt haben. Ein Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung war nicht erkennbar. Dies teilte das Team im Vorfeld einer Konferenz zu Corona-Themen mit.

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67 Prozent aller Probanden mit Ermüdungssyndrom waren weiblich. Häufiger seien zudem Menschen gewesen, bei denen früher Angstzustände oder Depressionen diagnostiziert worden waren. Von 61 Teilnehmern ohne andauernde Abgeschlagenheit hatte nur einer bereits eine solche psychische Störung. Von 67 Personen mit anhaltender Müdigkeit hatten neun zuvor Angstzustände oder Depressionen.

FITBOOK hatte bereits im August von einer italienischen Studie berichtet, die zu einem sehr ähnlichen Ergebnis gekommen war. Die Details dazu finden Sie hier im Abstract.

Die Studienverantwortlichen befragte 143 nach WHO-Kriterien „genesene“ Patienten, die zuvor aufgrund von Corona im Krankenhaus behandelt worden waren. Mehr als die Hälfte von ihnen (53,1 Prozent) gaben an, dass sie weiterhin unter anhaltender Müdigkeit und dauerhafter Erschöpfung litten.

Bereits damals befürchtete Experten, dass es in den kommenden Monaten zu einer Häufung des Chronischen Erschöpfungssyndroms kommen wird. Grund dafür seien „frühere besorgniserregende Daten von Sars- und Mers-Epidemien, nach denen CFS gehäuft aufgetreten ist“. Das erklärte im Zusammenhang mit der italienischen Studie Frau Professor Dr. Carmen Scheibenbogen von der Charité Berlin in der Medizinzeitschrift „Medscape“.

Was ist CFS? CFS ist eine neuroimmunologische Krankheit. Sie äußert sich in erster Linie durch eine enorme und anhaltende Erschöpfung. Dazu können weitere Beschwerden wie etwa Schlafstörungen, Hals- oder Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte auftreten.

CFS entsteht häufig als Folge einer überstandenen Infektionskrankheit. Daher könnte nun auch Sars-CoV-2 ein erhöhtes Risiko darstellen. Auch epidemiologische Studien bestätigen den Anstieg von CFS nach neu auftretenden Infektionskrankheiten.

Eingeschränkte Lungenfunktion

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) warnt vor Folgen – auch nach überstandener Covid-19-Erkrankung. Bilder aus dem Computertomographen zeigten, dass viele Patienten mehr oder weniger starke Lungenschäden aufwiesen, heißt es. Die Uniklinik Augsburg veröffentlichte dazu im Juli auch Bilder nach Obduktionen. Die Lungen mancher Corona-Opfer sahen erschreckend aus: löchrig wie ein Schwamm.

Die Augsburger Ärzte kamen zu dem Schluss, dass diese Schäden nicht durch die Beatmung, sondern am ehesten direkt durch das Virus entstanden waren. Aber was heißt das für die Lebenden?

„Es wird vermutet, dass es Spätfolgen geben kann“, sagt Blum. „Insbesondere im Bereich der Lunge.“ Dabei gehe es nicht allein um Covid-Patienten, die lange Zeit an Beatmungsgeräten lagen. „Da wissen wir, dass es Narben im Bereich der Lunge geben kann.“ Wesentliche Fragen beträfen insbesondere die leichteren Fälle. Menschen, die nicht ins Krankenhaus mussten. „Möglicherweise kann dieses neue Coronavirus auch bei ihnen länger anhaltende oder gar dauerhafte Folgeschäden in der Lunge auslösen“, sagt Blum. Konkret heißt das: Luftnot – vor allem bei Anstrengung.

Veränderte Lungenkapazität

Bereits im März, also zu Beginn der Pandemie, galten bleibende Lungenschäden als denkbar. Ärzte in den Krankenhäusern der Millionenstadt Hongkong hatten eine Untersuchung mit zwölf bereits geheilten Patienten durchgeführt, wie die „South China Morning Post“  berichtete. Bei zwei bis drei der beobachteten Patienten sei es zu einer Veränderung der Lungenkapazität gekommen, so die Aussage des Direktors des Zentrums für Infektionskrankheiten des Princess Margaret Hospitals in Hongkong, Dr. Owen Tsang Tak-yin. In einer offiziellen Pressekonferenz berichtete er, dass einige Patienten schwerer atmen müssten, wenn sie etwas schneller laufen, und dass es zu einem Abfall der Lungenfunktion von 20 bis 30 Prozent gekommen sei. Lungen-Scans hätten auch ergeben, dass insgesamt neun der zwölf Patienten in Folge des Virus eine Organschädigung erlitten haben.

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Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Weiter erklärte der Medizindekan des Uniklinikums Schleswig-Holsteins in Kiel, Prof. Dr. med. Joachim Thiery in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, man befürchte in langfristiger Hinsicht auch negative Auswirkungen von Covid-19 auf das Herz-Kreislauf-System. Er schließt nicht aus, dass das Virus in der Folge auch Herzkrankheiten, wie beispielsweise einen Herzinfarkt auslösen könne.

Der Annahme, dass das Herz durch das Coronavirus dauerhaft geschädigt werden könnte, schließt sich auch Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, an. „Bei stationären Patienten mit Covid-19 sehen wir einige mit heftigen Troponin-Ausschlägen“, erklärt der Mediziner in der „Süddeutschen Zeitung“. Das gelte als Anzeichen für ein Absterben von Herzmuskelzellen.

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Schlaganfälle durch Auswirkungen auf das Nervensystem

Einigkeit in der Wissenschaft scheint auch darüber zu herrschen, dass Covid-19 nicht nur die Lunge befällt, sondern auch Auswirkungen auf das Nervensystem haben kann. So häufen sich Berichte über einen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes bei Corona-Patienten. Dieser soll zwar bei den meisten Erkrankten nach einigen Wochen wieder zurückkehren, jedoch lege die Erfahrung mit der Influenza-Grippe nahe, dass ein bleibender Verlust der Geruchs- und Geschmacksnerven in Folge einer Infektionskrankheit nicht ganz auszuschließen sei. So zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Neurologen Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Auch in China und Italien wurden Krankheitsverläufe beobachtet, die Grund zur Annahme geben, dass Covid-19 das Gehirn angreifen könnte. So hatten einige Corona-Patienten neurologische Symptome, wie Sinnesausfälle, Kopfschmerzen, Schwindel bis hin zu Hirnschlägen und Krämpfen.

Laut Prof. Thiery vom Uniklinikum Schleswig-Holstein müsse man besonders deshalb auch nach einer Corona-Genesung noch wachsam hinsichtlich möglicher Spätfolgen sein. „Die überschießende Entzündung verursacht bei manchen Patienten schwere Schädigungen der inneren Aderhaut, die Mikrogerinnsel auslösen könnten“, erklärt der Medizinprofessor. Daher bestehe unter Umständen auch nach überstandener Covid-19-Erkrankung das Risiko eines Schlaganfalls.

Mögliche neue Krankheitsbilder

Es bestehe aber das Risiko, dass es Spätfolgen gebe, urteilt Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing. „Ein Teil der Patienten wird langfristig Probleme entwickeln. Ich denke schon, dass wir hier sekundär durch Covid-19 auch neue Krankheitsbilder generieren.“ Das Coronavirus könne eben nicht nur die Lunge, sondern letztlich jede Zelle des Körpers befallen, ergänzt Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. „Unzweifelhaft ist Covid 19 eine Systemerkrankung.“

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