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Muss man wirklich 2 Liter Wasser pro Tag trinken?

Studie stellt Empfehlung infrage

Muss man wirklich 2 Liter Wasser pro Tag trinken?

2 Liter Wasser pro Tag: Jemand schenkt ein Glas wasser ein
Acht Gläser bzw. 2 Liter Wasser pro Tag gelten als empfohlen. Doch diese Trinkmenge wäre für die meisten von uns zu viel, erklären Forscher auf Basis einer aktuellen Studie.Foto: Getty Images

Im Sinne der Gesundheit gilt es als essenziell, ausreichend zu trinken. Offiziellen Empfehlungen nach sollten es mindestens 1,5 Liter, gern auch 2 Liter Wasser pro Tag sein. Doch wie eine Studie nun nahelegt, sind bei vielen Menschen bereits deutlich geringere Mengen ausreichend.

Ausreichend zu trinken, gilt als lebensnotwendig. Denn der Körper besteht zu rund der Hälfte aus Wasser, wovon große Mengen über die Atmung und das Schwitzen verloren gehen. Damit unsere vitalen Funktionen aufrechterhalten werden können, muss der Wasserverlust kompensiert werden. Aus diesem Grund sollten Erwachsene täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen und je nach Belastung entsprechend mehr – so erklärt es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)1. In den USA hält sich dagegen die „8-mal 8“-Regel, die tägliche acht Gläser à acht Unzen (entspricht etwa 0,24 Litern) und somit insgesamt rund zwei Liter vorschreibt. Ein internationales Forscherteam hat diese Empfehlung nun hinterfragt – mit überraschendem Ergebnis.

Laut Studie müssen es nicht 2 Liter Wasser pro Tag sein

Zwei Liter Wasser pro Tag sind viel. Zum einen subjektiv betrachtet, denn vielen Menschen fällt es schwer, die empfohlenen Flüssigkeitsmengen zu sich zu nehmen. Auf der anderen Seite ist der weltweite Wasserbedarf ein ökologisches Problem, welches vor dem Hintergrund von Überbevölkerung und Klimawandel stetig zunimmt. Mehr als 90 Forscher verschiedener US-amerikanischer und japanischer Universitäten haben sich daher zusammengetan, um zu ermitteln, wie viel Allgemeingültigkeit in der hohen Empfehlung zur Wasserzufuhr steckt. Denn: „Je besser wir verstehen, wie viel benötigt wird, desto besser sind wir darauf vorbereitet, im Notfall zu reagieren“, erklärt Studien-Co-Autor und Ernährungswissenschaftler Dale Schoeller von der University of Wisconsin–Madison in einer aktuellen Pressemitteilung.2 Und wie die Untersuchung zeigte, lässt sich die Empfehlung tatsächlich (zumindest teilweise) herunter korrigieren.

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Ablauf der Untersuchung

Details zur Studie sind aktuell im Fachblatt „Science“ nachzulesen3. Demnach haben die Forscher mehr als 5600 Gesundheitsdaten aus insgesamt 26 verschiedenen Ländern ausgewertet. Unter den Probanden waren von Säuglingen bis hin zu 96-Jährigen sämtliche Altersgruppen vertreten. Die jeweils dokumentierten Trinkmengen reichten von einem Liter über sechs bis hin zu zehn Litern Wasser pro Tag. Dabei soll die Trinkmenge bei den Männern im Alter von Mitte 20 am größten gewesen sein und bei täglich rund 3,2 Litern gelegen haben. Die weiblichen Probanden dagegen tranken mit 20 so viel wie mit 55 Jahren – durchschnittlich 2,7 Liter pro Tag.

Insgesamt zeigten sich zwischen den Individuen deutliche Unterschiede. Diese sprechen laut Scholler vor allem für eins: dass keine allgemeingültige Empfehlung möglich sei.

Untersuchung mit „markiertem Wasser“

Das Forscherteam ist bei seiner Analyse anders vorgegangen als in vorangegangenen Studien. Denn gemeinhin arbeitet man mit Angaben von Studienteilnehmerinnen zu deren Trinkgewohnheiten. Diesmal wurde dagegen der konkrete „Wasserumsatz“ untersucht, sprich wie effizient das Wasser vom Körper genutzt wird. Dafür haben die Forscher „markiertem Wasser“ gearbeitet. Dieses enthielt trackbare Wasserstoff- und Sauerstoffisotope. Isotope sind Atome einzelner Elemente, deren Gewicht sich von anderen Atomen desselben Elements unterscheiden lassen – dadurch waren sie in den Proben unterscheidbar. Für die Untersuchung sollten die Probanden bestimmte Mengen dieses Wassers trinken. Über deren Urin konnten die Forscher nachvollziehen, wie viel der Isotope in welchem Tempo ausgeschieden wurden. Dadurch konnten sie unter anderem darauf schließen, wie gut der tatsächliche Wasserumsatz war.

Tatsächlicher Wasserbedarf hängt von mehreren Faktoren ab

Bei der Auswertung berücksichtigen die Forscher verschiedene Einflussfaktoren aus der Umgebung der Probanden (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhenlage). Sie zogen den sogenannten Human Development Index (HDI) heran, ein auch als Wohlstandsindex bekannter offizieller Indikator zur „menschlichen Entwicklung“ in verschiedenen Staaten. Hier fließen Informationen wie das Pro-Kopf-Einkommen, die durchschnittlicher Ausbildung und Lebenserwartung der Bevölkerung hinein. Ebenso spielten die Parameter Geschlecht, Körpermasse, Alter und Fitnesslevel eine Rolle.

Körperliche Aktivität erhöht den Umsatz

Die Forscher stellten fest, dass die körperliche Aktivität der Probanden und ihr Fitnesslevel den wesentlichsten Einfluss auf ihren Wasserumsatz hatte. Geschlecht und Alter spielten dagegen eine untergeordnete Rolle. In Entwicklungsländern war der Verbrauch höher als in Industrienationen, oder wie die Studienautoren es zusammenfassen: je niedriger der HDI eines Landes, desto höher der individuelle Wasserbedarf. „Das lässt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren erkennen“, so Schoeller. Demnach lebten Menschen in Ländern mit niedrigem HDI häufiger in Gebieten mit höheren Durchschnittstemperaturen. Sie verrichten vermehrt körperliche Arbeit und hielten sich seltener in klimatisierten Gebäude auf. „Dies sowie auch der schlechtere Zugang zu sauberem Wasser erhöht den Wasserbedarf.“

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Wie viel Wasser soll man also trinken?

Wie viel Wasser man beispielsweise mit einem Bürojob in Deutschland trinken soll, geht aus der Untersuchung nicht hervor. Den Forschern gehe es in erster Linie darum, zu mahnen, nicht (unnötig) viel Wasser zu trinken, bloß weil eine vermeintliche Empfehlung dazu aufruft. „Die Wissenschaft hat die alte 8-Gläser-Richtlinie nie unterstützt“, erklärt Ernährungswissenschaftler Schoeller weiter. Schon allein deshalb nicht, weil darin die Wasserzufuhr über die Ernährung gar nicht berücksichtigt werde. Bekanntlich enthalten verschiedene Gemüse- und Salatsorten reichlich Wasser. Umso weniger müsse demnach – wenn man sich ausgewogen ernährt – noch auf eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr achten.

Haben Sie eine Frage aus dem Bereich Fitness oder Ernährung? Schicken Sie uns diese gerne zu – per Mail an info@fitbook.de. Wir wählen die interessantesten Fragen aus und beantworten sie mit Unterstützung unseres Experten-Teams und der aktuellen Studienlage. Wir sind gespannt!

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