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Corona-Spätfolgen

Neue Forschungsergebnisse zu Symptomen von Long Covid

Eine erschöpfte junge Frau liegt auf dem Sofa
Wer sich impfen lässt, kann sich nicht nur vor einer heftig verlaufenden Covid-Erkrankung, sondern auch vor Spätfolgen schützenFoto: Getty Images

Es gibt viele Berichte von Menschen, die sich nach überstandener Coronainfektion nicht wieder fit fühlen. Sie klagen über Müdigkeit, sind nicht mehr leistungsfähig. Solche Symptome werden Long Covid oder Post Covid genannt. Das chronische Erschöpfungssyndrom ist nur eines von vielen, das in Untersuchungen entdeckt wurde. Doch es gibt einen Lichtblick: Corona-Impfungen.

Etwa zehn Prozent – so schätzen Experten – ehemals mit SARS-CoV-2-Infizierter leiden auch Wochen und Monate später noch an Symptomen. Sie betreffen das Herz-Kreislauf-System, das Gehör, die Lungenfunktion, den Stoffwechsel und sogar das Nervensystem. Gaben die Corona-Spätfolgen besonders zu Anfang der Pandemie viele Rätsel auf, weiß man knapp zwei Jahre später schon mehr. Was Long Covid alles beinhalten kann und warum auch diesbezüglich Impfungen wichtig sind, hat FITBOOK zusammengetragen.

Impfungen helfen gegen Corona-Spätfolgen

Die gute Nachricht zuerst: Genauso, wie man sich mit Impfungen vor Infektionen oder schweren Krankheitsverläufe schützen kann, so vermindern die Vakzine laut Studien auch das Risiko von Corona-Spätfolgen. Für eine in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichten Untersuchung werteten Forscher Daten aus einer App aus, über die Covid-Patienten Beschwerden melden konnten.1 Zweifach geimpfte Menschen klagten nach einer Durchbruchsinfektion deutlich seltener über anhaltende (mehr als 28 Tage nach Infektion) Symptome als ungeimpfte Menschen. Häufig ging die Erkrankung ganz ohne Symptome vorbei.

Eine zweite, noch nicht veröffentlichte, Studie kommt zu dem Schluss, dass eine zweifache Impfung nach einer Durchbruchsinfektion vor vielen, aber nicht vor allen Long-Covid-Beschwerden schützt.2

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Krankheitsbild Long Covid nicht mehr so nebulös

Laut Mediziner Dominik Buckert vom Universitätsklinikum Ulm lassen sich die Beschwerden grob in zwei Gruppen einteilen. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen seien Schäden an Organen wie Herz oder Lunge nachweisbar. Deutlich mehr kämpften mit eher funktionellen Beeinträchtigungen wie einer geringeren Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen oder anhaltenden Riech- und Schmeckstörungen.

Während bei einigen Patienten die Beschwerden eher moderat sind, haut es andere zumindest vorübergehend völlig aus dem Leben. Immerhin: Die Heilungsaussichten sind bei vielen Menschen – zumindest auf lange Sicht – gut.

Long Covid vs. Post Covid

Übrigens unterscheiden Experten mittlerweile auch zwischen Long Covid und Post Covid. Von Long Covid spricht man bei Corona-Spätfolgen, die bis rund vier Wochen nach der Infektion andauern. Schränken Beschwerden, die auf die Covid-Erkrankung zurückzuführen sind, den Alltag der Betroffenen sogar länger als 12 Wochen ein, ist von Post Covid die Rede.

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Corona-Spätfolgen – rund 200 Langzeit-Symptome identifiziert

Seit sich recht schnell nach der rasanten Verbreitung des Coronavirus in der Welt auch Corona-Spätfolgen abzeichneten, ist die Forschung dabei, diese immer besser zu verstehen. So konnte eine Studie aus England 200 Langzeit-Symptome identifizieren. Für die Untersuchung arbeitete eine Selbsthilfegruppe von ehemaligen Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die an Corona-Spätfolgen leiden, mit dem University College London zusammen. Die Gruppe mit dem Namen „Body Politik“ hatte im September 2020 eine Umfrage unter anderen Patientenver­bän­den und in den sozialen Medien durchgeführt. Bis Ende November hatten 3762 Betroffene ab 18 Jahren aus 56 Ländern den aus­führlichen Fragebogen (257 Fragen) ausgefüllt. Ergebnis der Auswertung: Mögliche Spätfolgen von Covid-19 können sehr vielfältig sein können. Identifiziert wurden insgesamt 203 Symptome aus zehn Organsystemen.3

Die häufigsten Symptome

Zu den häufigsten Symptomen zählen Fatigue bzw. chronisches Erschöpfungssyndrom, kognitive Störungen, auch als „Brain Fog“ bezeichnet und „Post Exertional Malaise“ (Verschlechterung der Symptome nach geistiger oder körperlicher Aktivität). Weitere Symptome sind visuelle Halluzinationen, Tremor, Juckreiz, Menstruations­be­schwerden, sexuelle Dysfunktion, Palpitationen, Probleme mit der Blasenkontrolle, Gürtelrose, Ge­dächt­nisverlust, Sehstörungen, Durchfall und Tinnitus.

Symptome aus 10 Organsystemen

  • Systemisch (das gesamte Organsystem betreffend): Fatigue, Fieber, „Post Exertional Malaise“
  • Neuropsychiatrisch: Kognitive Funktionen, Erinnerung, Sprechen und Sprache, neurologische Empfindungsstörung, Schlaf, Kopfschmerzen, Emotionen und Stimmung, Tast- und Geruchssinn, Halluzinationen
  • Herz-Kreislauf: Symptome, die mit dem Herzen zusammenhängen
  • Dermotologisch: Symptome, die mit der Haut zusammenhängen, z.B. Juckreiz
  • Magen-Darm: Symptome, die mit dem Magen und/oder Darm zusammenhängen und z.B. den Appetit beeinflussen
  • Lungen- und Atemwege: Symptome, die die Atmung betreffen
  • Oft, Ohren, Augen, Nase und Rachen: sowohl physische als auch sensorische Symptome, die mit diesen Körperbereichen zusammenhängen
  • Harn- und Geschlechtsorgane und endokrine Drüsen (z.B. Schilddrüse): Symptome, die die Menstruation betreffen, Durst, Urinfunktion, niedriger und hoher Blutzuckerspiegel
  • Immunsystem und Abwehrsystem: Neue und verstärkte Immunreaktionen
  • Bewegungsapparat: Engegefühl in der Brust, Beschwerden und Schmerzen entlang des gesamten Bewegungsapparats

Mit weiteren Studien den Corona-Spätfolgen auf der Spur

In der englischen Studie beantworteten die Long-Covid-Patienten die Fragen des Fragebogens frei aus ihrer Erinnerung heraus. Das Phänomen der Erinnerungsverzerrung kann daher nicht ausgeschlossen werden. Dennoch machen die Ergebnisse deutlich, wie vielfältig die Symptome von Corona-Spätfolgen sein können – und lassen vermuten, dass eine große Zahl Covid-19-Genesener wahrscheinlich gar nicht weiß, dass sie an Spätfolgen leidet. Umso wichtiger sind weitere Studien zu einzelnen Symptomen. Einige von denen, die es bereits gibt, stellt FITBOOK hier einmal vor.

Fatigue bzw. chronisches Erschöpfungssyndrom

Die häufigste Spätfolge einer Coronainfektion: Noch Wochen nach überstandener Infektion klagen viele Covid-19-Patienten über anhaltende Erschöpfungssymptome. Schon länger wird deshalb vermutet, dass es sich beim Chronischen Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom (kurz: CFS) um eine mögliche Corona-Spätfolge handeln könnte. Zahlreiche Einzelfallberichte sowie Studien legen es nahe.

Was ist CFS? CFS ist eine neuroimmunologische Krankheit. Sie äußert sich in erster Linie durch eine enorme und anhaltende Erschöpfung. Dazu können weitere Beschwerden wie etwa Schlafstörungen, Hals- oder Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte auftreten.

Eine klein angelegte Studie des Trinity College in Dublin hatte 128 Patienten (Durchschnittsalter: 50) untersucht, deren Coronainfektion mehr als zehn Wochen zurücklag. Mehr als die Hälfte berichtete, sich noch immer abgeschlagen zu fühlen. Ein Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung sei nicht erkennbar gewesen, teilten die Forscher damals mit. 4

67 Prozent aller Probanden mit Ermüdungssyndrom waren weiblich. Häufiger seien zudem bei Menschen aufgetreten, bei denen früher Angstzustände oder Depressionen diagnostiziert worden waren. Von 61 Teilnehmern ohne andauernde Abgeschlagenheit hatte nur einer bereits eine solche psychische Störung. Von 67 Personen mit anhaltender Müdigkeit hatten neun zuvor Angstzustände oder Depressionen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam bereits eine italienische Studie im Juli 2020. Dazu hatten Forschende 143 nach WHO-Kriterien „genesene“ Patienten, die zuvor aufgrund von Corona im Krankenhaus behandelt worden waren, befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen (53 Prozent) gaben an, dass sie weiterhin unter anhaltender Müdigkeit und dauerhafter Erschöpfung litten.5

Bereits damals befürchtete Experten, dass es in den kommenden Monaten zu einer Häufung des Chronischen Erschöpfungssyndroms kommen wird. Grund dafür seien „frühere besorgniserregende Daten von Sars- und Mers-Epidemien, nach denen CFS gehäuft aufgetreten ist“. Das erklärte im Zusammenhang mit der italienischen Studie Frau Professor Dr. Carmen Scheibenbogen von der Charité Berlin in der Medizinzeitschrift „Medscape.6

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Hörverlust und Tinnitus

Führt Covid-19 zu einer langfristigen Schädigung des Gehörs? Zur Beantwortung ging der Wissenschaftler Kevin, Munro, Professor für Audiologie an der Universität Manchester, im März 2021 zahlreichen Rückmeldungen von Menschen nach, die ihm von einer Veränderung ihres Gehörs oder einem Tinnitus nach überstandener Covid-19-Infektion berichtet hatten.7 Dazu analysierten Munro und sein Team eine Vielzahl an Studien, die einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und auditiven Problemen oder Problemen mit dem Gleichgewicht hergestellt hatten (die Ergebnisse waren anhand von Fragebögen oder Gesundheitsdaten zustande gekommen, ein Hörtest wurde nur selten durchgeführt). Herausgefilterte Daten zeigten, dass die Häufigkeit von Schwindel bei 7,2 Prozent, die eines Gehörverlustes bei 7,6 Prozent und die eines Tinnitus sogar bei 14,8 Prozent lag.

Munro, der seine Forschung auf Patienten ausweitete, die wegen einer Coronainfektion klinisch behandelt werden mussten, warnt vor auditiven Corona-Spätfolgen. Seine bisherigen Ergebnisse würden nahelegen, dass mehr als 13 Prozent der aus dem Krankenhaus entlassenen Corona-Patient*innen von einer Veränderung ihres Hörsinns berichten würden – sowohl Tinnitus, als auch Hörverlust. „Wir hoffen, dass diese Studie zur Gewichtung der wissenschaftlichen Beweise beiträgt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Covid-19 und Problemen mit dem Gehör gibt“, so der Wissenschaftler. Allerdings müsse noch untersucht werden, ob diese durch die Infektion oder beispielsweise die Behandlung verursacht würden. Eine Schädigung des Gehörs durch Infektionskrankheiten wie Meningitis, Masern oder Mumps ist bereits bekannt.

Hörverlust und Tinnitus: Betroffenen fällt häufig gar nicht auf, dass sie an einem Hörverlust leiden. Erst wenn Familie, Freunde oder Kollegen sie darauf ansprechen, dass sie lauter sprechen, häufiger nachfragen oder den Fernseher lauter drehen, wird den Patient*innen bewusst, dass er oder sie schlechter hört.
Ein Tinnitus macht sich hingegen meist deutlich schneller bemerkbar. Dabei handelt es sich um anhaltende – oft störende – Ohrengeräusche, die der Betroffene selbst „produziert“.

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Immunreaktion und Haarausfall

Auch Haarausfall zählt zur Liste möglicher Spätfolgen einer Coronainfektion. Als Auslöser werden sowohl Stress im Zusammenhang mit der Infektion als auch eine Immunreaktion: Wenn der Körper Antikörper gebildet hat, kann starker, gar Strähnen dicker Haarausfall die Folge sein. Laut Jördis Frommhold, Chefärztin der Median-Klinik in Heiligendamm, gebe es bereits den Nachweis, dass nach einer Covid-19-Erkrankung Autoantikörper gegen die Haarwurzeln gebildet werden, was zum typischen Long-Covid-Haarausfall führt, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Haarausfall als weitere Corona-Spätfolge.

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Schädigung der Lunge

Die „Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin“ (DGP) warnt vor weiteren möglichen Corona-Spätfolgen. Bilder aus dem CT zeigten, dass viele Patienten mehr oder weniger starke Lungenschäden aufwiesen, heißt es. Die Uniklinik Augsburg veröffentlichte dazu im Juli 2020 auch Bilder nach Obduktionen. Die Lungen mancher Corona-Todesoper sahen löchrig wie ein Schwamm aus.

Die Augsburger Ärzte kamen zu dem Schluss, dass diese Schäden nicht durch die Beatmung, sondern am ehesten direkt durch das Virus entstanden waren. Für die Lebenden bedeutet dies, dass sie an Luftnot leiden – vor allem bei Anstrengung.

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Veränderte Lungenkapazität

Bereits im März 2020, also zu Beginn der Pandemie, galten bleibende Lungenschäden als Corona-Spätfolge denkbar. Ärzte in den Krankenhäusern der Millionenstadt Hongkong hatten eine Untersuchung mit zwölf bereits geheilten Patienten durchgeführt, wie die „South China Morning Post“  berichtete. Bei zwei bis drei der beobachteten Patienten sei es zu einer Veränderung der Lungenkapazität gekommen, so die Aussage des Direktors des Zentrums für Infektionskrankheiten des Princess Margaret Hospitals in Hongkong, Dr. Owen Tsang Tak-yin. In einer offiziellen Pressekonferenz berichtete er, dass einige Patienten schwerer atmen müssten, wenn sie etwas schneller laufen, und dass es zu einem Abfall der Lungenfunktion von 20 bis 30 Prozent gekommen sei. Lungen-Scans hätten auch ergeben, dass insgesamt neun der zwölf Patienten in Folge des Virus eine Organschädigung erlitten haben.

https://www.fitbook.de/food/lebensmittel-die-gut-fuer-die-lunge-sein-sollen

Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Weiter erklärte der Medizindekan des Uniklinikums Schleswig-Holsteins in Kiel, Prof. Dr. med. Joachim Thiery in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, man befürchte in langfristiger Hinsicht auch negative Auswirkungen von Covid-19 auf das Herz-Kreislauf-System. Er schließt nicht aus, dass das Virus in der Folge auch Herzkrankheiten, wie beispielsweise einen Herzinfarkt auslösen könne.

Der Annahme, dass das Herz durch das Coronavirus dauerhaft geschädigt werden könnte, schließt sich auch Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, an. „Bei stationären Patienten mit Covid-19 sehen wir einige mit heftigen Troponin-Ausschlägen“, erklärt der Mediziner in der „Süddeutschen Zeitung“. Das gelte als Anzeichen für ein Absterben von Herzmuskelzellen.

Auswirkungen auf das Nervensystem

Einigkeit in der Wissenschaft scheint auch darüber zu herrschen, dass Covid-19 nicht nur die Lunge befällt, sondern auch Auswirkungen auf das Nervensystem haben kann. So häufen sich Berichte über einen Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes bei Corona-Patienten. Dieser soll zwar bei den meisten Erkrankten nach einigen Wochen wieder zurückkehren, jedoch lege die Erfahrung mit der Influenza-Grippe nahe, dass ein bleibender Verlust der Geruchs- und Geschmacksnerven in Folge einer Infektionskrankheit nicht ganz auszuschließen sei. So zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Neurologen Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Auch in China und Italien wurden Krankheitsverläufe beobachtet, die Grund zur Annahme geben, dass Covid-19 das Gehirn angreifen könnte. So hatten einige Corona-Patienten neurologische Symptome, wie Sinnesausfälle, Kopfschmerzen, Schwindel bis hin zu Hirnschlägen und Krämpfen.

Laut Prof. Thiery vom Uniklinikum Schleswig-Holstein müsse man besonders deshalb auch nach einer Corona-Genesung noch wachsam hinsichtlich möglicher Spätfolgen sein. „Die überschießende Entzündung verursacht bei manchen Patienten schwere Schädigungen der inneren Aderhaut, die Mikrogerinnsel auslösen könnten“, erklärt der Medizinprofessor. Daher bestehe unter Umständen auch nach überstandener Covid-19-Erkrankung das Risiko eines Schlaganfalls.

Pims-Syndrom bei Kindern und Jugendlichen

Meist geht das Coronavirus an Kindern Jugendlichen ohne ernsthafte Symptome bzw. Erkrankung vorbei. Doch seit einiger Zeit beobachten Ärzte das – bisher unbekannte – tückische „Pims“-Symdrom (Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome), in dessen Folge es zu Multiorganversagen kommen kann. Pims ähnelt dem Kawasaki-Syndrom – einer systemischen Entzündung in vielen Organen. Laut dem „Spiegel“ wurden in Essen insgesamt 19 Fälle mit der Diagnose behandelt, mehr als in jeder anderen Deutschen Klinik. Kein Kind sei verstorben. Die Erkrankung trete bei etwa jedem tausendsten mit Sars-CoV-2 infizierten Kind auf.

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Fazit: Weitere Gründe für eine Impfung

Die lange Liste an möglichen Corona-Spätfolgen macht deutlich, wie gefährlich das Coronavirus nicht nur bei der akuten Erkrankung, sondern auch darüber hinaus sein kann. Damit ergibt sich zugleich eine Liste weiterer guter Gründe, sich für die Corona-Impfung zu entscheiden. „Impfen schützt grundsätzlich gut auch vor Long Covid“, sagt etwa Carmen Scheibenbogen von der Berliner Charité. Das liegt vor allem daran, dass Geimpfte, auch wenn sie sich anstecken, häufig keine oder nur leichte Symptome bekommen. Auch wenn nachfolgende Beschwerden nach einer Ansteckung nicht zu 100 Prozent auszuschließen sind, betont der Ulmer Mediziner Dominik Buckert.:„Bei einem milden Verlauf treten zumindest Organveränderungen seltener auf.“

Quellen

  1. Antonelli, M., Penfold, R.S., Merino, J. et al. (2021). Risk factors and disease profile of post-vaccination SARS-CoV-2 infection in UK users of the COVID Symptom Study app: a prospective, community-based, nested, case-control study. The Lancet.
  2. Taquet, M, Dercon, Q., Harrison, P.J. (2021). Six-month sequelae of post-vaccination SARS-CoV-2 infection: a retrospective cohort study of 10,024 breakthrough infections.
  3. Davis HE, Assaf GS, McCorkell L, WEi H, Low RJ, Yochai R, Redfield S, Austin J, Akrami A. Characterizing long COVID in an international cohort: 7 months of symptoms and their impact, EClinical Medicine. (2021)
  4. Townsend L, Dyer AH, Jones K, Dunne J, Mooney A, Gaffney F et al. Persistent fatigue following SARS-CoV-2 infection is common and independent of severity of initial infection. PLOS ONE. (2020, aufgerufen am 16.07.2021)
  5. Carfì A, Bernabei R, Landi F. Persistent Symptoms in Patients After Acute COVID-19. (2020, aufgerufen am 16.07.2021)
  6. Speth A. Droht nach der Corona- die CFS-Pandemie? Experten befürchten, dass die Häufigkeit durch SARS-CoV-2 stark ansteigt. Medscape (2020, aufgerufen am 16.07.2021)
  7. Munro KJ, Almufarrij I. One year on: an updated systematic review of SARS-CoV-2, COVID-19 and audio-vestibular symptoms. International Journal of Audiology (2021)

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