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Studie aus Heidelberg

Vitamin-D-Einnahme könnte pro Jahr Zehntausende Krebstode verhindern

Ältere Frau nimmt Vitamin D
Ältere Menschen (finanziell) bei der Vitamin-D-Substitution zu unterstützen, könnte allein in Deutschland jährlich 30.000 Krebstode verhindern. Das jedenfalls behaupten Heidelberger Forscher.Foto: Getty Images

In der jüngeren Vergangenheit haben immer wieder Studien gezeigt, dass Vitamin D die Sterblichkeit von Krebspatienten verringern kann. Konkret seien das 30.000 Todesfälle, die sich pro Jahr allein in Deutschland durch Vitamin-D-Substitution verhindern lassen können. Das haben aktuell Heidelberger Forscher ausgerechnet; und bei der Gelegenheit auch, wie viel Geld das Gesundheitssystem dadurch an u. a. Behandlungskosten sparen würde.

Würden in Deutschland allen Menschen über 50 Vitamin-D-Präparate zur Verfügung stehen, müsste das Gesundheitssystem zunächst zwar etwas Geld in die Hand nehmen. Wenn die Menschen das Nahrungsergänzungsmittel aber einnehmen würden und somit ihren Vitamin-D-Bedarf decken, würde das langfristig eine immense Ersparnis an u. a. Behandlungskosten bedeuten. Davon sind Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg überzeugt.

Vitamin D wirkt offenbar vorbeugend gegen Krebs

Die Bedeutung von Vitamin D ist für unsere körperliche und geistige Gesundheit ist schon länger bekannt. Umgekehrt wird ein Vitamin-D-Mangel mit einer generell schlechteren Verfassung assoziiert (ebenso körperlich und geistig) sowie mit einem schwächeren Immunsystem. Die Medizin setzt daher schon länger auf die Gabe von Vitamin D, um die Behandlung verschiedener Erkrankungen zu unterstützen. Daneben soll Vitamin D mitunter auch das Erkranken verhindern können.

Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Vitamin D und Krebs gelangt die Forschung zu immer mehr Erkenntnissen. Eine neue Studie kommt nun also von der DKFZ, und diese liefert beachtliche Zahlen: Pro Jahr könnten sich in Deutschland 30.000 Krebstode verhindern lassen, wenn die ältere Bevölkerung ausreichend mit Vitamin D versorgt wäre.

Ablauf der Untersuchung

Alle Details zur Arbeit sind im Fachblatt „Molecular Oncology“ veröffentlicht. Demnach hat das Team mit einer Statistik zur Krebssterblichkeit in Deutschland im Jahr 2016 gearbeitet. Daneben lagen ihnen Zahlen aus jüngsten Meta-Analysen vor, in denen eine Reduktion der Krebssterblichkeit um 13 Prozent durch Vitamin-D-Gabe ermittelt wurde.

Die Forscher übertrugen diese Zahlen auf die Situation in Deutschland: Eine um 13 Prozent verringerte Krebssterblichkeit bedeutet hierzulande etwa 30.000 weniger Krebstote pro Jahr.

Weniger Krebstote, weniger Kosten

Die Wissenschaftler gingen bei ihrer Berechnung von einer tägliche Verabreichung von 1.000 internationalen Einheiten Vitamin D aus. Wenn der Staat alle Menschen über 50 in Deutschland mit dieser Dosis an kostenlosem Vitamin D versorgen würde, würde ihn das 25 Euro pro Person und Jahr kosten – bei rund 36 Millionen Menschen Ü50 (im Jahr 2016) also hochgerechnet 900 Millionen Euro.

Die Kosten für die freie Vitamin-D-Ausgabe wären folglich deutlich geringer als der kalkulierte Gesamtbetrag von 1.154 Milliarden Euro an Behandlungskosten für etwa 30.000 Krebspatienten. Die Wissenschaftler gingen dabei von zusätzlichen Behandlungskosten von 40.000 Euro allein für das letzte Lebensjahr der an Krebs verstorbenen Patienten aus.

Freies Vitamin D zur Vorbeugung von Krebs – und Covid-19?

Die Krebsforscher fordern eindringlich, der älteren Bevölkerung den kostenlosen Zugang zu Vitamin D zu ermöglichen. Dadurch könnten sich neben Krebs womöglich auch andere Erkrankungen verhindern bzw. deren Behandlung unterstützen lassen. Darunter auch Covid-19.

FITBOOK berichtete erst kürzlich über die offizielle Empfehlung durch Großbritanniens Regierung, Vitamin D einzunehmen. Außerdem diskutiert sie die kostenlose Vergabe entsprechender Präparate an Ältere und Vorerkrankte. In Schottland verfährt man bereits so, um zu gewährleisten, dass der besonders gefährdete Teil der Bevölkerung sich mit Vitamin D versorgen kann.

Wie viel Vitamin D braucht man?

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist man ausreichend mit Vitamin D versorgt, wenn die Blutkonzentration des Markers 25-Hydroxyvitamin D mindestens 50 nmol/l (bzw. 20 ng/ml) beträgt. Von einem Vitamin-Mangel spräche man ab einer Serumkonzentrationen jenes Markers von unter 30 Nanomol pro Liter Serum (30 nmol/l). Dies entspricht 12 Nanogramm pro Milliliter Serum (12 ng/ml).

Ob Sie Nahrungsergänzungsmittel nehmen sollten (und ggf. wie viel), besprechen Sie bitte anhand Ihres Vitamin-D-Status mit Ihrem Arzt.