12. November 2025, 17:14 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Ist Vitamin D wichtig für ein gesundes Herz? Genau diese Frage beschäftigt die Forschung. Da nicht einmal 40 Prozent der Erwachsenen ausreichend mit dem Vitamin versorgt sind, ist es wichtig, die Folgen eines Mangels zu verstehen.1 Auch mit Blick auf Herzerkrankungen, die die häufigste Todesursache in Deutschland darstellen.2
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Das „Sonnenvitamin“ Vitamin D entpuppt sich mehr und mehr als Allrounder-Nährstoff, der eben nicht nur für die Knochengesundheit wichtig ist, sondern womöglich für Körper und Organe auf ganzer Linie bedeutend. Eine Studie hat bspw. herausgefunden, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung das Darmkrebsrisiko senkt, eine andere Studie hat den negativen Einfluss von Vitamin-D-Mangel auf Gehirnfunktionen und -gesundheit aufgezeigt.
Spannend sind zudem die Erkenntnisse einer Untersuchung aus dem Jahr 2023, die in der Fachzeitschrift „Nutrients“ veröffentlicht wurde. Sie kam zu dem Schluss, dass Vitamin D auch wichtig für das Herz sein könnte. Sie kam, wie schon eine Studie von 2021, zum Schluss, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Herzerkrankungen steigern kann. Ob wiederum umgekehrt die Beseitigung eines Vitamin-D-Mangels positive Effekte für das Herz haben könnte, hat eine aktuelle Studie von 2025 untersucht. FITBOOK gibt einen Überblick über die Forschungslage rund um Vitamin-D-Mangel und Herzgesundheit.
Studie von 2023: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und Herzerkrankungen?
Dieser Frage ging eine Studie aus der Schweiz nach. Die Forscher untersuchten, welcher Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und Herzerkrankungen bestehen könnte. Dafür ermittelten und beobachteten sie den Vitamin-D-Spiegel im Blut von 5.684 Probanden mit einem Altersdurchschnitt von 53 Jahren, von denen 53 Prozent weiblich waren.
Der Vitamin-D-Spiegel wurde eingeteilt in:
- normal (≥75 nmol/L oder 30 ng/mL)
- unzureichend (50-74 nmol/L oder 21-29 ng/mL)
- mangelhaft (<50 nmol/L oder 20 ng/mL)
Die Vitamin-D-Messungen wurden anschließend in Bezug gesetzt zu dem Auftreten von Herzerkrankungen, zu Todesfällen aufgrund von Herzerkrankungen sowie zur Gesamtmortalität. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug durchschnittlich 14 Jahre.3
Der Einfluss des Vitamin-D-Spiegels
Während der 14 Jahre Nachbeobachtung kam es zu 568 kardiovaskulären Ereignissen bei den Probanden. Es gab 114 Todesfälle im Zusammenhang mit Herzerkrankungen sowie 679 Todesfälle aus anderen Gründen.
Die Anwendung statistischer Analyseverfahren ergab, dass ein Anstieg des Vitamin-D-Spiegels (um 10 nmol/L) mit einem niedrigeren Herzerkrankungsrisiko verbunden war. Bezüglich der Mortalität – sowohl aufgrund von Herzerkrankungen als auch aufgrund anderer gesundheitlicher Ursachen – schien der Vitamin-D-Spiegel keine signifikante Rolle zu spielen. Es ließen sich bei den Probanden der verschiedenen Vitamin-D-Spiegel-Gruppen keine nennenswerten Unterschiede erkennen.
Vitamin D konnte Erkrankungsrisiko minimieren, aber nicht das Sterberisiko
Laut der Schweizer Studie ist ein Vitamin-D-Mangel also mit dem Risiko verbunden, eine Herzerkrankung zu entwickeln. Dementsprechend könnte eine Supplementierung helfen, den Mangel zu beseitigen und das Risiko zu reduzieren.
Probanden, die allerdings eine Herzerkrankung entwickelten, konnten mit zusätzlicher Zuführung des Vitamins das Risiko, an der Erkrankung zu sterben, offenbar nicht signifikant senken. Eine aktuelle Studie von 2025 lieferte mittlerweile neue und andere Erkenntnisse. Dazu später mehr.
Die Erkenntnisse der 2023 veröffentlichten Untersuchung erweiterten das Verständnis rund um Vitamin-D-Mangel und Herzerkrankungen. Sie untermauerten z. B. eine australische Studie, die 2021 veröffentlicht wurde.
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Studie von 2021: Vitamin-D-Mangel erhöht Risiko für Herzerkrankungen
Mit einem neuartigen analytischen Ansatz hatten Forscher der University of South Australia Vitamin-D-Mangel als einen zusätzlichen Faktor ausgemacht, der die Wahrscheinlichkeit von Herzerkrankungen erhöhen kann. Entdeckt hatten sie ihn in einer Untersuchung, in der über einen Zeitraum von drei Jahren 295.788 Teilnehmer aus der UK Biobank zwischen 37 und 73 Jahren involviert waren. Diese füllten nicht nur Fragebögen aus, die umfassende Informationen zu Gesundheit und Lebensstil zu Studienbeginn lieferten, sondern stellten auch Blutproben für Biomarker und genetische Tests zur Verfügung. Von allen Probanden litten 44.519 Personen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Was die Forscher anhand der Daten hatten herausfinden wollen: Ob die Diagnose womöglich auch im Zusammenhang mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel steht.4
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Vitamin-D-Spiegel mit Auftreten von Herzerkrankungen verglichen
Anschließend führte das Forschungsteam für jeden Probanden einen genetischen Test mit vollständigen Informationen über die 25(OH)D-Konzentrationen durch. Bei dem 25(OH)D-Spiegel im Blutserum handelt es sich um den etablierten Marker für den Vitamin-D-Status. Es zeigte sich:
- 11,4 Prozent (32.868) der Teilnehmer hatten Konzentrationen unter 25 nmol/l, was für einen Mangel spricht.
- 41,3 Prozent (119.243) der Teilnehmer hatten Konzentrationen zwischen 25 und 49,9 nmol/l, was einen leichten Mangel darstellt.
Weniger als die Hälfte der Personen waren also optimal mit Vitamin D versorgt. Es wird geschätzt, dass ein Drittel der Deutschen unter leichtem bis schwerem Vitaminmangel leidet.
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Vitamin-D-Mangel steigerte das Risiko einer Herzerkrankung um 11 Prozent
Die Forscher verglichen die Ergebnisse nun mit einer Kontrollgruppe ohne Herzerkrankungen. Nach eingehender Berechnung stellten die Wissenschaftler fest, dass ein Vitamin-D-Mangel von 25 nmol/l und weniger das Risiko für Herzerkrankungen um 11 Prozent steigerte. Bei Personen, die 50 nmol/l und mehr aufwiesen, ließ sich dagegen kein erhöhtes Risiko feststellen. „In unserer Studienpopulation schätzen wir, dass 4,4 Prozent aller Krankheitsfälle hätten verhindert werden können, indem wir Menschen mit Vitamin-D-Mangel auf mindestens 50 nmol/l angehoben hätten“, erklärte die leitende Forscherin Prof. Elina Hyppönen in einer Universitätsmitteilung.5 Interessanterweise hatten Werte über 50 nmol/l keinen nennenswerten Einfluss. Eine Überversorgung mit Vitamin D im Sinne von „viel hilft viel“ bringt der Herzgesundheit offenbar keinen Vorteil.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor häufigste Todesursache
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind geschätzt für 17 Millionen Todesfälle weltweit pro Jahr verantwortlich.6 Ebenso ist Vitamin-D-Mangel ein weitverbreitetes Phänomen. Zwar spielen bezüglich Herzgesundheit viele Faktoren wie Familiengeschichte und Lebensstil eine Rolle, dennoch könnte laut Hyppönen „ein bevölkerungsweiter Ansatz zur Beseitigung des Vitamin-D-Mangels die globale Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.“ Leider reichen Lebensmittel wie fetter Fisch, Eier und Pilze nicht aus, um ausreichend mit Vitamin D versorgt zu sein. Seinen Tagesbedarf kann der Körper nur mithilfe von Sonne decken – oder im Winter mit einem hochwertigen Präparat. Daher ist es für Menschen jenseits des Äquators umso wichtiger, ihren Vitamin-D-Spiegel regelmäßig überprüfen zu lassen.
Studie von 2025: Beseitigung von Vitamin-D-Mangel verminderte Herzinfarkt-Risiko
Eine neue Studie, die im Rahmen der „2025 American Heart Association Scientific Sessions“ vorgestellt wurde, baute das Verständnis über das Zusammenspiel von Vitamin D und Herzgesundheit nun weiter aus. Sie untersuchte, ob umgekehrt die Beseitigung eines Vitamin-D-Mangels einen das Herz schützenden Einfluss haben könnte.7
Eine Einschränkung: Sie wurde bisher noch nicht unabhängig geprüft (peer-reviewed). Das kann nicht ausschließen, dass eine Prüfung noch Mängel in Design und Erkenntnissen aufdecken würde, muss aber auch nicht bedeuten, dass dies geschieht.
In der neuen Studie wurden 630 Personen untersucht, die im Durchschnitt 63 Jahre alt waren. 78 Prozent waren Männer, 48 Prozent waren Frauen. Alle hatten bereits einen Herzinfarkt erlitten. 85 Prozent der Probanden hatten zu Beginn der Studie ein Vitamin-D-Level von unter 40 ng/mL. Per Zufall wurden die Herzpatienten in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt Vitamin D, in individualisierten Dosierungen – sodass jede Person auf einen Vitamin-D-Spiegel von mindestens 40 ng/mL, aber nicht über 80 ng/mL kam. Die zweite Gruppe erhielt kein Vitamin. Der Beobachtungszeitraum betrug vier Jahre. Alle drei Monate testeten die Forscher den Vitamin-D-Spiegel der Probanden und passten bei Bedarf die Dosierung der Vitamin-D-Aufnahme an, um das zuvor genannte, gewünschte Level zu erhalten.
Risiko für zweiten Herzinfarkt halbiert
Das Ergebnis ist tatsächlich beeindruckend: Probanden, deren Vitamin-D-Spiegel auf zwischen 40 ng/mL und 80 ng/mL eingestellt worden war, hatten – im Vergleich zur Kontrollgruppe – ein um die Hälfte reduziertes Risiko, einen zweiten Herzinfarkt zu erleiden.
Nicht bekannt ist, ob die Forscher hinreichend andere Faktoren ausgeschlossen haben, um sicherzugehen, dass wirklich Vitamin D den wahrscheinlich größten Einfluss hatte. Zudem handelt es sich dennoch erst einmal nur um die Beobachtung, dass der höhere Vitamin-D-Wert mit niedrigerem Aufkommen von Herzinfarkten verbunden war. Ein kausaler Zusammenhang ist damit noch nicht bewiesen.