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Studie zeigt

Mit jeder weiteren Stunde mehr Sitzen steigert sich das Krebsrisiko

Für Menschen mit einem Bürojob gehört langes Sitzen zum Alltag. Doch wer täglich viele Stunden sitzt, kann damit seiner Gesundheit schaden – mitunter mit schwerwiegenden Folgen.
Für Menschen mit einem Bürojob gehört langes Sitzen zum Alltag. Doch wer täglich viele Stunden sitzt, kann damit seiner Gesundheit schaden – mitunter mit schwerwiegenden Folgen. Foto: Getty Images
Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

4. September 2026, 16:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ob im Büro, im Auto oder abends auf dem Sofa: Viele Menschen verbringen täglich viele Stunden im Sitzen. Dass sehr langes Sitzen der Gesundheit schaden kann, ist schon länger bekannt. Eine große Studie mit mehr als 90.000 Menschen liefert nun neue Erkenntnisse zum Zusammenhang mit Krebs. Demnach könnte nicht nur entscheidend sein, wie viel Zeit wir insgesamt im Sitzen verbringen. Auch lange Sitzphasen ohne größere Bewegung könnten eine Rolle spielen.

Forscher untersuchen, wie lange Menschen am Stück sitzen

Für die 2026 im Fachjournal PLOS Medicine veröffentlichte Studie werteten Wissenschaftler Daten von 91.292 Teilnehmern der UK Biobank aus.1 Anders als bei Untersuchungen, die vor allem die gesamte tägliche Sitzzeit betrachten, wollten die Forscher genauer wissen, wie sich diese Stunden über den Tag verteilen.2

Dazu unterschieden sie zwischen längeren Sitzphasen und häufig unterbrochenem Sitzen. Als längere Sitzphase galt ein Zeitraum von mindestens 30 Minuten, in dem die Teilnehmer mindestens 90 Prozent der Zeit saßen. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler, ob diese unterschiedlichen Sitzgewohnheiten mit späteren Krebserkrankungen und Todesfällen durch Krebs zusammenhingen. Dabei betrachteten sie Krebserkrankungen insgesamt sowie Krebsarten, die mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen. Zusätzlich wurden 23 einzelne Krebsarten untersucht.

Mehr als 91.000 Menschen nahmen an der Studie teil

Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 56 Jahre alt, 56 Prozent von ihnen waren Frauen. Die Hälfte wurde länger und die andere Hälfte kürzer als 12,38 Jahre beobachtet.

Um die Bewegung möglichst genau zu erfassen, trugen die Teilnehmer sieben Tage lang rund um die Uhr einen Bewegungssensor am Handgelenk. Die Daten wurden mithilfe eines auf maschinellem Lernen basierenden Verfahrens ausgewertet. Dadurch konnten die Wissenschaftler zwischen Sitzen sowie leichter, moderater und intensiver körperlicher Aktivität unterscheiden. Bei ihren Berechnungen berücksichtigten die Forscher außerdem Faktoren, die das Krebsrisiko ebenfalls beeinflussen könnten. Dazu gehörten unter anderem Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, Bildung und soziale Faktoren.

Auch interessant: Diese 14 Dinge können das Risiko für Krebs senken

Lange Sitzphasen mit höherer Krebssterblichkeit verbunden

Während der Beobachtungszeit wurden 12.392 neue Krebserkrankungen registriert. 1726 Teilnehmer starben an Krebs. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang mit langen Sitzphasen: Mit jeder zusätzlichen Stunde pro Tag, die die Teilnehmer in solchen längeren Sitzphasen verbrachten, war die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, statistisch um neun Prozent höher.

Unterbrochenes Sitzen mit niedrigerem Risiko verbunden

Auch insgesamt erkrankten Menschen mit längeren Sitzphasen häufiger an Krebs. Das galt auch für Krebsarten, die mit starkem Übergewicht oder Typ-2-Diabetes zusammenhängen. Wer seine Sitzzeiten dagegen häufiger durch Bewegung unterbrach, erkrankte seltener an Krebs und starb auch seltener daran.

Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass eine zusätzliche Stunde Sitzen das persönliche Risiko eines Menschen automatisch um neun Prozent erhöht. Die Zahlen beschreiben statistische Zusammenhänge innerhalb der untersuchten Gruppe.

Was passiert, wenn Sitzzeit durch Bewegung ersetzt wird?

Die Forscher berechneten außerdem, wie sich die Ergebnisse statistisch verändern würden, wenn ein Teil der langen Sitzzeit stattdessen mit Bewegung verbracht würde.

Wurde in diesen Berechnungen eine Stunde längeren Sitzens durch eine Stunde leichte Bewegung ersetzt, war die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, um etwa zwölf Prozent niedriger. Beim rechnerischen Austausch von 30 Minuten längeren Sitzens gegen moderate Bewegung war sie um etwa acht Prozent niedriger.

Auch fünf Minuten intensive körperliche Aktivität anstelle längeren Sitzens waren mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, an Krebs zu erkranken. Bei der Krebssterblichkeit war dieses Ergebnis dagegen statistisch nicht eindeutig.

Interessant ist vor allem, dass zusätzliche Bewegung nicht unbedingt Sport bedeuten muss. Zur leichten körperlichen Aktivität gehörten in der Untersuchung auch alltägliche Bewegungen und langsames Gehen.

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Beweist die Studie, dass Bewegungspausen vor Krebs schützen?

Nein. Die Ergebnisse zeigen statistische Zusammenhänge, beweisen jedoch nicht, dass langes Sitzen Krebs verursacht oder regelmäßige Bewegungspausen davor schützen.

Die Wissenschaftler beobachteten das vorhandene Verhalten der Teilnehmer und gaben ihnen keine bestimmten Sitz- oder Bewegungszeiten vor. Menschen mit langen und kürzeren Sitzphasen könnten sich daher auch in anderen Punkten unterscheiden, die ihr Krebsrisiko beeinflussen. Zwar berücksichtigten die Forscher zahlreiche mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Rauchen, Alkoholkonsum und Ernährung. Vollständig ausschließen lassen sich andere Einflüsse bei einer solchen Beobachtungsstudie jedoch nicht.

Bewegung wurde nur sieben Tage gemessen

Eine weitere Einschränkung betrifft die Dauer der Messung. Die Teilnehmer trugen die Bewegungssensoren lediglich sieben Tage lang. Diese eine Woche muss nicht widerspiegeln, wie viel ein Mensch über viele Jahre hinweg sitzt oder sich bewegt.

Außerdem konnten die Sensoren zwar erkennen, ob jemand saß oder sich bewegte, nicht aber, wobei die Sitzzeit entstand. Ob die Teilnehmer beispielsweise am Schreibtisch arbeiteten, Auto fuhren oder vor dem Fernseher saßen, ließ sich damit nicht feststellen.

Teilnehmer bilden Bevölkerung nicht vollständig ab

Auch die untersuchte Gruppe hat eine Besonderheit: Die Teilnehmer der UK Biobank bilden die britische Gesamtbevölkerung nicht vollständig ab. Menschen, die freiwillig an solchen großen Gesundheitsstudien teilnehmen, sind häufig gesünder als die Allgemeinbevölkerung.

Die Forscher überprüften ihre Ergebnisse deshalb auch mit zusätzlichen Berechnungen. Unter anderem berücksichtigten sie zusätzlich den BMI und bestehende Erkrankungen. Zudem führten sie eine Berechnung durch, bei der Krebserkrankungen aus den ersten zwei Jahren der Nachbeobachtung nicht berücksichtigt wurden. Die wesentlichen Zusammenhänge blieben dabei bestehen.

Ein Autor gibt Interessenkonflikt an

Einer der Studienautoren, Frederick K. Ho, arbeitet gegen Bezahlung als statistischer Berater für PLOS Medicine – also für das Fachjournal, in dem die Studie erschienen ist. Deshalb gab er diese Tätigkeit als möglichen Interessenkonflikt an. Die übrigen Autoren meldeten keine Interessenkonflikte. Finanziert wurde die Studie von der American Cancer Society und den US National Institutes of Health. Nach Angaben der Autoren waren die Geldgeber weder an der Planung und Auswertung der Studie noch an der Entscheidung über die Veröffentlichung oder am Verfassen des Artikels beteiligt.

Frühere Studie zeigte bereits erhöhtes Risiko

Bereits eine 2020 in „JAMA Oncology“ veröffentlichte Studie mit rund 8000 Teilnehmern hatte einen Zusammenhang zwischen langem Sitzen und Krebssterblichkeit festgestellt. Bei den Menschen, die am meisten saßen, war das Risiko, an Krebs zu sterben, um 82 Prozent höher als bei denjenigen, die sich mehr bewegten.3

Studienleiterin Prof. Susan Gilchrist erklärte damals: „Diese ist die erste Studie, die einen engen Zusammenhang zwischen zu wenig Bewegung und der Gefahr, an Krebs zu sterben, definitiv aufzeigt.“

Dabei könnten bereits kurze Bewegungspausen eine Rolle spielen. „Unsere Studie zeigt, dass sich schon eine leichte Aktivität vorteilhaft auf die Überlebenschancen von Krebs auswirkt“, so Gilchrist. Sie empfahl, das Sitzen etwa fünf Minuten pro Stunde zu unterbrechen.

Quellen

  1. Zhou, Z., Trost, SG., Ryde, GC. et al. (2026). Accelerometry-measured prolonged and interrupted sedentary behavior and cancer incidence and mortality: A cohort study of 91,292 UK Biobank participants. PLoS Med.  ↩︎
  2. Dempsey, PC., Strain, T., Winkler, EAH. et al. (2022). Association of Accelerometer-Measured Sedentary Accumulation Patterns With Incident Cardiovascular Disease, Cancer, and All-Cause Mortality. J Am Heart Assoc.  ↩︎
  3. Gilchrist, SC., Howard, VJ., Akinyemiju, T, et al. (2020). Association of Sedentary Behavior With Cancer Mortality in Middle-aged and Older US Adults. JAMA Oncol. ↩︎

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