4. Februar 2026, 14:09 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Zum Weltkrebstag am 4. Februar wurde die fünfte Ausgabe des Europäischen Kodex gegen Krebs (ECAC5) vorgestellt. Die Erweiterung auf 14 Empfehlungen basiert auf aktueller wissenschaftlicher Evidenz und richtet sich erstmals nicht nur an Einzelpersonen, sondern auch an politische Entscheidungsträger. Diese sollen etwa Maßnahmen ergreifen, die es Müttern ermöglichen, länger zu stillen – um ihr Brustkrebsrisiko zu senken. Ein anderer wichtiger neuer Punkt ist die offizielle Empfehlung für ein organisiertes Screening auf Lungenkrebs. FITBOOK gibt den Überblick – und sagt, was eine neue Studie zur Senkung des Krebsrisikos herausgefunden hat.
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Lungenkrebsscreening und Schutz vor Luftverschmutzung neu im ECAC5
Die neue Ausgabe des Europäischen Kodex gegen Krebs (ECAC5) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basiert auf aktueller wissenschaftlicher Evidenz zu Verhalten, Umweltfaktoren und medizinischer Prävention in der EU. Neu ist der zusätzlicher Fokus auf Politik und Gesellschaft.1, 2
Erstmals wird die Teilnahme an einem Screening-Programm für Lungenkrebs empfohlen, das sich speziell an Hochrisikogruppen richtet. Das organisierte Lungenkrebsscreening soll in Deutschland voraussichtlich ab April 2026 als reguläre Kassenleistung eingeführt werden.
Als Hochrisikogruppe gelten Personen zwischen 50 und 75 Jahren, die eine Rauchgeschichte von mindestens 25 Jahren und mindestens 15 Packungsjahren aufweisen. Packungsjahre beschreiben den gesamten Zigarettenkonsum eines Lebens und werden berechnet, indem die Anzahl der Jahre, in denen geraucht wurde, mit der täglichen Packungsmenge multipliziert wird.
Beispiel: Als Standard wird davon ausgegangen, dass eine Packung zwanzig Zigaretten beinhaltet. Wenn eine Person zum Beispiel zehn Zigaretten pro Tag geraucht hat, dann bedeutet dies 0,5 Packungen pro Tag multipliziert mit 30 Jahren, seitdem die Person raucht, ergibt dies 15 Packungsjahre.
Auch Luftverschmutzung wird in ECAC5 erstmals explizit und prominent als vermeidbarer Krebsrisikofaktor benannt – inklusive konkreter Handlungsoptionen für Individuen. Die WHO empfiehlt etwa, selbst aktiv zu werden, indem man häufiger Bus, Bahn oder das Fahrrad nutzt und beim Gehen oder Radfahren verkehrsarme Routen wählt. In der Wohnung sollte zudem auf das Verbrennen von Materialien wie Kohle oder Holz verzichtet werden.
Verschärfte Empfehlungen
- Vaping und E-Zigaretten: Der Kodex warnt nun ausdrücklich nicht mehr nur vor Tabak, sondern auch vor E-Zigaretten und Vapes.
- Alkoholfreies Leben: Früher empfahl der Kodex, den Alkoholkonsum zu begrenzen – inzwischen rät er dazu, Alkohol möglichst ganz zu meiden. Für die Krebsprävention gilt: Eine unbedenkliche Menge gibt es nicht.
- Solarien-Verbot: Auch beim UV-Schutz gibt es kein Pardon mehr – die Empfehlung lautet nun auf den vollständigen Verzicht auf Solarien.
Politik soll Mütter dabei unterstützen, selbst lange zu stillen
Das vielleicht wichtigste Update der 5. Ausgabe ist, dass der Kodex sich erstmals auch direkt an die Politik richtet. Zu jeder der 14 Empfehlungen für Einzelpersonen gibt es jetzt eine passende politische Forderung.
- Stillen: Mütter sollen nicht nur selbst lange stillen, um ihr Brustkrebsrisiko zu senken. Die Politik muss sie dabei unterstützen – etwa durch den Schutz vor aggressiver Werbung für Muttermilchersatz oder durch die Schaffung stillfreundlicher Arbeitsplätze und ausreichend Elternurlaub.
- Zu den weiteren Forderungen gehören höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und Zucker sowie eine kluge Stadtplanung, die zum Beispiel Schulen nicht direkt an vielbefahrenen Straßen platziert.
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Krebsrisiko senken – die 14 Empfehlungen aus dem ECAC5 im Überblick
1. Tabakfrei leben
Rauchen bleibt der größte Risikofaktor. Die Empfehlung: Konsumieren Sie keinen Tabak und unterstützen Sie eine tabakfreie Umgebung. Politische Forderung: Höhere Steuern auf Tabakprodukte und strikte Werbeverbote.
2. Verzicht auf E-Zigaretten und Vapes
Neu in der 5. Ausgabe: Der Kodex warnt ausdrücklich vor dem Dampfen. Auch E-Zigaretten sind keine harmlose Alternative und sollten gemieden werden.
3. Rauchfreie Umgebung schaffen
Unterstützen Sie rauchfreie Zonen an Ihrem Arbeitsplatz und zu Hause. Passivrauchen ist eine unterschätzte Gefahr.
4. Ein gesundes Körpergewicht halten
Achten Sie auf einen Body-Mass-Index im Normalbereich. Übergewicht begünstigt Entzündungen im Körper, die Krebs fördern können.
5. Täglich in Bewegung bleiben
Körperliche Aktivität senkt das Risiko für verschiedene Krebsarten. Begrenzen Sie die Zeit, die Sie im Sitzen verbringen.
6. Gesunde Ernährung priorisieren
Essen Sie viele Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Schränken Sie kalorienreiche Lebensmittel (viel Zucker/Fett) sowie zuckerhaltige Getränke stark ein.
7. Fleischkonsum und Salz reduzieren
Vermeiden Sie verarbeitetes Fleisch (Wurst) und essen Sie rotes Fleisch nur in Maßen. Sparen Sie zudem an stark gesalzenen Lebensmitteln.
8. Alkoholfreies Leben wählen
Die wichtigste Verschärfung: Es gibt keine unbedenkliche Menge Alkohol. Um das Krebsrisiko maximal zu senken, ist ein kompletter Verzicht die beste Wahl. Politische Forderung: Einführung von Mindestpreisen und Warnhinweisen auf Flaschen.
9. UV-Schutz ernst nehmen
Vermeiden Sie zu viel direkte Sonne, besonders bei Kindern. Nutzen Sie Sonnenschutz und – ganz wichtig – verzichten Sie vollständig auf Solarien.
10. Schutz vor Luftverschmutzung
Achten Sie auf die Luftqualität. Nutzen Sie öfter das Rad oder den Bus, wählen Sie verkehrsarme Routen und verzichten Sie in Innenräumen auf das Verbrennen von Kohle oder Holz. Politische Forderung: Eine Stadtplanung, die Schulen und Wohngebiete vor Abgasen schützt.
11. Radon-Belastung prüfen
Informieren Sie sich über die Radon-Konzentration in Ihrem Zuhause. In Regionen mit hoher natürlicher Strahlung sollten Schutzmaßnahmen am Bau getroffen werden.
12. Für Frauen: Stillen und Hormonersatztherapie
Stillen senkt das Brustkrebsrisiko der Mutter – tun Sie dies, wenn möglich, über einen längeren Zeitraum. Schränken Sie zudem die Nutzung von Hormonersatztherapien während der Wechseljahre ein. Politische Forderung: Schaffung stillfreundlicher Arbeitsplätze.
13. Impfprogramme nutzen
Stellen Sie sicher, dass Ihre Kinder an Impfprogrammen teilnehmen, insbesondere gegen Hepatitis B (für Neugeborene) und gegen HPV (für Mädchen und Jungen).
14. An Früherkennungsprogrammen teilnehmen
Nutzen Sie organisierte Screening-Angebote für Darm-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs. Neu: Das Lungenkrebsscreening für Hochrisikogruppen (starke Raucher zwischen 50 und 75 Jahren).
Studie: Kombi aus Vitamin D, Omega-3 und Bewegung kann Krebsrisiko um bis zu 61 Prozent senken
Eine neue Studie aus der Schweiz mit über 2000 Erwachsenen über 70 Jahre aus fünf europäischen Ländern betont zur Krebsprävention die Kombination von drei erschwinglichen Maßnahmen: Vitamin D3, Omega-3 und Bewegung. In der Wissenschaft sind deren Einzelwirkungen bereits bekannt – doch die Studie schließt eine Lücke zur Wirkung der Kombination aller drei Maßnahmen.
Die Ergebnisse der in „Frontiers in Aging“ veröffentlichten Studie waren eindeutig: Zwar brachte jede Maßnahme für sich genommen nur einen kleinen Vorteil, doch die Kombination aller drei Behandlungen führte insgesamt zu einer statistisch signifikanten Reduktion des Krebsrisikos um 61 Prozent.3
- Vitamin D hemmt das Wachstum von Krebszellen
- Omega-3 kann die Umwandlung normaler Zellen in Krebszellen stoppen
- Bewegung verbessert die Immunfunktion und verringert Entzündungen