2. Dezember 2025, 4:03 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Als Osteoporose bezeichnet man den Knochenschwund im menschlichen Skelett. Mit rund sechs Millionen Betroffenen in Deutschland ist es eine Volkskrankheit – doch Schätzungen zufolge werden gerade einmal 20 Prozent aller Fälle rechtzeitig erkannt und behandelt. Auf welche Symptome man achten sollte und wer besonders häufig betroffen ist.
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Diese Symptome können auf Osteoporose hindeuten
1Ein erhöhtes Risiko für Osteoporose wird häufig erst dann erkannt, wenn bereits erste Frakturen auftreten. Laut dem Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V. werden in Deutschland nur etwa 20 Prozent aller Betroffenen rechtzeitig diagnostiziert. Oft werde die Erkrankung erst entdeckt, „wenn bereits ein erster auf die Erkrankung zurückzuführender Knochenbruch stattgefunden hat“, heißt es auf der Website des Verbandes. Eine frühe Diagnose sei besonders wichtig, da sich nach einer osteoporotisch bedingten Fraktur das Risiko für weitere Brüche deutlich erhöht.
Typische Anzeichen, auf die man achten sollte:
- Knochenbrüche nach scheinbar harmlosen Stürzen
- Spontane Frakturen ohne ersichtlichen Anlass
- Anhaltende, teils starke Rückenschmerzen mit Bewegungseinschränkung
- Knochenschmerzen
- Abnahme der Körpergröße
- Ausgeprägte Rundrückenbildung („Witwenbuckel“)
Besonders auffällig: Knochen können bereits bei geringfügiger Belastung – etwa dem Heben eines schweren Gegenstandes – brechen. Auch sogenannte Stressfrakturen, also Ermüdungsbrüche durch wiederkehrende Belastung, treten bei Osteoporose häufig auf – teils sogar ohne vorherige Belastungssteigerung.
Wann genau man eigentlich von Osteoporose spricht
Im Normalfall bauen wir unsere Knochensubstanz bis zum etwa 30. Lebensjahr auf, sodass die Knochendichte mit Anfang bis Mitte dreißig am höchsten ist. Ab diesem Zeitpunkt setzt der natürliche Knochenschwund ein. Dabei verlieren wir im Laufe des Alterns rund ein Prozent an Knochenmasse pro Jahr. Diesen Prozess können wir jedoch zum Teil beeinflussen – das erklären wir weiter unten beim Punkt Vorbeugung.
Man spricht von Osteoporose, wenn deutlich mehr Knochenmasse verloren geht, als das beim natürlichen Alterungsprozess geschieht. Die Ursachen dafür sind sehr vielfältig und werden in zwei Kategorien unterteilt.
- Die primäre Osteoporose wird durch Faktoren wie Alter, Hormonmangel (insbesondere Östrogen), schlechte Ernährung oder zu wenig Bewegung ausgelöst.
- Die sekundäre Osteoporose wird durch andere Krankheiten oder Medikamente ausgelöst. Zu den Krankheiten, die Knochenschwund begünstigen, gehören Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen, aber auch Hormon- und Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus Typ I.
In beiden Fällen der Osteoporose ist der Knochenstoffwechsel gestört. Dabei gerät der Auf- und Abbau der Knochenstruktur aus dem Gleichgewicht und es kommt zum verstärkten Verlust an Kalzium und Kollagen aus der Knochensubstanz. Wenn diese beiden Bausteine fehlen, wird der Knochen porös und brüchig. Das führt zur instabilen Knochenstruktur und letztendlich zur höheren Bruchgefahr. Ein Grund dafür, weshalb ältere Menschen leichter Knochenbrüche erleiden.
Wer besonders betroffen ist
Laut der 2024 veröffentlichten Bone Evaluation Study‑2 lag die Zahl der Osteoporosefälle in der deutschen Allgemeinbevölkerung ab 50 Jahren im Jahr 2018 bei rund 5,87 Millionen – das entspricht 15,9 Prozent. 81,6 Prozent der Fälle betrafen Frauen – besonders nach den Wechseljahren.2 Laut Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) aus dem Jahr 2023 sind unter den Patienten über 90 Jahre Frauen mit 29,2 Prozent viermal häufiger betroffen sind als Männer (7,4 Prozent).3
Warum sind so viele Frauen darunter?
Warum sind so viele Frauen betroffen? Menopause und frühe Menopause sind zentrale Risikofaktoren für die Erkrankung. Der sinkende Östrogenspiegel führt zu einem beschleunigten Abbau der Knochensubstanz.
Unter jüngeren Patienten kommt Osteoporose hingegen sehr selten vor. Bei den 35- bis 49-Jährigen sind weniger als ein Prozent der Bevölkerung betroffen.
Bei Männern soll indes die sekundäre Osteoporose häufiger vorkommen als bei Frauen, etwa aufgrund exzessiven Alkoholkonsums, wegen systemischer Steroidtherapien oder aufgrund von Hypogonadismus (Testosterondefizit / fehlende oder verminderte hormonelle Aktivität des Hodens).4
Ab 50 Jahren auf diese Risikofaktoren prüfen
Gemäß medizinischer Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) sollen Frauen nach der Menopause und Männer ab 50 eine Basisuntersuchung auf Osteoporose-Risiken bekommen – aber nur, wenn bei ihnen bestimmte Risikofaktoren für Knochenbrüche vorliegen.5 In Deutschland kann diese Überprüfung einfach dann stattfinden, wenn jemand mit bekannten Risikofaktoren oder einer Frage zum eigenen Frakturrisiko zum Arzt geht. Mittels einer DXA-Knochendichtemessung (Zwei-Spektren-Röntgenabsorptiometrie) lässt sich der Zustand der Knochen dann beurteilen.
Die DVO-Leitlinie empfiehlt bei folgenden Konstellationen bei Erwachsenen eine Basisdiagnostik (Stand 2023), wenn ab 50 Jahren ärztlich relevante Frakturrisikofaktoren bestehen. Beispiele hierfür:
- frühere Frakturen (Wirbel, Hüfte, Humerus, Unterarm, Becken …)
- bestimmte chronische Krankheiten (z. B. Rheumatoide Arthritis, Diabetes Typ 1, Morbus Crohn, MS, Parkinson)
- endokrinologische Ursachen (Hyperparathyreoidismus, Hypogonadismus, Cushing …)
- Medikamente, die Knochen schädigen (v. a. orale Glucocorticoide, Aromatasehemmer, Antikonvulsiva, Opioide)
- stark erhöhtes Sturzrisiko
- Untergewicht (ein BMI unter 20, besonders unter 18,5)
- Rauchen, Alkohol >50 g/Tag
- Niereninsuffizienz ab Stadium 3
- Elternteil mit Hüftfraktur
Ein typisches Anzeichen für eine Osteoporose ist der Knochenbruch in einer unverhältnismäßigen Situation. So kann beispielsweise schon das Heben eines schweren Gegenstandes oder ein leichter Stoß zu einer Fraktur führen. Aber auch Wirbelkörperbrüche, Stressfrakturen – Ermüdungsbrüche aufgrund andauernder Belastung – und Rückenschmerzen können ein Anzeichen für Knochenschwund sein. Bei Osteoporose treten Stressfrakturen oft sogar ohne vorherige Belastungssteigerung auf.
Ab 70
Ab 70 Jahren ist das durchschnittliche Frakturrisiko so hoch, dass die Osteoporose-Diagnostik laut Leitlinie angeboten werden sollte, wenn das Ergebnis die Therapie beeinflussen würde (z. B. Entscheidung über medikamentöse Behandlung). Auch, wenn etwas darauf hindeutet, dass die Osteoporose durch eine andere Erkrankung verursacht sein könnte, wird die Diagnostik empfohlen. Eine Diagnostik müsse ebenfalls zeitnah erfolgen, wenn es etwa zu mehreren Stürzen im letzten Jahr oder einer neuen Wirbelkörper- oder Hüftfraktur kam.
Unter 50
Unter 50 Jahren wird die Diagnose nur bei schweren bzw. seltenen Risikoindikatoren empfohlen. Etwa Aromatasehemmer, HIV sowie schwere entzündliche Erkrankungen.
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Behandlungsmöglichkeiten
Die Osteoporose-Therapie hat das Ziel, Knochenbrüche zu verhindern, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Die Therapie wird deshalb individuell und je nach Grad der Erkrankung des Patienten vom Arzt gesteuert. Wichtige Bausteine sind Bewegung, Ernährung sowie medikamentöse Therapiemöglichkeiten bis hin zu operativen Methoden. Auch Selbsthilfegruppen spielen eine zentrale Rolle.
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium (Knochenstabilität) und Vitamin D (verbessert die Kalziumaufnahme) sind wesentlicher Bestandteil der Therapie. Funktionstraining unter Anleitung sollen das Sturzrisiko reduzieren und Brüchen vorbeugen. Laut dem Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V. sind Nordic Walking, sanftes Krafttraining oder Wassergymnastik geeignete Sportarten bei Osteoporose. 6
Medikamentöse Therapien können den Aufbau neuer Knochensubstanz fördern und den Knochenabbau bremsen. Nach individuellem Bedarf kommen verschiedene Wirkstoffgruppen zum Einsatz, etwa Bisphosphonate, Denosumab, Teriparatid oder selektive Östrogenrezeptormodulatoren. Die Wahl des Medikaments hängt u. a. vom Alter, Geschlecht, Frakturrisiko und Begleiterkrankungen ab.
Bei schmerzhaften Wirbelbrüchen oder fortgeschrittener Instabilität, kann ein operativer Eingriff notwendig sein. Verfahren wie Kyphoplastie oder Vertebroplastie helfen, gebrochene Wirbelkörper zu stabilisieren und Schmerzen effektiv zu lindern. Kyphoplastie ist ein minimalinvasives Verfahren, um den gebrochenen Wirbel zu stabilisieren und Schmerzen zu lindern. Bei der Vertebroplastie wird ein spezieller Knochenzement durch eine Hohlnadel in den Wirbel injiziert.
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Bedeutung von körperlicher Aktivität im Kindesalter für das spätere Osteoporose-Risiko
Studien und Übersichtsarbeiten zeigen, dass körperliche Aktivität (insbesondere belastende, „weight-bearing“ Aktivität) im Wachstum und jungen Erwachsenenalter zu einer höheren maximalen Knochenmasse (peak bone mass, PBM) führen – und damit indirekt das Osteoporose-Risiko im späteren Leben senken kann.7 Der Grundstein für eine höhere maximale Knochenmasse wird also schon im Kindes- und Jugendalter gelegt.
So lässt sich das Knochenschwund-Risiko senken
Obwohl Osteoporose durch vielfältige Faktoren wie hormonelle Veränderungen und andere Krankheiten ausgelöst werden kann, haben wir zwei wichtige Einflussmöglichkeiten: Ernährung und Bewegung. Eine Ernährung reich an Kalzium und Vitamin D stärkt die Knochen ebenso wie sportliche Aktivitäten. Ähnlich wie Muskeln braucht nämlich das Skelett einen mechanischen Widerstand, um den Knochenaufbau und die Stabilität zu fördern.
Als besonders effektiv gelten regelmäßige Kraftübungen, da sie den Abbau der Knochenmassen durch den Aufbau neuer Masse nahezu ausgleichen können.8 Doch auch Ausdauer- und Koordinationsübungen sowie Gymnastik sind förderlich, sofern sie die Knochen ausreichend stark belasten. Wie Studien zeigen, reicht das Spazierengehen allein leider nicht aus.9
Mit folgenden Faktoren reduzieren Sie Ihr Osteoporose-Risiko:
- Achten Sie auf viel Bewegung im Alltag
- Treiben Sie regelmäßig Sport (am besten mit Kraftübungen)
- Achten Sie auf gesunde Ernährung mit ausreichend Vitamin D und Kalzium
- Vermeiden Sie starkes Untergewicht
- Vermeiden Sie hohen Alkoholkonsum
- Verzichten Sie auf das Rauchen