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Gesundheitspartner
von FITBOOK

Expertin klärt auf

Was es wirklich bringt, Apfelessig zu trinken

Apfelessig
Apfelessig werden viele positive Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt – aber stimmt das wirklich?Foto: Getty Images

Was die Wirkung vieler Hausmittel anbelangt, scheiden sich bekanntlich die Geister. Ganz vorne mit dabei ist vor allem eines: Apfelessig! Diesem wird eine Reihe positiver Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt, sogar überflüssige Pfunde soll man sich damit wegtrinken können. Aber ist das auch wissenschaftlich belegt? FITBOOK hat bei einer Ernährungsexpertin nachgefragt. 

Sich schön, gesund und schlank trinken mit gerade einmal zwei bis drei Teelöffeln mit Wasser verdünntem Apfelessig am Tag? Klingt schon fast zu einfach, um wahr zu sein. Dennoch stößt man bei der Suche nach effektiven Haushaltsmitteln im Internet immer wieder auf diesen Tipp. Apfelessig wird als DIE Wunderwaffe für Stoffwechsel, Verdauung, Haut, Haare und andere körperliche Wehwehchen angepriesen.

Welche gesundheitlichen Wirkungen werden Apfelessig nachgesagt?

Er soll das Immunsystem stärken und so beispielsweise Erkältungen vorbeugen können. Auch für Verdauung und Darm sei das Essig-Wasser-Gemisch förderlich. So verhindere Apfelessig, dass sich Fäulnisbakterien im Darm ausbreiten können und sorge damit für eine sanfte Reinigung des Darms sowie eine Linderung von Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung und Blähungen. Auch helfe er gegen Sodbrennen und könne ein Völlegefühl nach dem Essen mindern. Und für viele wahrscheinlich am interessantesten: Apfelessig soll sogar beim Abnehmen helfen! Durch Auswirkungen auf die Regulierung des Blutzuckerspiegels ließen sich Heißhungerattacken verhindern. Außerdem kurbele er die Fettverbrennung an und bringe so Fettpölsterchen zum Schmelzen.

Wie wird Apfelessig hergestellt?

Dabei steckt hinter dem Hype im Grunde ein ganz einfaches Lebensmittel. Der herkömmliche Apfelessig aus dem Supermarkt wird aus vergorenen Apfelresten hergestellt. Dem Apfelmost wird künstlich Essigsäure hinzugesetzt. Oft wird geraten, zu hochwertigerem Bio-Apfelessig zu greifen. Diesen gewinnt man aus dem Most ganzer Bio-Äpfel, dem Bakterienkulturen zugesetzt werden, die den Gärungsprozess in Gang setzen. Dadurch wandelt sich der Alkohol in Essigsäure um. Auch in Tabletten- oder Pulverform ist die vermeintliche Geheimwaffe erhältlich. Der flüssige Essig ist allerdings deutlich günstiger.

Wie nährstoffreich ist der Essig wirklich?

Aber was steckt nun wirklich drin im angeblichen Wunderelixier? Hierzu hat FITBOOK sich bei Ernährungsexpertin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. genauer erkundigt.

Gahl bestätigt uns zwar zunächst, dass Apfelessig durchaus mit einigen wertvollen Nährstoffen punkten kann. „Apfelessig enthält u.a. Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Zink. Zudem sind Polyphenole enthalten, ebenso wie geringe Mengen Histamin“, erklärt die Diplom-Ökotrophologin. Gerade Polyphenolen wird beispielsweise nachgesagt, antioxidativ, entzündungshemmend und blutdruckregulierend zu wirken sowie positiven Einfluss auf das Immunsystem zu haben.

Weiter führt Frau Gahl jedoch aus: „Allerdings ist ihr Anteil mit den üblicherweise aufgenommenen Apfelessig-Mengen von ca. drei Teelöffeln (15 ml) an der täglichen Gesamtaufnahme äußerst gering und spielt damit in der täglichen Ernährung im Vergleich zu Obst und Gemüse oder Fruchtsäften keine bedeutende Rolle.“ Sie erläutert das im Gespräch mit FITBOOK am Beispiel von der Deckung unseres täglichen Bedarfs am Mineralstoff Kalium. „Zwar enthält Apfelessig rund 90 mg Kalium pro 100 g. Da die übliche Verzehrmenge von ca. 15-20 ml nur ca. ein Sechstel davon beträgt, decken drei Teelöffel Apfelessig den täglichen Kaliumbedarf nur zu ca. 0,3 Prozent, während der Verzehr einer Banane (150 g) und 2 roher Karotten (200 g) bereits 30 Prozent des täglichen Kaliumbedarfs abdecken.“

Wissenschaftliche Belege? Fehlanzeige!

Die Ernährungswissenschaftlerin weist insbesondere darauf hin, dass in Bezug auf das Thema Apfelessig und dessen gesundheitliche Wirkungen kaum belastbare und aussagekräftige wissenschaftliche Daten vorliegen. „Abgesehen von einer leicht antibakteriellen Wirkung des Apfelessigs aufgrund der enthaltenen Säure (Essigsäure) gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die versprochenen Wirkungen. In letzter Zeit wird auch ein blutzuckersenkender Effekt von Essig nach Nahrungsaufnahme diskutiert. Allerdings gibt es nur einzelne kleinere Studien dazu und der verantwortliche Wirkmechanismus ist bislang nicht aufgeklärt.“

Das hält die Ernährungsexpertin von der Apfelessig-Kur

Alles also bloß eine große Gesundheitslüge? Zur Wirkung des Essigs in unserem Körper erklärt Expertin Gahl im Interview mit FITBOOK: „Essig wird im Stoffwechsel letztlich zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut, ohne besondere Effekte im Körper auszulösen.“ In der Volksmedizin gibt es für Apfelessig zahlreiche Heilversprechen, z.B. eine Stärkung der Abwehrkräfte sowie Hilfe bei Gelenkschmerzen, Darmträgheit, oder zur Gewichtsreduktion. Eine mögliche Gewichtsreduktion sei eher auf eine Ernährungsumstellung zurückzuführen, als auf das Apfelessiggetränk. In der Regel verbergen sich hinter Apfelessig-Diäten Rezepte für eine energiereduzierte Kost. „Wer sich danach ernährt, hat gute Chancen auch ohne Essig Gewicht zu verlieren“, sagt Gahl. Klare Worte in Bezug auf den so hochgelobten angeblichen Gesundheits- und Abnehmbooster.

Aber ist es denn per se völlig abzulehnen, Apfelessig zu sich zu nehmen? Expertin Gahl äußert sich dazu wie folgt: Wir empfehlen Essig in erster Linie zur klassischen Verwendung in der Küche, ob zur Konservierung (z.B. Einlegen von Gemüsen), zur Zubereitung von Dressings, Mayonnaisen, Senf und zum Würzen von Speisen. Wer den Essig in den üblichen Dosierungen ca. 2-3 EL (20-30 ml) verwendet oder  trinken möchte, kann dies gern tun, da beim normalen Verzehr keine Unverträglichkeitserscheinungen auftreten bzw. zu erwarten sind.“

Fazit

Schädlich ist das Essig-Wasser-Gemisch für unseren Körper in einer normalen Dosierung keinesfalls. Ob es allerdings auch das persönliche körperliche Wohlbefinden steigert ist, wie bei so vielen Hausmittelchen, wohl aber eher eine Frage der subjektiven Wahrnehmung.