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Ist Apfelessig gesund und hilft beim Abnehmen? Das sagen Expertinnen

Apfelessig
Sich zugleich schön, gesund und schlank trinken? Laut Social Media Hype soll das mit gerade einmal zwei bis drei Teelöffeln Apfelessig am Tag möglich sein. Foto: Getty Images/500px Plus
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24. September 2025, 14:29 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Was die Wirkung vieler Hausmittel anbelangt, scheiden sich bekanntlich die Geister. Ganz vorn mit dabei ist der Apfelessig. Diesem wird eine Reihe positiver Wirkungen auf die Gesundheit nachgesagt, z. B. auf den Blutzuckerspiegel. Und sogar überflüssige Pfunde soll man sich damit wegtrinken können. Doch können Studien das belegen? Und: Was sagen Ernährungsexpertinnen dazu?

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Welche gesundheitlichen Wirkungen werden Apfelessig nachgesagt?

Immer dann, wenn ein einzelnes Lebensmittel als Lösung für jedes Wehwehchen angepriesen wird, sollte man genauer hinschauen. So werden Apfelessig positive Einflüsse auf Stoffwechsel, Verdauung, Blutzucker, Haut und Haare zugeschrieben. Doch damit nicht genug. Er soll auch das Immunsystem stärken und so unter anderem Erkältungen vorbeugen können. Ebenso für die Verdauung und den Darm sei ein Essig-Wasser-Gemisch förderlich, da Apfelessig verhindere, dass sich Fäulnisbakterien im Darm ausbreiten könnten, wodurch Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung, Völlegefühl und Blähungen gelindert würden. Zudem helfe er gegen Sodbrennen.

Und für viele wahrscheinlich am interessantesten: Apfelessig soll sogar beim Abnehmen helfen! Durch Auswirkungen auf die Regulierung des Blutzuckerspiegels ließen sich Heißhungerattacken verhindern. Außerdem kurbele er die Fettverbrennung an und bringe so Fettpölsterchen zum Schmelzen.

Wie wird Apfelessig hergestellt?

Hinter dem Hype steht im Grunde ein ganz einfaches Lebensmittel. Der herkömmliche Apfelessig aus dem Supermarkt wird aus vergorenen Apfelresten hergestellt. Dem Apfelmost wird künstlich Essigsäure hinzugesetzt. Oft wird geraten, zu hochwertigerem Bio-Apfelessig zu greifen. Diesen gewinnt man aus dem Most ganzer Bio-Äpfel, welchem Bakterienkulturen zugesetzt werden, die den Gärungsprozess in Gang setzen. Dadurch wandelt sich der Alkohol in Essigsäure um. Auch in Tabletten- oder Pulverform ist das vermeintliche Wundermittel erhältlich. Der flüssige Essig ist allerdings deutlich günstiger.

Wie nährstoffreich ist der Essig wirklich?

Was steckt denn nun im angeblichen Wunderelixier? Hierzu hat sich FITBOOK bei Ernährungsexpertin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. genauer erkundigt.

Gahl bestätigt uns zwar zunächst, dass Apfelessig durchaus mit einigen wertvollen Nährstoffen punkten kann. „Apfelessig enthält u. a. Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Zink. Zudem sind Polyphenole enthalten, ebenso wie geringe Mengen Histamin“, erklärt die Diplom-Ökotrophologin. Von Polyphenolen ist bekannt, dass sie antioxidativ, entzündungshemmend und Blutdruck regulierend wirken und das Immunsystem unterstützen.

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Weiter führt Frau Gahl jedoch aus: „Allerdings ist ihr Anteil mit den üblicherweise aufgenommenen Apfelessig-Mengen von ca. drei Teelöffeln (15 Milliliter) an der täglichen Gesamtaufnahme äußerst gering und spielt damit in der täglichen Ernährung im Vergleich zu Obst und Gemüse oder Fruchtsäften keine bedeutende Rolle.“ Sie erläutert das im Gespräch mit FITBOOK am Beispiel von der Deckung unseres täglichen Bedarfs am Mineralstoff Kalium. „Zwar enthält Apfelessig rund 90 Milligramm Kalium pro 100 Gramm. Da die übliche Verzehrmenge von ca. 15 bis 20 Milliliter nur ca. ein Sechstel davon beträgt, decken drei Teelöffel Apfelessig den täglichen Kaliumbedarf nur zu ca. 0,3 Prozent, während der Verzehr einer Banane (150 Gramm) und zwei roher Karotten (200 Gramm) bereits 30 Prozent des täglichen Kaliumbedarfs abdecken.“

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Wie sieht die Studienlage aus?

Die Ernährungswissenschaftlerin weist insbesondere darauf hin, dass in Bezug auf das Thema Apfelessig und dessen gesundheitliche Wirkungen kaum belastbare und aussagekräftige wissenschaftliche Daten vorlägen. „Abgesehen von einer leicht antibakteriellen Wirkung des Apfelessigs aufgrund der enthaltenen Säure (Essigsäure) gibt es keine wissenschaftlichen Belege für die versprochenen Wirkungen.“

Studien zur Wirkung auf den Blutdruck

„In letzter Zeit wird auch ein Blutzucker senkender Effekt von Essig nach Nahrungsaufnahme diskutiert. Allerdings gibt es nur einzelne kleinere Studien dazu, und der verantwortliche Wirkmechanismus ist bislang nicht aufgeklärt“, so Gahl. Dazu zählt u. a. eine Studie aus dem Jahr 2007.1 Und viel hat sich seitdem in der Forschung nicht getan. 2009 kommt eine Studie aus Japan ebenfalls zu dem Schluss, dass Apfelessig den Blutdruck senken kann – allerdings hatten die Probanden zuvor gar keinen Bluthochdruck und die erzielte Senkung um 4,5 mmHg ist kaum gesundheitlich relevant.2 Eine iranische Studie aus 2019 zeigte zudem keinen signifikanten Effekt auf den Blutdruck.3

Studien zur Wirkung auf das Körpergewicht

Zuletzt gab es im März 2024 eine Trendwelle von Apfelessig, da eine Studie aus dem Libanon den fruchtigen Essig als wirksames Hilfsmittel bei Übergewicht einstufte. Dabei tranken 120 Probanden über zwölf Wochen hinweg entweder Apfelessig oder ein Placebo mit Milchsäure, wobei die erstere Gruppe signifikant Gewicht verlor. Aber aufgepasst: Infolge schwerwiegender Kritik an der Studienmethodik durch Fachleute wurde diese im September 2025 widerrufen – die Ergebnisse sind damit wissenschaftlich nicht mehr belastbar!4

Dennoch gibt es Hinweise, dass die Wirkung auf das Körpergewicht mehr als Schall und Rauch sein könnte. Eine kürzlich erschienene Meta-Analyse untersuchte zehn klinische Studien, die zwischen 2009 und 2024 veröffentlicht wurden und zusammengerechnet 861 Teilnehmer aus Asien, Nordafrika und dem Nahen Osten umfassten. Diese waren übergewichtig oder adipös und litten teilweise an Typ-2-Diabetes. Die Untersuchungszeiträume lagen zwischen einem und drei Monaten und umfassten typischerweise die tägliche Einnahme von Apfelessig (fünf bis 30 Milliliter), manchmal kombiniert mit Ernährungs- oder Bewegungsberatung. Die jeweiligen Kontrollgruppen erhielten Wasser, ein Placebo, das Diabetesmedikament Metformin oder eine Lebensstilberatung.

Das Ergebnis: Apfelessig konnte das Körpergewicht und den Body-Mass-Index (BMI) im Vergleich zu den Kontrollgruppen signifikant reduzieren. Im Durchschnitt verloren Teilnehmer etwa 7,5 Kilogramm und ihr BMI reduzierte sich innerhalb von zwölf Wochen um zwei Einheiten. Die stärksten Effekte wurden bei Dosen von 30 Millilitern täglich beobachtet. Die Studienautoren betonen jedoch, dass eine langfristige Wirksamkeit und Sicherheit noch durch größere, längere und standardisiertere Studien bestätigt werden müsse.5

Das hält die Ernährungsexpertin von der Apfelessig-Kur

Zur Wirkung des Essigs in unserem Körper erklärt Expertin Gahl im Interview mit FITBOOK: „Essig wird im Stoffwechsel letztlich zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut, ohne besondere Effekte im Körper auszulösen.“ Eine mögliche Gewichtsreduktion sei eher auf eine Ernährungsumstellung zurückzuführen als auf das Apfelessiggetränk. In der Regel verbergen sich hinter Apfelessig-Diäten Rezepte für eine energiereduzierte Kost. „Wer sich danach ernährt, hat gute Chancen, auch ohne Essig Gewicht zu verlieren“, sagt Gahl. Klare Worte in Bezug auf den so hochgelobten angeblichen Gesundheits- und Abnehmbooster.

Aber ist es denn per se völlig abzulehnen, Apfelessig zu sich zu nehmen? Expertin Gahl äußert sich dazu wie folgt: Wir empfehlen Essig in erster Linie zur klassischen Verwendung in der Küche, ob zur Konservierung (z. B. beim Einlegen von Gemüsen), zur Zubereitung von Dressings, Mayonnaisen, Senf und zum Würzen von Speisen. Wer den Essig in den üblichen Dosierungen, ca. zwei bis drei Esslöffel (20 bis 30 Milliliter) verwendet oder trinken möchte, kann dies gern tun, da beim normalen Verzehr keine Unverträglichkeitserscheinungen auftreten bzw. zu erwarten sind. Damit Zahnschmelz und Darmschleimhaut durch den hohen Säuregehalt aber nicht angegriffen werden, sollte man diese Menge Apfelessig am besten verdünnt in einem großen Glas Wasser trinken.“

Eine Sache sollte man zusätzlich noch beachten: nach dem Trinken des Essigs nicht direkt die Zähne putzen. Wer eine halbe Stunde damit wartet oder die Säure mit einem Mundwasser neutralisiert, ist auf der sicheren Seite. 

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Nahrungsergänzungsmittel mit Essigextrakt sind unnötig  

Wenn man so einen sauren Drink nicht herunterbekommt – sind Nahrungsergänzungsmittel mit Apfelessigextrakt dann eine gute Alternative? Nein, findet Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Und das nicht nur, weil die Pulver und Kapseln ein Vielfaches einer Flasche Apfelessig kosten. Zu viele Fragen rund um die Wirkweise von Apfelessig sind noch offen, schilderte sie bereits in der Vergangenheit der „dpa“. So sei Krehl zufolge unklar, ob die entscheidenden Inhaltsstoffe überhaupt noch im hoch verarbeiteten Pulver enthalten seien. Und: Etwaige angepriesene Vitamine in den Kapseln stammen nicht aus dem Essig selbst, sondern wurden in der Herstellung hinzugesetzt.6

Um Apfelessig besser herunterzubekommen, hat sie noch einen Tipp: ihn als Switchel servieren. So heißt ein Getränk, für das man Apfelessig, Wasser, Ahornsirup, Ingwer und Zitrone mischt. So gesellt sich zur Säure noch etwas Süße und Schärfe – das dürfte vielen besser schmecken.

Fazit

Schädlich ist ein Gemisch aus Apfelessig und Wasser für unseren Körper in einer normalen Dosierung keinesfalls. Ob es allerdings auch das persönliche körperliche Wohlbefinden steigert oder sogar die Fettverbrennung fördert, ist, wie bei so vielen Hausmitteln, auf Grundlage der aktuellen Studienlage nicht eindeutig zu beantworten.

Mit Material von dpa

Quellen

  1. White, A.M., Johnston, C.S. (2007). Vinegar Ingestion at Bedtime Moderates Waking Glucose Concentrations in Adults With Well-Controlled Type 2 Diabetes. American Diabetes Association. ↩︎
  2. Kondo, T., Kishi, M., Fushimi, T. et al. (2009). Vinegar intake reduces body weight, body fat mass, and serum triglyceride levels in obese Japanese subjects. Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry. ↩︎
  3. Gheflati, A., Bashiri, R., Ghadiri-Anari, A. et al. (2019). The effect of apple vinegar consumption on glycemic indices, blood pressure, oxidative stress, and homocysteine in patients with type 2 diabetes and dyslipidemia: A randomized controlled clinical trial. Clinical Nutrition ESPEN. ↩︎
  4. Retraction: Apple cider vinegar for weight management in lebanese adolescents and young adults with overweight and obesity: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. BMJ Nutrition, Prevention & Health. (aufgerufen am 24.09.2025) ↩︎
  5. Castagna, A., Ferro, Y., Noto, F.R. et al. (2025). Effect of Apple Cider Vinegar Intake on Body Composition in Humans with Type 2 Diabetes and/or Overweight: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients. ↩︎
  6. Verbraucherzentrale. Nahrungsergänzungsmittel mit (Apfel-)Essig: Wirkung nicht bewiesen. (aufgerufen am 24.09.2025) ↩︎

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