Gesundheitspartner
von FITBOOK

„Low carb“-Diät

Das passiert im Körper, wenn Sie auf Kohlenhydrate verzichten

Kohlenhydratreiches Mittagessen vs. kohlenhydratarmes Essen
Salat oder Pasta bzw. kohlenhydratarm gegen kohlenhydratreich ist immer häufiger die Frage
Foto: Getty Images

„Low Carb“ bedeutet für die meisten Menschen gesunde, figurbewusste Ernährung. Dabei lässt sich die Theorie von schädlichen Kohlenhydraten nicht halten. Ob und wann der Verzicht auf den verteufelten Ernährungsbaustein empfehlenswert ist – und wann er sogar schaden kann.

Kohlenhydrate und der Sport

Wer sich bereits ein wenig mit dem Thema Physiologie beschäftigt hat, weiß, dass auch Fett den Körper mit Power versorgt. Und dass für Muskulatur und Gehirn trotzdem Zuckermoleküle aus Kohlenhydraten die schnellste Energiequelle darstellen. Kein Wunder also, dass bei Ausdauersportlern Pasta und andere Getreideprodukte wesentliche Bestandteile des Speiseplans sind. Gänzlich verpönt sind Kohlenhydrate also bei Athleten nicht. Etwas anders sieht es beim Krafttraining aus.

Pasta

Gerade bei Ausdauersportlern stehen Nudeln vor Wettkämpfen hoch im Kurs
Foto: Getty Images

Verzicht kann aggressiv machen

Weil der Körper zum Muskelaufbau in erster Linie Proteine benötigt, greifen Bodybuilder lieber an Schrippen vorbei zum Eiweißshake. „Dabei benötigt man zum Stemmen von Gewichten auch Energie“, erklärt Professor Thomas Konrad, Endokrinologe und Stoffwechsel-Experte aus Frankfurt am Main auf Nachfrage von FITBOOK. „Sie aus Eiweißbausteinen zu beziehen – sprich: Proteine in Zuckermoleküle umzuwandeln –, ist für die Muskeln und Leber ein komplizierter und anstrengender Prozess.“ Dass „Pumper“ manchmal reizbar erscheinen, ist also nicht immer ein rein subjektiver Eindruck. „Jede Form einseitiger Ernährung kann aggressive Stimmungen verursachen“, sagt Professor Konrad.

Auch interessant: Warum Kohlenhydrate beim schlank bleiben helfen

Jeder Körper reagiert anders

Trotz wissenschaftlicher Erklärungen fällt auf: Manche Menschen nehmen ständig Kohlenhydrate zu sich und bleiben dabei schlank; bei anderen hingegen setzt selbst das kleinste Brötchen direkt an. Was unterscheidet diese Menschen? „Unter anderem die Lebensumstände“, weiß Professor Konrad. Denn wer mehr Bewegung in seinen Alltag integriert oder körperlich arbeitet, verbrennt logischerweise auch mehr.

Auch interessant: 5 einfache Fitness-Tipps für den Alltag

Aber Achtung: Dem Experten zufolge kann auch Stress in Kombination mit zuckerreicher Ernährung zulasten der Figur gehen. „Das liegt am höheren Stresshormonpegel im Blut. Wenn zu dieser Disposition noch Zucker hinzukommt, benötigt der Körper mehr des Speicherhormons Insulin. Auf Dauer begünstigt das die Einlagerung von Fettzellen“, sagt Konrad zu FITBOOK.

Inwieweit Menschen zu dieser Stressreaktion neigen, hat etwas mit ihrer genetischen Veranlagung zu tun. Und auch damit, ob sie auf raffinierte Zucker mit Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Verstopfung reagieren – Stichwort Reizdarm. Betroffene sollten um schnelle Kohlenhydrate tatsächlich einen Bogen machen.

Auch interessant: Warum wir bei Stress ungesund essen wollen 

Lebensstil und Ernährung gehören zusammen 

Auch der Münchener Diplom-Ökotrophologe und Ernährungswissenschaftler Dr. Nicolai Worm sagt zu FITBOOK: „Man kann Ernährungsempfehlungen nicht vom Lebensstil abkoppeln.“ Zwar gebe es tatsächlich Menschen, die Kohlenhydrate vergleichsweise gut wegstecken können, etwa weil sie in der Vergangenheit viel Sport getrieben haben. Doch auch sie sollten Zucker – zumindest im Übermaß – mit Vorsicht genießen, wenn ihr Alltag wenig Bewegung beinhaltet. „Die Kombination aus dem heutigen westlichen Lebensstil und viel verstecktem Zucker kann auf die Dauer eine Insulinresistenz verursachen“, warnt Dr. Worm.

Dadurch würden die Regulierung des Blutzuckerspiegels und die Umwandlung von Zucker in Energie nachhaltig beeinträchtigt. Und das könne nicht nur das Abnehmen erheblich erschweren, sondern schlimmstenfalls zu Typ-2-Diabetes führen.

Auch interessant: So gewinnen Sie den Kampf gegen den Jojo-Effekt (BILDplus)

Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate!

Laut Dr. Worm ist das aber nur die halbe Wahrheit: Entscheidend sei die Randschicht, erklärt der Ernährungswissenschaftler. Er rät daher zum „Schrotbrot mit groben Körnern, am besten aus echtem Sauerteig“. Der enthalte gut verwertbare Mineralstoffe und sättige nachhaltig.

Vollkornprodukte

Vollkornprodukte sollten den Vorzug vor Weißmehlprodukten bekommen
Foto: Getty Images

Zucker ist überall

Sich von Einfach-Zucker fernzuhalten, ist allerdings gar nicht so einfach. Er lauert nicht nur in Süßigkeiten, sondern auch in Fertiggerichten, Soßen, Wein oder Säften. Davor warnt Dr. Worm besonders. „Die Nährwerte einer Limonade laufen sehr schnell durch den Magen und direkt in den Dickdarm“, erklärt er FITBOOK. Prompt gelangt der Zucker ins Blut, wodurch der Blutzuckerspiegel in die Höhe schießt und genauso schnell wieder abfällt. Die Folge: Heißhunger, den man mit einem unnötigen Zwischendurch-Snack stillt. Und der zahlt natürlich ins Kalorienkonto ein. Laut Dr. Worm ist unterm Strich vor allem eine Sache verantwortlich dafür, ob man zunimmt oder nicht: die Energiebilanz.

Auch interessant: Das ist der richtige Zeitpunkt für den Eiweißshake

Fazit: Die Menge macht das Gift

Weitere interessante Fitness- und Gesundheitsthemen finden Sie auf unserer Startseite FITBOOK.de!

So lange man es also nicht übertreibt und nur „schnelle“ Zucker zu sich nimmt, ist gegen ein gelegentliches Brötchen oder Nudelgericht rein gar nichts einzuwenden.

Folgen Sie FITBOOK auf Facebook!