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Hängen an der Stange! Warum man den Dead Hang ins Workout integrieren sollte

Dead Hang
Eine stabile Stange genügt, um den Dead Hang sauber auszuführen Foto: FITBOOK
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Nuno Alves
Chefredakteur

3. Februar 2026, 10:54 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Der Name klingt zugegeben etwas morbide. Hinter dem Dead Hang verbirgt sich jedoch eine einfache Übung mit überraschend großem Nutzen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist sie sogar für Einsteiger geeignet. Ich selbst habe den Dead Hang seit Jahren fest in mein Training integriert.

Wie funktioniert der Dead Hang?

Viel braucht es für die Übung nicht: Eine Klimmzugstange oder eine andere stabile Vorrichtung, die sich sicher greifen lässt, genügt. In Parks oder Wäldern finden sich inzwischen häufig entsprechende Trainingsbereiche mit geeigneten Stangen.

Der Dead Hang besteht im Kern darin, sich mit gestreckten Armen aushängen zu lassen. Das klingt zwar einfach, kann für Einsteiger aber herausfordernd sein, insbesondere dann, wenn die Griffkraft noch gering ist. Mehr dazu weiter unten.

Zu Hause nutze ich gelegentlich auch eine Tür. Dabei lege ich ein Handtuch über die obere Kante des Türblatts, um Druckstellen an den Händen zu vermeiden, und greife die Kante direkt. Mit einem Keil stelle ich sicher, dass sich die Tür nicht bewegen kann. Wichtig ist: Das sollte man nur dann nachmachen, wenn zweifelsfrei gewährleistet ist, dass die Tür die Belastung aushält, was bei mir der Fall ist.

Hat man eine geeignete Vorrichtung gefunden, lässt man sich schlicht hängen.

Die Vorteile des Dead Hang

Das Hängenlassen mag zunächst unscheinbar wirken, hat aber mehrere gut belegte Effekte.

Griffausdauer und Griffkraft

Isometrisches Hängen verbessert die lokale Kraftausdauer der Unterarmmuskulatur deutlich. Studien aus dem Kletterbereich zeigen bereits nach wenigen Wochen Zuwächse der Hängezeit von etwa 35 bis 55 Prozent. Gerade zu Beginn steigt häufig auch die maximale Griffkraft messbar an.1

Das ist relevanter, als es zunächst scheint. Eine geringe Griffkraft gilt nämlich als robuster Marker für einen schlechten allgemeinen körperlichen Leistungszustand im Alter und ist mit einem erhöhten Risiko für einen frühen Tod verbunden. Große Studien zeigen, dass die Griffkraft die Prognose für Gesamt- und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit in manchen Analysen besser vorhersagt als klassische Risikofaktoren wie der Blutdruck.2,3 Das bedeutet nicht, dass es ausreicht, ausschließlich die Hände zu trainieren. Aber die Griffkraft spiegelt häufig wider, wie belastbar der Körper insgesamt ist.

Die Bedeutung der Griffkraft für gesundes Altern greife ich auch in meinem am 4. Januar 2027 erscheinenden Buch „Highway to Health – In 7 Schritten zu einem gesunden langen Leben“ auf, in dem sie als zentraler Indikator für den Zustand des Muskelsystems behandelt wird.

Wirbelsäule und Bandscheiben

Beim Hängen wirkt das eigene Körpergewicht als Zugkraft auf die Wirbelsäule. Diese Traktion kann kurzfristig den Druck innerhalb der Bandscheiben reduzieren.4

Das ist biologisch plausibel, da Bandscheiben größtenteils aus wasserbindendem Bindegewebe bestehen und auf Entlastung mit einer vermehrten Flüssigkeitsaufnahme reagieren können.

Allerdings zeigen hochwertige Studien bislang keinen verlässlichen medizinischen Nutzen von Traktion bei Rückenbeschwerden.5 Die beobachteten Effekte sind meist nur vorübergehend. Dennoch empfinden viele Menschen das Aushängen subjektiv als entlastend, was bei Beschwerden ein relevanter Faktor sein kann.

Schulterfunktion

Passives Hängen kann bei manchen Menschen die Beweglichkeit der Schulter verbessern und Beschwerden lindern. Hochwertige kontrollierte Studien fehlen zwar, doch es gibt plausible biomechanische Erklärungen dafür.6 Der US-Orthopäde John M. Kirsch beschreibt den Dead Hang als hilfreiche Übung bei Schulterproblemen und berichtet aus seiner klinischen Praxis von entsprechenden Erfolgen.7

Bessere Klimmzugleistung

Bei den Klimmzügen kommt es nicht nur auf die Kraft im Rücken oder in den Armen an, sondern auch auf die Griffkraft bzw. -ausdauer. Insofern kann der Dead Hang direkt dazu beitragen, die mögliche Wiederholungszahl zu erhöhen, was auch durch Studien belegt wird.8

Schnelle Fortschritte sind möglich

Gerade zu Beginn stellt sich oft ein schneller Fortschritt ein. Er ist weniger auf einen Muskelaufbau zurückzuführen als darauf, dass das Nervensystem die Griffmuskulatur zunehmend effizienter ansteuert. Die spürbare Verlängerung der Hängezeit wirkt zudem motivierend und erleichtert es, konsequent dranzubleiben.

Dead-Hang-Trainingsplan für alle Levels

Wer den Dead Hang in seine Routine integrieren möchte, kann das so wie ich machen und sich einfach einmal am Tag an einer sicheren Stelle für eine gewisse Zeit hängenlassen. Alternativ kann man in Sätzen arbeiten. Hier ein Vorschlag:

Einsteiger

  • Einmal am Tag (ein Satz): 10 bis 20 Sek.
  • Oder: 2 bis 3 Sätze à 10 bis 20 Sek., 60 bis 90 Sek. Pause zwischen den Sätzen

Hinweis: Gerade zu Beginn sollten typische Fehler vermieden werden. Eine hohe Stange anzuspringen, ist keine gute Idee, da bei fehlender Griffkraft die Gefahr des Abrutschens und eines Sturzes besteht. Der Abstand der Füße zu einer stabilen Unterlage sollte gering sein. Für den Einstieg kann es sinnvoll sein, die Füße leicht aufzusetzen und sich so teilweise zu entlasten.

Mit Trainingserfahrung

  • Einmal am Tag (ein Satz): 30 bis 45 Sek.
  • Oder: 3 bis 4 Sätze à 30 bis 45 Sek., 60 bis 90 Sek. Pause zwischen den Sätzen

Fortgeschrittene

  • Einmal am Tag (ein Satz): 60 bis 90 Sek.
  • Oder: 3 bis 5 Sätze à 60 bis 90 Sek., 60 bis 120 Sek. Pause zwischen den Sätzen
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Der Active Hang als Steigerung des Dead Hang

Im Gegensatz zum Dead Hang hält sich der Körper beim Active Hang – der Name sagt es – aktiv selbst. Durch die Anspannung der Muskulatur rund um Schulterblätter und oberen Rücken wird der Schultergürtel kontrolliert stabilisiert, die Schultern werden nicht mehr passiv vom Körpergewicht getragen. Dadurch vergrößert sich der Abstand zu den Ohren, und der Oberkörper baut gleichmäßige Spannung auf. Die Schulterblätter liegen ruhig und stabil am Rücken an, ohne verkrampft zusammengezogen zu werden.

Passive oder Dead Hang sowie Active Hang
Hier ist gut der Unterschied zwischen Passive bzw. Dead Hang (l.) und Active Hang (r.) Foto: FITBOOK / Isa Kabakci

Diese kontrollierte Aktivierung sorgt für mehr Stabilität im Schulterbereich und schafft die funktionelle Ausgangsposition für saubere Klimmzüge. Gleichzeitig verbessert sie das Körpergefühl im Schultergürtel und unterstützt eine aufrechte, belastbare Haltung im Alltag.

Nuno Alves
Chefredakteur

Meine Erfahrungen mit dem Dead Hang

„Ich habe diese Übung lange unterschätzt. Nachdem ich jedoch mehrere interessante Beiträge dazu gelesen und gehört hatte und auf der Fitnessmesse FIBO an vielen Ständen entsprechende Challenges zu sehen waren, habe ich den Dead Hang schließlich in meinen Trainingsplan aufgenommen. Anfangs kam ich nicht über 40 Sekunden hinaus, bis 1:10 Minuten ging es dann recht zügig. Inzwischen liegt mein persönlicher Rekord bei 1:50 Minuten. Mein nächstes Ziel: 2 Minuten.“

Vorsicht bei Verletzungen oder Beschwerden

Bei bekannten Schulterinstabilitäten, etwa einer Neigung zu Luxationen, bei akutem Bandscheibenvorfall, schwerer Osteoporose oder anderen relevanten Beschwerden sollte der Dead Hang nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Physiotherapeuten durchgeführt werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Bodenkontakt der Füße beizubehalten und die Belastung zu reduzieren.

Quellen

  1. López-Rivera, E., & González-Badillo, J. J. (2019). Comparison of the Effects of Three Hangboard Strength and Endurance Training Programs on Grip Endurance in Sport Climbers. Journal of human kinetics, 66, 183–195. https://doi.org/10.2478/hukin-2018-0057 ↩︎
  2. Leong, D. P., Teo, K. K., Rangarajan, S., Lopez-Jaramillo, P., Avezum, A., Jr, Orlandini, A., Seron, P., Ahmed, S. H., Rosengren, A., Kelishadi, R., Rahman, O., Swaminathan, S., Iqbal, R., Gupta, R., Lear, S. A., Oguz, A., Yusoff, K., Zatonska, K., Chifamba, J., Igumbor, E., … Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) Study investigators (2015). Prognostic value of grip strength: findings from the Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study. Lancet (London, England), 386(9990), 266–273. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(14)62000-6 ↩︎
  3. Ortega, F. B., Silventoinen, K., Tynelius, P., & Rasmussen, F. (2012). Muscular strength in male adolescents and premature death: cohort study of one million participants. BMJ (Clinical research ed.), 345, e7279. https://doi.org/10.1136/bmj.e7279 ↩︎
  4. Wilke, H. J., Neef, P., Caimi, M., Hoogland, T., & Claes, L. E. (1999). New in vivo measurements of pressures in the intervertebral disc in daily life. Spine, 24(8), 755–762. https://doi.org/10.1097/00007632-199904150-00005 ↩︎
  5. Wegner, I., Widyahening, I. S., van Tulder, M. W., Blomberg, S. E., de Vet, H. C., Brønfort, G., Bouter, L. M., & van der Heijden, G. J. (2013). Traction for low-back pain with or without sciatica. The Cochrane database of systematic reviews, 2013(8), CD003010. https://doi.org/10.1002/14651858.CD003010.pub5 ↩︎
  6. Ludewig, P. M., & Reynolds, J. F. (2009). The association of scapular kinematics and glenohumeral joint pathologies. The Journal of orthopaedic and sports physical therapy, 39(2), 90–104. https://doi.org/10.2519/jospt.2009.2808 ↩︎
  7. Kirsch, J. M. (2019). Shoulder pain? The solution & prevention (5th ed., revised & expanded). Bookstand Publishing. ↩︎
  8. Sepehri Rahnama, H., Ganji, S., Vadasz, K., & Prokai, J. (2025). Comparative Effects of Core Versus Forearm Training on Pull-Up Repetition Performance in Physically Inactive Males. Sports (Basel, Switzerland), 13(12), 433. https://doi.org/10.3390/sports13120433 ↩︎

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