Ein starker Körper braucht mehr als nur isoliertes Training an Maschinen. Er benötigt Übungen, die Muskelketten verbinden, die Herzfrequenz fordern und die funktionelle Kraft für den Alltag stärken. Eine der effektivsten Methoden hierfür ist der Kettlebell Snatch. FITBOOK erklärt, warum dieser Klassiker als die „Königsdisziplin“ des Kettlebell-Trainings gilt und wie Ihr gesamter Körper von dieser explosiven Bewegung profitiert.
Stellen Sie die Füße schulterbreit auf und platzieren Sie die Kettlebell etwa eine Fußlänge vor sich auf dem Boden. Beugen Sie Hüfte und Knie leicht und greifen Sie die Kugelhantel mit einer Hand. Der Rücken bleibt gerade und stabil, der Oberkörper ist leicht nach vorn geneigt.
Die Schultern sind aktiv, der Nacken entspannt. Die freie Hand dient dem Gleichgewicht und wird locker seitlich oder nach hinten geführt. Der Blick ist nach vorn gerichtet.
Explosiver Hüftschwung, die Kettlebell eng am Körper geführt und am Ende sicher über dem Kopf fixiert. Foto: Mihai Blanaru
Bewegungsablauf
Schwingen Sie die Kettlebell dynamisch nach hinten zwischen die Beine. Die Bewegung wird aus Hüfte und Beinen eingeleitet, der Arm führt nur mit.
Strecken Sie Hüfte und Knie explosiv und übertragen Sie die Energie auf die Kettlebell, sodass sie nach oben „hochschießt“ und eng am Körper entlangläuft.
Sobald die Kettlebell etwa Schulterhöhe erreicht, führen Sie die Hand zügig durch den Griff, damit die Kugel weich auf dem Unterarm liegt und nicht aufschlägt.
In der Endposition ist der Arm gestreckt über dem Kopf, der Rumpf bleibt angespannt und der Körper steht aufrecht.
Senken Sie die Kettlebell kontrolliert ab, schieben Sie die Hüfte wieder nach hinten und gehen Sie fließend zurück in den nächsten Schwung.
Der Kettlebell Snatch ist ein wahrer „Muskel-Allrounder“, der nahezu jede große Muskelgruppe integriert.
Maximum Voluntary Contraction (MVC)
Mithilfe der „Maximum Voluntary Contraction“ (MVC) lässt sich messen, wie intensiv ein Muskel bei einer Bewegung arbeitet. Dieser Prozentwert setzt die aktuelle Belastung ins Verhältnis zum maximalen Kraftpotenzial (100 Prozent) und macht so die Effektivität einer Übung vergleichbar.
Als Beispiel zum Verständnis: Beim Bankdrücken, der Brustübung schlechthin, hat man für den großen Brustmuskel einen MVC-Wert von 80 bis 90 Prozent. Der Trizeps wird dabei um 60 bis 75 Prozent gefordert und die vordere Schulter bis zu 80 Prozent.
Beim Kettlebell Snatch liegt der Fokus auf der Körperrückseite. Die Gesäßmuskulatur erreicht hier Spitzenwerte von 80 Prozent MVC, während die Rückenstrecker bei etwa 50 Prozent liegen. Letzteres ist besonders wertvoll, da die Rückenstrecker die Wirbelsäule dynamisch stabilisieren. Für die Kraftübertragung aus der Hüfte sorgt zudem eine permanente Rumpfstabilität, während die Schultern (Deltas) und der Trapezmuskel mitarbeiten.
Fokus Ausdauer: Das Herz-Kreislauf-System unter Hochspannung
Während die Kraftentwicklung beeindruckend ist, liegt die wahre Stärke des Snatch in seiner Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Die Übung gilt als eine der effizientesten Übungen zur Steigerung der aeroben Kapazität (VO2max). Da fast jede Muskelfaser im Körper gleichzeitig Sauerstoff benötigt, steigt der Puls rasant an und erreicht Spitzenwerte von durchschnittlich 93 Prozent der maximalen Herzfrequenz.
Spezifische High-Intensity-Protokolle, wie das 15:15-MVO2-Training, belegen, dass sich die VO2max bereits innerhalb von vier Wochen signifikant um etwa sechs Prozent steigern lässt.1
15:15-MVO2-Protokoll Das 15:15-MVO2-Protokoll ist ein von Kenneth Jay entwickeltes Hochintensitäts-Intervalltraining (HIIT) zur Steigerung der aeroben Kapazität. Über einen Zeitraum von 20 Minuten werden dabei abwechselnd 15 Sekunden lang explosive Kettlebell Snatches ausgeführt, gefolgt von 15 Sekunden Pause.
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