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Fitness-Challenge

„Das haben 14 Tage Wandsitz mit meinem Körper gemacht“

14 Tage Wandsitz
Der Wandsitz, auch Wand-Kniebeuge, ist eine durchaus gemeine Übung, da man sie für große Effektivität recht lange halten muss. Das erfordert Willenskraft! Foto: Getty Images/Rob Wilkinson, Nina Ponath; Collage: FITBOO
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Nina Ponath
Freie Autorin

27. November 2025, 17:04 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Für FITBOOK hat Yogalehrerin Nina Ponath ich einen besonderen Selbsttest gemacht: 14 Tage lang jeden Tag Wandsitz. Wie viel Wille sie zum Durchhalten brauchte und was der tägliche Wandsitz mit ihrem Körper gemacht hat, verrät sie hier.

Mal angenommen, es wäre der letzte Abend meines Urlaubs, ich möchte nicht loslassen, will die Zeit unbedingt anhalten, so intensiv wie nur möglich wahrnehmen – ich würde wohl in den Wandsitz gehen. Bei kaum einer anderen Übung vergeht die Zeit so quälend langsam und gleichzeitig so intensiv wie hier. Eine Minute an der Wand zu lehnen, kann sich wie eine Ewigkeit anfühlen – welche Effekte ich persönlich gespürt habe, erzähle ich hier. Der Wandsitz, eine Übung, die uns schon im Schulsport begegnet ist, sieht zwar eher unspektakulär aus, fühlt sich aber umso krasser an: Die Oberschenkel brennen, die Beine zittern, und man will einfach nur, dass es endlich aufhört. Tja, nun hatte ich mir aber vorgenommen, 14 Tage lang täglich im Wandsitz auszuharren – da wollte ich natürlich nicht klein bei geben!

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So funktioniert die Übung richtig

Der Wandsitz ist eine Form des isometrischen Trainings, bei dem die Muskeln unter Spannung stehen, sich die Gelenke jedoch nicht bewegen. Das macht die Übung nicht nur effektiv für die Muskeln, sondern auch für die Sehnen und Gelenke. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, ist allerdings die korrekte Ausführung entscheidend.

Für den Wandsitz begeben Sie sich mit dem Rücken an eine Wand. Die Beine werden in einem 90-Grad-Winkel aufgestellt. Wichtig ist, dass der Rücken gänzlich an der Wand fixiert ist und kein Hohlkreuz entsteht. Kippen Sie dafür das Becken nach vorn und ziehen Sie den Bauchnabel nach innen. Arme hängen locker neben dem Körper herab und stützen sich nicht auf den Beinen ab. Um möglichst lange durchhalten zu können, sollten Sie langsam und kontrolliert atmen. Atmen Sie hierfür langsam durch die Nase ein und langsam wieder durch den Mund aus.

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Diese Muskeln müssen beim Wandsitz arbeiten

  • Quadrizeps: Der Oberschenkelmuskel wird am stärksten beansprucht, da er das gesamte Körpergewicht hält.
  • Gesäßmuskulatur (Glutes): Sie unterstützt den Quadrizeps und stabilisiert die Hüfte.
  • Oberschenkelrückseite (Hamstrings): Sie agiert als Gegenspieler zum Quadrizeps und hilft bei der Stabilisierung.
  • Wadenmuskulatur (Soleus): Sie wird isometrisch angespannt, um die Position zu halten.

Zusätzlich spielen auch die sekundären Muskelgruppen eine wichtige Rolle. Die Rumpfmuskulatur (Core) ist permanent angespannt, um den Rücken gerade an der Wand zu halten. Beim korrekten Wandsitzt muss auch die Muskulatur im unteren Rücken stabil halten, um die Position zu sichern.

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Die Rolle der Willenskraft: Training für den Kopf

Laut Personal Trainerin und FITBOOK-Autorin Alina Bock trainiert eine Wandsitz-Challenge neben dem Körper auch die Willenskraft. Ich finde das einleuchtend, da bei isometrischen Übungen keine Bewegung und somit kaum Ablenkung stattfindet. Man ist voll auf sich selbst konzentriert und nimmt so auch die Anstrengung voll wahr. Von einem solchen mentalen Training halte ich viel und fühle mich nun noch mehr motiviert, fortan täglich an die Wand zu gehen.

Mein 14-tägiger Selbstversuch: Vom Brennen zum breiten Grinsen

Trainerin Alina Bock hat ihren Plan zur Wandsitz-Challenge in drei Phasen gegliedert. Für mich gibt es während dieses Versuchs nur Phase 1 und 2, bestehend aus Woche 1, in der die Grundlagen manifestiert werden, und Woche 2, in der die Haltedauer verlängert wird.

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In der ersten Woche empfiehlt die Expertin, den Wandsitz jeden Tag mit einer Haltedauer von 30 bis 45 Sekunden und mit insgesamt zwei Durchgängen durchzuführen. In der zweiten Woche soll man am ersten Tag drei Sätze mit 45 Sekunden Dauer sowie einer Pause von 45 Sekunden zwischen den Sätzen absolvieren. Am zweiten Trainingstag stehen ebenfalls drei Durchgänge auf dem Plan. Im ersten Satz wird eine Haltedauer von 60 Sekunden angestrebt. In den darauffolgenden Durchgängen wird erneut für jeweils 45 Sekunden durchgehalten. Am dritten Trainingstag stehen drei Sätze auf dem Plan, von denen die ersten zwei Sätze 60 Sekunden, der dritte Satz 45 Sekunden dauern. Am letzten Trainingstag der Woche ist das Ziel, alle drei Sätze für 60 Sekunden zu halten. Ich hoffe, ich schaffe das!

1. Tag: Eine Minute, die wehtut

Ich starte meine Challenge nach dem Laufen. Keine gute Idee, wie ich nach knapp 20 Sekunden bemerke. Ein intensives, kaum zu kontrollierendes Beben geht durch meine Oberschenkel, und ich beschließe, dass es direkt beim ersten Mal keine halbe Minute Wandsitz und schon gar keine zwei Sätze sein müssen. Man muss sich ja Raum zur Entfaltung geben.

2. bis 4. Tag: Ich trickse mich selbst aus

Ich habe dazugelernt: Wandsitz gibt es bei mir nur einigermaßen erholt und nicht nach dem Laufen. Um mich nicht zu sehr auf die Zeit zu fixieren, erledige ich während der Übung kleine Aufgaben zur Ablenkung. Zähneputzen, Voices aufnehmen, E-Mails lesen – alles im Wandsitz. Das lenkt ab, zumindest ein wenig. Ich steigere mich mit diesen psychischen Tricks ganz ohne Probleme auf zwei Sätze à 45 Sekunden. Der Muskelkater hält sich überraschend in Grenzen.

5. und 6. Tag: Jetzt wird es spannend

Zwei Sätze à 45 Sekunden fühlen sich gar nicht mal so schlimm an. Mein Quadrizeps arbeitet stabil, auch bei anderen Übungen. Vor allem meinen Po spüre ich wortwörtlich besser. Ich merke, wann ich ihn gezielt anspanne, und dieses Körpergefühl hatte ich vorher nicht.

7. Tag: Kleiner Rückschlag

Ich lasse heute meine mentalen Ablenkungen schleifen und hänge den Wandsitz an einen 8-Kilometer-Lauf heran. Schlechte Idee. Meine Beine melden sich deutlich und erinnern mich daran, dass Regeneration bei mir diese Woche etwas kurzgekommen ist. Ich nehme die gnädige Ausrede meines inneren Schweinehunds an und mache nach einem 30-Sekunden-Durchgang Schluss für heute.

8. bis 10. Tag: Willenssache

Mein Wille ist ein bisschen weich in diesen Tagen. Da ich ein paar Tage in Österreich im Urlaub bin und meine Beine hier beim Wandern ohnehin stark beansprucht werden, braucht es einen kleinen Booster. Ich höre Podcasts, während ich mit zitternden Beinen an der Wand lehne, und beende meine morgendliche Dusche mit einem kalten Schauer über die Beine. Den ersten Satz halte ich wie im Plan vorgesehen 60 Sekunden, in den darauffolgenden beiden wieder 45. Die kurzen Pausen nutze ich, um durchzuatmen, die Muskeln zu lockern und mich mental auf den nächsten Satz vorzubereiten. Das erleichtert die Sache nicht, aber ich merke, wie der Wille in den Pausen wächst. Körperlich verändert sich nicht viel sichtbar, aber ich fühle mich stabiler und bin etwas stolz auf mich.

11. bis 13. Tag: Ich wachse in die Länge

Nicht buchstäblich, aber mein Gefühl für Körperspannung verändert sich. Ich sitze aufrechter, auch im Alltag. Meine Core-Muskulatur ist wach und mein Körper hält sie zwei Sätze à 60 Sekunden mühelos. Der letzte Satz mit 45 Sekunden kommt mir nun richtig leicht vor. Wie sehr vieles im Leben doch Kopfsache zu sein scheint.

14. Tag: Drei Minuten und ein breites Grinsen

Finale! Ich lehne mich gegen die Wand, setze mich tief und starte den Timer. Drei Sätze, in denen ich jeweils 60 Sekunden lang alles gebe. Begleitet werde ich dabei von den Kaulitz-Brothers, die für Ablenkung sorgen. Als ich nach dem letzten Satz die zitternden Knie wieder durchstrecke, klopfe ich mir innerlich auf die Schulter. Jetzt habe ich mir eine Pause vom Wandsitz verdient!

Nina Ponath
Freie Autorin

Was bleibt nach 14 Tagen Wandsitz-Challenge?

„Optisch hat sich nichts verändert, aber das würde ich von 14-tägigen Challenges eh nicht erwarten. Mein Quadrizeps ist nicht plötzlich zum Muskelberg geworden und auch mein Po sieht genauso aus wie vorher. Ich habe allerdings das Gefühl, dass ich die im Wandsitz beanspruchten Muskeln besser als vorher wahrnehme und sie gezielter ansteuern kann. Die Körperspannung hat sich verbessert und mein Mindset? Ja, ich glaube ziemlich stark an mich: Die Wand ist hart, aber ich bin härter.“

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