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Studie

Tägliche Portion Joghurt könnte helfen, Bluthochdruck zu senken

Illustration des menschlichen Gefäßsystems
Bluthochdruck begünstigt schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen – bis hin zu Schlaganfall und HerzinfarktFoto: Getty Images

Menschen mit Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Kein Wunder also, dass Millionen von Betroffenen Blutdrucksenker in Form von Medikamenten einnehmen. Eine aktuelle Studie hat nun gezeigt, dass auch der regelmäßige Verzehr von Joghurt den Blutdruck senken kann. Allerdings bleiben einige Fragen offen.

Joghurt gehört bekanntlich zu den gesündesten Milchprodukten, wenn er ohne Zuckerzusätze auskommt. Durch seine Milchbakterien fördert er nicht nur die Verdauung, sondern kann auch zu einem gesunden Immunsystem beitragen. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis sind beim handelsüblichen Joghurt oft nicht ausreichend viele Bakterien vorhanden, um einen positiven Effekt auf die Darmflora zu erzielen. Davon abgesehen hat eine australische Studie nun einen ganz anderen positiven Einfluss gezeigt: Laut den Wissenschaftlern der University of South Australia kann häufiger Verzehr von Joghurt dabei helfen, Bluthochdruck zu senken.

Bluthochdruck größter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In Zusammenarbeit mit der amerikanischen University of Maine untersuchten die australischen Wissenschaftler, wie sich der Verzehr von Joghurt auf den Blutdruck auswirkt.1 Denn laut den Studienautoren betrifft Bluthochdruck mehr als eine Milliarde Menschen weltweit, die dadurch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Weltweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache. So nehmen Millionen von Bluthochdruck-Patienten sogenannte Blutdrucksenker ein – also Medikamente, die den Blutdruck regulieren und so auf lange Sicht vor einem möglichen Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen sollen.

Hoher Blutdruck ist der größte Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, deswegen ist es wichtig, dass wir Wege finden, wie wir ihn senken und regulieren können“, sagt die Studienautorin Dr. Alexandra Wade von der University of South Australia.2

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Der Zusammenhang zwischen Joghurt und Bluthochdruck

In der Studie wertete Wissenschaftler die Daten von 915 Probanden aus, die im Rahmen der amerikanischen „Maine-Syracuse Longitudinal Study“ zwischen 2001 und 2006 rekrutiert wurden. Anhand eines Fragebogens befragte man die Teilnehmer zu ihren Ernährungsgewohnheiten. Darin mussten sie angeben, wie oft sie ein bestimmtes Lebensmittel verzehrten:

  • nie
  • selten
  • einmal pro Woche
  • zwei- bis viermal pro Woche
  • fünf- bis sechsmal pro Woche
  • täglich

So fanden die Forscher nach Auswertung der Daten heraus, dass 28,7 Prozent der Befragten niemals, 41,9 Prozent etwa einmal wöchentlich, und 29,4 Prozent zweimal oder häufiger Joghurt aßen. Besonders interessant ist, dass Studienteilnehmer, die mehr Joghurt verzehrten, jünger, besser gebildet und überwiegend weiblich waren. Alle gemessenen Blutdruckwerte waren bei dieser Gruppe niedriger, als bei den Gruppen, die weniger oder gar keinen Joghurt aßen.

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Wie erklären Forscher die Ergebnisse?

Doch warum hat ausgerechnet Joghurt einen positiven Effekt auf den Bluthochdruck? „Das liegt daran, dass Milchprodukte eine Reihe von Mikronährstoffen enthalten, darunter Kalzium, Magnesium und Kalium, die alle an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt sind“, erklärt die Dr. Alexandra Wade. Außerdem sei Joghurt besonders interessant, weil er auch Bakterien enthalte, welche die Freisetzung von blutdrucksenkenden Proteinen fördern, ergänzt sie.

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Laut Dr. Wade reichen schon kleine Mengen an Joghurt aus, um bei Bluthochdruck-Patienten einen senkenden Effekt zu erzielen. „Und bei denjenigen, die regelmäßig Joghurt konsumierten, waren die Ergebnisse noch besser, mit Blutdruckwerten, die fast sieben Punkte niedriger lagen im Vergleich zu jenen, die keinen Joghurt konsumierten“, erläutert die Wissenschaftlerin. Allerdings wurde kein senkender Einfluss bei Teilnehmern beobachtet, die ohnehin einen normalen Blutdruck hatten. Die verantwortlichen Forscher weisen darauf hin, dass es weitere Beobachtungs- und Interventionsstudien braucht, um den Nutzen von Joghurt auf Bluthochdruck zu untersuchen.

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Liegt es wirklich nur am Joghurt?

Die Studienergebnisse machen ein wenig stutzig. Obwohl nur dem Joghurt eine positive Wirkung zugeschrieben wird, könnten noch weitere Faktoren bei der Senkung der Blutdruckwerte eine Rolle spielen. Denn wie die Auswertung der Daten ergab, hatten Teilnehmer mit hohem Joghurtverzehr bessere Cholesterinwerte. Ihr Body Mass Index (BMI) war niedriger, sie verbrauchten mehr Energie, trieben mehr Sport, tranken seltener Alkohol und rauchten weniger als Teilnehmer, die wenig bis gar keinen Joghurt aßen.

All diese Werte legen nahe, dass Menschen, die viel Joghurt essen, generell einen gesünderen und aktiveren Lebensstil pflegen. So könnte es die Mischung vieler Faktoren sein – wie eine gesunde Ernährung, viel Bewegung, Verzicht aufs Rauchen und geringer Alkoholkonsum – dazu beitragen, den Bluthochdruck zu senken.

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Zudem sagt die Studie wenig darüber aus, welche Art von Joghurt einen gesunden Effekt hat. Es wurde nicht zwischen zuckerhaltigem Fruchtjoghurt, fettarmem oder fettreichem Joghurt unterschieden. Auch die gesundheitsfördernde Bakterienanzahl im handelsüblichen Joghurt schwankt extrem. Viele stark verarbeitete Produkte enthalten wie bereits erwähnt relativ wenige Bakterien. Der Effekt auf die Gesundheit kann von diesen Faktoren aber stark abhängen. Es bleiben also einige Fragen offen und weitere Forschung auf Basis dieser positiven Studienergebnisse ist nötig.

Quellen

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