25. Mai 2026, 8:00 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zwischen Süßkartoffeln und normalen Kartoffeln gibt es nicht nur geschmackliche Unterschiede – tatsächlich gehören die Knollen auch verschiedenen botanischen Familien an. Aber ist eine der beiden gesünder als die andere?
Herkunft und Eigenschaften der Süßkartoffel
Süßkartoffeln (botanisch: Ipomoea batatas) und Kartoffeln (botanisch: Solanum tuberosum) sind nicht das Gleiche, tatsächlich sind sie nicht einmal verwandt. Die gelben Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen.1 Die Süßkartoffel hingegen zu den Windengewächsen.2
Süßkartoffeln, oft auch Bataten genannt, sind typischerweise größer. Sie haben je nach Sorte eine gelbliche bis rötliche Schale, entweder weißes oder rötliches Fruchtfleisch und schmecken – man ahnt es – süßer als Kartoffeln. Ein weiterer Unterschied: Süßkartoffeln kann man roh essen! Kartoffeln hingegen sind im ungegarten Zustand potenziell giftig.
Die Süßkartoffel gibt es bereits seit dem 16. Jahrhundert bei uns in Europa. Trotzdem kam sie vor nicht allzu langer Zeit als Ernährungstrend daher. Ihre wertvollen Eigenschaften sollen sie zur gesünderen Kartoffel-Alternative machen. Zurecht?
Die Knollen im Kalorienvergleich
Die gute, alte Kartoffel kommt auf durchschnittlich 71 Kilokalorien à 100 Gramm. Bei der Süßkartoffel sind es etwa 86. Die paar Kalorien mehr erklären sich mit den unterschiedlichen Zuckergehalten: Süßkartoffeln bestehen zu rund 20 Prozent aus Kohlenhydraten, die sich zu mehr als vier Gramm aus reinem Zucker zusammensetzen. Bei Kartoffeln sind es nur etwa 14,6 Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm, davon weniger als ein Gramm Zucker.
Süßkartoffel vs. Kartoffel: Der Nährstoff-Check
Süßkartoffeln liefern mehr B-Vitamine, Vitamin A und Beta-Carotin als Kartoffeln. Sie bringen also ein kleines Plus für die Sehkraft und das Immunsystem mit. In Deutschland ist die Bevölkerung jedoch gut versorgt, ein Mangel ist selten.3
Süßkartoffeln und Kartoffeln: Nährwerte-Tabelle
| Süßkartoffel (frisch) | Kartoffel (roh) | |
|---|---|---|
| Kalorien | 86 kcal | 71 kcal |
| Eiweiß | 1,6 g | 2 g |
| Kohlenhydrate | 20 g | 14,6 g |
| Fett | 0,1 g | 0,1 g |
| Vitamin C | 30 mg | 17 mg |
| Vitamin A | 0,7 mg | 0 mg |
| Eisen | 0,9 mg | 0,4 mg |
| Magnesium | 25 mg | 20 mg |
| Kalium | 413 mg | 411 mg |
Welche Knolle soll man bevorzugen?
Egal ob Süßkartoffeln oder normale Kartoffeln, beide sind ideal für eine fitnessbewusste Ernährungsweise. Dabei haben sie unterschiedliche Vorteile. Die klassische Kartoffel enthält sogenannte „resistente Stärke“, die beim Abkühlen entsteht und zu unverwertbaren Ballaststoffen wird. Soll heißen: Der Kaloriengehalt sinkt um ca. zehn Prozent, auch wenn man die Kartoffel im Anschluss wieder erhitzt.4 Ein praktischer Helfer beim Abnehmen.
Süßkartoffeln haben diese Eigenschaft nicht. Dafür haben sie einen niedrigeren glykämischen Index, besonders in gekochter Form.5 Deshalb sollen sie sich behutsamer auf den Blutzuckerspiegel auswirken und den nächsten Hunger entsprechend länger warten lassen.
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Kohlenhydrate aus Kartoffeln – gut oder schlecht?
FITBOOK fragte auch bei Prof. Dr. Worm nach – im Wissen, dass der Ernährungswissenschaftler Kohlenhydraten generell kritisch gegenübersteht. „Kartoffeln bestehen vornehmlich aus Wasser und Stärke“, erklärt er uns, und jene Stärke werde sehr schnell in Traubenzucker abgebaut.
Die Sache mit dem niedrigeren Glyx-Wert, der Süßkartoffeln nachgesagt wird, falle nicht ins Gewicht. „Schließlich haben Süßkartoffeln auch mehr Kohlenhydrate. Deshalb ist pro Portion die glykämische Last nicht sehr unterschiedlich und aus gesundheitlicher Sicht eher irrelevant“.
In puncto Inhaltsstoffen räumt Prof. Worm ein, dass davon – neben der Stärke – auch „ein paar“ drinstecken. Man brauche aber nicht unbedingt Kartoffeln, um sie sich zuzuführen. Die Nährstoffe seien auch in anderen, weniger stärkereichen Gemüsesorten enthalten.
Ob nun aus (Süß-)Kartoffeln oder Getreideprodukten: Laut Prof. Worm sollten nur Menschen reichlich Kohlenhydrate zu sich nehmen, die körperliche Arbeit leisten oder viel Sport treiben und jenen Zucker gut verstoffwechseln können. „Hart arbeitende Muskeln lieben Stärke“, erklärt Prof. Worm. Wer weniger körperlich aktiv ist, sollte seiner Meinung nach bei Kohlenhydraten zurückhaltender sein.
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Ob nun Süßkartoffeln oder Kartoffeln gesünder sind, hängt nicht zuletzt auch von der Art der Zubereitung ab. Nach einem Bad in der Fritteuse sind weder die einen noch die anderen besonders vorteilhaft, geschweige denn gesund.
Fazit
Beide Knollen haben gute Inhaltsstoffe – ebenso wie Kohlenhydrate und (mitunter kritisch zu betrachtenden) Zucker, die je nach Lebensweise und etwaigen Vorerkrankungen wie Diabetes mehr oder weniger Teil der Ernährung ausmachen sollten. Manche setzen auf Proteine zu Salat, andere lassen lieber gesunde Carbs bewusst auf ihrem Speiseplan. Bei Letzteren dürfen Kartoffeln und Süßkartoffeln – beides gute, pflanzliche Lebensmittel mit wertvollen Eigenschaften, aber eben auch stärkereich – dazugehören. Wie ballaststoffreiches Vollkornbrot auch, sollte man sie nicht im Übermaß verzehren.