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Zusammenhang zwischen Aromen, Farbstoffen und Depressionen entdeckt

Studie findet Zusammenhang zwischen Farbstoffen in der Ernährung und Depressionen
Hochverarbeitete Lebensmittel enthalten zahlreiche Substanzen – einige davon standen in einer neuen Studie besonders deutlich mit dem Auftreten von Depressionen in Zusammenhang Foto: Getty Images / mediaphotos

2. September 2026, 14:50 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Hochverarbeitete Lebensmittel werden in vielen Verarbeitungsschritten und unter Einsatz verschiedener industrieller Substanzen hergestellt. Sie gelten schon länger als potenziell gesundheitsgefährdend. Deutsche Forscher haben nun einen konkreten Aspekt genauer untersucht: den Zusammenhang zwischen dem Verzehr dieser Lebensmittel und dem Auftreten von Depressionen. Dabei interessierte sie nicht zuletzt, welche Bestandteile dabei eine Rolle spielen könnten. Die Ergebnisse der Studie rücken unter anderem Aromen und Farbstoffe in den Fokus.

Hochverarbeitete Lebensmittel fördern Erkrankungen

Die Forschung bringt einen häufigen Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, kurz UPF) mit einem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen und eine höhere Sterblichkeit in Verbindung. Einer jüngeren Studienreihe zufolge können hochverarbeitete Lebensmittel zudem nahezu alle Organsysteme beeinträchtigen; FITBOOK berichtete.1

Auch für die mentale Gesundheit zeichnet sich ein Zusammenhang ab. Dass die Ernährung über die sogenannte Darm-Hirn-Achse mit psychischer Gesundheit und unter anderem Depressionen in Verbindung stehen kann, ist dabei nicht neu. Bereits frühere Studien fanden einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel und depressiven Symptomen.2

Nun haben Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen genauer untersucht, ob und welche Bestandteile hochverarbeiteter Lebensmittel mit dem späteren Auftreten von Depressionen zusammenhängen.3 Die Ergebnisse der neuen Studie zeichnen dabei ein differenzierteres Bild.

Details zur Untersuchung

Es handelte sich um eine bevölkerungsbasierte, prospektive Kohortenstudie auf Grundlage der UK Biobank. Die Teilnehmer wurden zwischen 2006 und 2010 im Vereinigten Königreich in die UK Biobank aufgenommen. Um an der vorliegenden Untersuchung teilzunehmen, mussten sie mindestens einen webbasierten 24-Stunden-Ernährungsfragebogen (Oxford WebQ) ausgefüllt haben.4 Nach dem Abgleich mit vorher festgelegten Ausschlusskriterien verblieben 171.818 Probanden für die Hauptanalyse, ihr Durchschnittsalter betrug 58,5 Jahre.

Die Forscher definierten für die Untersuchung Produkte der Gruppe 4 des NOVA-Klassifikationssystems als hochverarbeitete Lebensmittel. Die Zuordnung solcher Lebensmittel ist allerdings nicht immer eindeutig, denn sie kann von der Interpretation der Zutatenlisten abhängen. Um die Identifikation zu präzisieren, verwendeten die Forscher daher sogenannte Marker für hochverarbeitete Lebensmittel (MUPs). Dazu zählen unter anderem Aromen, Farbstoffe und Süßstoffe sowie Zutaten, die üblicherweise nicht zum Kochen zu Hause verwendet werden.

Insgesamt untersuchte das Team zehn MUP-Kategorien und 39 einzelne MUPs. Nach Angaben der Autoren waren sie mit ihrer Arbeit die ersten, die systematisch die Zusammenhänge dieser Kategorien und einzelnen Marker mit neu auftretenden Depressionen analysierten.

Hochverarbeitete Lebensmittel in der Ernährung der Probanden

Der Oxford WebQ erfasste die Lebensmittel und Getränke, die die Probanden am Vortag zu sich genommen haben. Für die Bestimmung der MUPs wurden Zutatenlisten von 2459 unterschiedlichen kommerziellen Produkten untersucht. Diese stammten von den beiden führenden britischen Lebensmittelhändlern Tesco und Sainsbury’s. Für jedes Lebensmittel wurde anhand der untersuchten Produkte abgeschätzt, wie wahrscheinlich das Vorhandensein eines bestimmten Markers war.

Anschließend berechneten die Forscher, wie groß der Anteil der jeweiligen Marker am gesamten Lebensmittelverzehr war. Hatten die Teilnehmer mehrere Ernährungsfragebögen ausgefüllt, bildeten die Forscher daraus einen Durchschnittswert.

Erstmaliges Auftreten von Depressionen durch UPF

Als Depressionen wurden neu aufgetretene Diagnosen gemäß der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) erfasst. Berücksichtigt wurden dabei depressive Episoden (F32) sowie wiederkehrende depressive Störungen (F33).

Um nun zu untersuchen, wie der Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel und das Auftreten von Depressionen zusammenhingen, nutzten die Forscher statistische Cox-Regressionsmodelle. Dabei berücksichtigten sie verschiedene mögliche Einflussfaktoren, etwa Alter, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index, körperliche Aktivität, Rauchen, Einkommen und Bildungsniveau.

Im Schnitt bestand die Ernährung der Probanden zu rund 19,9 Prozent aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Bei den untersuchten MUP-Kategorien war der durchschnittliche Anteil für Aromen mit 13,5 Prozent am höchsten, gefolgt von Verarbeitungshilfsstoffen mit 7,6 Prozent und Farbstoffen mit 5,6 Prozent.

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Ergebnisse

Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug rund 10,7 Jahre. Alle Teilnehmer zusammengenommen wurden sie rund 1,8 Millionen Jahre lang beobachtet. In diesem Zeitraum registrierten die Forscher 5424 neue Depressionsfälle.

Beim Gesamtanteil hochverarbeiteter Lebensmittel zeigte sich zunächst ein U-förmiger Zusammenhang mit dem Depressionsrisiko. Das niedrigste geschätzte Risiko lag bei einem Anteil von etwa 16 Prozent am gesamten Lebensmittelverzehr. Darüber nahm das Risiko mit steigendem Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel zu. Bei einem Anteil von 30 Prozent lag es um 16 Prozent höher, bei 40 Prozent um 32 Prozent und bei 50 Prozent um 41 Prozent – jeweils verglichen mit dem Bereich des niedrigsten geschätzten Risikos.

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Besonders auffällig: Farbstoffe, Aromen und Süßstoffe

Besonders deutlich fiel der Zusammenhang bei drei Kategorien von Markern für hochverarbeitete Lebensmittel aus: bei Farbstoffen, Aromen und Süßstoffen. Für Farbstoffe zeigte sich bei einem Anteil von 20 Prozent die höchste Hazard Ratio von 1,49, gefolgt von Aromen mit 1,46 bei einem Anteil von 40 Prozent und Süßstoffen mit 1,45 bei 20 Prozent.

Auch bei den einzelnen untersuchten Stoffen zeigten sich Unterschiede. Von den insgesamt 39 untersuchten Markern waren 12 statistisch signifikant mit dem Auftreten von Depressionen verbunden. Dazu gehörten sieben Süßstoffe – darunter Acesulfam, Aspartam, Erythrit, Saccharin, Steviol, Sucralose und Xylitol –, Fruktose und ein Verdickungsmittel. Für drei weitere Stoffe – Schaummittel, Maltodextrin und Gluten – zeigte sich hingegen ein umgekehrter Zusammenhang. Bei 22 Markern ließ sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang feststellen.

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Was bedeuten die Ergebnisse?

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bezeichnung „hochverarbeitet“ allein möglicherweise zu ungenau ist, um mögliche gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Lebensmittel abzusehen. Denn sie beschreibt eine große Lebensmittelgruppe. Und während vor allem Aromen, Farbstoffe und Süßstoffe einen begünstigenden Effekt auf Depressionen zu haben schienen, stellten die Studienautoren für fünf der zehn untersuchten Kategorien keinen statistisch signifikanten Zusammenhang fest.

Auch bei den einzelnen Bestandteilen zeigten sich deutliche Unterschiede. Sieben von zehn untersuchten Süßstoff-Markern standen in einem dosisabhängigen Zusammenhang mit dem späteren Auftreten einer Depression. Auch für Aromen und Farbstoffe zeigte sich ein erhöhtes Risiko, während bei Fruktose ein linearer Zusammenhang beobachtet wurde.

Für die Forschung liefert die Studie allemal einen guten Ansatz, künftig einzelne Bestandteile hochverarbeiteter Lebensmittel gezielter zu untersuchen. Nach Ansicht der Autoren sollten insbesondere Aromen, Farbstoffe und Süßstoffe bei weiteren Untersuchungen und möglichen Interventionen stärker in den Blick genommen werden.

Einschränkungen

Man sollte allerdings auch auf Einschränkungen der Studie hinweisen. Unter anderem wurde die Ernährung der Probanden anhand von 24-Stunden-Ernährungsfragebögen erfasst. Solche Momentaufnahmen können die langfristigen Ernährungsgewohnheiten nur eingeschränkt abbilden. Und die Zuverlässigkeit von Selbstangaben ist immer fraglich.

Weiterhin haben die Forscher die untersuchten Marker für hochverarbeitete Lebensmittel (MUPs) nicht direkt in den verzehrten Produkten bestimmt. Stattdessen analysierten sie Zutatenlisten von 2459 kommerziellen Produkten und übertrugen die daraus ermittelten Wahrscheinlichkeiten auf die Angaben der Teilnehmer. Somit liegt eine modellierte Schätzung vor und keine direkte Analyse tatsächlich konsumierter Lebensmittel.

Zusammenfassend bleibt – wie üblich bei Beobachtungsstudien – zu sagen, dass die Untersuchung Zusammenhänge zeigt, aber keine Aussage darüber treffen kann, ob bestimmte Bestandteile hochverarbeiteter Lebensmittel tatsächlich Depressionen verursachen. Trotz statistischer Anpassungen ist nicht auszuschließen, dass weitere, nicht berücksichtigte Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben. Die Autoren sehen deshalb weiteren Forschungsbedarf, insbesondere zu den möglichen biologischen Mechanismen.

Quellen

  1. Monteiro, C. A., Louzada, M. L. C., Steele-Martinez, E., Cannon, G., Andrade, G. C., Baker, P., Bes-Rastrollo, M., Bonaccio, M., Gearhardt, A. N., Khandpur, N., Kolby, M., Levy, R. B., Machado, P. P., Moubarac, J.-C., Rezende, L. F. M., Rivera, J. A., Scrinis, G., Srour, B., Swinburn, B., & Touvier, M. (2025). Ultra-processed foods and human health: the main thesis and the evidence. The Lancet, Online first.  ↩︎
  2. Lane, M.M., Gamage, E., Du, S., et al. (2024). Ultra-processed food exposure and adverse health outcomes: umbrella review of epidemiological meta-analyses. The BMJ. ↩︎
  3. Blumenthal, A., Eichner, G., Fasshauer, M. et al (2026). Relationship between 39 dietary markers of ultra-processed food and incident depression: evidence from the prospective UK Biobank cohort study. European Journal of Nutrition Article ↩︎
  4. Oxford Population Health: Oxford WebQ Questionnaire (aufgerufen am 2.9.2026) ↩︎

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