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Studie mit Senioren

Die ideale Schlafdauer, die vor geistigem Verfall schützt

Illustration schlafender Mann
Laut einer aktuellen Studie sollte man weder zu viel noch zu wenig schlafen, um geistig fit zu bleiben – das betrifft vor allem ältere MenschenFoto: Getty Images

Je länger man schläft, desto besser für die Gesundheit und die geistige Leistung? Falsch gedacht. Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass es bei der Schlafdauer auf den „Sweet Spot“ ankommt, um kognitiven Verfall im Alter zu verhindern bzw. zu bremsen.

Mit der richtigen Schlafdauer ist das so eine Sache: Ist es nun besser, weniger zu schlafen oder mehr? Einige erfolgreiche Menschen propagieren, dass man kurz, aber intensiv schlafen solle, wenn man produktiv und erfolgreich sein will. Doch die Praxis sieht meistens anders aus: Wenn man radikal seinen Schlaf um ein oder zwei Stunden verkürzt, ist man am Folgetag eher schlapp und geistig müde, anstatt produktiv. Ist es also besser, mehr zu schlafen, um Körper und Geist Gutes zu tun? Auch nicht, wie eine Studie herausfand. Es komme auf den „Sweet Spot“ an, die richtige Schlafdauer, um geistig fit zu bleiben und sogar das Fortschreiten von frühem Alzheimer zu verlangsamen.

Was wurde untersucht?

An der Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis haben 100 Menschen teilgenommen, die zum Zeitpunkt der Schlafuntersuchung im Schnitt 75 Jahre alt waren. Bei allen Probanden wurde zuvor seit durchschnittlich 4,5 Jahren die geistige Gesundheit penibel analysiert und dokumentiert, da sie auch im Rahmen einer Alzheimer-Studie des Knight Alzheimer Disease Research Centers teilnahmen. Demnach hatten 88 Personen keine kognitiven Beeinträchtigungen, elf waren sehr leicht und ein Proband leicht beeinträchtigt.

Die Wissenschaftler wollten nun wissen, wie sich die Schlafdauer auf die kognitive Leistungsfähigkeit und das Fortschreiten von Alzheimer bei älteren Menschen auswirkt. Dazu überwachten sie die Schlaf-Wach-Aktivität in vier bis sechs Nächten bei den Teilnehmern. Zudem mussten die Probanden bei jedem Besuch kognitive Tests durchführen, um einen sogenannten Alzheimer-Score zu berechnen. Damit konnten sie die geistige Leistungsfähigkeit der jeweiligen Teilnehmer beurteilen.

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1. Erkenntnis: Bei der Schlafdauer zählt der „Sweet Spot“, um geistig fit zu bleiben

Die Forscher fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen Schlafdauer und geistigem Verfall. Dabei wirkten sich sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus. Probanden, die weniger als 4,5 Stunden und mehr als 6,5 Stunden pro Nacht schliefen, wiesen niedrigere Werte auf. Am besten waren die ermittelten Werte bei Teilnehmern der Studie, die weder zu wenig noch zu viel Schlaf hatten, also im sogenannten „Sweet Spot“ lagen. „Sweet Spot“ bedeutet wörtlich übersetzt „Süßer Punk“, gemeint ist eine effektive Zone, in der etwas seine optimale Wirkung erzielt. Die Probanden im „Sweet Spot“ haben also die optimale Schlafdauer erzielt, um geistig fit zu bleiben.

Die Schlafwerte wurden mit einem EEG (Elektroenzephalogramm) ermittelt. Diese sind etwa eine Stunde niedriger als jene, die wir selbst wahrnehmen beziehungsweise ermitteln. Deswegen lässt sich schlussfolgern, dass die optimale Schlafdauer, also der „Sweet Spot“, in einem Bereich von 5,5 bis 7,5 Stunden liegt. Damit lasse sich zumindest bei älteren Menschen ein geistiger Verfall verlangsamen und der Zustand von Alzheimer-Patienten stabilisieren. Laut den Autoren der Studie zeige es zudem, wie wichtig die Schlafqualität sei. So komme es eben nicht darauf an, wie lange, sondern wie gut man schläft.

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2. Erkenntnis: Der Bedarf an Schlaf variiert

Auch die Autoren dieser Schlafstudie weisen darauf hin, dass der Bedarf an Schlaf von Mensch zu Mensch variiert und sehr individuell ist. Man solle sich also weniger nach empfohlenen Werten richten, sondern nach dem eigenen Gefühl. Wenn man morgens gut erholt aufwacht und tagsüber leistungsfähig ist, dann sei es ein guter Indikator für eine hohe Schlafqualität.

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„Ich frage viele meiner Patienten: ‚Wie ist Ihr Schlaf?‘“, wird der Studien-Co-Autor und Professor für Neurologie, Beau M. Ances, in einer Pressemitteilung Universität zitiert.2 Er behandelt Patienten mit Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. „Oft berichten Patienten, dass sie nicht gut schlafen. Sobald jedoch ihre Schlafprobleme behoben sind, verbessert sich oft ihre kognitive Leistung.“ Laut Ances sollten Ärzte ihre Patienten, die sich über die geistige Leistung beklagen, nach der Schlafqualität befragen. Dieser Faktor ließe sich nämlich verändern.

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