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NSDR

Wie man mit Non-Sleep Deep Rest Stress reduziert

NDSR, geprägt von Andrew Huberman, kann Stress reduzieren, besseren Schlaf hervorrufen und erholender wirken als Mittagsschlaf
Bereits eine zehnminütige NSDR-Sitzung wirkt positiv. Foto: Getty Images
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28. Juli 2025, 20:01 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Ständig unter Strom, den Kopf voller To-dos und Einschlafen fällt viel zu oft schwer? Willkommen im modernen Alltag! Doch eine überraschend einfache Technik verspricht tiefgreifende Erholung und das ganz ohne Schlaf. NSDR, kurz für „non-sleep deep rest“, basiert auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen, damit Sie Ihr Stresslevel senken können, innere Ruhe aktivieren und Ihre mentale Leistungsfähigkeit steigern. FITBOOK-Redakteur Michel Winges erklärt, wie es funktioniert und warum sogar der Google-CEO Sundar Pichai darauf schwört.

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Was ist non-sleep deep rest?

Tiefschlaf ohne Schlaf? Genau das fasst NSDR schon gut zusammen. NSDR ist eine Ansammlung von Achtsamkeitspraktiken, die zu einem tiefen Zustand der Entspannung führen. Diese Techniken versetzen den Körper in einen Zustand, in dem Herzfrequenz, Gehirnwellen und Stresshormone deutlich heruntergefahren werden. Ohne tatsächlich zu schlafen, gelangt das Gehirn in einen regenerativen Modus, ähnlich dem in frühen Schlafphasen.

Geprägt wurde der Begriff vom Neurowissenschaftler und Professor an der Stanford University School of Medicine, Andrew Huberman. NSDR wurde durch seinen Podcast „Huberman Lab“ als alltagstaugliche, wissenschaftlich fundierte Methode zur mentalen Erholung bekannt gemacht. Sein Ziel sei es, den Menschen tiefgreifende Entspannung ohne spirituellen Überbau – aber mit messbarem Nutzen für Fokus, Stressreduktion und kognitive Leistungsfähigkeit näherzubringen.

NSDR hilft dabei, mentale Erschöpfung abzubauen, die Konzentration zu verbessern und das Nervensystem nachhaltig zu beruhigen. Besonders in stressigen Phasen oder nach intensiver kognitiver Belastung kann NSDR wie ein kurzer, aber wirkungsvoller Reset wirken, ohne einschlafen zu müssen.

Unter anderem setzt der Google-CEO Sundar Pichai auf NSDR, um im stressigen Alltag zur Ruhe zu kommen. In einem Interview mit dem Wall Street Journal erklärte er, dass ihm klassische Meditation schwerfällt – stattdessen greife er regelmäßig auf geführte NSDR-Videos auf YouTube zurück. Je nach Bedarf wählt er dabei Formate von zehn, zwanzig oder dreißig Minuten. Inspiriert von den Erkenntnissen des Neurowissenschaftlers Andrew Huberman, nutzt Pichai NSDR gezielt zur mentalen Entspannung und Erholung.1

Anwendungsbereiche

Energieschub am Mittag

NSDR kann besonders am Mittag als effektive Möglichkeit dienen, die Energiereserven wieder aufzufüllen, ganz ohne Koffein oder Powernap. Häufig entsteht bei Powernaps das Problem, dass man danach erst einmal mehr Erschöpfung verspürt als vor dem Nap oder abends Schwierigkeiten hat beim Einschlafen. Beides ist bei einer zehn- bis dreißig Minütigen NSDR Sitzung nicht der Fall. Der Dopaminspiegel wird aufgefüllt und der Cortisolspiegel gesenkt. Daraus resultiert ein optimaler mentaler Zustand zwischen Wachsamkeit und Ruhe.2

Beschleunigung von Lernen und Gedächtnis

Allerdings kann NSDR nicht nur der Entspannung dienen, sondern auch gezielt das Lernen und die Gedächtnisleistung fördern. Laut Huberman kann eine NSDR-Sitzung nach dem Lernen helfen, neue Informationen besser im Gedächtnis zu verankern – ähnlich wie es auch während des Schlafs geschieht, nur in kürzerer Zeit. Während dieser tiefen Ruhephasen spielt das Gehirn bestimmte Abläufe noch einmal durch, die zuvor beim Lernen aktiv waren. Dieser Vorgang wird als „neuronales Replay“ bezeichnet.

Reduzierung von Stress und Angst

Dadurch, dass Yoga Nidra ein zentraler Baustein beim NSDR ist, lassen sich Studienerkenntnisse auch hervorragend auf NSDR anwenden. In einer quasi-experimentellen Studie mit 49 Teilnehmenden mit Bluthochdruck zeigte sich, dass regelmäßige Yoga-Nidra-Übungen das Stressempfinden deutlich senken können. Die Teilnehmenden machten über zwei Wochen hinweg zwölf Sitzungen von etwa 15 bis 20 Minuten. Ihre Stresswahrnehmung wurde mit der Perceived Stress Scale (PSS), einem Fragebogen zur Erfassung der subjektiven Stresswahrnehmung der letzte vier Wochen, gemessen.3 Dabei sank der durchschnittliche PSS-Wert von 25,57 auf 20,55 Punkte – ein Rückgang um rund 20 Prozent, der statistisch hochsignifikant war. Gleichzeitig verbesserten sich auch die Blutdruckwerte.4

Schon das Wissen allein, durch NSDR jederzeit über ein einfaches, überall einsetzbares Werkzeug zur Entspannung zu verfügen, kann beruhigend wirken. Es hilft dabei, sogenannte Meta-Angst, also die Angst vor der Angst, zu vermeiden oder abzumildern. Denn NSDR lässt sich nicht nur im Liegen, sondern ebenso gut im Sitzen durchführen.

Zum Einschlafen und zum Aufwachen

Wenn sich der Tag dem Ende zuneigt und sich langsam Müdigkeit und Schläfrigkeit einstellen, liegt das vor allem an der zunehmenden Ausschüttung der Botenstoffe Adenosin und Melatonin. Sie signalisieren dem Körper, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen. Doch nicht selten wird dieser natürliche Prozess von innerer Unruhe, kreisenden Gedanken oder Stress gestört. Eine NSDR-Sitzung am Abend kann helfen, diese mentalen Spannungen zu lösen und eine tiefere Entspannung zu fördern.

Und wie der Abend sanft in die Nacht übergeht, beginnt auch jeder neue Morgen – eine Chance, frisch und gestärkt in den Tag zu starten. Doch wenn Stress, innere Unruhe und kreisende Gedanken des Vortags mit in die Nacht genommen wurden, bleibt die nächtliche Erholung oft hinter den Erwartungen zurück. In solchen Fällen kann eine NSDR-Sitzung am Morgen hilfreich sein: Zwar lässt sich verlorener Schlaf nicht vollständig nachholen, doch NSDR bietet dem Nervensystem eine tiefe Form der Regeneration und kann so helfen, neue Energie und Fokus zu gewinnen.

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Die Bausteine

NSDR funktioniert wie ein Baukasten. Je nach Bedarf lassen sich einzelne Elemente kombinieren oder entfernen.

Progressive Muskelentspannung/Body Scans

Der Einstieg in NSDR beginnt oft mit einem sogenannten Bodyscan: Man lenkt die Aufmerksamkeit Stück für Stück durch den Körper – vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen – und lässt dabei bewusst los. Verspannungen lösen sich, der Atem wird ruhiger.

Die progressive Muskelentspannung geht dabei einen Schritt weiter: Statt den Körper nur achtsam wahrzunehmen, werden einzelne Muskelgruppen gezielt für wenige Sekunden angespannt und anschließend bewusst gelöst.

Atemregulation

Gezielte Atemtechniken, langsames, gleichmäßiges Atmen mit Fokus auf die Ausatmung beruhigen das Nervensystem. Durch bewusstes Atmen wird die Herzfrequenz gesenkt, der Geist zentriert und Stressreaktionen im Körper abgebaut.

Geführte Aufmerksamkeit

Eine geführte Meditation in Form eines Videos oder eines Podcasts kann hilfreich sein, um die Aufmerksamkeit lenken zu lassen, zum Beispiel auf die Atmung, bestimmte Körperempfindungen oder eine innere Reise. Das Ziel ist es, das „mentale Rauschen“ zu verringern und Grübeleien zu unterbrechen, ohne aktiv nachzudenken.

Zeitliche Flexibilität

NSDR lässt sich zeitlich äußerst flexibel in den Alltag integrieren. Eine Sitzung kann je nach Bedarf zwischen zehn und sechzig Minuten dauern. Dadurch ist die Anwendung nahezu überall möglich: ob im Büro, zu Hause oder sogar im Auto während einer Pause.

Meditative Zustände/Yoga Nidra

Yoga Nidra, auch bekannt als „yogischer Schlaf“, ist eine geführte Tiefenentspannung, bei der Körper und Geist in einen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein versetzt werden. Die Praxis stammt aus der traditionellen Yogalehre, findet heute aber auch in der modernen Wissenschaft und im Gesundheitswesen zunehmend Anwendung.

Abgrenzung zu Yoga Nidra

Man kann sich NSDR als einen übergeordneten Begriff für eine Reihe an Praktiken vorstellen – darunter, und als zentraler Baustein, auch Yoga Nidra. Yoga Nidra folgt allerdings einem festen Muster: einer im Liegen durchgeführten, angeleiteten Meditation. NSDR ist dagegen wandelbarer und freier. Durch die Kombination mit anderen Elementen wie bestimmten Atemübungen oder Visualisierungstechniken lässt sich NSDR auch als eine Erweiterung von Yoga Nidra verstehen.

Anders als Yoga Nidra folgt NSDR keiner spirituellen oder philosophischen Konzeption. Ihre Grundlage ist der neurowissenschaftliche Mehrwert. Außerdem sorgt die Begriffswahl dafür, dass der Einstieg in diese Techniken möglichst niedrigschwellig gestaltet wird, denn gerade für Menschen, die sich von esoterisch oder religiös aufgeladenen Begriffen eher abgeschreckt fühlen, könnte NSDR deutlich attraktiver sein.

Quellen

  1. Business Insider. Google CEO Sundar Pichai says he uses NSDR, or 'non-sleep deep rest,' to unwind. Here's what it is and how it works. (aufgerufen am 28.07.2025) ↩︎
  2. Hubermanlab. Dr. Andrew Huberman’s Guide to NSDR. (aufgerufen am 28.07.2025) ↩︎
  3. State of New Hampshire Employee Assistance Program. Perceived Stress Scale. (aufgerufen am 28.07.2025) ↩︎
  4. Tanna, K., Subhash, K., (2024). Effect of Yoga Nidra on Perceived Stress in Individuals with High Blood Pressure: A Quasi-experimental Study. Research Gate. ↩︎

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