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Bluttfettwerte

Wie man hohe Cholesterinwerte auf natürliche Weise senken kann

Gesunde Lebensmittel mit gutem Cholesterin
Gutes Cholesterin findet man u.a. in Fisch, Nüssen und Avocados
Foto: Getty Images

Erektionsstörungen, verkalkte Arterien, Herzinfarkt. Wenn der Körper schlapp macht, wird oft dem Cholesterin die Schuld gegeben. Aber ist das wirklich so schädlich – und was können wir selbst für gesunde Blutfettwerte tun? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss. Dr. med. Matthias Riedl ist Facharzt für Innere Medizin, Diabetologie und einer der führenden deutschen Cholesterin-Spezialisten.

Cholesterin – ein oft unentdeckter Risikofaktor

Zu viel Alkohol, fettiges Essen und wenig Bewegung. Schlechte Blutfettwerte sind weit verbreitet, werden aber von den Betroffenen oft nicht bemerkt. „Rund 60 Prozent der deutschen Erwachsenen haben einen zu hohen Cholesterinwert“, sagt Dr. Riedl. „Dieser wird meist nur zufällig entdeckt – oder erst dann, wenn es bereits zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gekommen ist.“ Ursache der überhöhten Werte sind Fette, die sich an den Gefäßwänden ablagern und diese im Laufe der Zeit immer weiter verengen.

Jetzt kriegen Sie es mit der Angst zu tun? Plötzlich heißt es Rohkost statt Speck und Spiegelei, und die Laufschuhe werden auch schnell aus dem Keller hervorgekramt? Immer eine gute Idee! Wie wirkungsvoll sind aber diese Maßnahmen? Und ab wann ist zu viel Cholesterin eigentlich schädlich?

Cholesterin ist nicht gleich Cholesterin

Cholesterin ist ein Zellbaustein, der für Mensch und Tier lebenswichtig ist. Es sorgt für die normale Bildung von Vitamin D und Testosteron und spielt auch bei der Fettverdauung eine entscheidende Rolle. Weil Cholesterin für die normale Funktion des Körpers so wichtig ist, wird es im Organismus selbst produziert. Das im Blut gemessene Cholesterin, also das Gesamtcholesterin, setzt sich aus zwei verschiedenen Teilen zusammen: dem LDL- und HDL-Cholesterin.

  • LDL bedeutet: Low Density Lipoprotein (Lipoprotein mit niedriger Dichte)
  • HDL bedeutet: High Density Lipoprotein (Lipoprotein mit hoher Dichte)

Wichtig zu wissen: Cholesterin ist nicht gleich Cholesterin. Es gibt das „gute“ (HDL) und das „schlechte“ (LDL) Cholesterin. HDL schützt die Gefäße, indem es überschüssiges Cholesterin im Blut von den Arterienwänden zurück zur Leber bringt und so vermutlich schädlichen Veränderungen der Gefäßwände vorbeugt.“ Das schlechte LDL hingegen transportiert die Fettpartikel zu den Zellen, wo es sich festsetzt, was zu den gefährlichen Gefäßverkalkungen führen kann.

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Meist nimmt der Gesamtcholesterinspiegel mit dem Alter zu. Junge Frauen haben oft niedrigere Werte als junge Männer. Im Alter gleicht sich dieser Unterschied aus, Frauen haben dann im Mittel sogar etwas höhere Werte als ihre männlichen Altersgenossen. Doch wie viel Cholesterin ist zu viel?

„Der Wert für das Gesamtcholesterin sollte unter 200 mg/dl liegen“, erklärt Dr. Riedl. Und: „Das LDL-Cholesterin sollte einen Wert von 150 mg/dl nicht überschreiten. Falls Sie aber Raucher sind, Bluthochdruck oder Übergewicht haben, ist ein Wert von 100 mg/dl besser für Sie, um so das Herzkreislauf-Risiko zu senken.“

Dr. Riedl wurde 2019 mit dem „Therapiepreis des Bundes Deutscher Ernährungsmediziner“ ausgezeichnet.
Foto: Dr. Riedl (privat)

Im Gegensatz zum LDL-Cholesterin darf das HDL-Cholesterin ruhig etwas erhöht sein. Es transportiert überschüssiges Cholesterin wieder aus dem Gewebe zur Leber zurück und beugt so vermutlich schädlichen Veränderungen der Gefäßwände vor.“ Konkret: „Das HDL sollte bei Frauen möglichst über 45 mg/dl liegen, bei Männern über 40 mg/dl“, empfiehlt Prof. Dr. med. Johannes Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM).

Schnell-Test in der Apotheke

Um schwerwiegenden Erkrankungen vorzubeugen, sollte jeder einmal im Jahr seine Cholesterin-Werte bestimmen lassen. „Das geht per Schnelltest in vielen, aber nicht allen Apotheken“, sagt Ursula Sellerberg, Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesapothekerkammer. Weichen die festgestellten Werte von den Richtwerten ab, sollten Patienten zum Arzt gehen.

Cholesterin ist ein echter Erbfeind

Die schlechte Nachricht: Die Neigung zu einem erhöhten Cholesterinwert ist teilweise vererbt. „Häufig spielen dabei Fettstoffwechselstörungen eine Rolle, die an die nächste Generation weitervererbt werden. Dagegen lässt sich wenig tun“, so Dr. Riedl. „Rund 15 Prozent der Deutschen haben außerdem einen zu hohen Triglyceridspiegel. Diese Fette werden vom Körper aus überschüssigen Kohlenhydraten gebildet und wie das Cholesterin ins Fettgewebe eingelagert.“

Die gute Nachricht: Durch den eigenen Lebenswandel können wir unsere Blutfettwerte positiv beeinflussen.

LDL-Cholesterin natürlich senken

Neben der Ernährung ist Bewegung das beste Mittel gegen einen erhöhten Cholesterinspiegel. „Wer Kalorien verbrennt, senkt aktiv den Blutfettspiegel“, so Dr. Riedl. So sei gezieltes Krafttraining gut dazu geeignet, den Cholesterin- und den Triglyceridspiegel effektiv zu senken. Außerdem empfiehlt Dr. Riedl: „Verwenden Sie beim Training ein relativ leichtes Gewicht, mit dem Sie aber möglichst viele Wiederholungen absolvieren.“ Ausdauertraining wie Laufen oder Walken sei ebenfalls zu empfehlen. Joggen oder Radfahren rege die Produktion des „guten“ HDL-Cholesterins an. Ein hoher Cholesterinspiegel ist also kein Schicksal. Im Gegenteil: „Gesunde Ernährung, kein Nikotin und viel Bewegung sind der Schlüssel zu gesunden Blutwerten.“