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Kleine Studie

Wie lange dauert es, um sich von Schlafmangel zu erholen?

Frau gähnt.
Um Schlafmangel nachzuholen, ist leider nicht mit einmal Ausschlafen getan, wie eine neue Studie zeigt.Foto: Getty Images

Für viele Menschen ist es normal und notwendiges Übel einer vollgepackten Woche, zu wenig zu schlafen. Oft ist die To-do-Liste zu lang und der Tag zu kurz. Am Wochenende will man dann den Schlaf „nachholen“. So einfach geht das allerdings nicht. Eine neue Studie zeigt, wie lange es tatsächlich dauert, um sich von Schlafmangel zu erholen.

Schlafmangel macht nicht nur müde und unkonzentriert, sondern auf Dauer auch krank. Neben Gewichtszunahme und höherer Stressanfälligkeit wird Schlafmangel auch mit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Alzheimer in Verbindung gebracht. Zu wenig Schlaf ist für viele allerdings die Norm. Am Wochenende auszuschlafen, um sich von Schlafmangel zu erholen, mag sich gut anfühlen, aber viel bringt es nicht. Eine neue Studie zeigt, dass der Schlafentzug uns länger belastet, als viele vermuten.

Zehn Tage wenig Schlaf für Studienteilnehmer

Wie lange es dauert, um sich von Schlafmangel zu erholen, hat ein polnisches Forschungsteam von der Jagiellonian University in Krakau in einer kleinen Studie untersucht.1 Die Untersuchung dauerte insgesamt 21 Tage, an denen die anfangs 23 Probanden zuerst vier Tage normal schlafen durften, dann zehn Tage im Schlafdefizit verbrachten und schließlich eine sieben Tage lange „Erholungsphase“ durchliefen.

Während der Schlafentzugs-Phase mussten die Probanden mit 30 Prozent weniger Schlaf als normalerweise auskommen. Die durchschnittliche Schlafdauer der Probanden lag normal bei 7 Stunden und 37 Minuten (plus/minus 50 Minuten). Während der zehn Tage Schlafreduktion durften die Studienteilnehmer also nur circa 5 Stunden und 18 Minuten (plus/minus 31 Minuten) lang schlafen. In der Erholungsphase durften die Probanden wieder so lange schlafen, wie sie wollten, wobei sich die Schlafdauer wieder bei 7 Stunden und 36 Minuten einpendelte (plus/minus 26 Minuten).

Hirnaktivität, Gedächtnis- und Reaktionsfähigkeit

Die Studienteilnehmer hatten während des gesamten Studienverlaufs Sensoren am Handgelenk, die ihren Schlaf und andere Aktivitäten gemessen haben. Außerdem wurde täglich eine Elektroenzephalografie (EEG-Messung) und ein Gedächtnis- und Reaktionstest (der sogenannte „Stroop Test“) durchgeführt, um die Hirnaktivität und das Arbeitsgedächtnis sowie die Reaktionszeit zu messen. Die Unterschiede bei den verhaltensbezogenen, motorischen und neurophysiologischen Reaktionen wurden während des Schlafentzugs als auch während der Erholungszeit beobachtet.

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Sieben Tage Erholung haben nicht gereicht

Aufgrund von nicht eingehaltener, reduzierter Schlafdauer sowie einer Neubearbeitung der Gedächtnis- und Reaktionstests wurden schlussendlich nur die Daten von 13 Probanden in die Analyse der Schlafstudie mit eingeschlossen. Die Ergebnisse sind aufgrund der kleinen Probandenzahl also nur beschränkt aussagekräftig.

Und ernüchternd für alle, die des Öfteren eine Nacht durchmachen: Sieben Tage Erholungsphase hat bei den Probanden nicht gereicht, um wieder auf den gleichen Stand an Gehirnaktivität und lokomotorischen Fähigkeiten zurückzukommen wie vor den zehn Tagen Schlafentzug.

Lediglich die Reaktionsgeschwindigkeit der Probanden war nach den sieben Tagen Erholungszeit wieder auf dem gleichen Niveau wie vor dem Schlafentzug. Die verhaltensbezogenen, lokomotorischen und neurophysiologischen Messungen konnten nur teilweise oder gar nicht auf das Ursprungsniveau zurückkehren.

Besser Schlafmangel vermeiden

Auch wenn die Studienteilnehmer sich selbst nach den sieben Tagen Ausschlafen als „erholt“ einschätzten, war das Gehirn der Teilnehmer alles andere als erholt. Sich nach einer oder mehreren durchzechten Nächten ein Wochenende zum Schlaf „nachholen“ zu gönnen, ergibt (Schlaf-) gesundheitlich wenig Sinn. Vielmehr braucht es, laut den Studienautoren, regelmäßig ausreichend Schlaf. Denn selbst ein vermeintlich geringfügiger Schlafmangel kann erhebliche Auswirkungen auf unsere kognitiven Fähigkeiten und die neuronalen Aktivitäten haben.

Quelle

  1. Ochab, J.K., Szwed, J, Olés, K. et al. Observing changes in human functioning during induced sleep deficiency and recovery periods. (2021)

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