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Wer Tee zu heiß trinkt, erhöht sein Risiko für Speiseröhrenkrebs

Schon wenige Tassen sehr heiß getrunken: Laut Studien steigt damit das Risiko für Speiseröhrenkrebs deutlich.
Schon wenige Tassen heißer Getränke steigern laut Studien das Risiko für Speiseröhrenkrebs deutlich. Foto: Getty Images
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20. August 2025, 18:00 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Eine heiße Tasse Tee kann wohltuend sein – für Körper wie Geist. Doch wer zu heiß trinkt, riskiert möglicherweise mehr als nur ein verbranntes Zungengefühl. Eine neue Studie aus dem Vereinigten Königreich sorgt für Aufsehen: Sie zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Konsum sehr heißer Getränke und einem deutlich erhöhten Risiko für Speiseröhrenkrebs. Und sie ist nicht die einzige Untersuchung, die zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt.

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Heißgetränke: Zwischen Wohlbefinden und Risiko

Wer gönnt sich nicht hin und wieder einen heißen Tee oder Kaffee? Und das hat auch Vorteile für die Gesundheit. So kann Tee emotional beruhigen und für mentale Klarheit sorgen.1 Regelmäßiger Teekonsum kann laut Forschung zudem das Risiko für eine Depression senken.2 Doch wer seine Getränke dauerhaft sehr heiß konsumiert, schadet seiner Gesundheit: Eine aktuelle britische Studie zeigt, dass bereits wenige Tassen täglich – wenn sie sehr heiß getrunken werden – das Risiko für Speiseröhrenkrebs deutlich erhöhen können.

Aktuelle britische Kohortenstudie: Klares Risiko bei sehr heißen Getränken

Eine Studie vom Februar 2025 analysierte Daten von 454.796 Erwachsenen. Die Teilnehmenden stammten aus der britischen UK-Biobank. Sie wurden im Durchschnitt über 11,6 Jahre hinweg beobachtet. Ziel war es, herauszufinden, ob heiße Getränke das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöhen.3

Deutlich erhöhtes Risiko bei mehr als acht Tassen täglich

Das Ergebnis: Wer täglich acht oder mehr Tassen sehr heißer Getränke konsumierte, wies ein 5,6-fach erhöhtes Risiko auf, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Der Vergleichsmaßstab waren Personen, die entweder keine oder nur warme Heißgetränke tranken. Doch auch bei geringeren Mengen zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Bereits bei vier Tassen täglich war das Risiko etwa zweieinhalbmal so hoch.

Die Studie konzentrierte sich dabei auf eine bestimmte Form der Krebserkrankung – das sogenannte Plattenepithelkarzinom (ESCC), die häufigste Art von Speiseröhrenkrebs weltweit. Diese entsteht meist im oberen Teil der Speiseröhre. Für eine andere Form, das Adenokarzinom (EAC), das eher im unteren Teil der Speiseröhre auftritt, zeigte sich dagegen kein klarer Zusammenhang mit der Temperatur des Getränks.

Die Forscher gehen davon aus, dass nicht das Getränk selbst entscheidend ist. Ob Tee, Kaffee oder Mate – der Inhalt spielt keine Rolle. Ausschlaggebend ist allein die Temperatur. Sehr heiße Flüssigkeiten reizen die Schleimhaut der Speiseröhre immer wieder. Das kann langfristig zu Gewebeschäden führen – ein möglicher Auslöser für Krebs.

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Frühere Studie aus dem Iran bestätigt den Zusammenhang

Bereits zuvor hatte eine Untersuchung der Tehran University of Medical Sciences einen klaren Zusammenhang zwischen sehr heißem Teekonsum und Speiseröhrenkrebs festgestellt.4 Demnach betrifft das Risiko nicht nur Tee, sondern auch Kakao und andere Heißgetränke. Entscheidend sei nicht der Inhalt des Getränks, sondern ausschließlich die zu hohe Temperatur. Denn heiße Flüssigkeiten reizen die empfindlichen Schleimhäute im Mund- und Rachenraum. Auf Dauer kann dies zu kleinen Verletzungen und chronischen Entzündungen führen. Ist die DNA einmal geschädigt, kann dies das Wachstum bösartiger Tumore begünstigen.

In der Studie wurde das Trinkverhalten von 50.045 Personen im Alter zwischen 40 und 75 Jahren über einen Zeitraum von vier Jahren (2004 bis 2008) erfasst. Im Anschluss wurden die Teilnehmenden zehn weitere Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit erkrankten 317 Personen an Speiseröhrenkrebs. Auffällig war: Die Mehrheit der Betroffenen hatte angegeben, ihren Tee bevorzugt sehr heiß – bei etwa 70 Grad Celsius – zu trinken. Für die Forschenden war das ein weiterer deutlicher Hinweis auf den Zusammenhang zwischen hoher Getränketemperatur und Krebsrisiko.

Faustregel: Getränk immer vier Minuten abkühlen lassen

Generell gelten alle Getränke unter 60 Grad Celsius als unbedenklich. Um sicherzugehen, empfehlen die Forscher, seinen Kaffee oder Tee vor dem Trinken stets vier Minuten abkühlen zu lassen.

In vielen Ländern wird Tee traditionell sehr heiß getrunken

Genau wie im Iran wird zum Beispiel in der Türkei, in Asien und in Südamerika der Tee traditionell sehr heiß getrunken. Die letzten beiden Regionen sind laut einer Studie auch die mit den meisten Fällen von Speiseröhrenkrebs.5 In China brachte eine prospektive Beobachtungsstudie der Universität Peking zudem noch mehr Alarmierendes zutage. Anders als im Iran, wo Alkohol und Rauchen kulturell weniger ein Thema sind (zumindest in der Öffentlichkeit), ist beides bei chinesischen Männern weit verbreitet. Hier zeigte sich, dass sich das Speiseröhrenkrebsrisiko noch einmal um ein Fünffaches erhöht, wenn zum heißen Tee Tabak und 15 Gramm Alkohol oder mehr (auf den Tag verteilt) konsumiert werden.6

Quellen

  1. Einöther S.J.L., Rowson M., Ramaekers J.M. et al. (2016). Infusing pleasure: Mood effects of the consumption of a single cup of tea. Appetite. ↩︎
  2. O'Neill Rothenberg D., Zhang L. (2019). Mechanisms Underlying the Anti-Depressive Effects of Regular Tea Consumption. Nutrients. ↩︎
  3. Inoue-Choi, M., Ramirez, Y., O'Connell, C. et al. (2025). Hot beverage intake and oesophageal cancer in the UK Biobank: prospective cohort study. Br J Cancer. ↩︎
  4. Islami F., Poustchi H., Pourshams A. et al. (2019). A prospective study of tea drinking temperature and risk of esophageal squamous cell carcinoma. International Journal of Cancer. ↩︎
  5. Wong M.C.S., Hamilton W., Whiteman D.C. et al. (2018). Global Incidence and mortality of oesophageal cancer and their correlation with socioeconomic indicators temporal patterns and trends in 41 countries. Nature. ↩︎
  6. Yu C., Tang H., Guo Y. et al. (2018). Hot Tea Consumption and Its Interactions With Alcohol and Tobacco Use on the Risk for Esophageal Cancer. Annals of International Medicine. ↩︎

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