2. Oktober 2025, 13:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Von einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr profitiert die Gesundheit bekanntlich in vielerlei Hinsicht. Bestimmte Getränke können darüber hinaus zusätzliche Vorteile bieten. So enthalten verschiedene Teesorten wertvolle Inhaltsstoffe, denen teilweise sogar eine lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben wird. Auch chemische Verbindungen in Kaffee können positive Effekte bringen. Eine aktuelle Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass insbesondere eine konkrete Kombination und Menge dieser Getränke die Lebenserwartung steigern könnte. Alle Informationen dazu.
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Kaffee und Tee interessierte die Forscher besonders
Sieben bis acht – so viele Getränkeeinheiten am Tag stehen laut der Studie in Verbindung mit dem geringsten Sterberisiko.1 Wasser spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle, denn für die allgemeine Gesundheit ist die Gesamtmenge an Flüssigkeit entscheidend. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen jedoch Kaffee und Tee.
Einzeln betrachtet sind die gesundheitlichen Vorteile der beiden Getränke schon länger bekannt. So soll Kaffee etwa den negativen Auswirkungen von langem Sitzen entgegenwirken und die Lebenserwartung von Diabetikern erhöhen können.2,3 Tee wiederum fördert unter anderem die Gesundheit des Gehirns. Besonders interessant jedoch erscheint, wie jüngere Forschungen zeigen, die Kombination von Kaffee und Tee zu sein, unter anderem übrigens wieder auf die Lebenserwartung bei Diabetes Typ 2.4 Außerdem könnte die Verbindung bei bestimmten Personengruppen das Demenzrisiko senken.5 Doch wie genau könnte die „ideale Trinkstrategie“ aussehen? Das haben Forscher der Cambridge Universität nun untersucht.
Details zur Untersuchung
Grundlage der Arbeit, von der bislang nur das Abstract veröffentlicht wurde, waren Selbstauskünfte der Teilnehmer der britischen UK Biobank. In die Analyse flossen unter anderem Angaben zum Konsum von Tee, Kaffee und Wasser von 182.770 Personen ein. Zwischen 2009 und 2012 hatte sie 24-Stunden-Ernährungsprotokolle ausgefüllt. Die Forschenden erfassten zudem die medizinische Vorgeschichte der Probanden sowie soziodemografische Faktoren wie Alter, Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit. Personen, deren Angaben zur Energiezufuhr unrealistisch waren oder bei denen die relevanten Getränkedaten fehlten, wurden ausgeschlossen. Über einen Zeitraum von über 13 Jahren wurden sowohl die Gesamtsterblichkeit der Probanden als auch die spezifischen Todesursachen erfasst.
Zusammenhang zwischen Kaffee-, Wasser- und Teekonsum auf Lebenserwartung
Um zu untersuchen, wie sich der Konsum von Kaffee, Tee und Wasser auf die Lebenserwartung auswirkt, nutzten die Forscher ein spezielles statistisches Modell. Dieses berücksichtigt sowohl die Gesamtmenge der Getränke als auch ihr Verhältnis zueinander. Mithilfe des Modells konnten sie die Auswirkungen der täglich konsumierten Gesamtmenge sowie der Zusammensetzung von Kaffee, Tee und Wasser auf die Sterblichkeit analysieren. Dabei wurden mögliche Störfaktoren in die Auswertung einbezogen.
Deutlich geringeres Sterberisiko bei 7 bis 8 Getränken täglich
Die Studienautoren stellten fest, dass Menschen, die täglich sieben bis acht der untersuchten Getränke zu sich nahmen, ein deutlich geringeres Sterberisiko hatten. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um Kaffee, Tee oder Wasser handelte, schreiben sie. Besonders interessant: Obwohl Wasser allgemein als „Elixier des Lebens“ gilt, zeigte die Analyse, dass ab einer Gesamtmenge von mehr als vier Getränken täglich der Ersatz von Wasser durch Kaffee oder Tee mit einer weiteren Verringerung des Sterberisikos verbunden war. Wer jedoch insgesamt vier oder weniger Getränke pro Tag konsumierte, hatte durch diesen Austausch keinen messbaren Vorteil.
Gene können bestimmen, ob Kaffee gut oder schlecht für die Gesundheit ist
Kaffee und Tee mit geringerem Demenzrisiko assoziiert – unter einer Bedingung
Kaffee und Tee im Verhältnis 2 zu 3 möglicherweise besonders vorteilhaft
Als besonders vorteilhaft erwies sich eine ausgewogene Mischung aus Kaffee und Tee im Verhältnis von etwa zwei Teilen Kaffee zu drei Teilen Tee. Bei dieser Kombination sank das Risiko für einen frühzeitigen Tod insgesamt um rund 55 Prozent im Vergleich zu Personen mit anderen Trinkgewohnheiten. Deutliche Effekte zeigten sich auch bei bestimmten Todesursachen, darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Erkrankungen der Atemwege oder des Verdauungstrakts.
Auf Basis der Daten betonen die Forscher, dass es auf eine „vernünftige Balance“ aus Kaffee, Tee und Wasser ankommt. Im empfohlenen Verhältnis könnten dies beispielsweise acht Getränke am Tag sein, darunter drei Tassen Kaffee und fünf Tassen Tee. Ein solches Trinkverhalten könnte, in Kombination mit einer allgemein gesundheitsbewussten Lebensführung, die Gesundheit fördern und das Sterberisiko langfristig senken. Damit wollen die Autoren mit ihrer Studie erstmals eine klarere Orientierung liefern. Bei der Interpretation ist jedoch etwas Vorsicht geboten.
Experte mahnt: »Studie liefert nur statistische Assoziationen
Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Nicolai Worm erklärt, dass Kohortenstudien wie die UK Biobank nicht dazu geeignet sind, Kausalität nachzuweisen. Also kein Nachweis von Ursache und Wirkung. Solche Studien würden „lediglich statistische Assoziationen liefern und eignen sich im Prinzip nur zur Formulierung von Hypothesen“, betont der Experte auf Nachfrage von FITBOOK. Diese müssten anschließend in randomisierten, kontrollierten Interventionsstudien überprüft werden.
Er räumt aber ein: „Allerdings liefern Kaffee und Tee biologisch wirksame Substanzen, für die es plausibel ist, dass sie sich gesundheitsfördernd auswirken.“ Die Tatsache, dass die Zusammenhänge des Konsums dieser Getränke bereits in vielen Studien beobachtet wurden, verstärkt die Wahrscheinlichkeit einer kausalen Wirkung. Ob nun wirklich ein kausaler, also ursächlicher, Zusammenhang besteht zwischen einem geringen Sterberisiko bei sieben bis acht Getränkeeinheiten am Tag, ist – zumindest bislang – nicht zu sagen.
Einschränkungen der Studie
Es ist auf Einschränkungen der Studie hinzuweisen. Zunächst basieren die Daten auf Selbstauskünften der Teilnehmer – und solche sind stets anfällig für Verzerrungen. Außerdem bergen Beobachtungsstudien wie diese stets die Gefahr, dass andere, nicht erfasste Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Auch sollte berücksichtigt werden, dass die Teilnehmer der UK Biobank nicht zwangsläufig die gesamte britische Bevölkerung widerspiegeln. Die Ergebnisse lassen sich nur bedingt übertragen. Ferner berücksichtigte die Studie nicht, ob die Getränke Zucker, Milch oder andere Zusätze enthielten. Auch dies – sowie die Art der Zubereitung, etwa Filterkaffee versus Espresso, könnte die gesundheitlichen Effekte beeinflussen.