19. August 2025, 15:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Erdnüsse sind für viele ein beliebter Snack – doch könnten sie auch helfen, unsere Zellen jung zu halten? Eine neue Studie legt nahe: Wer regelmäßig geröstete Erdnüsse mit Haut isst, könnte seine Zellalterung verlangsamen. Der Effekt zeigte sich nur bei ganzen Erdnüssen, nicht bei Erdnussbutter. Das wirft spannende Fragen zur Wirkung unserer Ernährungsgewohnheiten auf die Gesundheit auf – gerade bei jungen Menschen.
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Was wurde untersucht – und warum?
Telomere sind wie kleine Schutzkappen am Ende unserer DNA. Sie schützen unser Erbgut bei jeder Zellteilung – vergleichbar mit den Plastikhüllen an Schnürsenkeln. Mit jeder Zellteilung werden sie etwas kürzer. Sind sie zu kurz, kann sich die Zelle nicht mehr richtig teilen – ein natürlicher Teil des Alterns. Verkürzte Telomere werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und sogar Krebs in Verbindung gebracht.
Wissenschaftler vermuten schon länger, dass eine gesunde Ernährung helfen kann, diesen Abbau zu verlangsamen. Besonders pflanzliche Lebensmittel mit antioxidativer Wirkung – etwa Obst, Gemüse und Nüsse – stehen mit der Hoffnung in Verbindung, die Telomere schützen zu können. Was bisher jedoch fehlte: konkrete Daten zum Einfluss von Erdnüssen – und das besonders bei jungen, gesunden Menschen.
Die Studie im Überblick
Die Studie wurde im Rahmen der ARISTOTLE-Studie an der Universität Barcelona durchgeführt. 58 junge Erwachsene (18 bis 33 Jahre) nahmen daran teil.1 Nach einer kurzen Erdnuss-freien Phase wurden sie in drei Gruppen eingeteilt:
- Gruppe 1: aß täglich 25 Gramm geröstete Erdnüsse mit Haut
- Gruppe 2: aß täglich Erdnussbutter
- Gruppe 3 (Kontrollgruppe): erhielt eine Erdnussöl-Butter ohne die typischen Inhaltsstoffe von ganzen Erdnüssen
Nach sechs Monaten wurde untersucht, ob und wie sich die Telomerlänge verändert hatte. Außerdem wurden weitere Gesundheitsdaten wie Körperwerte, Blutwerte, Ernährung und Bewegung einbezogen.
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Was kam dabei heraus?
Das wichtigste Ergebnis: Nur die Gruppe mit den gerösteten Erdnüssen mit Haut zeigte eine positive Veränderung der Telomerlänge. Die Telomere blieben stabil – was als Zeichen gesunder Zellalterung gewertet wird.
Weder die Erdnussbutter noch das Vergleichsprodukt hatten diesen Effekt. Offenbar spielen also bestimmte Inhaltsstoffe der ganzen Erdnuss – etwa Ballaststoffe oder pflanzliche Schutzstoffe – eine entscheidende Rolle. Diese gehen bei der Verarbeitung zu Butter teilweise verloren.
Zusätzlich zeigte sich: Menschen, die Erdnüsse aßen, nahmen mehr gesunde Fette und Pflanzenstoffe wie m-Cumarsäure zu sich. Diese Stoffe könnten laut Studie dazu beitragen, die Zellen besser vor Alterung zu schützen.
Was bedeutet das?
Die Studie liefert erste Hinweise darauf, dass ganze Erdnüsse mit Haut die Zellalterung verlangsamen könnten – zumindest bei jungen, gesunden Menschen. Das Besondere daran: Nicht allein der Fettgehalt, sondern vor allem sekundäre Pflanzenstoffe und die (fast) unverarbeitete Form der Nüsse (sie waren geröstet) scheinen entscheidend zu sein.
Warum zeigte Erdnussbutter keinen Effekt? Vermutlich, weil sie anders verdaut wird. Ganze Erdnüsse enthalten mehr Ballaststoffe und fördern eine gesunde Darmflora. Im Darm entstehen daraus kurzkettige Fettsäuren, die sich ebenfalls positiv auf Zellprozesse und Stressreaktionen auswirken können.
Die Ergebnisse sprechen also für ganze, möglichst wenig verarbeitete Erdnüsse als Teil einer ausgewogenen Ernährung – idealerweise nicht gesalzen.
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Grenzen der Studie
Trotz der interessanten Ergebnisse gibt es auch Einschränkungen:
- Kleine Teilnehmerzahl: Mit 58 Personen ist die Aussagekraft begrenzt.
- Junge, gesunde Teilnehmer: Die Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf ältere oder kranke Menschen übertragen.
- Keine echte Placebo-Gruppe: Auch die Kontrollgruppe bekam ein Produkt mit Erdnussanteilen – eine komplett erdnussfreie Vergleichsgruppe wäre aussagekräftiger gewesen.
- Messung über Speichelproben: Die Telomerlänge wurde aus Speichel bestimmt – eine anerkannte Methode, aber leicht unterschiedlich zu Blutproben.
Finanzierung und möglicher Interessenskonflikt
Ein wichtiger Aspekt bei der Bewertung der Ergebnisse ist die Finanzierung der Studie: Sie wurde vom Peanut Institute unterstützt – einer Organisation, die sich für die gesundheitlichen Vorteile von Erdnüssen einsetzt und wirtschaftliches Interesse an positiven Forschungsergebnissen haben könnte.
Laut den Studienautoren gab es keinen Einfluss des Geldgebers auf Studiendesign, Datenerhebung, Auswertung oder Veröffentlichung. Die wissenschaftliche Leitung der Studie lag nach eigenen Angaben vollständig bei den Forschenden, die auch die alleinige Verantwortung für die Interpretation der Ergebnisse übernahmen. Zudem erklärten die Autoren offiziell, keine Interessenskonflikte zu haben.
Trotzdem gilt: Bei Studien, die von industrienahen Einrichtungen finanziert werden, ist grundsätzliche Vorsicht geboten. Auch wenn die Daten solide sind, sollte man die Ergebnisse immer im Gesamtkontext betrachten und auf unabhängige Replikationen achten – also Studien, die von anderen Forschungsgruppen durchgeführt werden, möglichst ohne wirtschaftliche Verflechtungen.
Fazit
Der tägliche Verzehr von gerösteten Erdnüssen mit Haut könnte helfen, die Zellen jung zu halten – zumindest bei jungen, gesunden Menschen. Erdnussbutter hatte diesen Effekt nicht. Entscheidend scheint die Verarbeitung zu sein: Je ursprünglicher die Nuss, desto besser für die Zellgesundheit.
Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber noch nicht endgültig. Größere, unabhängige Studien mit unterschiedlichen Altersgruppen sind nötig, um die Wirkung auf die Telomere und die allgemeine Gesundheit besser zu verstehen.