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Studie zur 16:8-Methode zeigt

Intervallfasten soll bei Übergewicht einen Nachteil haben

Intervallfasten und Übergewicht – Studie hat Gewichtsverlust untersucht
Nicht den ganzen Tag, sondern nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters zu essen, hat sich zur beliebten Abnehm-Methode gemausert. Aber verliert man beim Intervallfasten am Ende mehr Muskeln als Fett?
Foto: Getty Images

Intervallfasten ist in aller Munde, um abzunehmen, den Stoffwechsel zu verbessern und wirklich etwas Gutes für die Gesundheit zu tun. Eine Studie verweist nun auf einen möglichen Nachteil der Strategie des zeitlich begrenzten Essens: Muskelabbau.

Intervallfasten, also zeitlich begrenztes Essen, wird von Experten auf Basis wissenschaftlicher Studien immer wieder positiv hervorgehoben – und das nicht nur im Kampf gegen Übergewicht. Der Vorteil liege darin, dass der menschliche Körper an seine ursprüngliche Lebensweise erinnert werde: Unsere Urahnen mussten aufgrund von Jagen und Sammeln längere Fastenphasen erdulden, die konstante Verfügbarkeit von Mahlzeiten – insbesondere das Snacken – kannten sie nicht. Hungerphasen führen den Körper wieder an vor Urzeiten Gelerntes heran: Das Zurückgreifen auf Reserven. Dies hat eine Hebelwirkung für eine ganze Reihe an gesundheitlichen Vorteilen: verbesserte Stoffwechselwerte, ein niedrigerer Insulinspiegel, insgesamt weniger aufgenommene Kalorien und Gewichtsverlust.

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Forscher interessierte Gewichtsverlust beim 16:8-Intervallfasten

Besonders populär aufgrund zahlreicher Publikationen ist der 16:8-Ansatz. Dabei wird 16 Stunden auf Nahrung verzichtet und alle Mahlzeiten während eines achtstündigen Zeitfensters – meist zwischen Mittag und Abend – eingenommen. Genau diese Intervallfasten-Variante wählten Wissenschaftler der University of California, San Francisco und der University of Hawai’i Cancer Center, um mehr über die Folgen für den Metabolismus zu erfahren.

116 Probanden mit Übergewicht sollten drei Monate Intervallfasten

Für die Studie ließen sie Frauen und Männer mit Übergewicht aus den Einzugsgebieten der beiden Universitäten im Alter von 18 bis 64 Jahre für drei Monate 16:8-Intervallfasten. Das heißt, sie sollten von 20 Uhr abends bis 12 Uhr am folgenden Tag gänzlich auf Nahrungs- bzw. Kalorienaufnahme verzichten. Eine Kontrollgruppe wiesen sie an, drei strukturierte Mahlzeiten verteilt über den ganzen Tag zu essen. Snacken war erlaubt. Die Gesamtkalorien-Menge wurde beiden Gruppen nicht vorgegeben, sie soll sich aber in etwa die Waage gehalten haben.

Insgesamt lief die Studie mit 116 Probanden mit einem Body-Mass-Index zwischen 27 und 43. Nach Logik des BMI galten sie also alle als mindestens übergewichtig bis adipös (ein BMI über 40 gilt als Adipositas dritten und somit höchsten Grades). An dieser Stelle der Hinweis, dass Aussagen über die Gesundheit nur auf Grundlage des BMIs generell kritisch zu sehen sind. Ein hoher BMI macht noch keinen ungesunden Menschen – relevanter scheinen Aussagen über die Menge des Bauchfetts.

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Zurück zur vorliegenden Studie, deren Ergebnisse in der „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde (dahinter steckt der größte Ärzteverband der USA, die American Medical Association, kurz AMA).

Intervallfasten-Gruppe verlor mehr Muskelmasse als erwartet

Die US-Forscher fanden heraus, dass die Übergewichtigen der 16:8-Gruppe nahezu keinen Nutzen aus dem strengen Einhalten der Intervallfasten-Phasen hatten. Im Verlauf der drei Monate verloren sie durchschnittlich nur etwa 1 bis 1,6 Kilogramm Körpergewicht. Minimal mehr als die Kontrollgruppe, die die ganze Zeit normal weitergegessen, also keine Fastenpausen eingelegt hatte. Die Studie fand außerdem heraus, dass das Gewicht, das sie verloren hatten, nur zu einem kleinen Teil aus Körperfett bestand. Viel häufiger handelte es sich um sogenannte „magere Masse“, die die Muskeln mit einschließt.

Zwar ist es normal, dass ein Gewichtsverlust auch mit einer Abnahme der Muskelmasse einhergeht, doch die 16:8-Gruppe verlor mehr als erwartet. Und dieses Ergebnis ist durchaus besorgniserregend, wenn man bedenkt, wie wichtig der Erhalt der Muskelmasse – besonders im Alter – für den Erhalt der Gesundheit ist. So zeigte eine Studie, wie wichtig es für Männer mittleren Alters im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, so wenig Muskelmasse wie möglich zu verlieren.

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Der Studienleiter zeigt sich überrascht

Es könnte also sein, dass die gesundheitlichen Vorteile von Intervallfasten geringer sind, als bisher angenommen. Studienleiter Dr. Ethan Weiss, Kardioologe an der University of California, zeigte sich entsprechend überrascht von den Ergebnissen. „Ich bin stets davon ausgegangen, dass es (Intervallfasten, Anm. d. Red.) funktioniert, ich praktiziere es selbst und war von den Ergebnissen überrascht“, sagte er der „New York Times“. Als Reaktion habe Weiss seine Fastenphasen gestrichen und wieder angefangen, zu frühstücken.

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