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Dermatologin erklärt

Die Vorteile von kaltem Duschen für die Gesundheit

Kalt duschen bringt Vorteile für die Gesundheit
Was eine kalte Dusche alles bewirken kann...Foto: Getty Images

Kalt zu duschen, kostet Überwindung – steigert dann aber das Wohlbefinden und bringt eine Reihe positiver Therapie-Effekte ohne Nebenwirkungen für den gesamten Körper mit sich, wie FITBOOK von der Berliner Dermatologin Dr. Yael Adler FITBOOK erfahren hat.

Morgens, Abends, nach dem Sport oder einfach zum Entspannen… Warmes Wasser auf die Haut plätschern zu lassen, ist einfach herrlich. Doch deutlich gesünder als das ist tatsächlich das Gegenteil. Wie gesund es für den ganzen Körper ist, kalt zu duschen, hat sich FITBOOK von der Dermatologin Dr. Yael Adler erklären lassen.

1. Kaltes Duschen beruhigt die Haut

Warmes Wasser entzieht der Haut Feuchtigkeit und sorgt so für eine trockene Haut, während kaltes Wasser die Poren schließt und so die Schutzbarriere der Haut intakt. Die Berliner Dermatologin und Autorin Dr. Yael Adler („Hautnah“, „Wir müssen reden, Frau Doktor!“) erklärt uns, dass eine kalte Dusche juckende Haut u.a. bei Nesselsucht, Mückenstichen und Neurodermitis beruhigt.

2. Es werden Hormone ausgeschüttet, die die Wahrnehmung schärfen…

Durch das kalte Wasser wird sowohl mentale als auch körperlich die Ausschüttung der Aktivitätshormone Noradrenalin und Adrenalin aktiviert. In Folge verengen sich die Blutgefäße – was wiederum einen kurzfristigen Anstieg des Blutdrucks und somit auch der Herzfrequenz zur Folge hat. Wir spüren, dass sich unsere Wahrnehmung schärft, fühlen uns insgesamt wacher.

Der Botenstoff Adrenalin wird im Nebennierenmark gebildet und von dort aus in die Blutbahn abgegeben. Überall im Körper aktiviert Adrenalin Rezeptoren, die die kleinen Blutgefäße engstellen, damit der Blutdruck steigt. Noradrenalin ist ein Hormon und Neurotransmitter, der für die Übertragung der Erregung von einer Nervenzelle zur anderen verantwortlich sind (ähnlich Serotonin und Dopamin). Endorphine sind körpereigene Opiate. Der Körper hält diese Stoffe vor, damit der Mensch auch im Notfall noch reaktionsfähig ist.

… und antidepressiv wirken

Durch kaltes Duschen werden auch Endorphine ausgeschüttet. Diese blockieren vor allem den Schmerzreiz und geben uns das Gefühl von Freude (z.B.haben sie beim „Runners High“ ihre Finger im Spiel). Laut Dr. med. Yael Adler könne kaltes Duschen damit sogar einen antidepressiven Effekt bewirken.

3. Kaltes Duschen hilft gegen Muskelkater

Bei einem Muskelkater tendiert man möglicherweise eher zu einer warmen Dusche – die Vorstellung, dass die Muskulatur so weich und geschmeidig wird und sich besser regeneriert, liegt irgendwie nahe. Und sie stimmt auch, denn warmes Wasser fördert die Durchblutung und somit körpereigene Reparaturprozesse. Doch auch kaltes Wasser hilft, wie wir eben gelernt haben, bei Schmerzen – und somit auch gegen Muskelkater. Die kalte Dusche betäubt den Schmerz und fördert die Regeneration. Hochleistungssportler, vor allem aus den Bereichen Fußball und Leichtathletik, machen sich diesen Effekt schon lange mit Kältebädern, in der Fachsprache Kaltwasserimmersion genannt, zunutze. Der Mechanismus: Die Kälteeinwirkung führt dazu, dass sich das Blut konzentriert und sein Volumen sich entsprechend verringert. Bei Wiedererwärmung kommt es zur Verstärkung des Blutstroms, wodurch der Stoffwechsel/Blutkreislauf und entsprechend die Wiederherstellungsprozesse gefördert werden. Wer sich intensiver über das Thema Kaltwasserimmersion informieren möchte, wird hier fündig.

4. Die Produktion weißer Blutkörperchen wird angekurbelt

Das kalte Wasser fördert die Durchblutung. Dadurch wird das Immunsystem in Haut und Schleimhäuten aktiviert. Durch kaltes Duschen kommt es laut Dr. med. Yael Adler sogar zu einem kurzfristigen Anstieg weißer Blutkörperchen – die Infektabwehr verbessert sich. Noch ausgeprägter fördern übrigens Welchselduschen den Durchblutungseffekt.

5. Kaltes Duschen beschleunigt Abtransport von Wassereinlagerungen

Gleicher Grund, weiterer gesundheitlicher Effekt: Durch die zusammengezogenen Gefäße und die gesteigerte Durchblutung wird Gewebeflüssigkeit besser abtransportiert. Wassereinlagerungen (geschwollene Beine, Arme, Füße) sind ein großes Thema und so gut wie jeder ist davon irgendwann einmal betroffen, Frauen übrigens häufiger als Männer. Zu den häufigsten Gründen zählen Hitze, Bewegungsmangel, Schwangerschaft oder ein zu hoher Salzkonsum. Ob kaltes Abduschen der Beine oder Wassertreten à la Kneipp: Kaltes Wasser hilft.

6. Kaltes Duschen verbessert das Hautbild

Kaltes Wasser trocknet die Haut weniger aus als warmes. Laut Dermatologin Dr. med. Yael Adler mit dem Effekt eines besseren Hautbildes, was sicher auch der gesteigerten Durchblutung zu verdanken ist. Die Haut schimmert rosig und wirkt frischer als nach einer warmen Dusche. Gleiches gelte übrigens für das Haar – dessen oberste Schuppenschicht sich bei einer kalten Dusche schneller schließe und es somit geschmeidiger macht.

Kalt duschen für die Gesundheit – so geht’s richtig

Dermatologin Dr. Yeal Adler empfiehlt es wie folgt: In einer Kältekammer mit minus 110 bis minus 140 Grad sollte man sich zwei bis drei Minuten aufhalten. Bei 12 Grad Celsius treten die Haupteffekte des kalten Duschens innerhalb der erste 30 Sekunden ein und sollten regelmäßig durchgeführt werden. Trainierte Kaltduscher können dann zwei bis drei Minuten durchhalten.

Noch ein Wort zur richtigen Temperatur: Die Temperatur, mit der das Wasser bei uns für gewöhnlich aus der Leitung kommt, beträgt in der Regel zwischen zehn und 12 Grad – das ist auch die optimale Temperatur für die kalte Dusche. Um keinen Kälteschock zu riskieren, ist es wichtig, die kalte Dusche Herz fern zu beginnen – also auf der rechten Seite vom Fuß aufwärts zum Gesäß. An der Innenseite des Beins wieder abwärts. Dasselbe geschieht mit dem linken Bein. Dann von der rechten Hand bis hoch zur Schulter und wieder hinunter, auf der linken Seite wiederholen.

Selbstexperiment

Auf YouTube gibt es zahlreiche Videos von YouTubern, die über einen bestimmten Zeitraum kalt geduscht haben und ihre Veränderungen gezeugt haben. So hat es auch der junge Bodybuilder Paul Unterleitner gemacht. Er sei direkt kalt gestartet und habe versucht, es so lange wie möglich auszuhalten – für 38 Tage. Sein Fazit: „Mein ganzer Körper war danach krass durchblutet, ich hätte jeden Muskel wieder trainieren können. Ich habe mich regeneriert gefühlt.“ Zum Schluss habe er zwei Minuten ausgehalten – es habe ihm sehr gutgetan.