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Wärmekissen vs. Coolpack

Wärme oder Kälte – was hilft bei welcher Verletzung?

Wärme Kälte bei Verletzung
Wärmekissen oder Coolpack bei verschiedenen Verletzungsarten – sind Sie sich da immer so sicher? Foto: iStock / Iryna Mylinska, Getty Images

Wer sich gestoßen hat, würde die betroffene Stelle kühlen – und beim verspannten Nacken wohl eher zum Wärmekissen greifen. Helfen diese Methoden wirklich? Wie wirken sie? Wann ist Kälte, wann Wärme besser? Experten geben Antworten.

Jedes Kind weiß: Auf eine Beule gehört ein Kühlpack. Und auch bei Fußballspielen sind Ärzte oder Physiotherapeuten mit Eisspray nicht weit, wenn es auf dem Platz zu einer Verletzung gekommen ist. Einen steifen Nacken hingegen sollte man nicht kaltstellen… FITBOOK erklärt, wie Wärme oder Kälte bei Verletzungen auf den Körper wirken und wann man was anwenden sollte.

Wärme oder Kälte bei Verletzungen – wie wirken Temperaturen auf den Körper?

Bei Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen. Das passiert im Sinne einer konstanten Körpertemperatur: Der Blutfluss wird verringert, damit so wenig Wärme wie möglich über das Blut verloren geht. Bei Wärme hingegen dehnen sich die Gefäße wieder aus. Das kann man fühlen und auch optisch wahrnehmen, wenn man ohne Handschuhe in der Kälte war und die Hände sich im Raum wieder an die Wärme gewöhnen und rot werden. Aber was heißt das jetzt für schmerzende Verletzungen?

Bei welchen Verletzungen sollte man kühlen?

Kälte reduziert Schwellungen und Schmerzen. Beispielsweise nach einem schmerzhaften Tritt gegen das Schienbein beim Fußball: Hier sollte man idealerweise das Schienbein hochlegen, eine straffe Binde anlegen, ein Coolpack auflegen und dieses mit einer leichten Binde fixieren, beschreibt der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Schwellungen entstehen, weil kleine Blutgefäße beschädigt sind. Durch Kälte ziehen die Gefäße sich zusammen und verschließen sich rascher. Auch die Weiterleitung der Schmerzsignale in Richtung Gehirn wird durchs Kühlen gehemmt. Es tut also nicht mehr so weh.

Der Orthopäde und Unfallchirurg Thomas Gottfried rät, grundsätzlich bei allen akuten Verletzungen zu Kühlmitteln zu greifen, auch bei Quetschungen oder Frakturen – aber nie bei offenen Verletzungen.

PECH-Regel

Ob geprellter Arm oder verknackter Fuß: Bei Verletzungen dieser Art sollte man das PECH-Schema anwenden. „Es steht für: Pause, Eis, Kompression, Hochlagern“, erklärt der Sportmediziner Axel Klein.

Erster und zweiter Kälteschmerz – wann Kältezufuhr unterbrechen?

Doch bei der Anwendung ist Vorsicht geboten. Passt man nicht auf, kommt es schlimmstenfalls zu Erfrierungen an der Haut. „Es gibt zwei Kältereaktionen, die man spüren kann“, sagt Gottfried. Zunächst gebe es den ersten Kälteschmerz, der ganz normal sei und kein Grund zur Unterbrechung. „Dann gibt es einen Gewöhnungseffekt und es folgt der zweite Kälteschmerz. Da muss man aufpassen und die Kältezufuhr unterbrechen, um Erfrierungen vorzubeugen“, so der Fachmann von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Dieser zweite Kälteschmerz sei ein Signal, dass die Körpertemperatur absinke, und das könne in gefährliche Bereiche gehen.

Kalte Güsse oder kalte Wickel

Wenn man sich im Bereich von kalten Güssen oder kalten Wickeln bewege, bestehe im Normalfall keine Gefahr, sagt Gottfried. Bei Kühlmitteln wie Eisbeutel oder Eisgranulat, deren Temperatur etwa um den Gefrierpunkt liegt, empfiehlt er, sie 30 Minuten am Stück anzuwenden und dann eine Pause zu machen. „Wenn es sich um tiefgekühlte Eiskompressen handelt, sollte man unbedingt ein Frotteetuch auf die Haut legen, damit es nicht zu Hautschädigungen kommt. Hier sollte man etwa 15 bis 20 Minuten lang kühlen.“

Eiswürfel über die Stelle reiben

Eine recht unbedenkliche Variante: „Man kann immer wieder einen Eiswürfel über die Stelle reiben“, rät Axel Klein. So sei der Körper keiner dauerhaften Kühlung ausgesetzt, aber man habe immer wieder einen schmerzstillenden Effekt.

Wie lange sollte man eine verletzte Stelle maximal immer wieder kühlen?

Klein empfiehlt, eine verletzte Stelle maximal über zwei Tage lang immer wieder zu kühlen. „Spätestens ab dem dritten Tag will man den Stoffwechsel eher wieder anregen, damit das Gewebe möglichst gut durchblutet“, erklärt er. Dabei ist zu viel Kälte hinderlich.

Krankheitsbilder, bei denen man nicht kühlen sollte

Kühlmittel können unter diesen Voraussetzungen gut zu Hause ohne medizinische Hilfe angewendet werden. Allerdings gibt es Ausnahmen: „Aufpassen sollte man bei bestimmten Krankheitsbildern, zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen oder Kälteempfindlichkeiten“, sagt Thomas Gottfried. Gleiches gilt demnach bei Formen der Sensibilitätsstörung, weil die Warnmechanismen außer Kraft gesetzt sind: „Die Betroffenen spüren den Kälteschmerz oft nicht.“ Außerdem können sich Verspannungen und Verkrampfungen verhärten, wenn man darauf Kälte anwendet: Während Muskeln sich durch Wärme ENT-, würden sie sich durch Kälte stärker VERspannen.

Nun wissen wir, bei welchen Verletzungen Kälte das Mittel der Wahl ist – in welchen Fällen ist Wärme besser?

Bei welchen Verletzungen hilft Wärme?

Auch die Anwendung von Wärme, zum Beispiel in Form von Kirschkernkissen, Wärmflaschen oder Rotlichtlampen, kann Beschwerden lindern – allerdings nicht bei akuten Verletzungen.

„Wärme hat den Effekt, das Gewebe weicher zu machen“, erklärt Gottfried. Das helfe bei Überlastungssyndromen, zum Beispiel bei einem starken Muskelkater. „Auch bei Gewebeverklebungen oder Vernarbungen ist Wärme geeignet – sie kann bei allen Bindegewebsveränderungen hilfreich sein.“

Wärme öffnet die Gefäße und macht sie weiter, so wird die Durchblutung im Körper verbessert. Außerdem hat Wärme eine schmerzlindernde Wirkung. „Deshalb werden Wärmemittel auch zum Beispiel bei Menstruationsschmerzen oder chronischen Entzündungen gerne eingesetzt“, so Gottfried.

Bei welchen Verletzungen sollte man nicht wärmen?

Achtung: Dadurch, dass man durch Wärme die Durchblutung fördert, könnte sich eine Akutverletzung verschlimmern. Der Betroffene hätte stärkere Schmerzen und der Gewebsschaden könnte sich schneller ausbreiten.

Warnsignale bei Wärmeanwendungen

Wenn durch die Wärme rote Flecken auf der Haut entstehen, ist das grundsätzlich nicht gefährlich. Ein Problem ist es, wenn noch Schmerz dazukommt. Dann können durchaus schon eine Verbrennung ersten Grades vorliegen, sagt der Experte. Sie sei reversibel, heilt also ohne bleibende Schäden ab, aber dennoch: Schmerz in Kombination mit Rötungen sollte immer als Warnsignal betrachtet werden.

Axel Klein rät dazu, bei Wärmeanwendungen immer auf das eigene Gefühl zu hören. „Es sollte eine angenehme Wärme sein“, so der Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin. Viel hilft viel, ist in dem Fall die falsche Devise. Ein Heizkissen oder eine Rotlichtlampe sollte man lieber mehrmals am Tag nutzen, als einmal von langer Dauer.

Wann Wärme den Körper zu stark belastet

„Vorsicht ist bei frischen Infekten geboten“, sagt Thomas Gottfried. „Da kann Wärme eine zu starke Belastung für den Körper sein.“

Mit Material von dpa