Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Metabolisches Syndrom

Schon ein kleines Bäuchlein birgt massive Gefahren für die Gesundheit

Bauchfett: Mann zeigt seine Wampe
Schon „was zum Anfassen“ kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führenFoto: iStock/filistimlyanin

Die berühmten Speckröllchen am Bauch stören nicht nur die Ästhetik, sondern können auch auf Kosten der Gesundheit gehen. Denn: Wenn es in dieser Region zu üppig wird, lauert darunter womöglich „inneres Bauchfett“. FITBOOK weiß von Experten, dass das gefährlich sein kann.

Viele Frauen finden es liebenswert, wenn ihr Mann ein kleines Bäuchlein vor sich herträgt. Doch der #dadbod (kurz für „Dad Body“, also Körper nach dem Vorbild unserer Väter-Generation) ist mitunter nicht so harmlos, wie viele meinen. Gesundheitlich problematisch ist vor allem das innere Bauchfett, auch Viszeralfett genannt. FITBOOK sprach mit Dr. med Matthias Riedl, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe und Ernährungsmediziner über die Risiken des Bäuchleins.

Der Unterschied zwischen innerem und äußerem Bauchfett

Zunächst muss man zwischen innerem und äußeren Bauchfett unterscheiden: Beim äußeren handelt es sich laut Dr. Riedl um klassisches Unterhautfettgewebe, die berühmten Speckröllchen. Was unter Umständen darunter liegt, wird als inneres Bauchfett bezeichnet. Dieses legt sich um innere Organe, die im Bauchbereich liegen und kann gefährlich werden.

Die Gefahren, die vom inneren Bauchfett ausgehen

„Das innere Bauchfett ist eine große Drüse, die schädliche Botenstoffe produziert. Und diese lösen Entzündungsreaktionen im Körper aus“, erklärt Dr. Riedl.

Bei Patienten mit viel Viszeralfett seien die Entzündungswerte um bis zu hundertfach erhöht. Das sei eine extreme Belastung für das Herzkreislaufsystem und könne sich unmittelbar mit Arterienverkalkung rächen. Wenn das Bauchfett mit Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker und ungesunden Fettstoffwechselwerten einhergeht, sprechen Ärzte vom metabolischen Syndrom. Schockierend: Bereits drei der vier Faktoren sollen das Risiko auf einen lebensbedrohlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall massiv erhöhen. Das metabolische Syndrom wird daher oft als tödliches Quartett bezeichnet.

Damit nicht genug: Inneres Bauchfett und seine Begleiterscheinungen gehen schnell zulasten der Nieren. „Und von vielen wird unterschätzt, dass mit dem Beginn einer Niereninsuffizienz und entsprechender Dialyse die Lebenserwartung bei nur noch etwa sieben Jahren liegt“, betont Dr. Riedl. Die dargestellten Gefahren drohten männlichen und weiblichen Patienten gleichermaßen. Hinzu komme ein starkes Risiko für Demenz, „da die minimalen immunologischen Entzündungen, die das innere Bauchfett in Gang setzt, sich auch auf die Hirnfunktion auswirken“. Hiervon seien statistisch gesehen eher Frauen betroffen.

Mann mit Bauch
Die Körperfülle ist nicht nur Geschmackssache, sondern schnell auch eine Frage der GesundheitFoto: Getty Images

Schlechte Ernährung und Bewegungsmangel sind schuld

Ursächlich für die Entstehung von Viszeralfett ist in aller Regel eine Kombination aus ungünstiger Ernährung und Bewegungsmangel. Dr. Riedl warnt vor den meisten Kohlenhydratarten und insbesondere vor Zucker. „Unsere Ernährung ist sehr reich an Brot, Reis und Nudeln. Das wäre in Ordnung, wenn man sie auch verbrennen würde. Das tun die meisten aber nicht und sitzen stattdessen viel. Die Kohlenhydrate, die dann in den Fettzellen gespeichert werden, können so zu gefährlichem Bauchfett werden.“ Ein enormes Problem, das nicht zuletzt – und in diesem Fall besonders fatal – auch Kinder betrifft.

Auch interessant: Sollten wir alle komplett auf Zucker verzichten?

„Man spricht immer davon, dass die Lebenserwartung heutzutage höher ist. Das betrifft die Generation, die jetzt geboren wird, jedoch keineswegs“, warnt Dr. Riedl. Er berichtet von Kinderpatienten, die aufgrund ihrer verheerenden Fettwerte bereits in jungen Jahren mit Krankheitsbildern zu kämpfen haben, die sonst alte Menschen betreffen: Bluthochdruck und Altersdiabetes, also Diabetes Typ 2. Mit einem solchen Befund im Kindesalter sei das 60. Lebensjahr nur schwer zu erreichen.

Auch interessant: Die Vorteile und Risiken der ketogenen Diät

Wann ist der Bauchfettanteil zu hoch?

Mit einem Maßband zwischen Rippen und Beckenknochen könne man selbst ermitteln, ob der Anteil an Bauchfett im gefährlichen Bereich liegt. „Kritisch wird es bei Frauen, wenn der Taillenumfang bei über 88 Zentimeter liegt. Bei Männern besteht spätestens bei 102 Zentimetern Handlungsbedarf.“ Als Faustregel gilt: Der Umfang der Taille multipliziert mit dem Faktor zwei sollte die Körpergröße nicht überschreiten.

Wie lässt sich das Viszeralfett verringern?

Wer sein inneres Bauchfett verringern möchte, solle eine Zeit lang keinen Alkohol trinken, auf üppige Mahlzeiten verzichten und mit Sport anfangen. Das Training sollte mindestens dreimal in der Woche stattfinden – jeweils rund 45 Minuten. Mediziner Riedl hält es zudem für wichtig, dass einem die jeweilige Sportart liegt. Wenn man sich erst überwinden muss, beispielsweise zum Schwimmengehen, sollte man überlegen, ob das Walken vielleicht nicht die bessere Wahl ist.

Auch interessant: Diese Trainingsform reduziert inneres Bauchfett am besten

Wer es aus eigener Kraft nicht schafft, sich zu Bewegung zu motivieren, und auch nicht weiß, wo er konkret ansetzen soll, dem empfiehlt der Facharzt die Kontaktaufnahme mit dem Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. (BDEM). Die Organisation beschäftige Ernährungsmediziner an verschiedenen deutschen Standorten und biete Hilfestellung und Kurse an.