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Mythos Body-Mass-Index

Sagt der BMI wirklich etwas über Ihre Gesundheit aus?

Frau auf der Waage
Das Gewicht ist ausschlaggebend für den Body-Mass-Index – aber auch für etwaige Gesundheitsrisiken? FITBOOK klärt auf
Foto: Getty Images

Der Body-Mass-Index (BMI) errechnet sich aus Gewicht und Körpergröße. Der Wert soll aussagen, ob man unter-, normal- oder übergewichtig ist, auch soll er das Risiko auf verschiedene Krankheiten einschätzen lassen. Der angeblich ideale BMI hat sich in den vergangenen Jahren immer einmal wieder geändert. FITBOOK weiß von Experten, ob und wieweit man ihn überhaupt beachten sollte.

Seinen Körperumfang einzuschätzen, fällt vielen Menschen schwer – so steht es auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Deshalb findet man hier eine Maske zum Ermitteln des Body-Mass-Index‘, der Aufschluss darüber geben soll, „ob man zu dick, zu dünn oder vielleicht genau richtig ist.“

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Welcher BMI ist am gesündesten?

Als Normalgewicht und damit empfohlen gilt ein BMI zwischen 18,5 und 24,9. Alles darunter wird als Untergewicht definiert, alles darüber als Übergewicht. Dabei handelt es sich um Klassifizierungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, wie ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit erklärt, die im Rahmen epidemiologischer Studien herangezogen werden. So habe sich etwa ermitteln lassen, dass in Deutschland rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig sind.

Mit solchen Zahlen soll vor Risikofaktoren gewarnt werden, die unter anderem ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und übermäßiger Alkohol– und Tabakkonsum darstellen können. In der Folge wird Übergewicht ein Einfluss auf verschiedene Krankheiten attestiert.

Übergewichtiger Mann

Zwei Drittel der deutschen Männer soll übergewichtig sein. Ein dickes Problem!
Foto: Getty Images

Beeinflusst der BMI die Gesundheit?

Wissenschaftler der University of California in Los Angeles (UCLA) haben vor wenigen Jahren in einer Studie ermitteln können, dass der BMI in Wahrheit kaum Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Bei rund 54 Millionen Amerikanern mit – zumindest rein laut Interpretation ihres BMI – fragwürdigem Gesundheitszustand, konnten KEINE Auffälligkeiten in puncto Körperfettwerte, Blutdruck und Blutzuckerspiegel nachgewiesen werden. So ist es in einem Bericht der „Welt“ nachzulesen. Trotzdem ist der BMI bis heute ein wichtiger Marker in der Gesundheitsforschung.

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Neue Studien warnen vor zu hohem BMI

Vergangene Woche veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung aktuelle Ergebnisse einer Studie mit fast 300.000 männlichen und weiblichen Probanden mittleren Alters. Die verantwortlichen Forscher folgerten daraus, dass Menschen mit einem BMI von zwischen 22 und der 23 am wenigsten herzgefährdet sind. Direkt oberhalb dieses Werts stieg das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 13 Prozent an. „Das bedeutet, dass sogar innerhalb der bislang als gesund erachteten BMI-Spanne von 18-25 bereits ein Risikoanstieg zu verzeichnen ist“, interpretierte Professor Dr. Nikolaus Marx – Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, internistische Intensivmedizin – auf der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

Unterschiedliche Ansichten zu BMI-Relevanz

Der Münchener Diplom-Ökotrophologe Professor Nicolai Worm findet nicht, dass man den eigenen Body-Mass-Index kennen müsste. „Der BMI stellt nur die Körpermasse dar“, erklärt er gegenüber FITBOOK. Diese bestehe aus Wasser, Muskeln, Bindegewebe, Knochen und Fett. Heute gäbe es aber auch immer mehr Menschen, vor allem Männer, die trotz eines relativ niedrigen BMI „eigentlich ziemlich fett sind“. Die Erklärung: Sie sollen ihre Muskeln abgebaut haben. Und da Muskeln überwiegend aus Wasser bestehen, habe man ohne sie ein geringeres Gewicht auf der Waage.

Zusammengefasst:

Mann auf der Waage

Nicht nur Fett, auch Muskeln bringen Pfunde auf die Waage und können somit den BMI in die Höhe treiben
Foto: Getty Images

BMI für Einzelpersonen belanglos?

In größeren Forschungssituationen mit hunderten Teilnehmern fielen Einzelpersonen – beispielsweise muskelbepackte Sportler mit einem entsprechend höheren BMI – nicht ins Gewicht für das Gesamtergebnis. Das erklärt, wieso der Wert bedeutsam ist, wenn man die Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten in der Bevölkerung erforscht. Wer jedoch sein persönliches Risiko auf Fettleber, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen einschätzen, brauche ihm laut Professor Worm keine Beachtung zu schenken. Viel relevanter: etwaiges inneres Bauchfett.

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Gesundheitsrisiko Bauchfett

„Das innere Bauchfett ist eine große Drüse, die schädliche Botenstoffe produziert. Und diese lösen Entzündungsreaktionen im Körper aus“, warnt Dr. med Matthias Riedl, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe und Ernährungsmediziner am Medicum Hamburg, im FITBOOK-Interview. Je mehr inneres Bauchfett, desto stärker stiegen im Regelfall die Entzündungswerte im Blut an. Mögliche Folgen: Arterienverkalkung, erhöhter Blutdruck und -zucker. Diese Faktoren können Riedl zufolge das Risiko auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall massiv erhöhen.

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Wann hat man zu viel Bauchfett?

Man kann selbst ermitteln, ob man zu viel Bauchfett mit sich herumträgt: mit einem Maßband. „Kritisch wird es bei Frauen, wenn der Taillenumfang bei über 88 Zentimeter liegt. Bei Männern besteht spätestens bei 102 Zentimetern dringender Handlungsbedarf.“ Wer sein Bauchfett verringern möchte, solle eine Zeit lang keinen Alkohol trinken, auf üppige Mahlzeiten verzichten und mit Sport anfangen.

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Fazit

Nicht immer ist Panik angesagt, wenn Sie oberhalb des empfohlenen BMI-Wertes liegen! Erst recht nicht, wenn Sie in anderen Umständen sind, viel Kraftsport treiben oder etwa aus hormonellen Gründen mit Wassereinlagerungen zu kämpfen haben. Oder um es in den Worten des BMG zu sagen: Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie ihren Hausarzt aufsuchen. Hier bekommen Sie Klarheit – unabhängig vom BMI.

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