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Ernährung, Aktivität, Mindset

8 Gewohnheiten von Japanern, die das Leben verlängern

Eine japanische Familie
Von Japanern kann man sich einiges in Sachen Lebensqualität abschauenFoto: Getty Images

In Japan leben die ältesten Menschen der Welt und ihre Lebenserwartung steigt und steigt. Was ist ihr Geheimnis? Tatsächlich sind es acht Gewohnheiten, die den Japanern ein langes und gesundes Leben bescheren.

Der japanische Epidemiologe und Ernährungsexperte Dr. Shoichiro Tsugane veröffentlichte im Fachmagazin „Nature“ 2020 eine ausführliche wissenschaftliche Analyse darüber, wie Japan zum langlebigsten Land der Welt werden konnte.1 Noch in den 60er-Jahren zählte die Lebenserwartung in seiner Heimat zu den niedrigsten der G7-Staaten. Doch im Laufe der folgenden Jahre gingen Rauchverhalten, Krebs- und Herzkrankheiten sowie die Säuglingssterblichkeit erheblich zurück. Wie kommt das? Tsugane vermutet, dass es einerseits mit dem hervorragenden Gesundheitssystem und der Hygienekultur zu tun hat, aber auch mit der herausragend gesunden Ernährungsweise und Lebensphilosophie. FITBOOK verrät acht lebensverlängernde Gewohnheiten, die für Japaner ganz selbstverständlich sind.

1. Sie Leben nach der „Ikagi“-Philosophie

Ähnlich den Vorstellungen von „Hygge“ in Dänemark oder „joie de vivre“ in Frankreich leben die Japaner mit „Ikigai“. Leben nach Ikagai heißt, seinem Alltag Sinn zu geben. Dabei geht es nicht um sofortige Befriedigung, sondern darum, eine persönliche Mission für sein Dasein zu finden und so das eigene, volle Potenzial zu entfalten. Freude und Sinn im Leben bedeutet auch, anderen zu helfen und für sie da zu sein. Dies führt zu einem Zustand heiterer Gelassenheit und eben nicht zu dem Drang, eine Ekstase nach der anderen zu erleben zu müssen.

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2. Es gehört zu den Gewohnheiten der Japaner, zu Fuß zu gehen

Fast jedes japanische Kind geht zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad zur Schule, während über das Radio jeden Morgen per Ansage Gymnastikübungen zum Nachmachen ausgestrahlt werden. Auch die Erwachsenen nehmen lieber den Zug zur Arbeit und spazieren zum Bahnhof, statt das Auto dafür zu nehmen. Zum Essen nehmen die Japaner eine Position ein, die als „Seiza“ bekannt ist. Sie besteht darin, auf den Schienbeinen zu ruhen und die Füße unter den Po zu stecken. Dies hilft, Kraft und Flexibilität zu erhalten.

3. Sie lieben Grünen Tee über alles und trinken ihn täglich

Die japanische Tee-Zeremonie gehört zu den schönsten Ritualen überhaupt. Und schöne Rituale sind bekanntlich gut für die Psyche, was ebenfalls einem langen Leben zuträglich ist. Aber auch der Grüne Tee selbst hat es erwiesenermaßen in sich: Er ist reich an Antioxidantien, stärkt Immunsystem und Zähne, reguliert den Blutdruck und beugt sogar Krebs vor. Schon allein sich täglich ein Tässchen zu genehmigen, wirkt nachweislich lebensverlängernd (FITBOOK berichtete). Für die Japaner gehören mehrere Tassen Tee seit Jahrhunderten zu den wichtigsten täglichen Gewohnheiten.

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4. Japaner haben ein fortschrittliches Gesundheitssystem und halten ihre Umgebung sauber

Japanische Staatsbürger gehen durchschnittlich 13 Mal im Jahr zu ärztlichen (Vorsorge)-Untersuchungen. Das bedeutet, dass Krankheiten früh erkannt werden. Die Kosten dafür werden je nach Einkommen bis zu 90 Prozent übernommen. Der Staat gibt obendrein viel Geld für Kampagnen aus, die über eine gesündere Lebensweise aufklären.  Japans Gesundheitssystem ist laut Bloomberg Efficient Health Care eines der besten der Welt. Gleichzeitig legen die Japaner viel Wert auf Sauberkeit und Hygiene, lassen weder Müll auf den Straßen liegen, noch vergessen sie, ihre Hände zu waschen. Dank dieser wichtigen Gewohnheiten haben zum Beispiel Infektionen weniger Chancen.

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5. Essen nach der „80-Prozent-Regel“ ist für die Japaner eine selbstverständliche Gewohnheit

„Hara Hach Bun Me“ oder „Hara Hachi Bu“ lautet das Prinzip nur so viel zu essen, bis man zu ungefähr 80 Prozent satt ist. Es wird angenommen, dass es sich um eine konfuzianische Lehre handelt, die grob übersetzt „iss, bis du acht Teile satt bist“ bedeutet. Der Körper bekommt so genügend Energie, ohne in ein „Fresskoma“ zu fallen. Auch servieren die Japaner stets kleine Portionen, essen langsam und achtsam. Durch die Verwendung von Essstäbchen wird der gesamte Essvorgang besonders gemächlich, was auch die Verdauung guttut.

6. Ihre traditionelle Ernährungsweise gehört zu den gesündesten der Welt

Wenig rotes Fleisch, kaum Milchprodukte, Süßigkeiten oder Weißmehlerzeugnisse. Dafür jede Menge Fisch, Soja, Reis, Meeresfrüchte, rohes und fermentiertes Gemüse sowie ungesüßter Grüner Tee. All diese Lebensmittel weisen geringe Mengen an gesättigten Fetten und Zucker auf, sind aber mit reichlich Vitaminen und Mineralstoffen beladen. Auch ist der Salzverbrauch in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen. Kein Wunder, dass die Fettleibigkeitsrate in Japan so beeindruckend niedrig ist. 

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7. Sie kümmern sich liebevoll um ihre Alten

Die Großeltern leben meist mit der ganzen Familie unter einem Dach. Man kümmert sich um die Alten, statt sie ins Pflegeheim zu schicken.  Sie verbringen viel Zeit mit den Enkelkindern und bringen ihnen traditionelle Weisheiten bei und sogen so dafür, dass die alten Geschichten nicht in Vergessenheit geraten. Die Sicherheit, die dieses Zusammenbleiben mit sich bringt, kommt sowohl den Älteren als auch den Jungen zugute. 

8. Japaner haben gute Gene

In diesem Fall handelt es sich weniger um eine Gewohnheit der Japaner, aber das Phänomen ist vielleicht Resultat aus einer langen Tradition guter Gewohnheiten: Zwei Gene mit der Bezeichnung DNA 5178 und ND2-237Met-Genotyp sind in der japanischen Bevölkerung besonders weit verbreitet. Sie werden auch „Langlebigkeits-Gene“ genannt, da sie altersbedingte Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Schlaganfälle, Herzinfarkte, zerebrovaskuläre und kardiovaskuläre Erkrankungen blockieren. Allerdings sind bei weitem nicht alle Japaner damit gesegnet. Sie zu besitzen, gilt auch dort als Glücksfall.

Quellen

  1. Tsugane S. (2020). Why has Japan become the world’s most long-lived country: insights from a food and nutrition perspective. Nature.