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Biomarker im Blut

Wissenschaftler können Typ-2-Diabetes 19 Jahre vor Erkrankung erkennen

Diabetes vorhersagen: Frau setzt sich eine Spritze
Lebensstilfaktoren wie Ernährung und Bewegung spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von DiabetesFoto: Getty Images

Können Mediziner bald in die sprichwörtliche Glaskugel schauen und vorhersehen, ob eine Person knapp 20 Jahre später zum Diabetiker wird? Genau das soll laut einer skandinavischen Studie mithilfe eines bestimmten Proteins im Blut möglich sein.

Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an der Volkskrankheit Diabetes.1 Nicht nur zur Behandlung der Erkrankung, sondern auch zur Vorbeugung spielen Lebensstilfaktoren eine bedeutende Rolle. Dazu zählen vor allem die Ernährung und Bewegung. Eine Studie aus Schweden möchte nun einen Biomarker identifiziert haben, mit dem sich Diabetes sehr früh erkennen lässt – bis zu 19 Jahre vor der zu erwartenden Diagnose.2

Auswertung der Daten von 5318 Schweden und Finnen

Die Studie der Lund University basierte auf Daten der „Malmö Diet and Cancer“-Kohorten-Studie von 5318 Menschen aus Schweden und Finnland.3 Bei den Probanden aus Finnland betrug die Nachbeobachtungszeit durchschnittlich vier Jahre, bei den schwedischen Probanden bis zu 19 Jahre. Die Analyse der schwedischen Forscher brachte jetzt einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Diabetes Typ 2 und dem Follistatin-Spiegel ans Licht.

Follistatin ist ein Protein, das hauptsächlich von der Leber ausgeschieden wird und an der Regulierung des Stoffwechsels beteiligt ist. „Wir haben herausgefunden, dass höhere Werte des im Blut zirkulierenden Proteins Follistatin Typ-2-Diabetes bis zu 19 Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit vorhersagen, unabhängig von anderen bekannten Risikofaktoren wie Alter, Body-Mass-Index (BMI), Nüchternblutzucker, Ernährung oder körperlicher Aktivität“, erklärt Professorin Dr. Yang De Marinis, Hauptautorin der Studie, in einer Universitätsmitteilung.4

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Auswertung von Daten der Tübinger Diabetes Familien Studie (TDFS)

Anhand klinischer Daten der Tübinger Diabetes Familien Studie (TFDS) sowie zellbiologischer Untersuchungen fanden die schwedischen Forscher zudem noch heraus, was im Körper geschieht, wenn der Follistatin-Spiegel im Blut hoch ist. Das Protein fördert den Fettabbau aus dem Fettgewebe, was zu einer erhöhten Ansammlung von Lipiden in der Leber führt. Dies ist problematisch, weil dieser Prozess im Körper das Risiko erhöht, eine nicht-alkoholische Fettleber zu bekommen und an Diabetes Typ 2 zu erkranken.

Mit ihren Forschungsergebnissen haben die Wissenschaftler nun wertvolle Erkenntnisse gewonnen, wie Dr. Marinis betont. „Diese Studie zeigt, dass Follistatin das Potenzial hat, ein wichtiger Biomarker für die Vorhersage von Typ-2-Diabetes zu werden. Zudem bringt sie uns auch dem Verständnis der Mechanismen dieser Krankheit einen Schritt näher.“

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Diabetesrisiko früh erkennen und Maßnahmen ergreifen

Dr. Marinis und ihr Team arbeiten nun im nächsten Schritt daran, ihre Studienergebnisse in die klinische Anwendung zu bringen. Was dies in der Praxis bedeuten würde? Dass Mediziner Diabetes in Zukunft mithilfe von Follistatin als Biomarker bis zu 19 Jahre vor der Erkrankung erkennen können. Genügend Zeit für Betroffene also, die Ernährung umzustellen oder mehr Sport zu machen – und eine Erkrankung so womöglich noch zu verhindern.

Quellen

  1. Deutsche Diabeteshilfe (diabetes DE). Diabetes in Zahlen. (aufgerufen am 17.11.2021)
  2. Wu, C., Borné, Y., De Marinis, Y. et al. (2021). Elevated circulating follistatin associates with an increased risk of type 2 diabetes. Nature Communication
  3. Berglund, G., Elmstähl, S., Janzon, L., Larsson, S.A. (1993). The Malmo Diet and Cancer Study. Design and feasibility. Journal of Internal Medicine
  4. Lund University. (2021). Blood biomarker identified that predicts type 2 diabetes many years before diagnosis (aufgerufen am 17.11.2021)

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