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Gynäkologin verrät

„Das sind die 12 verrücktesten Symptome der Wechseljahre“

Viele denken bei Wechseljahren vor allem an einen verrücktspielenden Zyklus. Doch es sind diverse andere Symptome ebenfalls möglich.
Viele denken bei Wechseljahren vor allem an einen verrücktspielenden Zyklus. Doch es sind diverse andere Symptome ebenfalls möglich. Foto: Getty Images/imageBROKER RF
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9. Juni 2026, 10:59 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen verbinden die meisten Frauen sofort mit den Wechseljahren. Doch der hormonelle Umbruch kann sich auch auf überraschende und mitunter „verrückte“ Weise bemerkbar machen, wie Frau Dr. med. Heidi Gößlinghoff erklärt. Die Frauenärztin, Mentorin für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch und Hormonspezialistin, hat FITBOOK verraten, welche ungewöhnlichen Beschwerden in den Wechseljahren auftreten können, warum sie entstehen und wann ein Arztbesuch wirklich wichtig ist.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Auf fachliche Richtigkeit geprüft von Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Warum die Wechseljahre so viele unterschiedliche Symptome auslösen

Während der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel deutlich ab. Das hat weitreichende Folgen für den gesamten Körper, denn Östrogenrezeptoren sitzen nicht nur in den Eierstöcken oder der Gebärmutter, sondern praktisch überall: in Haut und Schleimhäuten, im Gehirn, in den Gefäßen, Gelenken und sogar im Innenohr. Genau deshalb können die Beschwerden so vielfältig ausfallen. „Viele Frauen wissen zunächst gar nicht, dass ihre Symptome hormonell bedingt sind“, sagt Frau Dr. Gößlinghoff. „Nicht selten gehen sie von Arzt zu Arzt, ohne dass jemand den Zusammenhang mit den Wechseljahren erkennt.“

Um diesbezüglich früh aufzuklären, hat sie uns zwölf verrückte Symptome verraten, die sie als Gynäkologin häufiger erlebt.

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Gynäkologin nennt ihre 12 ungewöhnlichsten Wechseljahr-Symptome

Trockene Augen und verschwommenes Sehen

Plötzlich brennen die Augen, Kontaktlinsen werden unangenehm oder das Sehen wirkt verschwommen. Auch dahinter können die Wechseljahre stecken, denn Östrogen beeinflusst die Tränenproduktion und kann auch die Elastizität der Augenlinse beeinträchtigen. Sinkt der Hormonspiegel, trocknen die Augen leichter aus und reagieren empfindlicher auf Umweltreize. Befeuchtende Augentropfen aus der Apotheke können hier Linderung verschaffen. Allerdings sollten Sie bei anhaltenden Sehstörungen unbedingt eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen.

Kribbeln auf der Haut

„Ein Kribbeln in Armen, Beinen oder sogar auf der Kopfhaut zählt zu den irritierendsten Beschwerden der Wechseljahre. Manche Frauen beschreiben das Gefühl wie kleine Stromstöße oder Ameisen unter der Haut. Diese sogenannten Parästhesien entstehen vermutlich durch hormonelle Veränderungen im Nervensystem, da der sinkende Östrogenspiegel die Nervenreizleitung beeinflusst und empfindlicher macht“, so Frau Dr. Gößlinghoff. „Viele Patientinnen befürchten zunächst eine neurologische Erkrankung. Da das Kribbeln jedoch auch andere Ursachen haben kann, etwa einen Vitamin-B12-Mangel, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder neurologische Veränderungen, sollten neu auftretende, anhaltende oder einseitige Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.“

Empfindliches Zahnfleisch und Zähne

Auch Ihre Mundgesundheit kann unter dem Hormonabfall leiden. Das Zahnfleisch wird schlechter durchblutet, empfindlicher und anfälliger für Entzündungen. Plötzliches Zahnfleischbluten, empfindliche Zahnhälse oder ein unangenehmes Spannungsgefühl im Mund können die Folge sein. Regelmäßige Zahnarztkontrollen werden in dieser Lebensphase besonders wichtig. Bei empfindlichen Zahnhälsen können eine Sensitiv-Zahncreme und eine weiche Zahnbürste Beschwerden lindern. Zahnfleischbluten sollten Sie jedoch immer zahnärztlich untersuchen lassen.

Juckreiz am ganzen Körper

Viele Frauen klagen über juckende Beine, Kopfhaut oder Rückenpartien, oft ganz ohne sichtbaren Ausschlag. Verantwortlich dafür ist der sinkende Östrogengehalt, durch den die Haut Feuchtigkeit, Kollagen und Spannkraft verliert. Sie wird trockener, dünner und empfindlicher. Reichhaltige Körperlotionen mit Inhaltsstoffen wie Urea oder Hyaluronsäure sowie das tägliche Eincremen nach dem Duschen können den Juckreiz spürbar lindern.

Verengte Scheide

„Ein Thema, über das kaum gesprochen wird, ist die sogenannte vaginale Atrophie beziehungsweise das genitourinäre Syndrom der Menopause. Durch den Östrogenmangel wird die Scheidenschleimhaut dünner und weniger elastisch. Teilweise kann sich die Scheide sogar deutlich verengen, was von Trockenheit und Brennen bis zu Schmerzen beim Sex oder häufigen Infektionen reichen kann“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff und betont ausdrücklich: „Niemand muss damit leben. Lokale Östrogentherapien oder spezielle Feuchtigkeitsgels können die Beschwerden oft deutlich lindern. Sprechen Sie Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen offen darauf an, denn es gibt wirksame und gut verträgliche Optionen.“

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Veränderter Körpergeruch

Viele Frauen bemerken bei sich plötzlich einen ungewohnten, intensiveren Körpergeruch. Der Schweiß riecht anders, manchmal schärfer oder metallischer. Auch das hängt mit den Hormonen zusammen, denn Hitzewallungen sorgen für stärkeres Schwitzen, während sich gleichzeitig die bakterielle Zusammensetzung auf der Haut verändert. Atmungsaktive Kleidung aus Naturfasern und regelmäßiges Duschen können helfen, das Gleichgewicht der Hautflora zu unterstützen.

Zungenbrennen

Das sogenannte Burning-Mouth-Syndrom äußert sich durch ein brennendes oder kribbelndes Gefühl auf der Zunge, den Lippen oder am Gaumen, häufig ohne erkennbare Ursache. Vermutet wird ein Zusammenspiel aus Hormonmangel, verändertem Nervensystem und Mundtrockenheit. Viel trinken, zuckerfreie Kaugummis zur Anregung des Speichelflusses und das Meiden scharfer oder säurehaltiger Speisen können die Beschwerden abmildern.

Geschmacksveränderungen

„Plötzlich schmeckt Ihr Kaffee unangenehm bitter, das Lieblingsessen wirkt fade oder manche Speisen sogar metallisch. Auch diese Geschmacksveränderungen können ein Symptom der Wechseljahre sein, denn tatsächlich beeinflussen Hormone auch den Geschmackssinn und die Speichelproduktion. Wer zusätzlich auch noch unter Mundtrockenheit leidet, nimmt Aromen oft deutlich schwächer wahr“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Ein Tipp: Frische Kräuter, Zitrusabrieb oder mildere Röstungen können helfen, den Geschmack wieder erlebbarer zu machen, ohne den Gaumen zu überreizen.“

Krankheitsgefühl ohne erkennbare Ursache

„Viele Frauen berichten in den Wechseljahren von einem diffusen Gefühl, ständig krank zu sein. Sie fühlen sich erschöpft und abgeschlagen, obwohl medizinisch nichts gefunden wird“, erzählt Frau Dr. Gößlinghoff. Hormonelle Schwankungen beeinflussen Schlaf, Immunsystem und das vegetative Nervensystem und können den gesamten Körper aus dem Gleichgewicht bringen. „Achten Sie in dieser Phase besonders auf regelmäßige Schlafzeiten, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung, um Ihren Körper auf natürliche Weise zu unterstützen.“

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Ohrgeräusche

Sie bemerken ein plötzliches Pfeifen, Rauschen oder Klingeln im Ohr? Auch dies kann mit den Wechseljahren zusammenhängen, denn Östrogenrezeptoren sitzen auch im Innenohr und beeinflussen dort Durchblutung und Reizverarbeitung. Zusätzlich verstärken Stress und Schlafmangel, beides häufige Begleiter der Wechseljahre, die Beschwerden oft noch. „Neu auftretender Tinnitus sollte immer ärztlich abgeklärt werden“, betont Frau Dr. Gößlinghoff. „Wenn keine organische Ursache gefunden wird, lohnt sich der Blick auf den Hormonstatus. Bei manchen Frauen kann eine Hormontherapie die Tinnitus-Symptome verbessern.“ Stressreduktion durch Achtsamkeitsübungen oder Yoga kann begleitend helfen, die Wahrnehmung der Ohrgeräusche zu lindern.

Herzstolpern und plötzliche Panikgefühle

Viele Frauen erschrecken sich in den Wechseljahren über plötzliches Herzrasen oder Herzstolpern, das häufig gemeinsam mit innerer Unruhe oder panikartigen Gefühlen auftritt. Auch hier spielen Hormone eine zentrale Rolle, denn der sinkende Östrogenspiegel beeinflusst das vegetative Nervensystem und kann die Stressreaktion des Körpers verstärken. „Herzstolpern sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Lässt sich eine organische Ursache ausschließen, können Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen helfen, das Nervensystem zu beruhigen“, rät Frau Dr. Gößlinghoff.

Eingefrorene Schulter

Auch Gelenk- und Schulterprobleme häufen sich in den Wechseljahren. Besonders bekannt ist die sogenannte „Frozen Shoulder“, eine schmerzhafte Schultersteife mit eingeschränkter Beweglichkeit. „Man vermutet, dass Östrogen auch entzündungshemmende Prozesse in Gelenken beeinflusst. Fehlt das Hormon, können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zunehmen“, so Frau Dr. Gößlinghoff. Sanfte Physiotherapie und gezielte Schulterübungen helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und Verspannungen zu lösen. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Aussichten.

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Wann Sie Beschwerden ärztlich abklären lassen sollten

Auch wenn viele Symptome hormonell bedingt und harmlos sind, sollten bestimmte Beschwerden immer ärztlich untersucht werden. Das gilt besonders dann, wenn Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Herzbeschwerden, Tinnitus, starke Erschöpfung oder ungewöhnliche Blutungen plötzlich auftreten, sehr stark ausgeprägt sind oder länger anhalten. Wichtig ist, die wahre Ursache zu finden und Beschwerden nicht vorschnell ausschließlich den Wechseljahren zuzuschreiben.

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Fazit

Die Wechseljahre sind ein Ganzkörperprozess. Der sinkende Östrogenspiegel kann sich an Stellen bemerkbar machen, an die viele Frauen zunächst gar nicht denken: von den Augen über die Haut bis zum Innenohr. Wer die Zusammenhänge kennt, kann Beschwerden besser einordnen, gezielter Hilfe suchen und unnötige Sorgen vermeiden. Vor allem aber gilt: Viele Symptome lassen sich behandeln, und niemand muss sie einfach hinnehmen.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Die Wechseljahre betreffen weit mehr als nur den Zyklus

„Treten bei Ihnen zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr plötzlich ungewöhnliche Beschwerden auf, lohnt es sich in jedem Fall, auch die Wechseljahre als mögliche Ursache mitzudenken und das Gespräch mit der Gynäkologin oder dem Gynäkologen zu suchen.“

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