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Die Folgen der Menopause

Je länger Frauen ohne Östrogen leben müssen, umso schlechter für Herz und Gehirn

Schützt Östrogen das Herz?
Das Sexualhormon Östrogen wird hauptsächlich in den Eierstöcken produziert Foto: Getty Images
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Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

7. Januar 2026, 10:55 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Östrogen bestimmt das Leben einer Frau – vom Einsetzen der Pubertät bis zur Menopause. Und danach? Was macht es mit dem Körper einer Frau, wenn er in der Postmenopause kein Östrogen mehr produziert? Die kurze Antwort: viel! Während der Perimenopause und der Wechseljahre durchlebt die Frau akute Beschwerden unterschiedlichen Ausmaßes, nach der Menopause erhöht sich ihr Risiko für verschiedene Krankheiten sprunghaft. Zufall? Wohl eher nicht. In der Forschung wird zunehmend davon ausgegangen, dass Östrogen eine schützende Wirkung hat und der Mangel im höheren Alter mit kranken und gebrechlichen letzten Lebensjahren in Verbindung steht. FITBOOK erklärt den aktuellen Wissensstand.

Osteoporose und allgemeine Gebrechlichkeit – das Risiko dafür steigt bei Frauen mit Ende ihrer fruchtbaren Lebensphase sprunghaft an. Auch mit der Herz- und Gehirngesundheit geht es dann häufig schnell bergab. Frauen leben durchschnittlich länger als Männer, verbringen einen großen Teil dieser Zeit aber im pflegebedürftigen Zustand. Ist das mit dem Stopp der Östrogenproduktion in der Menopause zu erklären? Dass Östrogenmangel mit Knochenschwund in Verbindung steht, ist bekannt. Ist Östrogen aber ebenso wichtig für die Herz- und Gehirngesundheit – und der durch die Menopause bedingte Mangel daher eine Ursache für Erkrankungen?

Auch interessant: Perimenopause – mehr als die Hälfte der Frauen zwischen 30 und 35 zeigt Symptome

Östrogen und Herz

Bis zum Eintritt der Wechseljahre haben Frauen im Vergleich zu gleichaltrigen Männern ein geringeres Risiko für Herzerkrankungen. In der Menopause steigt das Risiko enorm an und ist in der Postmenopause potenziell sogar höher als bei Männern. Was verändert sich? Richtig: der Östrogenspiegel. Laut einer Analyse verschiedener Studien schützt Östrogen das Herz-Kreislauf-System, indem es oxidativen Stress reduziert. In den dabei ausgewerteten Tierexperimenten zeigte sich, dass die Zugabe von Östrogen die Entstehung von Atherosklerose, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Vorhofflimmern signifikant hemmen konnte. Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass der Verlust von Östrogen zumindest teilweise den plötzlichen Anstieg des Herzerkrankungsrisikos bei postmenopausalen Frauen erklären kann.1

Östrogenmangel und Diabetesrisiko

Eine Studie der UTSouthwestern in Dallas fand heraus, dass Östrogen die Zellen, die die Blutgefäße auskleiden, dazu anregt, Insulin zu den Muskeln zu transportieren. Dadurch senkt sich der Blutzuckerspiegel und es besteht ein gewisser Schutz vor Diabetes Typ 2.2 Eine weitere Studie zeigte anhand eines Tierexperiments, dass Östrogenmangel mit stärkerer Insulinresistenz und einem erhöhten Diabetesrisiko einherging.3

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Schützt Östrogen das Gehirn?

Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer an Demenz und Alzheimer.4 Warum das so ist, ist noch nicht ausreichend geklärt, Faktoren wie geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunabwehr sowie Durchblutung und Informationsweiterleitung im Gehirn könnten eine Rolle spielen.5 In den Fokus der Forschung rückt aber auch der Faktor Hormone und dabei speziell die Bedeutung des weiblichen Sexualhormons.

Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit 273.260 Teilnehmerinnen lieferte spannende Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Östrogen und Demenz. Sie analysierte und verglich die Östrogenexposition der Frauen miteinander und mit dem Risiko für Demenz. Östrogenexposition ist die Zeitspanne zwischen erster Regelblutung und letzter Menstruation. Frauen, bei denen diese Zeitspanne länger war, hatten ein um 28 Prozent geringeres Demenzrisiko als Frauen mit kürzerer Östrogenexposition. Im Umkehrschluss könnte dies bedeuten, dass Östrogen eine das Gehirn vor Demenz schützende Wirkung hat.6

Eine Studie aus dem Jahr 2023 beschäftigte sich ebenfalls mit der Frage, ob Östrogen vor kognitivem Verfall schützt – und untersuchte, ob eine Östrogentherapie bei älteren Frauen ihr Alzheimerrisiko minimieren konnte. Tatsächlich zeigten sich positive Effekte der Hormontherapie, allerdings nur, wenn sie schnell genug nach Beginn der Menopause erfolgte – nämlich innerhalb der ersten fünf Jahre.7

Menopause – mehr als „nur“ Ende der Fruchtbarkeit

Die Forschung liefert immer mehr Hinweise, dass die Wechseljahre das Leben der Frau nicht nur im Kontext der Fruchtbarkeit einschneidend verändern und mit akuten belastenden Beschwerden einhergehen können. Die Menopause hat darüber hinaus weitreichende Folgen für das restliche Leben der Frau. Der für diese Lebensphase charakteristische Mangel an Östrogen wirkt sich auf die Gesundheit von Herz und Gehirn aus. Er steigert das Risiko für schwere Erkrankungen.

Quellen

  1. Xiang, D., Liu, Y., Zhou, S. (2021). Protective Effects of Estrogen on Cardiovascular Disease Mediated by Oxidative Stress. Oxid Med Cell Longev. ↩︎
  2. UTSouthwestern Medical Center. Study reveals how estrogen exerts its anti-diabetic effects (aufgerufen am 6.1.2025) ↩︎
  3. Vogel, H., Mirhashemi, F, Liehl, B. et al. (2013). Estrogen Deficiency Aggravates Insulin Resistance and Induces β-Cell Loss and Diabetes in Female New Zealand Obese Mice. Hormone and Metabolic Research. ↩︎
  4. Alzheimer Forschung Initiative e.V. Frauen und Alzheimer (aufgerufen am 6.1.2026) ↩︎
  5. Frauenportal. Weltfrauentag 2024: Warum Frauen häufiger an Alzheimer erkranken (aufgerufen am 6.1.2026) ↩︎
  6. Park, H.K., Marston, L., Mukadam, N. (2024). The Effects of Estrogen on the Risk of Developing Dementia: A Cohort Study Using the UK Biobank Data. Am J Geriatr Psychiatry. ↩︎
  7. Ali, N., Sohail, R., Jaffer, S.R. et al. (2023). The Role of Estrogen Therapy as a Protective Factor for Alzheimer's Disease and Dementia in Postmenopausal Women: A Comprehensive Review of the Literature. Cureus. ↩︎

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