18. September 2026, 20:01 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Sie sind klein, diskret und in Geschmacksrichtungen wie Minze, Mango oder Beeren erhältlich: Nikotin-Pouches erfreuen sich besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen wachsender Beliebtheit. Die nikotinhaltigen Beutel werden zwischen Oberlippe und Zahnfleisch platziert und geben ihren Wirkstoff über die Mundschleimhaut direkt an den Körper ab. Gesundheitsexperten sehen diese Entwicklung allerdings kritisch und warnen vor gesundheitlichen Risiken sowie einem hohen Suchtpotenzial.
Nikotin gelangt direkt ins Gehirn
Anders als bei Zigaretten entsteht beim Konsum von Nikotin-Pouches weder Rauch noch Geruch. Das enthaltene Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und gelangt von dort rasch in den Blutkreislauf und schließlich ins Gehirn. Dort stimuliert es die Ausschüttung von Botenstoffen wie Dopamin, die kurzfristig für ein Gefühl von Wachheit, Konzentration und Wohlbefinden sorgen können.
Genau dieser Effekt birgt jedoch Risiken. Experten weisen darauf hin, dass Nikotin zu den stark abhängig machenden Substanzen zählt. Untersuchungen des LMU Klinikums München und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) haben bereits auf das erhebliche Suchtpotenzial von Nikotinbeuteln hingewiesen.1
Risiken für Zahnfleisch und Mundschleimhaut
Besonders besorgt zeigen sich Zahnmediziner über mögliche Folgen für die Mundgesundheit. Dr. Doris Seiz, Zahnärztin und Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, erklärt: „Es fehlen noch Langzeitstudien, aber es ist viel zu gefährlich, darauf zu warten: Die Nikotinbeutel klemmen immer an der gleichen Stelle im Mund, wo eine dauerhafte mechanische und chemische Reizung entsteht. Das führt zu Mundschleimhautveränderungen, die wiederum Krebsvorstufen und schließlich Mundhöhlenkarzinome auslösen können.“
Darüber hinaus könnten die Produkte weitere negative Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben. „Die Nikotinbeutel verändern den pH-Wert im Mund, die Gefäße verengen sich, der Speichelfluss wird verringert und Entzündungen im Zahnfleisch entstehen“, so Seiz. Langfristig könne dies dazu beitragen, dass sich das Zahnfleisch zurückbildet. In schweren Fällen droht sogar ein Verlust der Stabilität einzelner Zähne.
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Teilweise mehr Nikotin als in einer Zigarette
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Nikotingehalt. Nach Angaben der DAK enthalten viele Nikotinbeutel durchschnittlich rund zehn Milligramm Nikotin pro Beutel. Einige Produkte erreichen sogar Werte von bis zu 47,5 Milligramm.
Ein hoher Nikotingehalt kann das Risiko einer Abhängigkeit zusätzlich erhöhen. Darüber hinaus kann Nikotin verschiedene Körperfunktionen beeinflussen. So steigen nach dem Konsum unter anderem Herzfrequenz und Blutdruck an. Bei einer hohen Aufnahme sind zudem Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel oder Kreislaufprobleme möglich.
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Besonders für Kinder gefährlich
Gesundheitsexperten warnen außerdem davor, dass Nikotin-Pouches für Kinder ein erhebliches Risiko darstellen können. Werden die Beutel versehentlich verschluckt, kann es zu schweren Vergiftungen kommen. Aufgrund ihrer bunten Verpackung und der süßen Geschmacksrichtungen könnten die Produkte für Kinder besonders attraktiv wirken.
Woran erkennt man eine Nikotinüberdosierung?
- Übelkeit
- Schwindel
- Herzrasen
- Kopfschmerzen
- Zittern
- Konzentrationsstörungen
- Kreislaufprobleme
Treten diese Symptome nach dem Konsum von Nikotin-Pouches auf, sollte auf weitere Nikotinzufuhr verzichtet und bei starken Beschwerden medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Fazit
Nikotin-Pouches gelten oft als unauffällige Alternative zu Zigaretten. Aus gesundheitlicher Sicht sind sie jedoch keineswegs harmlos. Experten verweisen auf das hohe Suchtpotenzial sowie mögliche Risiken für Mundgesundheit, Herz-Kreislauf-System und Nervensystem. Insbesondere bei regelmäßigem Konsum und hohen Nikotindosen besteht aus ihrer Sicht Anlass zur Sorge.